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Corona-Rebellen erstmals in Ludwigshafen aktiv: Unverantwortliche Eltern und „Querdenker“ Hand in Hand mit Rechtsextremisten

Der Tod von Georg Floyd wurde missbraucht

Am 09.10.20 fand der erste Aufmarsch von GegnerInnen der Covid19-Pandemie-Schutzmassnahmen in Ludwigshafen/Rhein statt. Aufgerufen wurde dazu in diversen einschlägig bekannten rechtslastigen Telegram-Kanälen. VertreterInnen von „Eltern stehen auf“, „Querdenker 621“ aus dem Rhein-Neckar-Raum und Rechtsextreme machten gemeinsame Sache. Es ging den Protagonisten im Kern nur darum Desinformation zu verbreiten und eine persönliche Fehde mit einem mutmaßlichen Ex-Arbeitgeber öffentlich auszutragen. Die großspurig zuvor angekündigte Öffentlichkeitswahrnehmung verpuffte im Nichts.

Besorgte Eltern?

Vordergründig und fadenscheinig wurde das Wohl von Kindern in Schulen und Kindergärten thematisiert. Abstand halten und Masken tragen, zum Schutz aller Menschen, davon hielten die Protagonisten am 09.10.20 rein gar nichts. Von „Strangulierung“ und „Nötigung“ und der „fehlenden 100%igen Garantie von Herstellern von Schutzmasken, dass diese gegen Covid19 schützen“ wurde schwadroniert. Skandiert wurde lautstark „Schulleitung und Lehrer“ (der Ernst-Reuter-Schule) sollen aus ihren Löchern kommen, um sich zu erklären“.

Angebotene Flyer mit den bekannten stereotypen Inhalten (auch aus dem Hause des Sinsheimer Schwindelarzt Bodo Schiffmann) wurden feilgeboten und fanden jedoch kaum AbnehmerInnen.

Verantwortlich handelnde Eltern und Lehrkräfte sind Alltagshelden – von denen waren keine bei den Corona-Rebellen

Anstatt den Eltern und Lehrkräften in schwierigen Covid-19-Zeiten Respekt und Anerkennung zu zollen, wurde genau gegen diese Personengruppen mobil gemacht. Unverständlich für die breite Öffentlichkeit – jedoch genau dem Plan folgend, den diese Gruppierungen verfolgen: „Aufstand gegen die Regierenden“.

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung der Corona-Rebellen wurden nur Reden vor einer Schule in Ludwigshafen-Gartenstadt gehalten. Alle übrigen zuvor angekündigten Punkte entfielen wegen Absage. Dennoch trafen sich Grüppchen von Menschen an den angekündigten Versammlungsorten ohne, dass diese von der Polizei oder der Ordnungsbehörde kontrolliert worden wären. Ein klarer Verstoß gegen das Versammlungsrecht.

Versammlung vor dem Rathaus-Center

Widerliche Bezüge zur NSDAP-Diktatur

Ein Redner vor der Ernst-Reuter-Schule bedankte sich bei den „mutigen AktivistInnen“. Sinngemäß formulierte dieser: „Es wäre nach 80 Jahren wieder soweit. Menschen würden ihren Job verlieren, weil sie sich zu Wort melden…Menschen würden zuhause abgeholt werden, weil sie ihre Meinung sagen.“

Ernst Reuter (1889 -1953) war Mitglied der KPD, der USPD und später der SPD. Ab 1948 war er Oberbürgermeister von Berlin.

Fehlende Abgrenzung nach Rechts

Vollkommen verspielt hatten sich die Protagonisten ihre Glaubwürdigkeit durch die fehlende Abgrenzung und ermöglichte Infiltrierung durch Rechtsextreme.

Kein Problem schienen die Anmelder aus dem Umfeld von Nicole F. (Eltern stehen auf) und den Querdenkern aus Mannheim damit zu haben, dass auch VertreterInnen aus dem rechtsextremen, antiziganistischen Spektrum sich an ihrem letztendlich wirkungslosen, mehrstündigen Aktionstag beteiligten.

Marc M. samt Anhang unterstützte die Aktion am 09.10.20.. Marc M. ist u.a. bekannt als Aktivist in Frankenthal (Pfalz) der rechtsextremen Kleinstpartei „Pro Deutschland“, die sich 2017 aufgrund von rechtsextremistischen Bestrebungen kurz vor deren Verbot auflöste. Den Mitgliedern empfahl die Parteispitze damals den Übertritt zur AfD.

Die Ludwigshafener Unternehmerin Angelika R.-E. macht seit Jahren keinen Hehl aus ihrer Gesinnung. 2017 äußerte sie sich antiziganistisch bei einer öffentlichen Veranstaltung, weil Sinti-Roma-Musiker auftraten. Ab 2018 ist dokumentiert, dass sie an Aufläufen des rechtsextremen Frauenbündnis Kandel teilnahm. Am 09.10.20 nahm sie an der abgesagten Kundgebung vor dem Kindergarten in LU-Maudach teil und verstieß damit, wie alle anderen TeilnehmerInnen auch gegen das Versammlungsgesetz.

 

Persönliche Fehde gegen den Ex-Arbeitgeber als Auslöser für Corona-Rebellen – Kindergartenkoch gekündigt wegen Teilnahme an Querdenken-Demo in Berlin?

 

Diese Person, die auch Medienvertretern gegenüber am 09.10.20 feindselig auftrat, behauptete bei YouTube „Opfer zu sein“. Mutmaßlich wurde dieser Person der Job gekündigt, nicht weil er an einer Querdenken-Kundgebung in Berlin teilnahm, sondern weil er sich gegen die Hygieneauflagen seines eventuellen ex-Arbeitsgebers nicht halten wollte. In einem rund 10-minütigen YT-Video beklagt er seine Misere nach der „Kündigung“. Er könne (sinngemäß) jetzt keine Kredite mehr zurückbezahlen…Sein Arbeitgeber sei Schuld und auch alle Kollegen, die in „dennonziert“ hätten,…diesen (seinen ex-Kollegen) unterstellt er „Gangbang-Praktiken“ mit denen sie die Kinder anstecken könnten.“

KIM wird den Betreiber des Kindergartens zu den Umständen befragen.

 

Fazit:

Der Zenit der „Corona-Rebellen“ scheint wohl im Sommer 2020 überschritten worden zu sein. In Mannheim, Heidelberg sind die „Rebellen“ abgemeldet. Auch in Viernheim, Walldorf und Sinsheim folgen kaum noch Menschen ihren Aufrufen. Auch Dank des andauernden, demokratischen und antifaschistischen Widerstands jeweils vor Ort. Unkritisch sollte man auch weiterhin nicht bleiben, die nächsten Demotermine der „Corona-Rebellen“ stehen schon fest. TeilnehmerInnen, die einem Hippi-Camp der 1970er-Jahren entsprungen sein könnten, machten den 09.10. in Ludwigshafen vollends zum Witz mit „Love, Peace und Happiness“.

 

(Bericht: c.r. / Fotos: c.r. und wie angegeben)




Auschwitz-Gedenktag: „Faschismus und der Holocaust“

Am 27.01.20 jährte sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz. Vielerorts wurden um dieses Datum herum Gedenkveranstaltungen abgehalten. In Ludwigshafen/Rhein luden verschiedene Organisationen zu einem Vortrag an diesem Tag ein. Horst Haenisch (Soziologe und Autor aus Hannover) referierte zum Thema „Faschismus und der Holocaust“ – ein Versuch der Erklärung. Rund 50 Menschen folgten der Einladung und nahmen engagiert an der Diskussion teil.

Grußworte:

 „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, lieber Horst Haenisch,

ich begrüße Sie im Namen der veranstaltenden Organisationen zu unserer Veranstaltung mit dem Titel „Faschismus und der Holocaust – Versuch einer Erklärung“.

Heute am 27. Januar gedenken wir der Befreiung des KZ Auschwitz 1945 durch die Rote Armee.7.000 Insassen konnten damals befreit werden. 1 Mio. 100 tausend Menschen wurden von den Nazi-Verbrechern systematisch, meist durch Giftgas, in Ausschwitz vernichtet, ermordet.Ausschwitz war das größte von etwa 2.000 Konzentrations- und Arbeitslagern, die von den Faschisten errichtet wurden. Die deutsche Industrie, besonders die IG Farben AG (BASF, Bayer und Hoechst), betrieb dort auf einem riesigen Areal kriegswichtige Großprojekte und entwickelte Auschwitz zur Drehscheibe bei der Organisation der Zwangsarbeit für das Deutsche Reich. Laut einer aktuellen Umfrage von Infratest-Dimap sprechen sich 60 % der Befragten dafür aus, dass die Gedenkarbeit an die Verbrechen der NS-Zeit fortgeführt wird. Nach Parteizugehörigkeit befragt antworteten z.B. Mitglieder der AfD mit 72%, dass ein Schlussstrich unter die NS-Zeit gezogen werden solle. Dahingegend sagten 82% der Mitglieder der Partei Die Linke, dass kein Schlussstrich unter dieses schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte gezogen werden darf.

Ich wünsche Ihnen, uns Allen, eine interessante und nachdenklich stimmende Veranstaltung.

Und übergebe das Wort an Horst Haenisch.“  

Vergleiche zwischen NSDAP und AfD

Der Referent spannte seinen Vortrag thematisch sehr weit. Horst Haenisch begann mit der Weimarer Republik und den auf Reichskanzler Bismarck ausgeübten Druck seitens der NSDAP – in persona – Adolf Hitler und den Sohn Bismarcks auf seinen Vater.

Die NSDAP stand im Grunde mit nur wenig da, beim Wahlkampf 1933. Im Wahlkampfprogramm wurde sich auf die großen Themen konzentriert: „Was kann man aus den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise maximal herausholen?“, „Der politische Feind sind die Kommunisten“ und „Und das sonstige Parteien-Durcheinander“ (vgl. AfD-Vokabular Altparteien).

Der „Jude“ wurde in der offiziellen NSDAP-Wahlpropaganda für die Wahlen 1933 nicht einmal erwähnt. Die Hetze gegen diese Bevölkerungsgruppe besorgte der NSDAP-nahe „Stürmer“ (vgl. Neurechte Medien pro AfD, themenübergreifend).

Haenisch legte in seinen Ausführungen nahe, dass sich die AfD von der DNA her gar nicht so weit entfernt von der NSDAP befindet.

In puncto der Entnazifizierung nach 1945 merkte Haenisch an, dass sich die Wissenschaft bisher kaum mit dem antifaschistischen Widerstand beschäftigt hat. Nach Ansicht des Referenten erhielten rd. 70% der durch die Entnazifierungsprozesse betroffen Menschen eine Amnestie. Die Priorität der juristischen Spruchkammern lag darauf, die Nazi-Verbrecher rein zu waschen. Die Kriterien der Nürnberger-Prozesse wurden sogar erweitert. Beispielhaft genannt seinen die Mitglieder der SA (paramilitärische Sturmabteilung der NSDAP; vgl. Uniter, Identitäre Aktion/Bewegung, Prepper-Szene), die als Mitläufer eingestuft wurden.

 

 

 

 

 

 

Beim Thema Antisemitismus machte der Referent ein weites Tor auf. Den latenten und seit Jahrzehnten trotz der Shoa in der BRD zu oft sichtbarem Antisemitismus (Anschlag in Halle 2019) – den hausgemachten. Und den Krypto-Antisemitismus, der aus dem Geheimen heraus agiert (oft anonym in sozialen Netzwerken). Eingeschlossen bei dieser Kategorie sind auch Israel-Kritiker (Beispiel: BDS – Boycott, Divest, Sanction).

Was Umfragewerte angeht ist der Referent auch klar und mahnt zu hinterfragen, welche Kriterien bei Auswertungen angelegt werden. 40% der Deutschen würden Israel als Staat kritisieren. Sind dies alles Antisemiten? Nur 5% der Deutschen wollen nicht, dass ein Mensch jüdischen Glaubens in die Familie durch Heirat eintritt. Wo liegt die Trennschärfe bei den Umfragekriterien?

Ein Teilnehmer fasste den Abend bei der Diskussionsrunde so zusammen:

„Hätten es die Nazis 1933 nicht an die Macht geschafft, hätte es den Holocaust nicht gegeben.“

Eingeladen zu dieser Form einer Gedenkveranstaltung hatten:

Die Linke Ludwigshafen und Rheinpfalz-Kreis, Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V., Kulturzentrum Das Haus, Omas gegen Rechts Rhein-Neckar und Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar.

 

(Bericht: Rick de la Fuerte / Fotos: Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar und von Privat)




Antifaschistischer Stadtrundgang: Auf den Spuren von Tätern und Opfern des Nationalsozialismus (mit Exkurs und Bildergalerie)

Aktivisten der Mannheimer Kreisvereinigung der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund deutscher Antifaschisten) und des AK Justiz (Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V.) veranstalteten am 20.10.18 einen Stadtrundgang, der rund 10 Orte von Opfern und Tätern in der Nazi-Zeit (1933-1945) dokumentiert. Vier thematisch unterschiedliche Standrundgänge werden von den Veranstaltern seit 10 Jahren zu unterschiedlichen Terminen ganzjährig in Mannheim angeboten.

 

Georg Lechleiter-Gruppe als Beispiel für den Widerstand nach 1933

Start für den ca. 2,5-stündigen Rundgang war die Gedenkstätte am Georg-Lechleiter-Platz. Hier wurden die etwa 15 TeilnehmerInnen über die Bildung der Lechleiter-Gruppe informiert, ebenso wie über das Schicksal der Widerständler und deren Verurteilung zu langjährigen Haftstrafen bzw. Ermordung durch die Nazis zwischen 1942 und 1945.

Deportation ins Konzentrationslager Gurs (Südfrankreich)

Am Mannheimer Hauptbahnhof zeigt ein Schild in Richtung der 1.170 Kilometer entfernt gelegenen Stadt in Frankreich. Vom Bahnhof aus wurden binnen zweier Tage im Oktober 1940 6.500 jüdische MitbürgerInnen aus Baden, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in das Konzentrationslager deportiert.

Weisse Flagge gehisst – Erschießung in den Lauer‘schen Gärten

Wenige Tage vor dem Einmarsch der U.S.-Army in Mannheim im März 1945 hissten auf dem Dach des damaligen Kaufhaus Vetter (heute Galeria Kaufhof) drei Antifaschisten die weiße Flagge zum Zeichen der Kapitulation des Nazi-Regimes. Infolge dessen wurden die Personen vor einem Schnellgericht zum Tode verurteilt und an einer Mauer in den Lauer’schen Gärten erschossen. Stolpersteine erinnern dort an deren Schicksale.

„Mannheimer System“ – was Arbeits- und Finanzamt damit zu tun hatten

An der Stelle, wo sich heute der Parkplatz im Quadrat M4 befindet, stand früher das sogenannte „Schlageter-Haus“ (1935 von der NSDAP nach einem ihrer Parteifunktionäre benannt). Die ehemalige Kaserne wurde von der SA, SS und Hitlerjugend genutzt. Übergeben wurde das Gebäude an die NSDAP durch den damaligen Mannheimer OB Renninger. In unmittelbarer Nähe befanden bzw. befinden sich Finanz- und Arbeitsamt. Auf freiwilliger Basis bildete sich zur damaligen Zeit dort eine Gruppe aus Beamten und Gestapo-Leuten um ein Bespitzelungssystem jüdischer MitbürgerInnen zu entwickeln. Als „Mannheimer System“ wurde dieses auch in anderen Städten während der Zeit der Nazi-Diktatur zum Einsatz gebracht.

Volksgerichtshof und Unrechtsurteile durch Sondertribunale

Zahlreiche dem Nazi-Regime nicht genehme Richter am Landgericht Mannheim fielen dem Terror zum Opfer. Stolpersteine vor dem und eine Tafel im Gerichtsgebäude erinnern an die Opfer.

An 73 zivile Opfer der im Mannheimer Schloss bei Prozessen des Volksgerichtshofs abgehaltenen Tribunale, die alle mit dem Todesurteil endeten, erinnert seit 2002 ein Mahnmal der Opfer nationalsozialistischer Justiz. Erst in den späten 1990’er Jahren wurden die damals gesprochenen Urteile vom Deutschen Bundestag als Unrechtsurteile aufgehoben.

Kirche im Widerstand

Die vorletzte Station auf dem Rundgang war die Jesuitenkirche. Welche Rolle der Widerstand gegen die Hitler-Faschisten spielte, wurde am Beispiel des Jesuiten-Paters Alfred Delp vermittelt. Ob Delp organisatorisch am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler im Juli 1944 beteiligt konnte nie belegt werden. Der antifaschistische Geistliche wurde dennoch vor dem Volksgerichtshof in Berlin unter Vorsitz des Nazi-Richters Roland Freisler wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet.

Glaskubus am Paradeplatz

Zum Gedenken an die durch „die Nationalsozialisten ermordeten Juden dieser Stadt“, so die Inschrift auf einer Bodenplatte, steht in unmittelbarer Nähe des Paradeplatz seit 2003 ein Glaskubus. Eingraviert sind dort die Namen tausender Opfer des Nazi-Terrorregimes. An dieser Stelle endete der äußerst informative und nachdenklich stimmende Stadtrundgang.

 

 

Exkurs:

Heinrich Vetter (geb. 1910 – gest. 2003), Unternehmer, NSDAP-Mitglied, Nazi-Profiteur, Kunstmäzen und bis dato Ehrenbürger der Stadt Mannheim.

Wie berichtet hissten Antifaschisten auf dem Dach des ehemaligen Kaufhaus Vetter die weiße Flagge. Vetter war erfolgreicher Unternehmer, noch erfolgreicher und wohlhabender wurde er während der Arisierung Mannheims während der NSDAP-Zeit. Viele Gegenstände und Besitztümer, die die Nazis vor allem von Juden einzogen hatten oder konfiszierten machte Vetter zu seinem eigenen Vorteil zu Bargeld. Nach 1945 und in den Jahren danach, im Prinzip bis dato, konnte sich der Mannheimer Unternehmer bis zu seinem Tod und danach als Kunstmäzen einen „Namen“ machen und wurde zweimal zum Ehrenbürger der Quadratestadt ernannt. Lediglich die jüdische Gemeinde Mannheims entzog ihm das zuvor verliehene Privileg posthum, nachdem Fakten über Vetters Machenschaften mit den Nazi’s ans Tageslicht kamen. Dies war 2013 der Fall. Der Gemeinderat Mannheim tut sich bis heute schwer damit, sich von dieser Person aufgrund seiner zweifelhaften Vita eindeutig zu distanzieren. Wie auf dem Stadtrundgang zu erfahren war befinden sich nach wie vor diverse Kunstobjekte, die von Vetter gestiftet wurden, in städtischen und privaten Ausstellungsräumen. Auch im öffentlichen Stadtbild Mannheims sind vom Nazi-Profiteur Vetter geschenkte Kunstgegenstände zu sehen. Beispielhaft genannt sei eine Bronze-Skulptur, die vor der Heilig-Geist-Kirche in der Oststadt auf einer Rasenfläche steht. „Der heilige Franziskus als Friedensbote“ versus dem verstorbenem Heinrich Vetter, der bis heute Unfrieden stiften „darf“. Aus welchen Gründen sich der Gemeinderat seit Jahren in dieser Sache mehr als bedeckt hält ist vielen kritischen Beobachtern überhaupt nicht erklärlich.

 

 

 (Bericht und Fotos: Christian Ratz)

 

Alle Bilder der Stadtführung:




Lesung: „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern“

Am 08.05.18 fand auf Initiative des Kreisverbands Die Linke in Frankenthal (Pfalz) eine Lesung mit der Heidelberger Historikerin Silke Makowski statt. Die Autorin las aus der gleichnamigen, vom Hans-Litten-Archiv herausgegebenen, Dokumentation über die Rote Hilfe in Deutschland in der Illegalität ab 1933. Vor der Lesung fand eine Kranzniederlegung am Gedenkstein für die russischen Zwangsarbeiter auf dem Frankenthaler Hauptfriedhof statt.

 

Der 08. Mai

An diesem Tag wird der Befreiung, in verschiedenen europäischen Ländern ein Gedenktag, der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und somit des Endes des 2. Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nazi-Terror-Regime 1945 gedacht. In der DDR war dieser Tag von 1950 bis 1967 und im Jahr 1985 (40. Jahrestag) ein gesetzlicher Feiertag. 1985 würdigte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer Ansprache im Deutschen Bundestag diesen Tag erstmals mit den Worten (Zitat sinngemäss): „der 8. Mai, Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

 

Kranzniederlegung in Frankenthal

Mitglieder des KV Die Linke reinigten den Gedenkstein für russische Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof und nahmen eine Kranzniederlegung im Gedenken an die Toten, Vertriebenen und misshandelten Menschen während des zweiten Weltkrieges vor.

 

 

 

Die Rote Hilfe in Deutschland in der Illegalität ab 1933

Die Rote Hilfe engagierte sich als soziale Bewegung zwischen 1924 bis zu ihrer Selbstauflösung 1936. Bereits 1933 wurde sie unter dem Druck der NSDAP verboten. Ab 1933 begann damit die Arbeit in der Illegalität.

Die Autorin Silke Makowski setzte in ihrer Lesung die Schwerpunkte auf die zeitlichen Abschnitte „Rote Hilfe (RH) in der Weimarer Republik“, „RH in der Illegalität“, „RH im Großraum Pfalz“ und „RH nach der Befreiung“.

 

 

 

Es liegen bis heute nur sehr wenige Forschungsergebnisse über die Rote Hilfe vor. Bekannte Unterlagen befinden im Besitz des Bundesarchivs oder der Roten Hilfe bzw. noch unbekannterweise in privaten Händen.

Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung 1924 zählte die Rote Hilfe rund 60.000 Mitglieder in über 990 Ortsgruppen im damaligen Reichsgebiet. 1933 lag die Zahl bei ca. 1 Mio. Mitglieder. Mit dem Verbot der Organisation 1933 suchten die Führungskräfte die Nähe zur KPD. Clara Zetkin, lange Jahre Vorsitzende der RH, setzte sich vor allem für Frauenrechte ein. Mit der Kampagne „MOPR ist Frauensache“ machte sie dies in der Öffentlichkeit deutlich (MOPR = russisches Pendant zur Roten Hilfe). Der Frauenanteil in der RH stieg von der Gründung 1924 mit 19% bis zum Verbot 1933 auf 27%. Und blieb damit unter den intern gesetzten Zielen.

Die RH verstand und versteht sich auch heute nicht als „rote Caritas“, sondern bot und bietet Unterstützung in juristischen Fragen an, in Sachen der Prozesskostenübernahme und als Unterstützer-Organisation linker Arbeiter- und Solidaritätsbewegungen.

Ab 1932 wurden neuntausend Inhaftierte und deren 32.000 Familienangehörigen von der RH unterstützt. Hinzu kamen weitere 10.000 linke und vom Hitler-Faschismus verfolgte Personen, die Hilfe erfuhren.

Die RH organisierte kulturelle Veranstaltungen, führte Spendensammlungen durch und machte diverse Solidaritätskampagnen. Eigene Publikationen erschienen reichsweit, regional oder auch nur lokal.

Auf das Verbot der Organisation war die RH 1933 schlecht vorbereitet. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt, tausende Mitglieder kamen in Schutzhaft. Viele weitere sind untergetaucht. In der Illegalität wurden die Arbeitsweisen umgestellt, welche auf regionaler oder lokaler Ebene sehr unterschiedlich erfolgte: Kurierlinien und geheime Poststellen wurden eingerichtet. Die Finanzierung durch die KPD wurde verstärkt. Hauptsächlich konzentrierte man sich dann auf die Unterstützung von Inhaftierten und deren Familienangehörigen. Die Medien, wie umfangreichere Schriften und Flugblätter mussten in geheimen Druckereien hergestellt oder aus dem benachbarten Ausland herangeschafft werden.

In der Westpfalz half die RH Verfolgten ins angrenzende Ausland zu flüchten. Hauptsächlich nach Frankreich und in die Niederlande. Hierhin existierten bereits Kontakte, die auch den Import dort hergestellter Druckschriften ermöglichten.

In der Folgezeit pflegte die RH auch Kontakte zur SPD-Spitze (im Exil), zu Gewerkschaften und Arbeitervereinen um die Arbeit aufrecht zu erhalten.

Nachdem die ersten Todesurteile und Hinrichtungen von RH-Funktionären durch das NS-Regime erfolgten, verlegte die Hilfsorganisation ihren Sitz zunächst ins damals unabhängige Saarland und nach dessen Annektierung ins benachbarte Lothringen (Frankreich).

In dieser Region war die RH ebenfalls aktiv. In Ludwigshafen/Rhein und Mannheim gab es Ortsgruppen mit über 8.000 Mitgliedern. Auch in Frankenthal, Hessheim und Viernheim gab es Organisationsstrukturen. Bekannte Solidaritätsgruppen existierten in Lambrecht, Maxdorf und Lambsheim. Mischgruppen aus RH und KPD sind aus Kaiserslautern und Pirmasens bekannt. 

Ab 1945 und die Rote Hilfe heute

1944 erschütterte die RH eine weitere massenhafte Verhaftungswelle, welche die Organisation weiter schwächte. Die Überlebenden der RH engagierten sich ab 1945 im Aufbau neuer demokratischer Parteien in Deutschland, in Gemeinschaften ehemaliger Lagerinsassen und bei der Gründung des VVN-BdA. 1956 mit dem Verbot der KPD trat die RH bei Gerichtsprozessen wieder öffentlich auf. In den 1970’er Jahren erfolgte mit Gründungen von Ortsgruppen und Solidaritäts-Komitees die Rückbesinnung auf die Wurzeln der Organisation.

Die RH hat heute rund 9.000 Mitglieder und versteht sich als linker strömungsübergreifender Solidaritätsverein, der sich insbesondere in der Rechtsberatung, aber auch in der geschichtlichen Aufarbeitung betätigt.

 

Exkurs: Lilo Hermann 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet

Liselotte Hermann (geb. 1909 in Berlin) wurde durch die Henker des NS-Regimes unter dem Fallbeil 1938 hingerichtet. Lilo Hermann war eine engagierte Kommunistin und hatte sich Zeit ihres politischen Lebens für Frauenrechte, in der Roten Hilfe und gegen Faschismus engagiert. Die Kampagne der RH gerichtet an Ehefrauen von NSDAP-Funktionären zum Schutz der Aktivistin war leider trotz deren Interventionen erfolglos. Lilo Hermann gewidmet ist ein alternatives Kulturzentrum in Stuttgart-Heslach.

 

Die schriftliche Dokumentation „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern – Die Rote Hilfe Deutschlands in der Illegalität ab 1933“ ist u.a. hier erhältlich:

https://www.rote-hilfe.de/literaturvertrieb/geschichte-der-roten-hilfe/broschuere-helft-den-gefangenen-in-hitlers-kerkern

https://www.jungewelt-shop.de/makowski%20gefangenen%20hitlers%20kerkern

 

 

 

 

Fragen zu Vorträgen mit der Autorin beantwortet:

http://www.hans-litten-archiv.de/web/

https://www.rosalux.de/

 

 (Bericht: Christian Ratz / Fotos: Christian Ratz und weitere mit freundlicher Genehmigung von Silke Makowski und von privater Seite / Video: David Schwarzendahl)