Unangemeldete Klimademo: Extinction Rebellion blockierte die Fressgasse

In der Fressgasse hat heute die Klimagerechtigkeitsbewegung Extinction Rebellion mit einer Straßenblockade für Aufmerksamkeit gesorgt, um für eine autofreie Innenstadt Druck zu machen.

„Die Klimakatastrophe bedroht unsere absoluten Lebensgrundlagen und damit wir es noch schaffen, müssen wir dringend auch die Verkehrswende starten”, meint die Sprecherin Pia. „Ein kostenloser und verbesserter ÖPNV ist dabei genauso wichtig wie eine autofreie Innenstadt.”

Statt Autos stand so für mehrere Stunden in der Fressgasse neben den 30 Aktivisti nur ein Holz-SUV, an den sich zwei Menschen anketteten, um die Blockade zu verlängern. Unterstützt wurden sie dabei von einer Person auf einer Laterne, die von dort eine Rede über die Klimakrise und Verkehrswende hielt.

Während die Blockade um 13 Uhr begann, hatten bereits in der Nacht unbekannte Personen Parkhäuser als besetzt markiert und Schilder abmontiert, um Fahrradstraßen für Autos zu sperren. Extinction Rebellion begrüßt diese Tat.

Im letzten Jahr sorgten sie bereits mit einer Blockade des Paradeplatzes und der Augustaanlage für Aufmerksamkeit. „Monate über Monate wurden wir von der Stadt ignoriert, jetzt müssen wir die Verkehrswende wohl selbst in die Hand nehmen”, meint Simone Kirsch. „Wir rasen mit der Klimakrise auf direktem Weg gegen die Wand und wir möchten nicht tatenlos dabei zusehen, wie unsere Zukunft zerstört wird.”

Nach 3 Stunden wurde die Blockade von der Polizei aufgelöst, die Bewegung kündigt allerdings weitere Aktionen an, solange Mannheim nicht seine Stadtplanung konsequent am 1,5°-Limit ausrichte.

(Pressemitteilung Extinction Rebellion Mannheim | Fotos: Joe Pohl)

Ergänzung aus der Polizeimeldung: Die Polizei berichtete in einer Pressemeldung vom großen Aufwand der Räumung der Blockade. „25 Personen demonstrierten auf der Straße stehend und sitzend zum Thema Klimawandel. Die Straße wurde zudem durch mitgebrachte Hilfsmittel, wie Blumentöpfe und ähnlichem, blockiert. Mehrere Personen waren mittels Bügelschlössern an einem aus Paletten und Pappe gefertigten Automodell angeschlossen. Eine Person hatte sich zudem selbst mit Klebstoff an den Füßen auf dem Straßenbelag festgeklebt. Ein weiterer  Demonstrationsteilnehmer bestieg einen Laternenmast und harrte hier in ca. vier Metern Höhe bis zum Ende der Blockade aus.“ Mit Hilfe der Feuerwehr sei die Blockade nach zweieinhalb Stunden geräumt worden. 18 Personen seien kontrolliert worden, eine Anzeige habe es wegen Widerstand gegeben. Zudem habe ein Bräutigam die Aktivist*innen angegriffen, weil er nicht zu seiner Hochzeit durchkam. Auch er bekam eine Anzeige wegen Körperverletzung.

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Tausende auf der Straße vor der großen Klimawahl [mit Bildergalerie und Video]

Das ganze System verändern oder doch lieber die etablierten Parteien wählen? Der Klimastreik fand zwei Tage vor der Bundestagswahl statt.

„Bundestagswahl = Klimawahl“ stand auf dem Schild einer Teilnehmerin der Demo zum globalen Klimastreik. Am 24. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl gingen auch in Mannheim mehrere tausend Menschen unter dem Motto „Alle fürs Klima“ auf die Straße. Sie forderten eine Klimapolitik auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, einen Ausstieg aus der Kohle und eine neue Verkehrspolitik.

Trotz oder gerade wegen der Bundestagswahl blieb das Verhältnis den Parteien gegenüber skeptisch. „Keine Partei hat einen Plan, wie wir das 1,5 Grad Ziel erreichen können“, sagte ein Sprecher von Fridays for Future Mannheim bei der Abschlusskundgebung.

So fand auf der Demo selbst auch kaum Wahlkampf statt. Im hinteren Teil fuhr ein Melis-Sekmen-Lastenrad der Grünen. Vereinzelt gab es Sympathiebekundungen für Linke und Grüne, insgesamt hielten sich Politiker*innen aber im Hintergrund.

Videobeitrag bei Youtube: https://youtu.be/xu5PU0YU2v0

GKM abschalten und umdenken in der Verkehrspolitik

Stattdessen ging es um konkreten Forderungen und Fakten. „Unser Restbudget an CO2-Austoß sind nur noch 16 Millionen Tonnen“ erläuterte der Redner von Fridays for Future. Das Mannheimer Kohlegroßkraftwerk (GKM) stoße bereits soviel aus, dass die Hälfte des Volumens erreicht sei. Man könne sich leicht ausrechnen, ob es mit der Einsparung klappen wird, wenn das GKM noch Jahre lang weiter am Netz bleibt.

Die schnelle Abschaltung des GKM war eine wichtige Forderung. Eine weitere war ein Umdenken in der Verkehrspolitik. „Bisher wird der Fahrradverkehr nur in den Autoverkehr integriert“, so der Redner. Das müsse sich ändern. Fahrradschnellverbindungen durch die Stadt seien ein Beispiel dafür, wo es kaum voran gehe. Auch das Thema autofreie Innenstadt erfährt Rückschläge. Doch der Klimwandel lasse der Menschheit keine Zeit. „Die beste Zeit zu handeln war gestern“, drückte es eine Teilnehmerin der Demo aus.

Die Verkehrswende war vielen Teilnehmer*innen ein wichtiges Anliegen

Starkes Bündnis und Klimacamp am Alten Messplatz

Die Veranstalter*innen von Fridays for Future Mannheim freuten sich über die gute Beteiligung der zahlreichen gesellschaftlichen Initiativen in der Stadt. „Wir sind ein starkes Bündnis“ betonte ein Sprecher und berichtete, dass 4.500 Menschen auf der Demo gezählt wurden. Auch die Kooperation mit weiteren klimapolitischen Initiativen, Wissenschaftler*innen und Organisationen, wie Mannheim Kohlefrei, dem Fahrradbündnis, aber auch kurdischen und feministischen Gruppen wurde positiv hervorgehoben.

In den Tagen vor dem großen Klimastreik fand am Alten Messplatz ein Klimacamp statt. Zur Vernetzung und zur ausführlichen Beschäftigung mit Inhalten hatte die Klimabewegung das Camp initiiert und durfte dafür das Gelände des ALTER nutzen. Täglich gab es Vorträge, Diskussionen und praktische Workshops.

Klimacamp am Alten Messplatz

Die Klimawahl

Bundestagswahl 2021: Die Erkenntnis, dass die Alten über die Zukunft der Jungen entscheiden

Mehr als 600.000 Menschen, davon alleine 100.000 in Berlin, sollen sich in Deutschland in rund 400 Städten am globalen Klimastreiktag 24. September beteiligt haben. Welche Auswirkungen die Proteste auf die Bundestagswahl haben, ist schwer zu sagen. Während die CDU vielerorts scharf kritisiert wird, kommt die SPD teils glimpflich davon, obwohl sie doch für die herrschenden Zustände aufgrund jahrelanger Regierungsbeteiligung maßgeblich mitverantwortlich ist. FFF-Aktivistin Luisa Neubauer sagt aber in Berlin in Richtung Olaf Scholz: „Wir streiken auch gegen die Politik der SPD“.

Kritik an den Grünen gibt es von den Aktivist*innen immer wieder, gerade was die Betrachtung der Regierungspolitik in Baden-Württemberg angeht. DIE LINKE kommt in den Analysen besser weg, doch bei der Basis der Klimabewegung, vor allem bei der älteren Generation, dürfte sich ein grüner Mainstream verbreitet haben. Meist siegt der Pragmatismus. Während DIE LINKE gefährlich nah an der 5%-Hürde entlang schrammt, dürfen sich die Grünen konkrete Hoffnungen auf eine Regierungsbeteiligung machen. Taktische Überlegungen und die „Wahl des kleineren Übels“ werden sich bei vielen klimapolitisch aktiven Menschen durchsetzen, denn Parteiideologie ist der Bewegung fremd. Dennoch war auf vielen Schildern zu lesen: „Geht wählen!“

(Text: cki / Bilder: cki/scr)

Bildergalerie

 

 




Fürs Klima und gegen die AfD: Demos vor der Bundestagswahl

Archivbild: Fridays for Future – Demo in Mannheim

Neben den zahlreichen Veranstaltungen der Parteien macht auch die außerparlamentarische Opposition im Endspurt vor der Bundestagswahl noch einmal mobil. Zum Wahlwochenende rufen Fridyas for Future und das Offene Antifaschistische Treffen zu Demonstrationen auf.

Alle fürs Klima

Am Freitag 24. September findet der nächste globale Klimastreik statt. Die Bewegung Fridyas for Future ruft unter dem Motto „Alle fürs Klima“ zu Demonstrationen auf der ganzen Welt auf, in Deutschland unter den Vorzeichen der Bundestagswahl: „wenn dieses Jahr der Bundestag neu gewählt wird, entscheidet das über unser aller Zukunft. Nur, wenn in den nächsten vier Jahren konsequent gehandelt wird, können wir die dramatischen Folgen der Klimakrise noch eindämmen.“ (Link zum Demoaufruf: https://fridaysforfuture.de/allefursklima2021/) In Mannheim startet die Demonstration um 17 Uhr am Alten Messplatz und zieht über den Ring zum Wasserturm und über die Planken zum Rathaus. Die Abschlusskundgebung findet auf dem Marktplatz statt.

Klimacamp am ALTER

Bereits seit dem vergangenen Wochenende findet auf dem Gelände des ALTER am Alten Messplatz ein Klimacamp statt und bereitet auf den globalen Streiktag vor. „Für mehrere Tage zelten wir gemeinsam und kommen zusammen um uns auszutauschen, zu diskutieren und an spannenden Workshops und Veranstaltungen teilzunehmen“ schreibt Fridays for Future Mannheim. Täglich gibt es auf und rund ums Camp verschiedene Veranstaltungen und Aktionen. Eine Übersicht dazu gibt es hier: https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Antifascist Action

Im Rahmen einer Herbstkampagne ruft das Offene Antifaschistische Treffen einen Tag vor der Bundestagswahl zur Demo gegen die AfD auf. „Antifaschistisch Kämpfen“ ist das Motto und im Rahmen der Mobilisierung klärt die Antifa-Gruppe über das Wahlprogramm der AfD auf. In einer Broschüre werden Renten-, Gesundheits-, Familien-, Wohnungs- und Steuerpolitik der rechten Partei unter die Lupe genommen. Die AfD ist „nicht die Partei des ‚kleinen Mannes'“, schreibt das OAT, stattdessen vertritt sie die Interessen der Suppereichen und Kapitalisten. Der Blick richtet sich auch auf das Personal und die bisherige Arbeit in den Parlamenten. Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden: https://oatmannheim.de/wp-content/uploads/2021/09/Broschu%CC%88re-6.pdf Die Herbstkampagne des OAT umfasst weiter antifaschistische Veranstaltungen, darunter Gedenkveranstaltungen, Bildungsbrunch, Graffiti-Workshop und eine Abschlussparty zur Kampagne. Eine Übersicht gibt es hier: https://oatmannheim.de/aktuelles/herbstkampagne-gestartet/

Zusammenfassung

Demo „Alle für‘s Klima“
Freitag 24. September | 17 Uhr | Alter Messplatz, Mannheim
Infos: Fridyas for Future https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Demo „Antifaschistisch Kämpfen“
Samstag 25. September | 18 Uhr | Moltkestraße/Kunsthalle, Mannheim
Infos: Offenes Antifaschistisches Treffen https://oatmannheim.de

(cki)




Aktion vor Commerzbank Filiale: „Keine Kohle für die Kohle!“

Die brennende Welt mahnt vor einer Commerzbank Filiale | Bild: fff

Am 14.05. fand ein bundesweiter Aktionstag der Fridays For Future Bewegung statt. Anlass für diesen Finanz-Aktionstag der Klimagerechtigkeitsbewegung war es, einen Fokus auf den Finanzsektor zu legen, welcher durch die finanziellen Mittel eine entscheidende Rolle für die Einhaltung der Klimaziele spielt.

“Die Commerzbank hat sich offiziell zum Pariser Klimaabkommen bekannt, während sie in den letzten Jahren ihr Finanzierungsvolumen in fossile Energieträger verdreifacht hat. Ein solches gegensätzliches Verhalten ist verantwortungslos und gegenüber den jüngeren Generationen weltweit nicht zu rechtfertigen”
Julius Lehmann, Pressesprecher der Mannheimer Fridays For Future Ortsgruppe

Die Aktivist*innen verlangen, dass die Finanzierung von Unternehmen, die in irgendeiner Form mit fossilen Energien zu tun haben, gestoppt werden muss. Die 1,5-Grad-Grenze könne nur eingehalten werden, wenn eine Energiewende vorangetrieben wird, unter der Bedingung, dass anstelle von Greenwashing aktives Handeln hin zu einem klimaneutralen und zukunftsorientierten Finanzsektor erfolgt.

“Wir fordern, dass Unternehmen, die in Projekten mit fossilen Energieträgern involviert sind, konsequent aus Finanzierungen und Investitionen der Bank gestrichen werden. Stattdessen sollte das Geld in erneuerbare Energien fließen, um die Energiewende voranzutreiben. Eine
Finanzwende muss stattfinden. #KeineKohleFürDieKohle muss die Grundlage des Handelns in der Finanzwirtschaft sein. Kurzfristige Geschäftsmodelle auf die Kosten unserer Zukunft sind nicht mehr akzeptabel.“

(Fridays for Future Mannheim)




GKM-Blockade: Solidemo nach Urteil gegen Klimaaktivisten [Videobeitrag und Bildergalerie]

Nachdem das Amtsgericht Mannheim den Aktivisten Locke zu einer Geldstrafe verurteilt hatte, demonstrierten am Abend rund 80 Unterstützer*innen aus der Klimabewegung. Locke hatte im Sommer 2020 ein Kohleförderband des Großkraftwerk Mannheim (GKM) blockiert und war von einem Sondereinsatzkommando der Polizei festgenommen worden.

Im Interview begründet Locke seine Aktion und erklärt, warum die Mittel der parlamentarischen Demokratie nicht ausreichen, um die Klimakrise aufzuhalten. Michael Dandl von der Roten Hilfe ordnet das Urteil in die Politik der grün-schwarzen Landesregierung ein. (cki)
Ein Bericht zum Prozesstag folgt.

Videobeitrag bei Youtube: https://youtu.be/Ra5GdbODj6A

Bildergalerie

(Bilder: if)




Prozess gegen GKM-Besetzer – Hausfriedensbruch für Klimagerechtigkeit

3. August 2019: Aktivist*innen besetzten erstmals ein Kohleförderband des GKM. (Bild: Ende-Gelände)

Im Sommer 2019 und 2020 besetzten Aktivist*innen das Mannheimer Großkraftwerk (KIM berichtete), um gegen Kohleverstromung und für eine sofortige Wende in der Klimapolitik zu demonstrieren. Dabei verschafften sich einige Zutritt zum Betriebsgelände und kletterten auf die Förderbänder. Nun soll einem Besetzer der Prozess gemacht werden.

Laut Unterstützergruppe „GKM Abschaffen“ soll der Aktivist Locke als einziger Beschuldigter der zweiten Besetzung vom 08. August 2020 vor dem Amtsgericht Mannheim erscheinen. Der Vorwurf gegen ihn laute nicht nur Hausfriedensbruch. Auch Verstoß gegen das Vermummungsverbot und versuchte gefährliche Körperverletzung werde ihm vorgeworfen. Der Vorwurf der Störung öffentlicher Betriebe sei jedoch „haltlos“ und bereits wieder eingestellt worden.

Fünf Aktivist*innen seien damals festgenommen und für 38 Stunden im Polizeigewahrsam festgehalten und „körperlich und psychisch drangsaliert“ worden. Den Aktivist Locke habe die Polizei als einzigen identifizieren können. Die Besetzer*innen hatten für sechs Stunden ein Kohleförderband in 20 Meter Höhe blockiert. Ihr Ziel sei es gewesen, „auf soziale und ökologische Probleme, die mit der Steinkohleverstromung verbunden sind“ aufmerksam zu machen.

Prozess vor dem Amtsgericht am 12. April

Der Vorwurf der versuchten Körperverletzung gegen Locke leite sich aus dem Fund einer Nadel in seinem Hosenbund her. Laut Polizei sei dadurch eine mutwillige Verletzung eine*r Polizist*in in Kauf genommen worden. Die Aktion sei jedoch „explizit gewaltfrei“ gewesen, schreibt die Unterstützergruppe. Daher sei der Vorwurf der Körperverletzung „weit hergeholt“.

Einen Strafbefehl über 485 Euro habe Locke nicht akzeptiert, so dass es nun am 12. April 2021 zum Prozess kommt. Die Unterstützergruppe ruft dazu auf, den Prozess kritisch zu beobachten. „Wir werden diesen Prozess nutzen, um zu zeigen, wer eigentlich zur Verantwortung gezogen werden müsste. Wir wollen am Beispiel von Baden-Württembergs größter Dreckschleuder erneut auf die Anliegen der Menschen im globalen Süden aufmerksam machen, welche unter dem zerstörerischen Handeln der Steinkohleindustrie und des menschengemachten Klimawandels leiden.“ Am Prozesstag soll eine Kundgebung mit Demonstration stattfinden. Näheres wird noch bekannt gegeben.

Über die Zukunft des GKM wird weiterhin kontrovers diskutiert. Nicht nur Fragen des Klimawandels spielen eine Rolle, auch die Zukunft der Beschäftigten ist ungeklärt. Unter anderem wird kritisiert, dass andere, noch schmutzigere Braunkohlekraftwerke Jahre länger laufen sollen. In anderen Städten gab es in den letzten Jahren ebenfalls Besetzungen von Klimaaktivist*innen. (cki)

Weitere Informationen: gkm-abschaffen.org

 

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurden die Besetzungen 2019 und 2020 miteinander verwechselt.

 




„Keine leeren Versprechen mehr“ – Fahrraddemo für Klimagerechtigkeit [mit Bildergalerie]

Fridays for Future hatte am 19. März einen weiteren globalen Klimastreik ausgerufen. #allefür1komma5 war ein Motto in Anlehnung an das Vorhaben, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Am globalen Streiktag beteiligen sich bundesweit rund 250 lokale Initiativen, darunter auch die Mannheimer Ortsgruppe mit einer Fahrraddemo. Die Demonstration startete am Schloss, drehte eine Route durch die Stadt und endete schließlich mit einer Abschlusskundgebung am Alten Messplatz.

Mit „No more empty promises“ überschrieb die Mannheimer Gruppe ihren Aufruf. Damit solle sich wieder einmal konkret an die Politik gewandt werden, die zwar Beschlüsse zum Klimaschutz fasse, konkretes Handeln, eine wirkliche Umsetzung, werde aber vermisst. Im Pariser Klimaabkommen ist das 1,5 Grad Ziel beschlossen. Doch die politischen Entscheidungen, auch in Deutschland, würden dem Ziel nicht gerecht werden. „Leere Versprechen“ seien das also.

Fahrraddemo als „corona-konforme Alternative“

Mit dabei waren auch wieder Unterstützergruppen, wie „Parents for Future“ (Eltern und Großeltern der jungen Klimaaktivist*innen), „Health for Future“ (Vertreter*innen aus Gesundheitsberufen), Scientists For Future (aus dem Bereich Wissenschaft und Forschung) sowie einige Lokalpolitiker*innen.

Der von Schüler*innen ins Leben gerufenen Initiative macht die Pandemie zu schaffen. Großdemos, wie Ende 2019, an denen sich in Mannheim tausende Menschen beteiligten, sind zu Zeit nicht vorstellbar. Doch die Stimmung bleibt optimistisch: „Angesichts der aktuellen Lage ist die Präsenz der Aktivist:innen auf den Straßen zwar geschwächt, doch mit diesem weiteren globalen Streiktermin soll die Klimakrise wieder mehr in den Fokus gerückt werden.“ schreibt die Mannheimer Gruppe. Die Fahrraddemo habe sich als corona-konforme Alternative bewährt, erklärten die Veranstalter*innen. Abstand kann dabei gut eingehalten werden. Mit rund 700 Teilnehmer*innen, die ein beeindruckendes Bild auf der Straße abgaben, waren die Klimaaktivist*innen dann auch mehr als zufrieden. (Text: cki | Fotos: cf)

Bildergalerie




Nachbericht: FridaysForFuture Fahrraddemo 22.05.2020

Die Klimakrise ist durch die Corona-Pandemie in der Politik in den Hintergrund gerückt. Sie schreitet aber weiter voran, sie betrifft alle, und sie muss weiterhin im Fokus liegen.

Deshalb haben wir, FridaysForFuture, nicht aufgehört zu demonstrieren, sondern sind, inklusive Sicherheitskonzept, am 22.05.2020 wieder in Mannheim auf die Straßen gegangen. Genauer gesagt: geradelt. Die Fahrraddemo begann um 16 Uhr und führte in einer ca. 10 Kilometer langen Route vom Ehrenhof Mannheim über Wasserturm und Neckarstadt durch die Innenstadt wieder zurück zum Schloss. Teilgenommen haben ca. 300 Menschen – und dadurch, dass alle auf ihren Fahrrädern laut waren und die Stimmung gut war, zog man die Aufmerksamkeit der gesamten Stadtbummler*innen auf sich.

Es ging aber nicht um die gute Stimmung: FridaysForFuture Mannheim hat in den letzten Monaten 10 Forderungen an die Stadt Mannheim entwickelt, und diese auch schon im Austausch mit der Stadtverwaltung vorgetragen. Alle diese Forderungen stehen unter dem großen Ziel der Klimaneutralität Mannheims bis 2030, eine fordert eine autofreie Innenstadt, eine andere einen kostenlosen ÖPNV, wofür massive Investitionen in diesen nötig wären. Diese Schritte sind wichtig für eine funktionierende Verkehrswende, welche zurzeit, auch durch eventuelle Investitionen in die Automobilindustrie in Folge der Corona-Krise, droht ins Stocken zu geraten.

Wie man in anderen Städten wie Brüssel oder Berlin erkennen kann, werden die Stadtverwaltungen auch gerade in dieser Zeit aktiv und starten Projekte wie neue Radwege oder autofreie Straßen –  so etwas, und eine gerechtere Aufteilung der Straßen zwischen Fahradfahrer*innen, Fußgänger*innen und dem ÖPNV erhoffen wir uns für Mannheim auch.

Zudem wurde in Mannheim das Projekt der „Green-city-tickets“ abgebrochen, da es von der Bevölkerung so gut angenommen wurde, dass es für die Stadt zu teuer wurde und der Bund keine Folgefinanzierung übernimmt. Dies ist unserer Meinung nach ein Schritt in die falsche Richtung.

Und gerade jetzt, da über Investitionen in die Wirtschaft von Seiten des Bundes aufgrund der Pandemie diskutiert wird, finden wir es wichtig, auf die fortlaufende Klimakrise aufmerksam zu machen, um sicherzustellen, dass es nach der Corona Zeit nicht einfach so weitergeht wie zuvor, sondern die Klimagerechtigkeit eine wichtigere Rolle spielen wird.

Deshalb zeigen wir weiterhin Präsenz und überlassen die Situation nicht einfach sich selbst, kommende Aktionen von Seiten FridaysForFuture sind in der Planung!

 

(c.r. / Text und Fotos: FridaysForFuture Mannheim)




Klimaneutralität bis 2030: Fridays for Future mit konkreten Forderungen an die Stadt

Die Mannheimer Gruppe der Fridays for Future (fff) Bewegung veröffentlichte zehn Forderungen, um das Ziel Klimaneutralität bis 2030 zu erreichen. Anlass sei ein Gespräch der fff Gruppe mit Oberbürgermeister Peter Kurz und Agnes Schönfelder, Geschäftsführerin der Klimaschutzagentur Mannheim.

Zu den wichtigsten Forderungen zählen laut Mitteilung von fff die Abschaltung des GKM bis 2030, das zu den „dreckigsten Kraftwerken“ in Deutschland gehöre. In diesem Zusammenhang werden sinnvolle und kostenlose Umschulungen der Arbeiter*innen des GKMs gefordert. Wichtig sei auch ein gut ausgebauter, kostenloser ÖPNV mit guten Arbeitsbedingungen und die CO2-Neutralität bis 2030.

„Uns ist es vor allem wichtig, dass Maßnahmen für mehr Klimaschutz gleichzeitig zu mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft führen“, betont fff-Sprecherin Friederike Schmahl. Die Stadt müsse ihrer Verantwortung gerecht werden. Es gelte „Maßnahmen in die Wege zu leiten, die ein gutes Leben für uns und die nachfolgenden Generationen ermöglichen“.

(red)

Forderungen von Fridays for Future an den Mannheimer Gemeinderat und die Stadt Mannheim

Klimaneutralität 2030

Wir befinden uns mitten in der Klimakrise, der größten Krise der Menschheit. Durch das aktuelle verantwortungslose Handeln von Politik und Industrie wird unser Planet immer weiter zerstört. Jeden Tag werden 110 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre emittiert. Die Auswirkungen, wie Hitzerekorde und Extremwetterkatastrophen, zerstören dabei die Ökosysteme unseres Planeten. Seit 1970 hat sich die weltweite Wildtierpopulation um 60% verringert. Und auch das Überleben von uns Menschen ist dadurch bedroht. Nahrungsmittelknappheit, Wasserknappheit und Krankheiten lassen die Zahl der Klimaopfer täglich steigen. Es ist höchste Zeit für Klimagerechtigkeit! Klimaschutz, den sich nur manche privilegierten Menschen leisten können, darf dabei nicht länger in der Verantwortung von Einzelpersonen liegen. Denn durch die lange Untätigkeit der Politiker*innen, hat sich die Klimakrise nur immer weiter verschärft. Unseren Planeten und die Menschheit zu bewahren, ist eine Aufgabe, die jetzt endlich gesamtgesellschaftlich angegangen werden muss. Um die Klimakatastrophe also noch aufzuhalten, fordert Fridays For Future Deutschland Klimaneutralität mit Nettonull und 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035, sowie den Kohleausstieg bis 2030. Doch nicht nur auf Bundesebene muss ein Umdenken stattfinden, sondern auch auf kommunaler Ebene, hier in Mannheim. Darum muss die neue Maxime unserer zukunftstauglichen Politik sein: Klimaneutralität Mannheims bis 2030! Um dies zu erreichen, stellen wir – Fridays For Future Mannheim – folgende Forderungen an den Mannheimer Gemeinderat:

1.Das Mannheimer Steinkohlekraftwerk muss bis spätestens 2030 abgeschaltet werden.

2. Der Mannheimer Energie- und Wärmebedarf soll ganzteilig und ausschließlich über erneuerbare Energien gedeckt werden. Die Energie- und Wärmeproduktion soll zudem kommunalisiert werden.

3. Die Arbeiter*innen des GKM müssen für ihre entgangenen Löhne entschädigt werden. Ihnen müssen Arbeitsstellen mit Zukunftsaussichten geboten werden.

4. Klimaneutrales Wohnen und Bauen soll künftig zum Standard werden und darf zu keinen Kosten auf Seiten der Bewohner*innen führen.

5. Der öffentliche Nahverkehr muss für alle Menschen kostenlos sein und soll künftig umlagefinanziert werden.

6. Der Airport Mannheim darf nicht mehr für öffentliche Transporte und Linienflüge genutzt werden.

7. Die Mannheimer Innenstadt soll bis 2030 autofrei werden und die Straßen fair zwischen Fußgänger*innen, Fahrradfahrer*innen und dem ÖPNV aufgeteilt werden. Gleichzeitig muss in der gesamten Stadt der ÖPNV und die Radinfrastruktur an sinnvollen Stellen ausgebaut werden.

8. Ein unabhängiges Gremium in der Stadtverwaltung aus Vertreter*innen der Wissenschaft und Klimagerechtigkeitsbewegung und soll die Entscheidungen des Mannheimer Gemeinderats auf Klimagerechtigkeit überprüfen.

9. Selbstverwaltete Räume und klimagerechte Projekte müssen von der Stadt gestärkt und unterstützt werden.

10. Bestehende Grünflächen und Naturschutzgebiete sollen ausgebaut und erhalten werden, zudem dürfen keine weiteren Flächen versiegelt werden.