“Gegen Rassismus und Intoleranz – auf den Straßen und in den Parlamenten”

Die im Frühjahr 2016 in Berlin gegründete Bündnis-Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ veranstaltete am 01. und 02.09.2018 eine Aktivenkonferenz in Frankfurt/Main. Bereits am 31.08. fand eine Podiumsdiskussion im DGB-Haus zum Auftakt der Konferenz statt. An der Konferenz nahmen rund 250 Personen teil, darunter auch Aktivisten aus dem Rhein-Neckar-Raum und der Südpfalz. Das Open-Air-Konzert „Rock gegen Rechts“, das parallel zum ersten Konferenztag statt fand, zählte etwa 15.000 BesucherInnen. KIM war dabei und berichtet exklusiv.

 

 

 

“Keine AfD in den hessischen Landtag”

Unter diesem Motto stand die Podiumsdiskussion am Freitagabend, welche den Auftakt zur Konferenz bildete. Gesprochen und diskutiert haben
Dr. Ulrich Schneider (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Eva Berendsen (Bildungsstätte Anne Frank), Ulrike Foraci (Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen – agah), Hibba Kauser (Aktivistin gegen Abschiebungen, Offenbach) und Maike Wiedwald (GEW).

In Hessen wird, wie auch in Bayern, im Oktober 2018 der Landtag neu gewählt. Umfrageergebnissen zufolge hat die AfD reelle Chancen in beide Landesparlamente einzuziehen. Viele Menschen sehen die AfD, von Experten als Partei mit zunehmend faschistoiden Zügen charakterisiert, als Gefahr für die demokratische Grundordnung in Deutschland. Lauter werden die Stimmen, die fordern, dass die Partei vom Verfassungsschutz beobachtet werden muss.

 

Chemnitz und „Die AfD als parlamentarischer Arm einer rechten Sammlungsbewegung“

Eröffnet wurde die Konferenz am 01.09. durch Judith Amler (Attac).
Christine Buchholz (MdB Die Linke) sprach das Grußwort für das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus und gab eine Stellungnahme zu den Geschehnissen in Chemnitz ab.
Den Inputvortrag „Die AfD als parlamentarischer Arm einer rechten Sammlungsbewegung“ hielt Andreas Kemper (Publizist und Soziologe, Münster).

Vor der Mittagspause verlas Judith Amler den Chemitzer-Solidaritätsaufruf, den die Konferenz an die AktivistInnen in Sachsen richtete. An diesem Tag fanden erneut Aufzüge rechter Gruppierungen, u.a. mit der rechtsextremen Partei Pro-Chemnitz, der AfD und PEGIDA, in Chemnitz statt, die von massiven Gegenprotesten begleitet wurden.

Am Nachmittag fanden diverse Workshops statt. Die Themen waren beispielsweise „Antifeminismus und reaktionäres Gesellschaftskonzept“, „Gewerkschaftsfeindlichkeit und die soziale Frage“ und „Formen rechter Vernetzung auf der Straße“. Inhaltlich ging es in den Workshops um die politische und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der AfD und weiteren rechtsradikalen Strukturen, wie beispielsweise der Identitären Bewegung.

„Rock gegen Rechts“ lockt Tausende auf den Opernplatz – Antifaschistische Spontandemo

Der DGB Hessen veranstaltete parallel zum ersten Konferenztag ab 12 Uhr das Open-Air-Konzert „Rock gegen Rechts“ auf dem Frankfurter Opernplatz. Nach Veranstalterangaben kamen 15.000 BesucherInnen. Diverse Organisationen hatten im Umkreis des Konzerts Infostände aufgebaut. Auch das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus war dort vertreten. AktivistInnen verteilten Flyer und Aufkleber an die Konzertbesucher und standen für Gespräche zur Verfügung. Ansteckbuttons wurden gegen Spende angeboten. (Die Bündniskampagne mit Sitz in Berlin finanziert sich, ebenso wie die meisten der rund 20 Regionalgruppen, ausschließlich über Spenden).

 

Nach 23 Uhr, so Augenzeugen, zogen vom Veranstaltungsort zahlreiche AntifaschistInnen zu einer Spontandemo durch die Frankfurter Innenstadt los. Es wurde ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und gegen die demokratiefeindliche AfD gesetzt, ebenso wurde für mehr Solidarität mit Geflüchteten und für eine offene Gesellschaft geworben.

„Die Landtagswahlen 2018/2019: Was tun gegen die AfD?“ (inkl. Kommunal- und Europawahlen 2019)

Mit diesem Thema starteten ca. 40 TeilnehmerInnen bei einem Workshop in den zweiten Konferenztag am 02.09.. Es erfolgte ein Erfahrungsaustausch was bisherige Aktionskampagnen vor Wahlen angeht. Ein Schwerpunkt der Diskussion bildeten die Landtagswahlen in Hessen und Bayern in diesem Herbst. Die Kampagne will spezielle Materialen zur Verfügung stellen, um Aktionen zu den Kommunal-/Europawahlen 2019 und weiteren Landtagswahlen im kommenden Jahr zu unterstützen. Moderiert wurde dieser Workshop von Ulrike Eifler (DGB Südosthessen) und Christine Buchholz (MdB Die Linke). Weitere Workshops beschäftigten sich mit Themen wie z.B. „Lokal und regional von der AfD Angegriffene vernetzen“, „Entwicklung von zielgruppenspezifischen Materialien“ und „Weiterentwicklung der StammtischkämpferInnen-Seminare“.

Rückmeldung aus Chemnitz und „Aufstehen gegen Rassismus: Der Kampf gegen den Aufstieg der Rechten in Europa“

Christine Buchholz verlas ein Grußwort von „Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz“. Gedankt wurde für die Solidaritätsbekundung, welche die Konferenz am Vortag nach Chemnitz gesandt hatte. Die Aktiven in Sachsen berichteten von einem erfolgreichen Protest mit ca. 4-5 tausend Menschen am 1.9. gegen den Aufzug faschistoider Kräfte (AfD, PEGIDA, pro Chemnitz und weiteren Neo-Nazis und Hooligans).

Die Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit dem Thema „Aufstehen gegen Rassismus: Der Kampf gegen den Aufstieg der Rechten in Europa“.

Auf dem Podium waren Cornelia Kerth (VVN-BdA), Ulrike Schmidt und Raymond Bennet (Stand up to Racism, Großbritannien), Hamado Dipama (Bayerischer Flüchtlingsrat) und David Albrich (Plattform für eine menschliche Asylpolitik, Österreich). Sandoz Szoke (Roma Parlament Ungarn) konnte aufgrund juristischer Differenzen mit der Regierung und wegen seiner Überwachung durch den ungarischen Geheimdienst nicht anreisen. Moderiert wurde die Diskussion von Judith Amler (Attac).

Die Verabschiedung der Abschlusserklärung durch die TeilnehmerInnen bildete den Schlusspunkt der Konferenz.

Link zur Konferenzseite, auch mit den Erklärungen „Chemnitz“ und zur Konferenz: https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/aktivenkonferenz/

(Bericht: Christian Ratz – Bilder: Christian Ratz, K.-H. P. und T.O.)

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#wirsindmehr: Heidelberg zeigt Solidarität mit Chemnitz

(jb) Nach Aufmärschen von Rechtsextremen in Chemnitz fand auch in Heidelberg eine spontane Solidaritätskundgebung statt. Hier hatte die SPD zusammen mit Heidelberg gegen Rassismus auf dem Bismarckplatz dazu aufgerufen.

Eine knappe Woche nach den Aufmärschen Rechtsradikaler in Chemnitz gingen am Montagabend Menschen in Heidelberg aus Solidarität auf die Straße.

Auf unsägliche Weise wird derzeit der Tod eines Deutschen mit kubanischen Wurzeln von offen rassistischen und faschistischen Kräften ausgenutzt. Es ist einfach nur widerlich, mit Hitlergrüßen und mit der Jagd auf Menschen anderer Hautfarbe sowie mit ausländerfeindlichen Parolen und Transparenten jetzt seiner zu „gedenken“.

Mit dem Motto dieser Veranstaltung: #Wirsindmehr und Solidarität heißt Widerstand zeigen wir, dass wir mehr sind, die Hass, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Queerfeindlichkeit und Faschismus aufs Schärfste verurteilen.
Mehr als 1000 Menschen sind dem Aufruf der Organisatoren gefolgt und haben an der Kundgebung teilgenommen. Der Bismarckplatz platzte aus allen Nähten.

Marlen Pankonin (Kreisvorsitzende der SPD) eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: „Es ist Zeit, gemeinsam für unsere Werte einzustehen und Flagge zu zeigen. Wollen wir wirklich, dass in Deutschland immer mehr Hass, Hetze und Angst regieren? Wir, die Organisatorinnen und Organisatoren sagen laut: NEIN! NICHT MIT UNS!“

„In unserem Land werden wieder Menschen durch die Straßen gejagt. Am helllichten Tag. Unter den Augen hunderter Beobachterinnen und Beobachter. Sie stehen da, mit Händen in den Taschen oder schlimmer noch: johlend und Beifall klatschend.

Diesen Leuten muss man JETZT sagen: Es reicht. Wer bei solchem Unrecht nicht einschreitet, trägt eine Mitschuld! Wer hinter Menschen, die den Hitlergruß zeigen, die Nazi-Symbole tragen und Nazi-Lieder singen hinterher läuft, muss sich als NAZI bezeichnen lassen.“

„Nur gemeinsam schaffen wir es, die Probleme in unserem Land und in unserer Stadt zu lösen. Im Sinne der Menschen. Mit ehrlichen Antworten auf wichtige Fragen. Und es ist gut, dass wir gemeinsam ein breites Heidelberger Bündnis auf die Straße bekommen. Gegen rechte Gewalt. Gegen Rassismus. Immer und immer wieder.

Johnny Brambach (Heidelberg gegen Rassismus) sprach davon, nicht länger zu schweigen. „Die Anständigen müssen jetzt auf die Straße und der AfD und ihren widerlichen Anhängseln deutlich machen, dass mit ihrem Hass und ihrer Hetze jetzt Schluss ist.

Wer mit diesen Leuten auf die Straße geht, hat seine Menschlichkeit definitiv verloren. Würdelos wird jeder Anlass für nationalistische Hetze, Spaltung und reaktionäre Forderungen genutzt“. AfD und Neonazistischen Akteuren ist es viel zu lange möglich gewesen, „weitestgehend unwidersprochen“ zu agieren.

„Wenn wir jetzt nicht laut widersprechen und auf die Straßen gehen, geben wir dem Rassismus und dem Rechtsextremismus eine gewisse Normalität“. Auch kritisierte er das Verhalten der Kreisverwaltung Germersheim im Umgang mit Gegenprotesten in Kandel. Proteste gegen die allmonatlichen rechten Aufmärsche werden dort regelrecht beschnitten und somit das rechte Spektrum klar hofiert.

„Ein Zeichen setzen reicht jetzt nicht mehr, der Widerstand gegen den Rassismus muss viel breiter sein. Er muss von überall aus der Gesellschaft kommen“.

Beate Deckwart-Boller (Bündnis 90 Grüne) forderte ebenfalls die Bevölkerung auf, jetzt laut und mutig zu sein. Gerade in einer Demokratie sei es jetzt umso wichtiger eng zusammen zu stehen… egal welcher Partei man angehöre. Ich verurteile auch die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. Die Pressefreiheit in unserem Land ist ein hohes Gut, das wir verteidigen müssen.

Alexander Hummel (Die Linke Heidelberg) sagte, dass die Rechten ein Trugbild von Daniel H. entworfen haben, weil Daniel H. nicht in ihrem Sinne als Opfer taugte. „Daniel H. war Deutsch-Kubaner, hatte in der Vergangenheit selbst Probleme mit Nazis, denen er nicht deutsch genug aussah, er war Demokrat und Antifaschist. Bei den Ausschreitungen waren nicht nur braune und blaue Nazis, sondern auch ‚gewöhnlich wirkende Bürger‘. Man ist aber kein besserer Teil eines braunen Mobs, wenn man dabei einen Kinderwagen vor sich her schiebt. Das zeigt, wir brauchen auch eine soziale Offensive für Alle“.

Hannah Zielke (Jusos Heidelberg) u. Franziska Heinisch (Hochschulgruppe Heidelberg): Rechte Gewalt darf nicht relativiert werden, sich gegen sie zu stellen ist das was wir tagtäglich tun müssen: „Echte, aufrechte Demokrat*innen sind immer Antifaschistisch“ Wir können nicht alle nach Chemnitz fahren und dort dem rechten Mob entgegentreten. Aber wir können hier in unserer Stadt Gesicht zeigen. Wir stehen Seite an Seite mit denjenigen Menschen, die Opfer von Hass und Menschenfeindlichkeit werden. Sie sind nicht allein!

Wir stehen Seite an Seite mit all den Menschen, die genau diesen Schritt heute gehen – ob in Chemnitz oder anderswo – um zu zeigen: diese Verhältnisse sind nicht Teil von unserem Land, dies ist nicht unsere Idee von einer offenen Gesellschaft.

Elisa (Seebrücke): Seit 2014 sind auf dem Mittelmeer rund 17.000 Menschen ertrunken. Die Zahl wäre noch viel höher, hätten seither nicht viele Freiwillige in Seenot geratene Menschen gerettet. In diesen Sommer hat die Katastrophe eine neue Dimension erreicht.

Der Aquarius, der Lifeline, SOS Mediterrane – sämtlichen Rettungsschiffen wird die Ausreise und Hilfe auf See verwehrt. Der Kapitän der Lifeline, Claus-Peter Reisch verantwortet sich weiterhin vor dem Maltesischen Gericht. Er sagt: „Ich habe 234 Menschen das Leben gerettet, ich bin mir keiner Schuld bewusst“.

Unterdessen geht die Abschottung Europas weiter.
Die Naziausschreitungen in Chemnitz haben erschreckend eindeutig gezeigt, wie fragil unsere Demokratie heute ist.
Die ‚Seebrücke‘ entstand im Sommer, weil es heute eine Politik von rechts gibt, die es überhaupt erst zulässt, dass darüber verhandelt wird, ob man Menschen, die sich in Seenot befinden, lieber sterben lassen als retten sollte.

Die Seebrücke ist dabei nicht nur ein klares Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit und Solidarität,
sie ist vor allem eine Geisteshaltung. Die Naziausschreitungen in Chemnitz und die Politik der Abschottung sind nicht getrennt voneinander zu betrachten.
Wir können es uns nicht mehr erlauben keine Haltung zu zeigen.

Diese Zeit erfordert unsere kollektiv-demokratische Offensive, sie erfordert unser aller Wachsamkeit, unseren Mut und vor allem unseren Zusammenhalt.

Johannah Illgner vom Queerfeministisches Kollektiv forderte die Menschen auf, sich zu Wort zu melden. „Meldet euch zu Wort, wenn Frauen benachteiligt und nicht gleichbehandelt werden! Meldet euch zu Wort gegen das tiefbraune antifeministische Gebaren. Steht auf, wenn queere Personen Unterstützung brauchen.

Gleichgeschlechtliche Liebe, Regenbogenfamilien und Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen, sind die Normalität, denn wir sind eine bunte, diverse und vielfältige Gesellschaft. Seid laut, wenn jemand rassistisch ist! Nicht nur auf der Straße und bei Demos, auch im privaten Umfeld, im Beruf, im Internet und in der Straßenbahn. Seid laut gegen rassistische Politiken. Akzeptiert es nicht, dass alle, die sich gegen rechts einsetzen auf einmal zu Linksextremen abgestempelt werden.

Akzeptieren wir nicht die Relativierungen, dass wir ein Problem von Links hätten. Das haben wir nicht, wir haben ein massives Problem von rechts!!! Lasst uns solidarisch untereinander sein, lasst uns gerade jetzt in unseren Kämpfen nicht auseinanderdividieren, sondern lasst uns zusammenstehen und uns unterhaken.

Aber nicht nur im Geiste, sondern ganz real. Werdet aktiv, setzt euch ein. Lasst uns nicht nur „Aufstehen“, lasst uns mit geradem Rücken stehen bleiben!

Claude Villeneuve (Musiker)  „Auch ich hatte den Eindruck, dass es jeder Teilnehmer ernst meinte und die Solidarität mit Chemnitz ein wichtiges Zeichen für die Menschen in Sachsen war. Das Ganze war toll organisiert am besten hat mir die friedliche Stimmung gefallen. Danke, dass ich dabei sein durfte.

Matthias Kutsch (CDU, Stadtrat) Chemnitz hat uns erschüttert, aber nicht sprachlos gemacht. Wir sind heute hier, weil wir ein deutliches und kraftvolles Zeichen setzen wollen für unseren demokratischen Rechtsstaat, in dessen Verfassung gleich am Anfang steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Tanja Sattler (Vorsitzende Aufstehen gegen Rassismus Südpfalz e.V) Die AfD hat das gesellschaftliche Klima nach rechts gerückt – das spüren die von Rassismus Betroffenen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Kulturschaffende, gesellschaftliche Minderheiten und alle Menschen, die sich gegen Rassismus engagieren.

Die rassistischen Mobilisierungen und die Hetzjagd in Chemnitz sind auch ein Ergebnis dieser Entwicklung“. In Chemnitz ist es Rassist*innen und Neonazis gelungen, für ihren Hass gegen Flüchtlinge und Migrant*innen eine Massenbasis zu finden.

Mit Abscheu und Entsetzen haben wir gesehen, wie sie – gerufen von AfD, NPD, Pegida, den rechtsradikalen Fußballfans „Kaotic Chemnitz“, und „Pro Chemnitz“ – Menschen gejagt, Hetzparolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt haben. Es ging nicht um „Selbstschutz“ oder „Selbstverteidigung“, wie führende AfDFunktionäre wie Gauland, Meuthen und Weidel behaupten. Es ging auch nicht um Selbstjustiz, wie in Medien zu lesen war. Denn die angegriffenen Menschen hatten nichts getan, außer „ausländisch“ auszusehen.

Es ist eine Schande, wenn Alexander Gauland es normal findet „dass Menschen ausrasten, wenn eine solche Tötung passiert.“ Es zeigt den Charakter der AfD, wenn Gauland den Aufruf zur rassistischen Hassorgie durch den AfDBundestagsabgeordneten Markus Fronmaier verteidigt. Er hatte am Tag zuvor dazu aufgerufen „die todbringende Messerimmigration zu stoppen.“

Durch die gezielte Falschmeldung, dass das Opfer H. getötet wurde, als er eine Frau gegen sexuelle Belästigung verteidigte, haben die Organisator*innen der Hetzjagden an gängige Vorurteile appelliert, Migrant*innen würden deutsche Frauen belästigen.

2017 gab es 405 Morde und 2400 weitere Tötungsdelikte in Deutschland. Die große Mehrzahl dieser Straftaten wurde von Menschen „deutscher Abstammung“ begangen. Es geht den rechten Hetzer*innen weder um die Sicherheit der Bürger noch um die Verhinderung von Gewalttaten. Es geht ihnen darum, eine Pogromstimmung zu schaffen, die Geflüchtete und Migrant*innen in Angst und Schrecken versetzen und zur Flucht aus Deutschland bewegen soll.

Die neue Qualität der rassistischen Demonstrationen von Chemnitz hat mindestens zwei Väter:

Erstens die AfD, die aus ihrer offenen Zusammenarbeit mit Neonazis von Pegida und Pro Chemnitz keinen Hehl mehr macht. Die Wahlerfolge der AfD geben den Rassist*innen und Neonazis Mut und Auftrieb.

Zweitens aber jene Politiker*innen der konservativen Rechten wie Innenminister Seehofer, der seit Monaten gegen Flüchtlinge und Asylsuchende Stimmung macht, indem er sie als „nationale Gefahr“ hinstellt. Auch das hat die Neonazis in der AfD und rechts von der AfD zu ihren Aufrufen zur „Selbsthilfe“ an die Bürger*innen ermutigt.

Zur Normalisierung von Rassismus und Faschismus beigetragen haben auch CDU Politiker, indem sie öffentlich über eine mögliche Regierungskoalition mit der AfD spekulieren.

Der rassistische Hassausbruch von Chemnitz betrifft uns alle. Chemnitz droht überall, nicht nur in Ostdeutschland. Auch in Kandel (Pfalz) mobilisieren AfD und andere Nazigruppen mit der Hetzparole „Ausländerkriminalität“ über Monate gegen Migrant*innen.

Wir sagen:
• Schluss mit der Verharmlosung der AfD als „rechtspopulistische“ oder „nationalkonservative
Partei“. Die AfD ist Sammelbecken für alle Schattierungen der
extremen Rechten, eine faschistische Partei im Werden.
• Schluss mit der Normalisierung der AfD als möglicher Partner für
Regierungsbeteiligungen.
• Seine Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag, Länderparlamenten und
Kommunen.
• Schluss mit dem Gerede von „besorgten Bürger*innen“, die ihre Wut und ihren
Hass an allen auslassen, die anders aussehen als sie selbst. Das ist pure
Menschenverachtung.

Unsere Solidarität gilt zuerst den Menschen, die in Chemnitz durch die Straßen
gejagt, bedroht, verletzt wurden. Sie brauchen ein deutliches Zeichen aus der
Gesellschaft, dass sie nicht mit dem Mob alleine gelassen werden.
Unsere Solidarität gilt allen, die aufstehen und der AfD die Stirn bieten. Das gilt in
diesen Tagen ganz besonders für die, die in Chemnitz den Rassist*innen und
Nazis nicht die Straßen überlassen. Ihr seid nicht allein.

Zu erwähnen wäre auch noch, dass am Rande der Kundgebung einige der bekannten AfD Mitglieder Heidelberg/Rhein Neckar und der Identitäten Bewegung anwesend waren. Sicherlich mit dem Vorsatz die Veranstaltung mit Zwischenrufen wie üblich zu stören. Mit so viel Zulauf von aufrechten Menschen haben sie wohl nicht gerechnet… Es ist gut, wenn sie merken: #wirsindmehr

Artikel (jb) Foto: (dk)

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„Unsere Jugend muss noch radikaler werden“

Am 31.08.18 lud die Sommertour der Partei Die Linke in Rheinland-Pfalz nach Kaiserslautern ein. Rund 500 Menschen kamen zur der Veranstaltung zu der Alexander Ulrich (MdB) eingeladen hatte. Mit von der Partie waren Brigitte Freihold (MdB) und der Friedenspfarrer der evangelischen Kirche Detlev Besier (Speyer). Auch aus Mannheim und dem Rhein-Neckar-Raum kamen zahlreiche BesucherInnen, um dem Gastredner Gregor Gysi ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Viele Themen wurden angesprochen – eines nicht

Um es vorweg zu nehmen, „Aufstehen“ wurde von keinem der RednerInnen angesprochen. Ein offenes Mikrofon wurde den BesucherInnen nicht angeboten. Zeitliches Missmanagement oder bewusste Taktik der Veranstalter? Es hätte zu diesem Thema sicherlich viele Fragen gegeben.

Viele wichtige Themen wurden in den Reden angesprochen.

Es ging von „Kerosinablässen aus Flugzeugen über dem Pfälzer-Wald“, „Zuviele Kirchenvertreter halten auf der Kanzel die Münder verschlossen“, „Chemnitz und Kandel“, „dem 1.9. als Antikriegstag“, „Ramstein und Drohneneinsätze“, „Auslandseinsätze der Bundeswehr“, „Mieten, Renten, Pflege und Steuerpolitik“, „G7 versus G8“, „Groko-Kritik“, bis hin zu „Außen- und Wirtschaftspolitik und Rüstung/Abrüstung“ und „Rechtspopulismus“.

Es gab kaum ein Thema, welches nicht in der ein oder anderen Form, angesprochen wurde. Außer „Aufstehen“.

Wenn Leerstand zu einem Thema für die Jugend wird

Laut Gregor Gysi hat Berlin nicht nur ein Problem mit explodierenden Mieten, sondern auch ein Problem mit der sinnvollen Verwendung von ca. 10.000 leerstehenden Wohnungen. Junge Menschen hätten diese Leerstände identifiziert und haben auf diesen Missstand mit zum Teil medienwirksamen Aktionen aufmerksam gemacht. Kurzfristige protestmäßige Besetzungen der leerstehenden Wohnräume waren Aktionen, eine Form des zivilen Protests, um gegen die profitorientierten Interessen der Eigentümer und bestimmter Immobilienhaie, mit sichtbaren Markierungen der Leerstände mit Luftballonen, die der Öffentlichkeit die Misere offenbart haben. Nicht ohne Wirkung. Gregor Gysi wünscht sich von der Jugend, dass diese noch radikaler wird mit dem Anprangern von offensichtlichen Ungleichheiten.

Was Chemnitz mit Kandel zu tun hat und weshalb die neuen Bundesländer anders ticken

Gregor Gysi sagt „Dass es in der Ex-DDR kaum Berührungspunkte mit Migranten, muslimischen Glaubens, gab. Ausnahmen waren die Leipziger-Messe und Besucher aus West-Berlin, die den Ostteil der Stadt besuchten (vor der Wiedervereinigung).“ Die Menschen in den neuen Bundesländern waren darauf schlicht und einfach nicht vorbereitet worden, von der Bundesregierung 2015 und in Folge was die Flüchtlingspolitik angeht. Dieser Umstand wurde von den RednerInnen am Veranstaltungstag nicht klein geredet. Im Gegenteil, es wurde von allen RednerInnen zur Solidarität mit Chemnitz und Kandel und allen von rechten Aufzügen betroffenen Gemeinden unterschwellig in den entsprechenden Beiträgen aufgerufen.

Alexander Ulrich brachte es auf den Punkt (sinngemäss): „Die Bilder, die wir aus Chemnitz ertragen mussten, was rechte Agitatoren Monat für Monat in Kandel veranstalten, ist unerträglich. So etwas will ich in Kaiserslautern nicht haben.“

(Bericht und Bilder: Christian Ratz)

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