Mannheim: Fridays for Future mobilisiert 2000 Menschen zum 13. Globalen Klimstreik

Fridays for Future Mannheim beteiligte sich am Freitag, den 15.09.2023, mit einer Demonstration am 13. globalen Streik von Fridays for Future unter dem Motto #EndFossilFuels. Insgesamt gingen diesen Freitag deutschlandweit über 250.000 Menschen in einem breiten Bündnis aus Klimagruppen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen auf die Straße. In Mannheim startete die Kundgebung um 17:00 Uhr im Ehrenhof am Schloss, anschließend lief ein Demonstrationszug mit etwa 2000 Menschen bis zum Marktplatz.

“Wir haben keine Zeit mehr für den momentanen Stillstand in der Klimapolitik der Ampelkoalition! Die Krisen haben sich diesen Sommer aneinandergereiht, Waldbrände, Starkregenfälle, Dürren, neue Temperaturrekorde, gleichzeitig Überschwemmungen – die lebensbedrohlichen Folgen der Klimakatastrophe sind so deutlich wie nie! Selbst wenn die zu niedrigen Klimaziele der Bundesregierung eingehalten würden, stoßen wir noch 331 Millionen Tonnen CO2 zu viel aus“, erklärte Mathilda Peckhart von Fridays for Future Mannheim.

Die Demonstrierenden forderten die Bundesregierung zur Einhaltung der selbstgesteckten Klimaziele auf. Insbesondere die Sektorenziele dürften nicht zusammengelegt werden, da sonst eine völlige Abschwächung des Klimaschutzgesetzes drohe. Die Bewegung kritisiert das bisherige Ausbleiben des Klimageldes, da dies die wichtigste Maßnahme wäre, um die Bevölkerung effektiv zu entlasten und sozial verträglichen Klimaschutz zu ermöglichen.

„Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit müssen zusammen gedacht werden. Doch spätestens jetzt ist klar: Der Ampel ist weder an echtem Klimaschutz noch an sozialer Gerechtigkeit gelegen“, meinte Lena Kamuff von Fridays For Future Mannheim.

Pressemitteilung von Fridays for Future Mannheim vom 15.09.2023




Tausende auf der Straße vor der großen Klimawahl [mit Bildergalerie und Video]

Das ganze System verändern oder doch lieber die etablierten Parteien wählen? Der Klimastreik fand zwei Tage vor der Bundestagswahl statt.

„Bundestagswahl = Klimawahl“ stand auf dem Schild einer Teilnehmerin der Demo zum globalen Klimastreik. Am 24. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl gingen auch in Mannheim mehrere tausend Menschen unter dem Motto „Alle fürs Klima“ auf die Straße. Sie forderten eine Klimapolitik auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, einen Ausstieg aus der Kohle und eine neue Verkehrspolitik.

Trotz oder gerade wegen der Bundestagswahl blieb das Verhältnis den Parteien gegenüber skeptisch. „Keine Partei hat einen Plan, wie wir das 1,5 Grad Ziel erreichen können“, sagte ein Sprecher von Fridays for Future Mannheim bei der Abschlusskundgebung.

So fand auf der Demo selbst auch kaum Wahlkampf statt. Im hinteren Teil fuhr ein Melis-Sekmen-Lastenrad der Grünen. Vereinzelt gab es Sympathiebekundungen für Linke und Grüne, insgesamt hielten sich Politiker*innen aber im Hintergrund.

Videobeitrag bei Youtube: https://youtu.be/xu5PU0YU2v0

GKM abschalten und umdenken in der Verkehrspolitik

Stattdessen ging es um konkreten Forderungen und Fakten. „Unser Restbudget an CO2-Austoß sind nur noch 16 Millionen Tonnen“ erläuterte der Redner von Fridays for Future. Das Mannheimer Kohlegroßkraftwerk (GKM) stoße bereits soviel aus, dass die Hälfte des Volumens erreicht sei. Man könne sich leicht ausrechnen, ob es mit der Einsparung klappen wird, wenn das GKM noch Jahre lang weiter am Netz bleibt.

Die schnelle Abschaltung des GKM war eine wichtige Forderung. Eine weitere war ein Umdenken in der Verkehrspolitik. „Bisher wird der Fahrradverkehr nur in den Autoverkehr integriert“, so der Redner. Das müsse sich ändern. Fahrradschnellverbindungen durch die Stadt seien ein Beispiel dafür, wo es kaum voran gehe. Auch das Thema autofreie Innenstadt erfährt Rückschläge. Doch der Klimwandel lasse der Menschheit keine Zeit. „Die beste Zeit zu handeln war gestern“, drückte es eine Teilnehmerin der Demo aus.

Die Verkehrswende war vielen Teilnehmer*innen ein wichtiges Anliegen

Starkes Bündnis und Klimacamp am Alten Messplatz

Die Veranstalter*innen von Fridays for Future Mannheim freuten sich über die gute Beteiligung der zahlreichen gesellschaftlichen Initiativen in der Stadt. „Wir sind ein starkes Bündnis“ betonte ein Sprecher und berichtete, dass 4.500 Menschen auf der Demo gezählt wurden. Auch die Kooperation mit weiteren klimapolitischen Initiativen, Wissenschaftler*innen und Organisationen, wie Mannheim Kohlefrei, dem Fahrradbündnis, aber auch kurdischen und feministischen Gruppen wurde positiv hervorgehoben.

In den Tagen vor dem großen Klimastreik fand am Alten Messplatz ein Klimacamp statt. Zur Vernetzung und zur ausführlichen Beschäftigung mit Inhalten hatte die Klimabewegung das Camp initiiert und durfte dafür das Gelände des ALTER nutzen. Täglich gab es Vorträge, Diskussionen und praktische Workshops.

Klimacamp am Alten Messplatz

Die Klimawahl

Bundestagswahl 2021: Die Erkenntnis, dass die Alten über die Zukunft der Jungen entscheiden

Mehr als 600.000 Menschen, davon alleine 100.000 in Berlin, sollen sich in Deutschland in rund 400 Städten am globalen Klimastreiktag 24. September beteiligt haben. Welche Auswirkungen die Proteste auf die Bundestagswahl haben, ist schwer zu sagen. Während die CDU vielerorts scharf kritisiert wird, kommt die SPD teils glimpflich davon, obwohl sie doch für die herrschenden Zustände aufgrund jahrelanger Regierungsbeteiligung maßgeblich mitverantwortlich ist. FFF-Aktivistin Luisa Neubauer sagt aber in Berlin in Richtung Olaf Scholz: „Wir streiken auch gegen die Politik der SPD“.

Kritik an den Grünen gibt es von den Aktivist*innen immer wieder, gerade was die Betrachtung der Regierungspolitik in Baden-Württemberg angeht. DIE LINKE kommt in den Analysen besser weg, doch bei der Basis der Klimabewegung, vor allem bei der älteren Generation, dürfte sich ein grüner Mainstream verbreitet haben. Meist siegt der Pragmatismus. Während DIE LINKE gefährlich nah an der 5%-Hürde entlang schrammt, dürfen sich die Grünen konkrete Hoffnungen auf eine Regierungsbeteiligung machen. Taktische Überlegungen und die „Wahl des kleineren Übels“ werden sich bei vielen klimapolitisch aktiven Menschen durchsetzen, denn Parteiideologie ist der Bewegung fremd. Dennoch war auf vielen Schildern zu lesen: „Geht wählen!“

(Text: cki / Bilder: cki/scr)

Bildergalerie

 

 




Fürs Klima und gegen die AfD: Demos vor der Bundestagswahl

Archivbild: Fridays for Future – Demo in Mannheim

Neben den zahlreichen Veranstaltungen der Parteien macht auch die außerparlamentarische Opposition im Endspurt vor der Bundestagswahl noch einmal mobil. Zum Wahlwochenende rufen Fridyas for Future und das Offene Antifaschistische Treffen zu Demonstrationen auf.

Alle fürs Klima

Am Freitag 24. September findet der nächste globale Klimastreik statt. Die Bewegung Fridyas for Future ruft unter dem Motto „Alle fürs Klima“ zu Demonstrationen auf der ganzen Welt auf, in Deutschland unter den Vorzeichen der Bundestagswahl: „wenn dieses Jahr der Bundestag neu gewählt wird, entscheidet das über unser aller Zukunft. Nur, wenn in den nächsten vier Jahren konsequent gehandelt wird, können wir die dramatischen Folgen der Klimakrise noch eindämmen.“ (Link zum Demoaufruf: https://fridaysforfuture.de/allefursklima2021/) In Mannheim startet die Demonstration um 17 Uhr am Alten Messplatz und zieht über den Ring zum Wasserturm und über die Planken zum Rathaus. Die Abschlusskundgebung findet auf dem Marktplatz statt.

Klimacamp am ALTER

Bereits seit dem vergangenen Wochenende findet auf dem Gelände des ALTER am Alten Messplatz ein Klimacamp statt und bereitet auf den globalen Streiktag vor. „Für mehrere Tage zelten wir gemeinsam und kommen zusammen um uns auszutauschen, zu diskutieren und an spannenden Workshops und Veranstaltungen teilzunehmen“ schreibt Fridays for Future Mannheim. Täglich gibt es auf und rund ums Camp verschiedene Veranstaltungen und Aktionen. Eine Übersicht dazu gibt es hier: https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Antifascist Action

Im Rahmen einer Herbstkampagne ruft das Offene Antifaschistische Treffen einen Tag vor der Bundestagswahl zur Demo gegen die AfD auf. „Antifaschistisch Kämpfen“ ist das Motto und im Rahmen der Mobilisierung klärt die Antifa-Gruppe über das Wahlprogramm der AfD auf. In einer Broschüre werden Renten-, Gesundheits-, Familien-, Wohnungs- und Steuerpolitik der rechten Partei unter die Lupe genommen. Die AfD ist „nicht die Partei des ‚kleinen Mannes'“, schreibt das OAT, stattdessen vertritt sie die Interessen der Suppereichen und Kapitalisten. Der Blick richtet sich auch auf das Personal und die bisherige Arbeit in den Parlamenten. Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden: https://oatmannheim.de/wp-content/uploads/2021/09/Broschu%CC%88re-6.pdf Die Herbstkampagne des OAT umfasst weiter antifaschistische Veranstaltungen, darunter Gedenkveranstaltungen, Bildungsbrunch, Graffiti-Workshop und eine Abschlussparty zur Kampagne. Eine Übersicht gibt es hier: https://oatmannheim.de/aktuelles/herbstkampagne-gestartet/

Zusammenfassung

Demo „Alle für‘s Klima“
Freitag 24. September | 17 Uhr | Alter Messplatz, Mannheim
Infos: Fridyas for Future https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Demo „Antifaschistisch Kämpfen“
Samstag 25. September | 18 Uhr | Moltkestraße/Kunsthalle, Mannheim
Infos: Offenes Antifaschistisches Treffen https://oatmannheim.de

(cki)




Auf dem Fahrrad und zu Fuß: Fridays for Future streikt weiter für Klimagerechtigkeit [mit Bildergaliere und Video]

Beim globalen Klimastreik am 25. September beteiligte sich Fridays for Future mit gleich zwei Demonstrationen in Mannheim. Zu Fuß ging es vom Hauptbahnhof über die Fressgasse und die Breite Straße. Wer lieber mit dem Fahrrad fahren wollte, traf sich am Schloss und radelte Richtung Wasserturm und weiter in die Neckarstadt. Beide Demos trafen sich zur gemeinsamen Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz. Fridays for Future zählte insgesamt 2000 Menschen, die sich beteiligten – angesichts der Situation in der Corona-Pandemie und monatelanger Protestpause ein voller Erfolg, wie ein Sprecher am Schluss mitteilte. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 1200 Personen.

Videobeitrag bei Youtube: https://youtu.be/upK6AVv9zDw

„Der Klimawandel macht auch in der Pandemie keine Pause“ war eine Motivation der Umweltbewegung, erneut groß zu mobilisieren und trotz Corona-Auflagen physisch auf die Straße zu gehen. „Corona ist grausam, aber der Klimawandel ist noch 1000 mal grausamer“ war auf einem Schild zu lesen.

Demo zu Fuß in der Fressgasse

Bei der Abschlusskundgebung wurden die Maßnahmen der Regierung für den Klimaschutz als unzureichend kritisiert. Die Scientists for Future, ein Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die mit der Klimabewegung sympathisieren, rechne vor, welche CO² Einsparungen notwendig seien. Nach 1,5 Jahren Demonstrationen habe sich immer noch nicht genug geändert. Außerdem, so ein Redner, seien die bisher verkündeten Maßnahmen nicht sozial gerecht und sicherten den Konzernen Renditen über eine Finanzierung durch die Allgemeinheit.

Der Kohleausstieg 2038 sei zu spät und auch der Weiterbetrieb des GKM im Mannheimer Süden wird von Fridays for Future massiv kritisiert. Die Initiative „Mannheim kohlefrei“ will mit einem Einwohnerantrag gegen das Steinkohlekraftwerk in Neckarau vorgehen. Bisher sei man bei rund 1000 Unterschriften – 2500 sind notwendig, um den Antrag einzubringen.

Fahrraddemo durch die Innenstadt

Die Demonstrationszüge verliefen gut gelaunt, friedlich und ohne Störungen. Für einen kurzen Regengusss am Ende wurde den Demonstrant*innen mit einem wunderschönen Regenbogen entschädigt. Erneut kamen Menschen aller Altersgruppen zusammen. Die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen war vielen ein wichtiges Anliegen, daher wurde mit großer Sorgfalt beispielsweise auf die Maskenpflicht geachtet. Demonstrationen und Aktionen gab es auch in Heidelberg, Hockenheim, Schriesheim, Schwetzingen, Wiesloch, Speyer, Frankenthal, Worms und tausenden anderen Städten auf der ganzen Welt.

(Text: cki | Bilder: cki/a.kästel)

Ergänzend zum Thema:

Fridays for Future-Klimademo auch in Frankenthal (Pfalz): „Empört Euch, die Welt gehört euch.“ (mit Bildergalerie)

 

Bildergalerie Fahrraddemo

Bildergalerie Laufdemo




„Stop Adani“: Fridays for Future am Siemens Werktor [mit Video]

Beworben mit dem Hashtag #StopAdani, organisierte die Schülerbewegung Fridays for Future Protestkundgebungen, um den Siemens Konzern von einer Beteiligung an der australischen Carmichael Kohlemine abzuhalten. Nach Meinung der Umweltaktivist*innen ist das Projekt ein „rückwärtsgewandtes Vorhaben“ und fördere die „Zerstörung unseres Planeten und unserer Zukunft“.

Rund 60 größtenteils junge Menschen standen am Freitagmittag vor der Einfahrt zum Siemens Gebäude in der Dynamostraße. Sie riefen Parolen, sangen, zeigten Transparente und schwenkten Fahnen. Ein Spruch, der bei Fridays-for-Future-Demos immer wieder gerufen wird, brachte ihr Anliegen auf den Punkt: „Kohlekonzerne baggern in der Ferne, zerstören uns‘re Umwelt, nur für ein Batzen Geld“.

Die Kundgebung war Teil einer bundesweiten Kampagne, um den Siemens Konzern dazu zu drängen, das Adani-Kohlemienenprojekt nicht zu unterstützen. Der indische Konzern Adani benötigt für eine rund 200 Kilometer lange Bahnstrecke zur Steinkohlemine Signaltechnik. Die soll Siemens liefern. Auf der Strecke ist geplant, jährlich rund 40 Millionen Tonnen Kohle von der Mine zum Hafen von Abbot transportiert werden. Von da aus soll es auf dem Seeweg weiter nach Indien gehen, wo die Kohle zur Energieerzeugung verbrannt werden soll.

Der vergleichsweise kleine Auftrag hat für die Umweltaktivist*innen große Symbolkraft. Siemens hatte eigentlich angekündigt, mehr gegen den Klimawandel tun zu wollen und bis 2030 klimaneutral zu sein. Die Beteiligung an einem Kohleprojekt stehe dazu im krassen Widerspruch, meinen die Protestierenden. „Die Ostküste Australiens brennt lichterloh. Tausende Menschen sind auf der Flucht, Millionen Tiere sind verbrannt, es wurden zusätzlich halb so viel Treibhausgase ausgestoßen, wie Australien sonst in einem ganzen Jahr emittiert. Die Klimakrise schafft die Bedingungen für diese Brände und treibt sie weiter an (…) In den nächsten Tagen entscheidet sich Siemens, ob der deutsche Konzern die Brandgefahr schüren wird“. So steht es in einer Petition an den Siemens Vorstand, die ein Fridays for Future Aktivist ins Leben gerufen hat.


Videobeitrag | Direktlink zu Youtube: https://youtu.be/2cSJyqLo_wg

Viele Siemens Mitarbeiter liefen an der Kundgebung vorbei, die zur Mittagszeit vor dem Haupteingang stattfand. Nur wenige stellten sich dazu, die meisten machten einen Bogen um die Veranstaltung. Einer, der offenbar keine Berührungsängste hatte und der Kundgebung aus nächster Nähe zuhörte, berichtete dem KIM, dass die Meinungen zum Adani-Geschäft in der Belegschaft durchaus unterschiedlich seien. „Es ist aber ein eher kleines Projekt, daher hat nicht so eine große Bedeutung.“ Die Mitarbeiter*innen wüssten, dass die Zukunft nicht im Geschäft mit der Kohle liege. „Wir haben viele Projekte mit den erneuerbaren Energien.“ Siemens sei seiner Meinung nach auf einem guten Weg, den Anschluss nicht zu verpassen. Bei den meisten Mitarbeiter*innen gebe es auch keine negative Haltung gegenüber solchen Protestaktionen.

Die Kundgebung in Mannheim war von den Lokalgruppen von Fridays for Future und Extinction Rebellion organisiert worden. Unterstützung kam aus Heidelberg. Nach der Aktion gab es eine vorsichtige Erfolgsmeldung auf der Webseite von Fridays for Future. „Weil wir laut waren, hat Siemens die Entscheidung auf Montag vertagt.“

(cki)




“Klimaschutz bleibt Handarbeit” – Fridays for Future erneut mit großen Demos in Mannheim und Heidelberg [mit Bildergalerie und Video]

Der mittlerweile vierte internationale Klimastreik fand am 29. November unter dem Motto #NeustartKlima statt und der Fridays-for-Future-Bewegung gelang es, wieder mehr Menschen in der Region zu mobilisieren. Nach dem Höhepunkt der Mobilisierung im September und vorsichtigen Zugeständnissen der Bundesregierung war es schwer, den Druck aufrecht zu halten. Insofern passte das Motto der Demo auf dem Transparent an der Spitze: “Klimaschutz bleibt Handarbeit”.

Die Unzufriedenheit mit den Maßnahmen der Bundesregierung zum Klimaschutz war dann auch das bestimmende Thema der Demonstration. Die meist jungen Redner*innen kritisierten das Klimapaket als unzureichend und forderten ein viel konsequenteres Handeln, einen schnelleren Kohleausstieg, das Ende „klimaschädlicher Subventionen“ aber auch praktische und kurzfristig machbare Maßnahmen, wie ein Tempolimit auf Autobahnen, Warentransporte auf die Schiene und kostenlosen Nahverkehr. „Das lächerliche Klimapaket der Bundesregierung ist ein Schlag ins Gesicht der progressiven Klimabewegung“ schrieb Fridays for Future in einem Aufruf. „Wir müssen den Ökozid“ verhindern“, formulierte ein Redner seine Angst vor der Zerstörung des Planeten sehr drastisch und fuhr fort: „Lasst uns die Generation sein, die es gerade noch geschafft hat“.

Konsumkritik am „Black Friday“

Unterstützung bekamen die Schüler*innen und Studierenden von allen Generationen. Kleine Kinder spielten und tobten in der Menge, viele Senioren schoben ihre Fahrräder im hinteren Bereich der Demo mit. Ausdrücklich wurde den „Parents for Future“ gedankt, die dieses mal ganz praktisch bei der Demonstration Unterstützung geleistet hätten.

Die Kundgebung begann mit Reden um 16 Uhr vor dem Schloss und zog über den Ring in die Planken. Die Fußgängerzone war überfüllt mit Menschen, die am sogenannten „Black Fridays“ von den Geschäften der Innenstadt anzogen wurden. Auf vielen Schildern der Demo wurde der Konsumrausch kritisiert. „Boycott Black Friday – Plant Trees“ war auf einem zu lesen. Andere forderten zu einer veganen Lebensweise auf.


Videobeitrag | Direktlink zu Youtube: https://youtu.be/vj-Vz_ferL4

In der Fußgängerzone gab es Sitzstreiks und Passant*innen wurden aufgefordert, sich der Demo anzuschließen. Am Marktplatz endete die Versammlung mit einer Abschlusskundgebung. In verschiedenen Reden wurde auf die internationale Bedeutung des Themas hingewiesen. Rednerinnen mit chilenischem und kurdischem Hintergrund berichteten von sozialen und ökologischen Kämpfen in ihrer Heimat und riefen zur internationalen Solidarität auf.

Bereits am Vormittag hatte es einen Thementag an der Uni mit verschiedenen Vorträgen gegeben. Die Veranstalter*innen in Mannheim schätzen 3000 Teilnehmer*innen bei der Demo. Weitere Aktionen in der Region gab es unter anderem in Weinheim, Hockenheim, Bensheim, Neustadt, Grünstadt, Bad Dürkheim und vor allem Heidelberg, wo mehr als 9000 Teilnehmer*innen ein beeindruckendes Bild in der Altstadt boten. Bundesweit sollen sich nach Agenturmeldungen mehr als 600 000 Menschen am Klimastreik beteiligt haben.

(cki)

Bildergalerie




„Wir machen die Klimawende von unten“ – Bislang größte Fridays for Future Demo in Mannheim [mit Bildergalerie und Video]

„Wir wollen, dass alle teilnehmen können“ begründeten die Fridays for Future Aktivist*innen ihre Entscheidung, das erste mal eine Demo in den späten Nachmittag zu verlegen. Tatsächlich ist ihnen gelungen, was sie vor hatten: Es kamen viel mehr Menschen als bisher und zwar aus den unterschiedlichsten Bereichen. Während in den vergangenen Monaten vor allem Schüler*innen das Bild prägten, waren nun alle Altersgruppen vertreten: Senioren, Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche, junge Erwachsene… Hinter dem Banner „Parents for Future“ versammelte sich die ältere Generation, um der Jugend den Rücken zu stärken. „Wir sind stolz auf euch“ schrieben die Eltern und Großeltern in einer Erklärung. Erstmals hatten neben Fridays for Future auch große Organisationen, wie Kirchen und Gewerkschaften zum Klimaprotest aufgerufen. 

Aktionen den ganzen Tag, Großdemo am frühen Abend

Ivan von der Mannheimer Fridays for Future Gruppe berichtete vom globalen Aktionstag. Trotz Verlagerung des Demobeginns in den späten Nachmittag seien Leute schon seit dem Vormittag in Mannheim auf den Beinen gewesen, hätten Die-Ins in den Planken und Gesprächsrunden am Hauptbahnhof organisiert, wo ein Streikposten den ganzen Tag als Anlaufstelle und Informationspunkt aufgebaut war.

Zum globalen Earth Strike seien Menschen in über 500 Städten auf die Straße gegangen. Neben dem Klima Gipfel in New York sei auch die heutige Veröffentlichung der Bundesregierung zum Klimapaket ein Anlass zu demonstrieren, da man mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden sein könne. „Das ist #NotMyKlimapaket!“ kommentierte Fridays for Future bei Twitter.

Die Demonstration zog vom Hauptbahnhof über die Planken zum Marktplatz, wo es eine Zwischenkundgebung gab. Von dort ging es weiter zum Abschluss auf dem Alten Messplatz. Auf einem riesigen Banner, das über die Demo gespannt wurde, war zu lesen: „Defend Solidarity! Klimakatastrophe verhindern! Kapitalismus überwinden!“

Anfangs sprach die Polizei von etwa 5000 Teilnehmer*innen, korrigierte ihre Schätzung am Ende nach oben auf mehr als 8000. Die Veranstalter*innen sprachen von geschätzten 10 000 Menschen, die sich der Demo angeschlossen hatten. Auf jeden Fall war es die bisher mit Abstand größte Fridays for Future Demo in Mannheim.

Auch in anderen Städten gingen tausende auf die Straße. Aus Heidelberg wurde von ca. 10 000 berichtet, in Ludwigshafen immerhin einige hundert, in Stuttgart waren es 30 000, in Hamburg sogar 70 000 und die größte Demo in Deutschland fand in Berlin mit rund 100 000 Menschen statt. Weltweit sollen es Millionen gewesen sein, die sich am globalen Aktionstag beteiligten.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz drückte Ralph Hartmann, Dekan der evangelischen Kirche, den Teilnehmer*innen seinen Respekt aus. Doch um wirklich etwas zu erreichen, müsse man noch viel mehr Menschen überzeugen. Kiyen aus Chile von der indigenen Volksgruppe der Mapuche erinnerte daran, welche Auswirkungen klimaschädliche Verhaltensweisen global haben. Der Kapitalismus zerstöre die Lebensgrundlagen vieler indigener Völker. Eine Sprecherin des Bündnis für gerechten Welthandel erklärte, wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz seien durchaus umsetzbar. Man müsse sie nur wollen und sie müssten nicht einmal etwas kosten, so zum Beispiel die längst überfällige Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen.

Fridays for Future macht weiter

Politiker*innen verschiedener Parteien solidarisierten sich mit der Demo. Einige nahmen teil, Parteifahnen waren aber seitens der Organisator*innen unerwünscht. Die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Gökay Akbulut, versicherte den Teilnehmer*innen ihre Unterstützung: „Das Mindeste, das wir beitragen können ist die schnellstmögliche Stilllegung des Großkraftwerkes hier in Mannheim. Die Zeit der schönen Worte ist längst abgelaufen, nun sind Taten gefragt.“

Die Mannheimer Fridays for Future Gruppe lud die Demonstrierenden zum Mitmachen ein. „Als Teil der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung kämpfen wir weiter für eine gute Zukunft für alle und sind so viele wie noch nie!“ Die regelmäßigen Treffen im Jungbusch seien offen, Mitmachen ist erwünscht. Am 27. September ist eine nächste Aktion geplant und auch danach werde es weitergehen. Wenn es bei der Bundesregierung kein wirkliches Umdenken gäbe – und das habe sich am gerade veröffentlichen Klimapaket deutlich gezeigt – müsse es auf jeden Fall mit den Demos weitergehen. „Dann schaffen wir die Klimagerechtigkeit eben von unten.“

(cki)

 

Mitmachen:

Fridays for Future – Treffen jeden Sonntag um 13 Uhr im Jungbusch, Infos über fffma@riseup.net

Parents for Future – Treffen am ersten Montag des Monats um 19 Uhr, Infos über parentsforfuture-mannheim@web.de

 

Ein Bericht zu den Aktionen in Heidelberg und Ludwigshafen folgt.

 

Videobeitrag


Videobeitrag bei Youtube: https://youtu.be/qAHuWGyQgxY

 

Bildergalerie




Fridays for Future: Bei Schülerstreiks gingen in der Rhein-Neckar Region Tausende für Klimagerechtigkeit auf die Straßen [mit Bildergalerie und Video]

Fridays for Future ist ein globale Bewegung von SchülerInnen, die eine Kehrtwende in der Klimapolitik fordert. Am 15.03.19 gingen weltweit in über 100 Ländern und 2000 Städten junge Menschen auf die Straßen, um sich für das Thema und die Bewegung stark zu machen. In Deutschland rief die Bewegung unter dem Motto „Verkehrswende statt Weltende“ zum bundesweiten Streik auf. Bei den jeweiligen überregionalen Aktionen sollen thematische Schwerpunkte gesetzt werden. Der nächste große Streik ist für den 24. Mai geplant. Unsere Reporter berichten von den Streikaktionen und Demos am 15. März in Mannheim, Heidelberg und Frankenthal.

Mannheim: „GKM abschalten!“

In Mannheim hatte die Orga-Gruppe der Schülerinitiative Fridays for Future erneut zur Auftaktkundgebung in den Ehrenhof des Schlosses eingeladen. Nach der erfolgreichen Demo im Februar mit 1000 Teilnehmer*innen war der Druck hoch, noch größer und lauter zu werden. Soviel vorweg: Das gelang auf ganzer Linie.

Dem bundesweiten Motto „Verkehrswende statt Weltende“ schloss sich auch die Mannheimer Gruppe an und forderte in Redenbeiträgen einen Ausbau des ÖPNV, bessere Fahrradwege und moderne Mobilitätskonzepte. Ein weiteres wichtiges Thema war erneut das Kohlegroßkraftwerk der MVV. Die Parole „GKM abschalten“ war auf einem Banner an der Bühne zu lesen. Sie wurde immer wieder von den Schüler*innen gerufen und in Redebeiträgen thematisiert.

Nach dem Auftakt am Schloss zog die Demo erneut durch die Breite Straße, diesmal jedoch mit einem Abstecher zum Rathaus, um die Stadtverwaltung auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Der Büroleiter des Oberbürgermeisters kam heraus, berichtete, dass der OB leider verhindert sei, aber viele Grüße ausrichten ließ und in den kommenden Tagen eine Delegation der Schüler*innen zu sich einladen wolle. Weiter berichtete er von Anstrengungen, die die Stadt bereits unternehme, um im Bereich des Klimaschutz voran zu kommen. Ein Mitorganisator entgegnete darauf, dass sie hier allerdings noch wesentlich mehr Möglichkeiten sehen würden, beispielsweise was den besseren Ausbau des ÖPNV angehe.

Noch in den Quadraten sprachen die Veranstalter*innen von mindestens 2000 Teilnehmer*innen. Es hatten sich auch viele Studierende und vereinzelt Lehrer*innen und weitere Erwachsene eingereiht, die sich mit dem Schulstreik solidarisierten.

Neben der Gruppe der Schüler*innen, die maßgeblich für die Organisation der Demo zuständig war, hat sich auch eine Studierendeninitiative gegründet, die den Protest unterstützt. Umtritten war erneut das Thema Schulstreik aus Perspektive der Erwachsenen. Im Mannheimer Morgen gab es eine Pro- und Kontra-Diskussion, natürlich aus Erwachsenensicht. Witzfigur des Tages war Christian Lindner (FDP), der sich mit seiner Aussage, man solle den Klimaschutz (erwachsenen) Profis überlassen, disqualifiziert hatte und nun auf Schildern und in Reden parodiert wurde.

Manche Lehrer*innen untersützten den Streik offen, indem sie Klassenausflüge zur Demo organisierten, andere nur hinter vorgehaltener Hand, wieder andere trugen unentschuldigte Fehlstunden in die Klassenbücher ein, so wie es vom Schulamt verlangt wurde.

„Wir sind mit der heutigen Veranstaltung mega zufrieden, die Stimmung war sehr gut und wir hoffen, dass auch die Forderung zum GKM angekommen ist“, teilte ein Sprecher der Orga-Gruppe am Mittag mit. Auch am 24. Mai wolle man sich wieder an der internationalen Aktion beteiligen.

(cki)

 

Heidelberg: „An uns kommt keiner mehr vorbei“

Regenwolken, ungemütliches Wetter und Kritiker der Fridays for Future Streiks hatten heute eins gemeinsam: sie waren bedeutungslos. Das Schild eines der Streikenden machte klar: „Wenn ich nur schwänzen will, stell ich mich nicht in den Regen“. So fanden 2500 Schüler*innen den Weg in die Altstadt um kraftvoll, laut und mit guter Laune ein Thema in die Stadt zu tragen, das eigentlich kaum Anlass zu guter Laune bietet.

Praktische Unterstützung kam von der Max Bar, sie spendete Strom für die Lautsprecheranlage, die Heidelberger Bonbon Manufaktur bot süße Unterstützung in Form von Lollies nach dem Streik an. Allerdings rief schon die Ankündigung dessen im Internet, Pöbler und ewig gestrige auf den Plan, sich in der Kommentarspalte dazu aus zu toben. Seine Kritik könnte man auch den Kids persönlich überbringen, die Möglichkeit besteht. Doch man redet lieber über sie, statt mit ihnen, man macht es sich bequem indem man ihnen ihre Mündigkeit abspricht.

Mit Blick auf diese Generation können wir uns die gewohnten Konzepte nicht mehr leisten. Es wird zum Beispiel in Zukunft nicht reichen nur Automobile, selbst wenn diese rein elektrisch fahren, anzubieten, man muss ganz andere Mobilitätskonzepte anbieten. Die Redebeiträge vor dem Rathaus legten den Finger in die Wunde und mahnten wieder, die Weichen jetzt in die richtige Richtung zu stellen: Energiewende, Kohleausstieg, Klimaziele – für alles bleibt wenig Zeit. Oberbürgermeister Eckart Würzner, er kam zur Auftaktkundgebung, für die er einige Termine verlegte, zeigte sich erfreut über die Energie, die die Schüler*innen in die Bewegung bringen.

Die träge und unbewegliche, von wirtschaftlichen Interessen geleitete Politik, vor allem Äußerungen aus der letzten Zeit, sorgten einerseits zwar für Erheiterung, letztlich aber auch für Wut und Unverständnis. Den Wind aus den Segeln der Kritiker nehmen zahlreiche Wissenschaftler, die mit klarer Expertise, als „Scientists for Future“ die Bewegung unterstützen. Spätestens jetzt, und auch das dürfte den ein oder anderen Kritiker entsetzen, agiert Fridays for Future auf Augenhöhe mit Profis. Nur eben mit mehr Ambitionen, Anspruch und Ideen. Und darum ist es schade, dass die Schüler*innen noch zu oft mit falschen Behauptungen und Motiven belegt werden, statt den Dialog mit ihnen anzunehmen. Das bringt Mitorganisator Jannis Rimikis am Ende auf den Punkt als er ruft: „An uns kommt keiner mehr vorbei“. Recht hat er.

(dk)

 

Frankenthal: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“

An diesem Tag gingen zum ersten Mal nach offiziellen Angaben 700 junge Menschen (die Veranstalter berichten von 900) auf die Straßen, um ihre Gesichter für die Bewegung zu zeigen und um Wort zu ergreifen was die globale Klimapolitik angeht. 

„Schulschwänzer“ konnten keine gesichtet werden, sondern ausschließlich nur engagierte SchülerInnen und weitere junge Menschen, denen das Thema am Herzen liegt.

Um kurz nach 11 Uhr zogen die jungen Streikenden vom Speyerer-Tor aus los. Anfangs waren es etwa 300 TeilnehmerInnen, deren Anzahl sich jedoch bis zur Abschlusskundgebung am Rathaus fast verdreifachte.

Quer durch die Stadt zogen die streikenden SchülerInnen. Beifall gab es des öfteren von PassantInnen und auch aus dem ein oder anderen Fenster bekundeten BürgerInnen ihre Sympathien. „Ich kann gar nicht verstehen, was die rufen“, sagte eine ältere Dame unserem Reporter. KIM-Reporter: „Schülerstreik wegen Klima und so.“ Die Dame „Sehr gute Sache, habe darüber heute Morgen in der Zeitung gelesen.“

Nach mehreren Zwischenkundgebungen kamen die Streikenden am Rathaus an und luden die dort arbeitenden Politiker ein heraus zu kommen, um Stellung zu beziehen. Diese kamen der Einaldung nicht nach.

Mit einer Schweigeminute für die Toten und Hinterbliebenen des Flugzeugabsturz in Südafrika, mit Reisenden auf dem Weg zur Weltklimakonferenz und im Gedenken an die Opfer des rassistisch-motivierten Terroranschlag in Christchurch (Neuseeland), endete der Streiktag.

Angekündigt wurde, daß im April in Frankenthal der nächste SchülerInnen-Streik stattfinden wird. Es bleibt abzuwarten, ob sich dann der Oberbürgermeister zeigen wird.

(cr)

 

Video: Eindrücke von den Aktionen in Heidelberg und Mannheim


Direktlink zu youtube: https://youtu.be/t_JWKvg15qI

 

(Bericht, Fotografie und Video: dk, cr und cki)




Fridays for Future Demo: Heidelberg meldet sich beeindruckend zurück (mit Kommentar, Video und Bildergalerie)

Für mehr als 700 Heidelberger Schüler*innen gehörte der vergangene Freitag wieder dem Klimaschutz, die Schule hatte das Nachsehen. Das ist anhand eines deutlichen Zeichens, welches die Heidelberger Schüler*innen setzten, zu verschmerzen.

 

 

 

Nach der Demonstration vom 11. Januar, sie fand nachmittags statt, folgten klare Ansagen von Behörden und Kultusministerium. Umso erfreulicher war jetzt zu sehen, dass die Bewegung zwar unter dem gleichen Druck steht, aber auch generationsübergreifende Unterstützung findet: Eltern, Großeltern und Bürger schlossen sich der Demonstration an und lieferten gemeinsam ein beeindruckendes Bild. Von der Stadtbücherei ausgehend, folgte der Zug der Poststraße und Hauptstraße, Sprechchöre und Rufe waren nicht zu überhören. Aber es ging nicht um Lautstärke allein, die war zeitweise ohrenbetäubend, es ging darum eine eindrückliche Botschaft zu senden. Die deutlichen, auch humorvollen Botschaften auf den Schildern, forderten klar: Es kann nicht so weitergehen – Kohleausstieg, Co2 Ausstoß, Erderwärmung, alles was derzeit unternommen wird, reicht einfach nicht um die Zukunft der kommenden Generationen zu sichern.
Hier sind sich alle einig und auch sehr erwachsen, der Anspruch die Zukunft gestalten zu können, ist nichts was von Reife oder Ausbildung abhängt. Und die Aussage „Es geht um unser Überleben“ klingt auch nicht übertrieben, sondern wirkt sehr real. Da ist der oft vorgebrachte Vorwurf der Naivität einfach deplatziert.
Gut platziert war dann aber die Abschlusskundgebung vor dem Rathaus, nur noch die Herkulesstatue ragte aus der Menge heraus, der Brunnen wurde kurzum zur Bühne für die Redner gemacht, hier fand man wie erwartet deutliche Worte, die die Forderungen an Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft lautstark untermalten.

Mitorganisatorin Anna Helfrich zur, leider oft gehörten, Behauptung, es ginge den Aktivist*innen nur ums Schule Schwänzen, man könne ja auch nachmittags demonstrieren:
„Ich bin traurig drüber, dass wir hier stehen müssen. Es zeigt, wie wenig die Politik tut, so dass wir jetzt diese Maßnahme ergreifen.“
Zur Behauptung die vor allem Rechtspopulisten der AfD in die Welt setzen, die Schüler*innen werden instrumentalisiert sagt sie:
„Es ist schon unglaublich, dass Leute glauben, Jugendliche könnten sich nicht selbst organisieren, das ist, wie jede Aussage der AfD, Schwachsinn.“
Anna betont die Unterstützung die die Bewegung aus dem Familien- und Schulumfeld bekommt: „Meine Verwandtschaft ist dafür, es war z.B. mein Großvater der mich auf Greta Thunberg aufmerksam machte. Meine Schule und Lehrer unterstützen uns. Das ist leider nicht überall so.“
Dass Klimaziele von einer Generation vorgegeben werden, die zum Großteil nicht mehr davon betroffen sein wird, kommentiert Anna mit Erwartungen an die heute noch Verantwortlichen: „Wir wollen Unterstützung, wir wollen, dass sie mit uns zusammen kämpfen. Nicht nur für unsere Zukunft, auch für die unserer Kinder, und da können wir alle an einem Strang ziehen, das müssen wir auch.“

Unterstützung bekamen die Heidelberger Schüler*innen vom „Bündnis für einen Bürgerentscheid zum großen Ochsenkopf“, das sich dafür einsetzt, dass der Betriebshof nicht auf die Bergheimer Grünfläche verlagert wird. Bürger*innen und Tourist*innen zeigten sich vom Engagement der jungen Leute beeindruckt und einige Heidelberger Geschäftsleute zeigten spontan gebastelte „Danke“-Schilder.
Laut Polizei verlief die Demonstration, für die etwa 500 Teilnehmer*innen erwartet wurden, ohne Zwischenfälle.

Kommentar zur Fridays for Future Bewegung:
Wenn Schüler*innen auf die Straße gehen, statt in der Schule im Unterricht zu sitzen, dann bleiben sie (in der Regel) unentschuldigt dem Unterricht fern, das ist soweit richtig. Doch wenn man die Motivation dagegenhält, ist es nicht schwänzen, dann ist es einfach nur wichtig. Es ist wichtig denen, die heute Entscheidungen treffen, für die, die es heute noch nicht dürfen, zu sagen: „Wir tragen die Konsequenz, wir baden aus, was ihr tut.“ Das ist nicht frech oder dreist, es ist das Mindeste.
Darum stünde allen, die diese Demonstrationen mit plumpem Schule Schwänzen abtun, etwas mehr Nachsicht gut zu Gesicht. Mit welcher Arroganz setzt man denn sonst Kinder in eine Welt, die man ihnen so mühsam zu bewohnen überlässt? Diese Kinder verdienen keine Häme, sie verdienen Respekt.

 

(Bericht, Kommentar, Video und Fotos: Daniel Kubirski)

 

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„Fridays for Future“ in Mannheim: Mehr als 1000 Schüler*innen bei Schulstreik und Klimademo [mit Bildergalerie und Video]

Im Vorfeld war vor allem das Schuleschwänzen diskutiert worden, doch bei der Demo am Freitagvormittag stand der Klimaschutz klar im Mittelpunkt. Schüler*innen aus Mannheim, aber auch zugereiste aus anderen Städten, veranstalteten zum ersten Mal einen Klimastreiktag unter dem Motto „Fridays for Future“. Bundesweit und international gehen Schüler*innen seit Wochen für Klimagerechtigkeit auf die Straße. Als Symbolfigur der Proteste gilt die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die durch eine bewegende Rede bei der UN-Klimakonferenz in Katowice berühmt wurde.

„Klar hätten wir die Demo auch außerhalb der Schulzeit machen können“, hieß es aus den Reihen des Orga-Kreises, „doch dann hätten wir nur halb so viel Aufmerksamkeit bekommen“. Angemeldet waren 500 Personen. Am Ende zählte die Polizei 1100 Schüler*innen – ein voller Erfolg für die erste Klimademo, die nur ein Auftakt sein soll. „Im März wollen wir uns an einem internationalen Aktionstag beteiligen und hoffen, dass wir dann noch mehr Menschen auf die Straße bringen“, kündigte einer der Organisatoren an.

Der Schulstreik schien für viele nur halb so wild zu sein. „Unsere Lehrerin hatte nicht nur Verständnis, sind fand es sogar gut, was wir machen“, berichtete eine Demonstrantin. Ein anderer erklärte des Sinn des Schulstreiks so: „Warum sollen wir lernen, wenn wir keine Zukunft auf diesem Planeten haben?“ Doch es gab auch andere Fälle. Eine Sprecherin des Orga-Kreises berichtete, dass sich Mitschüler gerne beteiligt hätten, aber nicht durften.

Die Demo begann um 11 Uhr im Ehrenhof des Schlosses und zog durch die Breite Straße zum Alten Messplatz. Unterwegs gab es am Marktplatz einige Wortbeiträge. Auch am Alten Messplatz wollten noch zahlreiche Schüler*innen die Gelegenheit nutzen und über ihre Sicht auf den Klimawandel sprechen.

Auffällig waren die zahlreichen selbstgemalten Schilder mit kreativen, teils persönlichen, teils originellen Sprüchen. Partei- und Organisationsfahnen waren tabu – das war im Vorfeld von den Veranstalter*innen so gewünscht worden.

(cki / cr)

 

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