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Anette Langendorf: Premiere des Dokumentarfilms „Die Aufrechte“ – Film auch als Stream verfügbar

Filmpremiere im Cinema Quadrat

Die Weltuhraufführung des Dokumentarfilms „Die Aufrechte“ über das Leben der Mannheimer Politikerin und VVN-Gründerin Anette Langendorf fand am Sonntag, 30. Januar 2022 im Cinema Quadrat statt. Bei zwei ausverkauften Vorstellungen (wegen Corona nur bei halber Platzkapazität) zeigte das Publikum großes Interesse an der beinahe vergessenen, für die Stadt bedeutenden Kommunalpolitikerin.

Anette Langendorf war vor und nach 1945 als Abgeordnete für die KPD in den Kommunalen und Landesparlamenten aktiv, wurde in der Zeit des Faschismus verhaftet und im KZ Ravensbrück inhaftiert, ihr Ehemann Rudolf als Widerstandskämpfer der Lechleitergruppe hingerichtet. Als Langendorf 1945 zurückkehrte, baute Sie das zerstörte Mannheim der Nachkriegszeit mit auf, gründete die VVN und kümmerte sich um ehemals Verfolgte und sozial Benachteiligte Menschen in der Stadt.

Der Dokumentarfilm soll eine wenig bekannte Mannheimer Politikerin würdigen, ihr Leben und politisches Wirken in Erinnerung rufen. Die Gemeinderatsfraktionen Grüne, SPD und Li.PAR.Tie haben bereits Anträge gestellt, einen Park nach ihr zu benennen.

 

An der Filmpremiere nahmen geladene Gäste aus Politik, Kultur und Verwaltung teil, aber auch eine ehemalige Arbeitskollegin und Nachkommen der Familie Langendorf konnten begrüßt werden. Beiden Vorstellungen folgte ein Publikumsgespräch mit den Filmemacher*innen. Dort wurde angeregt, den Dokumentarfilm auch in Schulen zu zeigen und junge Menschen weiter am Leben von Anette Langendorf forschen zu lassen. Es gebe noch viel Unentdecktes, was aus den Archiven zusammengetragen werden könne. Weiter gab es die Anregung, dass Anette Langendorf auch in der stadtgeschichtlichen Ausstellung und im kommenden NS-Dokumentationszentrum des MARCHIVUM eine Rolle spielen könnte.

 

Filmpremiere im Cinema Quadrat

An der Filmpremiere nahmen geladene Gäste aus Politik, Kultur und Verwaltung teil, aber auch eine ehemalige Arbeitskollegin und Nachkommen der Familie Langendorf konnten begrüßt werden. Beiden Vorstellungen folgte ein Publikumsgespräch mit den Filmemacher*innen. Dort wurde angeregt, den Dokumentarfilm auch in Schulen zu zeigen und junge Menschen weiter am Leben von Anette Langendorf forschen zu lassen. Es gebe noch viel Unentdecktes, was aus den Archiven zusammengetragen werden könne. Weiter gab es die Anregung, dass Anette Langendorf auch in der stadtgeschichtlichen Ausstellung und im kommenden NS-Dokumentationszentrum des MARCHIVUM eine Rolle spielen könnte.

Der Dokumentarfilm „Die Aufrechte – Anette Langendorf, eine Mannheimer Antifaschistin“ kann kostenlos über Youtube gestreamt werden. Weitere Kinovorstellungen sind für März und April geplant.

Den Film „Die Aufrechte – Anette Langendorf, eine Mannheimer Antifaschistin“ bei Youtube streamen: https://youtu.be/Had_TG3EteE

 

Siehe auch

Anette-Langendorf-Park: Eine widerständige Mannheimerin soll geehrt werden




Anette-Langendorf-Park: Eine widerständige Mannheimerin soll geehrt werden

Der zukünftige Parkstreifen auf dem Turleygelände, der nach Anette Langendorf benannt werden soll, wird zur Zeit noch als Baustellenlager genutzt | Bild: KIM

Im Gemeinderat wurden von den Fraktionen Grüne und Li.PAR.Ti gleichlautenden Anträge gestellt. Um die Lebensleistung von Anette Langendorf zu ehren, soll der geplante Parkstreifen auf dem Turleygelände „Anette-Langendorf-Park“ benannt werden. Auch die SPD hat angekündigt, den Antrag mitzutragen.

Die Fraktionen wollen damit eine Frau ehren, die wie kaum eine andere die Verbrechen des Nationalsozialismus ertragen musste und dennoch mutig, motiviert und voller Tatendrang nach 1945 am Wiederaufbau Mannheims vielfältig mitarbeitete.

Politisch aktiv in Mannheim und Württemberg-Baden

Anette Langendorf um 1954 | Bild: MARCHIVUM

Geboren wurde sie 1894 in Leipzig und kam über Stationen in Mülhausen und Lörrach mit ihrer Familie 1921 nach Mannheim, zunächst nach Friedrichsfeld, damals noch eine eigenständige Gemeinde. Ihr politisches Engagement erlernte Sie bereits früh in der Familie. Nach Stationen in der SPD und USPD wurde sie KPD Mitglied und übernahm dort verschiedene Funktionen und Ämter.

Ab 1921 war sie im Friedrichsfelder Gemeinderat und ab 1930, nach der Eingemeindung, als Stadtverordnete in Mannheim tätig. Von 1929 bis 1933 gehörte sie mit Georg Lechleiter dem Badischen Landtag an.

Die Jahre 1933 bis 1945

Ehemann Rudolf Langendorf, 1942 von den Nazis ermordert | Bild: MARCHIVUM

In den Jahren 1933 bis 1945 musste Anette Langendorf furchtbares Leid erfahren. Ihr Ehemann Rudolf Langendorf wurde wegen seiner Widerstandstätigkeiten bei der Lechleitergruppe verhaftet und 1942 von den Nazis ermordet. Ihre beiden Söhne wurden eingezogen und mussten an der Ostfront kämpfen. Einer wurde erschossen, vermutlich beim Versuch überzulaufen, der andere überlebte nur knapp.

Anette Langendorf wurde auch selbst verhaftet und im KZ Ravensbrück interniert. Sie überlebte die Lagerhaft, auch dank ihrer guten Kontakte zu anderen KPD-Frauen, die sie während einer schweren Erkrankung pflegten und versteckten. Nach der Befreiung durch die Rote Armee war sie für kurze Zeit Bürgermeisterin im Nachbarort des KZ, Fürstenberg an der Havel, ging dann aber bald weiter nach Berlin und zurück nach Mannheim.

Wiederaufbau des neuen Deutschlands

Mannheimer KZ Häftlinge nach der Befreiung 1945 in Buchenwald | Bild: MARCHIVUM

Trotz ihrer Sympathien für den Sozialismus blieb Anette Langendorf in Westdeutschland und arbeitete am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mit. Sie gehörte 1946 der vorläufigen Volksvertretung und der Verfassungsgebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden an. Ab 1947 war sie Abgeordnete des Landtages von Württemberg-Baden. 1945 bis 1956 war sie Mitglied des KPD-Landesvorstandes.

Sie wurde in Mannheim als eine von nur zwei Frauen in den ersten Gemeinderat nach dem Krieg gewählt. Einige Jahre war sie Fraktionsvorsitzende der KPD-Fraktion. Nach dem KPD-Verbot 1956 gehörte sie als Parteilose noch bis 1959 dem Gemeinderat an.

Der erste Mannheimer Gemeinderat trat nach dem Krieg 1946 unter amerikanischer Aufsicht zusammen; 2.v.r. Anette Langendorf | Bild: MARCHIVUM

Mitbegründerin der VVN Mannheim

Doch nicht nur in den Parlamenten war Anette Langendorf aktiv. Zusammen mit Jakob Baumann (SPD) gründete sie 1947 die Kreisvereinigung Mannheim der Vereinigten der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Sie machten es sich zur Aufgabe, für die rund 1800 vom NS-Terror verfolgten Mannheimer*innen zu sorgen und für ihr Andenken zu kämpfen.

Einweihung des Denkmals am Lechleiterplatz 1988 | Bild: privat

Neben der praktischen Hilfe bei der Vermittlung von Lebensmitteln und Unterkünften, wurden auch kulturelle Veranstaltungen organisiert und es gab politische Auseinandersetzungen, beispielsweise um den „Friedensengel“, der 1952 von Oberbürgermeister Heimerich und Bundeskanzler Adenauer eingeweiht wurde.

Langendorf kritisierte, dass die Skulptur pauschal an alle Toten des Zweiten Weltkriegs erinnern sollte, an Nazis und Verfolgte gleichermaßen. Geld für ein Denkmal für die Widerstandskämpfer*innen am Lechleiterplatz wurde damals nicht bewilligt. Die Einweihung des heutigen Gedenkortes, an dem auch ihr Mann Rudolf Langendorf geehrt wird, erfolgte erst 1988, fast 20 Jahre nach ihrem Tod.

Ihre letzten Jahre verbrachte Anette Langendorf mit ihrem neuen Lebensgefährten Willy Grimm, der ebenfalls ein politischer Mitstreiter war, in Mannheim-Feudenheim.

Dokumentarfilm geplant

Anette Langendorf bei einer Gemeinderatssitzung in den 50er Jahren | Bild: privat

In Vorbereitung des 75-jährigen Bestehens der VVN Kreisvereinigung Mannheim recherchierten die Kreisvorstandsmitglieder Fritz Reidenbach und Klaus Dollmann zum Leben von Anette Langendorf. Dabei tauchten im MARCHIVUM (Stadtarchiv Mannheim) und im Archiv der KZ Gedenkstätte Ravensbrück teils wenig bekannte Dokumente auf, die einen neuen Blick auf ihre politische Tätigkeit und ihre Zeit im KZ ermöglichten.

Das politische Leben von Anette Langendorf soll in Form eines Dokumentarfilms der Öffentlichkeit zugänglich werden. Neben den archivarischen Dokumenten stellen sechs Interviews das inhaltliche Fundament des Films dar. Besonders die persönlichen Schilderungen von Gudrun Langendorf machen den Film sehr lebendig. Die Schwiegertochter von Anette Langendorf lebt in Berlin und lernte Anette Langendorf nach der Geburt des Enkenkindes in den 60er Jahren bei Familientreffen kennen.

Der Dokumentarfilm wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert und soll im Januar 2022 im Cinema Quadrat Premiere feiern. Kommunalinfo Mannheim unterstützt die Produktion im Rahmen einer Medienpartnerschaft. Im Februar des kommenden Jahres ist außerdem eine Veranstaltung zum 75-jährigen Bestehen der VVN Mannheim im MARCHIVUM geplant.

Straßenbenennung nicht möglich – stattdessen Benennung eines Parks

Im Rahmen der Interviews zum Film kam heraus, dass eine Straßenbenennung zu Ehren Anette Langendorfs nicht möglich ist. Es gibt bereits eine Rudolf-Langendorf-Straße in Mannheim-Friedrichsfeld. Wegen Verwechslungsgefahr sind zwei „Langendorf-Straßen“ in einer Stadt aus ordnungsrechtlicher Sicht nicht möglich. Auch eine Berta-Benz-Straße wäre beispielsweise in Mannheim nicht erlaubt. Aber der Benennung eines Ortes, Platzes oder Gebäudes ohne relevante Adressfunktion spricht nichts entgegen.

Daher stellen die Fraktionen nun einen Antrag im Gemeinderat, den geplanten Park auf dem Turley-Konversionsgelände nach Anette Langendorf zu benennen. Zur Zeit wird der zukünftige Park noch als Baustellenlager genutzt, die Fertigstellung wird noch einige Zeit dauern. Wenn es dann soweit ist, wird sich Anette Langendorf sicherlich wohl fühlen in der dortigen Gesellschaft neben Fritz Salm, Marianne Cohn, Samuel Turley und anderen. Alle Namensgeber*innen der dortigen Straßen haben nämlich eines gemeinsam: Sie waren in vielfältiger Weise gegen die Nazis im Widerstand aktiv. (cki)




Ankündigung: Film-Dokumentation würdigt Anette Langendorf – Kämpferin für Frauen- und Bürgerrechte in Mannheim

F. Reidenbach, A. Lennartz und K.Dollmann

KIM hat sich mit den Produzenten einer Filmdokumentation in Arbeit am 06.09.2021 in Mannheim getroffen. Am Gespräch nahm auch die am Filmprojekt als Redakteurin beteiligte Journalistin Annette Lennartz (u.a. SWR) teil. Die zirka 45-minütige filmische Dokumentation, über die Mannheimer Stadträtin (1921) und spätere Landtagsabgeordnete nach 1945, soll ab November 2021 an ausgewählten Orten (Kinos) vorgeführt werden. Anette Langendorf war Mitgründerin der VVN, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Politisch sozialisiert war die über Parteigrenzen hinweg anerkannte und beliebte Politikerin, als Kämpferin gegen Faschismus und für Frauenrechte und Sozialpolitik, zuerst in der SPD, später USPD, danach in der KPD. Ein Jahr vor ihrem Tod trat sie 1968 der DKP bei.

75 Jahre VVN-BdA – mindestens ein Grund zum Erinnern

2022 feiert der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregims – Bund der Antifaschisten) seine Gründung. Das Filmprojekt will in diesem Kontext einen Beitrag zur Erinnerungskultur, der politischen Bildung und zum Jubiläumsjahr leisten. Und dies bereits im Vorfeld des 75. Gründungsjahrs. Die Produzenten Fritz Reidenbach und Klaus Dollmann betonten diesen Fokus. Finanzielle Unterstützung erhält die Produktion durch Mittel der VVN-BdA Mannheim und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württtemberg. Für Kamera, Ton und Schnitt ist verantwortlich ein für seine Arbeiten bekannter KIM-Redakteur. Das Credo lautet, wenn nicht jetzt, wann dann; sinngemäss „Die direkt Betroffenen, deren Angehörige und weitere wichtige Zeitzeugen stehen wenn überhaupt, nur noch überschaubare Jahre für Gespräche zur Verfügung.“

Gestern, heute und morgen…Anette Langendorf-Park

Im Rahmen der Anfang 2021 begonnen Filmaufnahmen, konnten diverse Zeitzeugen und HistokerInnen bundesweit befragt werden. Zum Beispiel mit Frau Dr. Gudrun Langendorf (Schwiegertochter), Herrn Prof. Dr. Ulrich Nieß (MARCHIVUM) und Frau Dr. Sabine Arend (KZ-Gedenkstätte Ravensbrück).

Beim Drehtermin in Ravensbrück, sagt Projektredakteurin Annette Lennartz im Gespräch mit dem KIM, kam ein einzigartiges, historisches Dokument zum Vorschein. Vorher noch nie inventarisiert und katalogisiert: Eine siebenseitige handschriftliche Schrift von Anette Langendorf; angefertigt während ihrer KZ-Internierung in Ravensbrück.

Ohne dieses Filmprojekt, wäre dieses wichtige Dokument vermutlich weitere Jahrzehnte in ungesichteten Beständen der Gedenkstätte verschollen geblieben.

Kontroverse: öffentliche Stellen in Stuttgart verwähren Kooperation

Rudolf Langendorf, Ehemann von Anette Langendorf, wurde als Mitglied der Lechteiter-Widerstandsgruppe gegen das NSDAP-Regime, verhaftet und am 15.09.1942 in Stuttgart hingerichtet. Für die Filmproduzenten wäre es wichtig gewesen, an der Gedenkstätte filmen zu können. Dies wurde dem Team verwährt und zu einem Interview waren die Verantwortlichen auch nicht bereit. Vollkommen unbefriedigend musste der Hinweis bis dato zur Kenntnis genommen werden, der sinngemäss lautet: „Es wäre mit einer Gedenkstätte schon alles getan; am Hinrichtungsort der Menschen aus der Lechleiter-Gruppe. Akutell würde man sich museal damit beschäftigen, eine Gedenkvitrine für Anette Langendorf einzurichten. Und abstrakt dazu im Museumscharakter gegenüberstellend den in Mannheim geborenen, späteren CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Karl Filbinger. Filbinger, der als NSDAP-Mitglied und Marinerichter diverse Todesurteile empfohlen und verhängt haben soll“.

Anette Langendorf / VVN-BdA (KIM-Archiv)

Auf der Zielgeraden

Bei noch anstehenden Filmaufnahmen sollen neue, meist junge Mitglieder der VVN-BdA zu Wort kommen, um mit ihren Einschätzungen der Dokumentation eine Zukunftsvision zu geben.

KIM erfuhr beim Gespräch mit den Produzenten, dass es Bestrebungen gibt in Mannheim einen künftigen Park oder eine anders geartete große Grünfläche nach Annette Langendorf benennen zu wollen. Wer den Dokumentarfilm, ab November nicht im Original sehen können wird. Diesem Personenkreis soll laut Producern, der Film auch als DVD angeboten werden.

Es bleibt spannend und KIM als Medienpartner wird weiter berichten.

(Bericht und Fotos: Christian Ratz; und wie angegeben)

Weiterführende Links:

https://kommunalinfo-mannheim.de/2019/07/30/blumen-zum-50-todestag-der-vvn-gruenderin-anette-langendorf/

https://de.wikipedia.org/wiki/Antonie_Langendorf




Zum Tod von Hermann W. Morweiser

Hermann W. Morweiser wurde am 27. September 1932 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Nach dem Besuch der Volksschule lernte er den Beruf des Bau- und Gerätetischlers. 1947 wurde er zunächst Mitglied der evangelischen Jugend in der Apostelkirche. 1948 trat er der Freien Deutschen Jugend und 1949 der Kommunistischen Partei Deutschlands bei. Auch nach dem Verbot der FDJ 1951 – sie hatte gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands aufbegehrt – blieb er für diese kommunistische Jugendorganisation aktiv und wurde deshalb 1954 an 17 April verhaftet und am 17.Dezember nach neunmonatiger Untersuchungshaft wegen illegaler Tätigkeit für die FDJ zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt.

Ab 1956 bis zum Parteiverbot am 17. August war er Kreissekretär der KPD in Landau und Bad Bergzabern. In drei Handwerksbetrieben fand er Arbeit bis zu seiner Pensionierung. 1968 trat er in die DKP ein und kandidierte mehrmals zum Stadtrat in Ludwigshafen sowie zum Deutschen Bundestag. Seit 1973 engagierte er sich vor allem aber in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes /Bund der Antifaschisten und war Mitglied in deren Präsidium. Er begann mit dem Aufbau des Antifa-Archivs-Ludwigshafen, das als Privatarchiv Platz in seinem Haus in Edigheim fand. Es beinhaltete insbesondere die Nachlässe ehemaliger KPD-Mitglieder und weiterer Opfer des Faschismus. Auf dieser Quellengrundlage begann mit der Publikation zahlreicher eigener Veröffentlichungen zum Antifaschismus in Ludwigshafen und Speyer, zum Schicksal der Pfälzischen Juden aber auch zum Frankenthaler Revolutionär Johann Philipp Becker.

Nach dem Eintritt in die Pension begab er sich mit einer Arbeitsbrigade nach Kuba, um beim Aufbau einer Reha-Klinik in Matanzas mitzuwirken. Noch 2012 berichtete der Mannheimer Morgen ausführlich über sein Archiv. Danach wurde es krankheitsbedingt immer ruhiger um Morweiser. Er verstarb er am 3. November 2020. Sein politisches Vermächtnis – das Antifa-Archiv Ludwigshafen – ist ohne Einschränkung im Stadtarchiv Ludwigshafen einsehbar.

(Dr. Klaus J. Becker)

 




100. Jahrestag ihrer Ermordung – Warum Rosa Luxemburg gedenken?

Rosa Luxemburg | Bild: gemeinfrei

In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 wird Rosa Luxemburg zusammen mit Karl Liebknecht absichtsvoll aus den Reihen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet. Diese Division gehört zu den Elite-Truppen des ehemaligen Kaiserlichen Heeres. Und mit der Ermordung der beiden Führungspersonen der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands sollen die unliebsamen Gegner ausgeschaltet werden.

Für was steht Rosa Luxemburg?

Sie ist die exzellente Theoretikerin und Agitatorin des linken, sozialistischen Flügels in der SPD des Kaiserreichs. Sie ist eine sehr selbstbewusste Frau trotz aller Widrigkeiten ihres Lebens. Sie spricht sich von Anfang an gegen die Gewährung von Kriegskrediten für den Kaiser zu Beginn des 1. Weltkrieges aus und agitiert konsequent gegen den Nationalismus und den Krieg. Sie hält auch fest an den sozialistischen programmatischen Zielen der Sozialdemokratie wie beispielsweise die Forderung nach Verstaatlichung der Großindustrie wie Kohle und Stahl.

Sie ist leitende Mitbegründerin der Kommunistischen Partei in den letzten Dezembertagen von 1918 als Abspaltung von der SPD/USPD und wird damit bei der politischen Reaktion und dem Militär eine der verhasstesten Protagonistinnen einer revolutionären Bewegung.

Und was hat das mit Mannheim zu tun?

Aktion für die Benennung einer Straße nach Rosa Luxemburg | Bild: Helmut Roos

In Mannheim ist (bisher) keine Straße oder kein Platz zu ihrem Andenken benannt, wiewohl es im Stadtteil Almenhof neben dem Taufbezirk für die Männer der Badischen Revolution auch einige Straßen im Andenken an Frühsozialisten gibt, allerdings wird lediglich Männern gedacht. Daher hat sich eine kleine Initiative von Frauen gebildet, die auch das Gedenken an sozialistisch eingestellte Frauen einfordern und zwar vorrangig ebenfalls auf dem Almenhof. Namenlose Wege oder noch unbenannte Plätze gibt es dort. Es gibt im Gemeinderat seit Sommer letzten Jahres zwei entsprechende Anträge, die von der Verwaltung geprüft werden. Aber aktuell gibt es leider wenig Unterstützung.

Auch die Mannheimer Friedensbewegung hat gute Gründe einer so engagierten Kriegsgegnerin zu gedenken, insbesondere wenn es darum geht sich immer wieder gegen nationalistische und reaktionäre Vereinnahmungen zu Wehr zu setzen.

(hri)

Geplante Gedenkveranstaltungen

Beisetzung von Rosa Luxemburg am 13. Juni 1919 | Bild: Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0

Cinema Quadrat zeigt am Abend des 15. Januar – ein Dienstag – um 19.30 Uhr den Film ROSA LUXEMBURG.
Aus der Filmbewerbung: „In opulenten Bildern erzählt die Filmemacherin Margarethe von Trotta die bewegte Lebensgeschichte der kämpferischen Sozialistin Rosa Luxemburg, die 1870 geboren und 1919 von rechten Freicorps-Offizieren ermordet wurde. Dabei macht die Filmbiographie die politische, aber auch die private Seite der Pazifistin und sozialistischen Streiterin anschaulich, nähert sich dabei insbesondere den inneren Beweggründen ihres politischen Handelns. Zum 100. Todestag würdigt das Cinema Quadrat die Wortführerin der Linken in monarchisch-militaristischen Zeiten mit dem Klassiker engagierten deutschen Autorenkinos und mit einem Einführungsvortrag von Wolfgang Alles. In Kooperation mit dem Aktionsbündnis ´Wir zahlen nicht für Eure Krise´“.

 

Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Mannheim. Aus der Ankündigung:
„Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung der Rosa L. am 1. Februar um 20 Uhr im Trafo-Haus Schwetzinger-Vorstadt
Vortrag/Diskussion mit dem Autor und Publizisten Klaus Gietinger
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen Tragödien des 20. Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord hat so sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in Deutschland verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor dem Hotel mit dem paradiesischen Namen Eden. Der Mord war Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur das.´Da begann jener schauerliche Zug von Toten, fortgesetzt im März 1919 schon und ging weiter die ganzen Jahre und Jahre, Gemordete und Gemordete´, wie Paul Levi es in seinem berühmten Plädoyer drei Jahre vor dem deutschen Faschismus ausdrückte. Klaus Gietinger, geb. 1955. ist Sozialwissenschaftler, Drehbuchautor und Regisseur. Veröffentlichungen u.a. ´Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa Luxemburg´, Nautilus, Hamburg 2009; ´November 1918 − der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts´, Nautilus, Hamburg 2018.“




Auf den Spuren Mannheimer Revolutionäre: Eine Würdigung der Novemberrevolution 1918 im Cinema Quadrat

Das Cinema Quadrat war bis auf den letzten Platz belegt

„Der Tag der Revolution ist gekommen. Wir haben den Frieden erzwungen. Der Friede ist in diesem Augenblick geschlossen. Das Alte ist nicht mehr.“ Mit diesen Worten soll Karl Liebknecht, Wortführer des Spartakusbund, auf einem Lastwagen stehend, am 9. November 1918 in Berlin die Republik ausgerufen haben.

Diese Worte fanden auch in der 600 Kilometer entfernten Arbeiterstadt Mannheim ihren Wiederhall. Doch hier wie dort, im fernen Berlin, war es eine andere Organisation, die sich im Laufe der revolutionären Kämpfe 1918/1919 durchsetzen sollte: die SPD. Deren Staatssekretär in Berlin Philipp Scheidemann wollte den Linken zuvor kommen und rief daher ebenfalls am 9. November – so ist es überliefert – beim Mittagessen „zwischen Suppe und Nachspeise“ die Republik vom Balkon des Reichstagsgebäudes aus.

Moderator Wolfgang Alles mit einer Buchempfehlung zur Novemberrevolution

Im Rahmen einer Kultur- und Gedenkveranstaltung im Cinema Quadrat wurden die revolutionären Aufstände der damaligen Zeit gewürdigt. Sie hatten den Ersten Weltkrieg beendet und die Monarchie abgeschafft. Sie läuteten eine neue Zeit der parlamentarischen Demokratie ein – die vorerst aber nur für 15 Jahre bestehen sollte.

Mannheim in der Novemberrevolution 1918

Auf vielfältige Weise erfuhren die Besucher*innen im bis auf den letzten Platz besetzten Cinema Quadrat eine Würdigung der revolutionären, teils fast vergessenen Kämpfe. Wolfgang Alles, Sprecher des Aktionsbündnisses „Wir zahlen nicht für eure Krise“, begrüßte und moderierte die von IG Metall Mannheim, IG BCE Weinheim und Attac Mannheim unterstützte Veranstaltung.

Mia Lindemann, Historikerin und Gewerkschafterin…

Mia Lindemann, Gewerkschafterin und Historikerin, referierte zu den revolutionären Aufständen in Mannheim. Mehr noch, als an anderen Orten, war die Arbeiterstadt auch damals schon von der SPD geprägt. Zwar hatte die Partei einen schweren Stand, da sie anfangs die Kriegsbegeisterung mitgetragen und Kriegskredite gewährt hatte. Sogar der bekannte SPD-Politiker Ludwig Frank hatte sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet und war bereits im September 1914 in den ersten Kriegsmonaten in Lothringen gefallen. Doch 1917, als die Stimmung bereits gekippt war, organisierte die SPD wieder Friedensdemos und die feste Verankerung in der Arbeiterbewegung gewährte der Partei weiter großen Einfluss auf die gesellschaftlichen Entwicklungen.

… berichtete dem interessiertem Publikum, was 1918 in Mannheim geschah

Zwar gründeten sich auch in Mannheim die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USP) und später die Kommunistische Partei, doch Mitgliederzahl und Einfluss der Linken blieben anfangs überschaubar. Weit größere Bedeutung hatten die Streiks, an denen sich Anfang 1918 in der Industriestadt bis zu 15 000 Menschen beteiligt haben sollen. Im Herbst soll es dann massiv in den Betrieben rumort haben, angefeuert durch die Berichte aus anderen Städten im Deutschen Reich, wo es zu ersten revolutionären Aufständen kam – allen voran meuterten die „roten Matrosen“ aus Kiel. Es tauchten in Mannheimer Straßenbahnen die ersten Flugblätter mit den Aufrufen „Bildet Arbeiter- und Soldatenräte!“ auf.

Wer sich weiter zur Thematik interessiert, dem sei dieses Buch mit einem Kapitel von Mia Lindemann zur Novemberrevolution in Mannheim empfohlen

Am 9. November war es soweit und auch in Mannheim wurde ein erster Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Die Post, der Bahnhof und das Rathaus wurden besetzt. Alles sei aber „ruhig und friedlich“ geblieben, berichtete die „Volksstimme“ am nächsten Tag. Die Polizei kooperierte. Am 10. November wurde in Karlsruhe die Bildung einer „provisorischen Volksregierung Baden“ bekannt gegeben.

Der Arbeiter- und Soldatenrat in Mannheim wurde in der Bevölkerung weitgehend akzeptiert und sah seine Aufgabe vornehmlich in der Schaffung von Ordnung und Ruhe. Eine „Volkswehr“, bestehend aus „ausgesuchten Genossen“, wurde der Mannheimer Polizei angegliedert. Konflikte gab es dennoch bei Lebensmittelverteilungen und Enteignungen – hier hatten vor allem die Funktionäre der SPD andere Vorstellungen, als die Arbeiter und Soldaten in den Räten.

Der Rat zeigte sich aber bald sehr offen und so kam es, dass schnell auch Vertreter aus anderen gesellschaftlichen Schichten darin Sitze fanden. Vor allem die SPD gewann an Einfluss. Sie konnte die Deutungshoheit darüber gewinnen, dass die Räte nur ein Provisorium auf dem Weg zur parlamentarischen Demokratie waren. Mit den Wahlen zur Nationalversammlung endete das revolutionäre Projekt der Räte nach wenigen Monaten. Revolutionäre Kräfte waren bei den Wahlen die Verlierer. Die Meldungen vom „Spartakusaufstand“ in Berlin sorgten in Mannheim gar für eine Massendemonstration von 50 000 Menschen, die sich gegen weitere revolutionäre Entwicklungen wendeten – mobilisiert hatte dazu die SPD.

Verschmelzung von Wort, Musik und Film

DDR-Film „Matrosen in Berlin“

Einen geschichtlichen Abriss der historischen Ereignisse versuchte auch der Film „Matrosen in Berlin“ (DDR, 1978). Der DEFA-Dokumentarfilm zeigte neben Originalaufnahmen der revolutionären Kämpfe in Berlin auch eine eindeutige Feindschaft gegenüber der SPD, die als Marionette des Militarismus und des Kapitals dargestellt wurde – eine durchschaubare propagandistische Verzerrung, die dennoch ihren wahren Kern hat. Dem Spartakusbund, aus dem später die KPD und damit der ideologische Bezugpunkt der DDR wurde, kam im Film eine überhöhte Bedeutung zu, die nicht der Realität entsprach. Die spontane, unorganisierte Rebellion der Matrosen, Soldaten und Arbeiter*innen und die Gründung der Räte von unten passte wohl nicht ins politische Bild der sozialistischen DDR-Staatsdoktrin. Es sollte offenbar vermittelt werden, dass der Grund für das Scheitern der Novemberrevolution die fehlende Massenorganisation der Arbeiter und Soldaten war.

Wolfgang Alles, der den Film anmoderierte, sprach eben diese Problematik an, was eine gute Vorbereitung für all jene war, die sich mit den Propagandastrategien der DDR noch nicht auseinandergesetzt hatten.

Als Vertreter der Gewerkschaften sprach Klaus Stein, 1. Bevollmächtigter der IG Metall ein Grußwort. In weiteren Programmpunkten laß die Schauspielerin Bettina Franke erst aus den Forderungen der Arbeiter- und Soldatenräte, sowie einen Text von Kurt Tucholsky und später den letzten Zeitungsartikel der Revolutionärin Rosa Luxemburg aus der „Roten Fahne“ vom 14. Januar 1919, einem Tag vor ihrer Ermordung. Er endet mit den berühmten Worten „Ich war, ich bin, ich werde sein“.

Die Musiker Joachim Romeis (Geige) und Bernd Köhler (Gesang und Gitarre) von der Band ewo² umrahmten die Veranstaltung musikalisch – experimentell, beeindruckend und dem revolutionären Anlass angemessen. Sie spielten Stücke von Erich Mühsam, Wladimir Majakowski und Erich Weinert. Akustische und elektronische Instrumente schafften in der dunklen Kino-Atmosphäre eine Mischung aus Bedrückung und Aufbruch – analog zu Erfolg und Scheitern der revolutionären Kräfte, denen die Lieder gewidmet waren.

Als letztes Stück spielten die beiden Musiker das jiddische „s’brennt“, um an ein weiteres, wichtiges Ereignis an einem 9. November zu erinnern. Auf den Tag genau 20 Jahre nach der Novemberrevolution sah sich die Konterrevolution in ihrer brutalsten Form, dem Nationalsozialismus, so stark in der Bevölkerung verankert, dass sie mit den organisierten Pogromen die systematische Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevolkerung in aller Öffentlichkeit begannen. Das dunkelste Kapitel im Deutschland des 20. Jahrhundert steuerte auf seinen Höhepunkt zu.

(Text & Bilder: cki)

 




Lesung: „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern“

Am 08.05.18 fand auf Initiative des Kreisverbands Die Linke in Frankenthal (Pfalz) eine Lesung mit der Heidelberger Historikerin Silke Makowski statt. Die Autorin las aus der gleichnamigen, vom Hans-Litten-Archiv herausgegebenen, Dokumentation über die Rote Hilfe in Deutschland in der Illegalität ab 1933. Vor der Lesung fand eine Kranzniederlegung am Gedenkstein für die russischen Zwangsarbeiter auf dem Frankenthaler Hauptfriedhof statt.

 

Der 08. Mai

An diesem Tag wird der Befreiung, in verschiedenen europäischen Ländern ein Gedenktag, der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und somit des Endes des 2. Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nazi-Terror-Regime 1945 gedacht. In der DDR war dieser Tag von 1950 bis 1967 und im Jahr 1985 (40. Jahrestag) ein gesetzlicher Feiertag. 1985 würdigte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer Ansprache im Deutschen Bundestag diesen Tag erstmals mit den Worten (Zitat sinngemäss): „der 8. Mai, Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

 

Kranzniederlegung in Frankenthal

Mitglieder des KV Die Linke reinigten den Gedenkstein für russische Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof und nahmen eine Kranzniederlegung im Gedenken an die Toten, Vertriebenen und misshandelten Menschen während des zweiten Weltkrieges vor.

 

 

 

Die Rote Hilfe in Deutschland in der Illegalität ab 1933

Die Rote Hilfe engagierte sich als soziale Bewegung zwischen 1924 bis zu ihrer Selbstauflösung 1936. Bereits 1933 wurde sie unter dem Druck der NSDAP verboten. Ab 1933 begann damit die Arbeit in der Illegalität.

Die Autorin Silke Makowski setzte in ihrer Lesung die Schwerpunkte auf die zeitlichen Abschnitte „Rote Hilfe (RH) in der Weimarer Republik“, „RH in der Illegalität“, „RH im Großraum Pfalz“ und „RH nach der Befreiung“.

 

 

 

Es liegen bis heute nur sehr wenige Forschungsergebnisse über die Rote Hilfe vor. Bekannte Unterlagen befinden im Besitz des Bundesarchivs oder der Roten Hilfe bzw. noch unbekannterweise in privaten Händen.

Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung 1924 zählte die Rote Hilfe rund 60.000 Mitglieder in über 990 Ortsgruppen im damaligen Reichsgebiet. 1933 lag die Zahl bei ca. 1 Mio. Mitglieder. Mit dem Verbot der Organisation 1933 suchten die Führungskräfte die Nähe zur KPD. Clara Zetkin, lange Jahre Vorsitzende der RH, setzte sich vor allem für Frauenrechte ein. Mit der Kampagne „MOPR ist Frauensache“ machte sie dies in der Öffentlichkeit deutlich (MOPR = russisches Pendant zur Roten Hilfe). Der Frauenanteil in der RH stieg von der Gründung 1924 mit 19% bis zum Verbot 1933 auf 27%. Und blieb damit unter den intern gesetzten Zielen.

Die RH verstand und versteht sich auch heute nicht als „rote Caritas“, sondern bot und bietet Unterstützung in juristischen Fragen an, in Sachen der Prozesskostenübernahme und als Unterstützer-Organisation linker Arbeiter- und Solidaritätsbewegungen.

Ab 1932 wurden neuntausend Inhaftierte und deren 32.000 Familienangehörigen von der RH unterstützt. Hinzu kamen weitere 10.000 linke und vom Hitler-Faschismus verfolgte Personen, die Hilfe erfuhren.

Die RH organisierte kulturelle Veranstaltungen, führte Spendensammlungen durch und machte diverse Solidaritätskampagnen. Eigene Publikationen erschienen reichsweit, regional oder auch nur lokal.

Auf das Verbot der Organisation war die RH 1933 schlecht vorbereitet. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt, tausende Mitglieder kamen in Schutzhaft. Viele weitere sind untergetaucht. In der Illegalität wurden die Arbeitsweisen umgestellt, welche auf regionaler oder lokaler Ebene sehr unterschiedlich erfolgte: Kurierlinien und geheime Poststellen wurden eingerichtet. Die Finanzierung durch die KPD wurde verstärkt. Hauptsächlich konzentrierte man sich dann auf die Unterstützung von Inhaftierten und deren Familienangehörigen. Die Medien, wie umfangreichere Schriften und Flugblätter mussten in geheimen Druckereien hergestellt oder aus dem benachbarten Ausland herangeschafft werden.

In der Westpfalz half die RH Verfolgten ins angrenzende Ausland zu flüchten. Hauptsächlich nach Frankreich und in die Niederlande. Hierhin existierten bereits Kontakte, die auch den Import dort hergestellter Druckschriften ermöglichten.

In der Folgezeit pflegte die RH auch Kontakte zur SPD-Spitze (im Exil), zu Gewerkschaften und Arbeitervereinen um die Arbeit aufrecht zu erhalten.

Nachdem die ersten Todesurteile und Hinrichtungen von RH-Funktionären durch das NS-Regime erfolgten, verlegte die Hilfsorganisation ihren Sitz zunächst ins damals unabhängige Saarland und nach dessen Annektierung ins benachbarte Lothringen (Frankreich).

In dieser Region war die RH ebenfalls aktiv. In Ludwigshafen/Rhein und Mannheim gab es Ortsgruppen mit über 8.000 Mitgliedern. Auch in Frankenthal, Hessheim und Viernheim gab es Organisationsstrukturen. Bekannte Solidaritätsgruppen existierten in Lambrecht, Maxdorf und Lambsheim. Mischgruppen aus RH und KPD sind aus Kaiserslautern und Pirmasens bekannt. 

Ab 1945 und die Rote Hilfe heute

1944 erschütterte die RH eine weitere massenhafte Verhaftungswelle, welche die Organisation weiter schwächte. Die Überlebenden der RH engagierten sich ab 1945 im Aufbau neuer demokratischer Parteien in Deutschland, in Gemeinschaften ehemaliger Lagerinsassen und bei der Gründung des VVN-BdA. 1956 mit dem Verbot der KPD trat die RH bei Gerichtsprozessen wieder öffentlich auf. In den 1970’er Jahren erfolgte mit Gründungen von Ortsgruppen und Solidaritäts-Komitees die Rückbesinnung auf die Wurzeln der Organisation.

Die RH hat heute rund 9.000 Mitglieder und versteht sich als linker strömungsübergreifender Solidaritätsverein, der sich insbesondere in der Rechtsberatung, aber auch in der geschichtlichen Aufarbeitung betätigt.

 

Exkurs: Lilo Hermann 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet

Liselotte Hermann (geb. 1909 in Berlin) wurde durch die Henker des NS-Regimes unter dem Fallbeil 1938 hingerichtet. Lilo Hermann war eine engagierte Kommunistin und hatte sich Zeit ihres politischen Lebens für Frauenrechte, in der Roten Hilfe und gegen Faschismus engagiert. Die Kampagne der RH gerichtet an Ehefrauen von NSDAP-Funktionären zum Schutz der Aktivistin war leider trotz deren Interventionen erfolglos. Lilo Hermann gewidmet ist ein alternatives Kulturzentrum in Stuttgart-Heslach.

 

Die schriftliche Dokumentation „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern – Die Rote Hilfe Deutschlands in der Illegalität ab 1933“ ist u.a. hier erhältlich:

https://www.rote-hilfe.de/literaturvertrieb/geschichte-der-roten-hilfe/broschuere-helft-den-gefangenen-in-hitlers-kerkern

https://www.jungewelt-shop.de/makowski%20gefangenen%20hitlers%20kerkern

 

 

 

 

Fragen zu Vorträgen mit der Autorin beantwortet:

http://www.hans-litten-archiv.de/web/

https://www.rosalux.de/

 

 (Bericht: Christian Ratz / Fotos: Christian Ratz und weitere mit freundlicher Genehmigung von Silke Makowski und von privater Seite / Video: David Schwarzendahl)