Fürs Klima und gegen die AfD: Demos vor der Bundestagswahl

Archivbild: Fridays for Future – Demo in Mannheim

Neben den zahlreichen Veranstaltungen der Parteien macht auch die außerparlamentarische Opposition im Endspurt vor der Bundestagswahl noch einmal mobil. Zum Wahlwochenende rufen Fridyas for Future und das Offene Antifaschistische Treffen zu Demonstrationen auf.

Alle fürs Klima

Am Freitag 24. September findet der nächste globale Klimastreik statt. Die Bewegung Fridyas for Future ruft unter dem Motto „Alle fürs Klima“ zu Demonstrationen auf der ganzen Welt auf, in Deutschland unter den Vorzeichen der Bundestagswahl: „wenn dieses Jahr der Bundestag neu gewählt wird, entscheidet das über unser aller Zukunft. Nur, wenn in den nächsten vier Jahren konsequent gehandelt wird, können wir die dramatischen Folgen der Klimakrise noch eindämmen.“ (Link zum Demoaufruf: https://fridaysforfuture.de/allefursklima2021/) In Mannheim startet die Demonstration um 17 Uhr am Alten Messplatz und zieht über den Ring zum Wasserturm und über die Planken zum Rathaus. Die Abschlusskundgebung findet auf dem Marktplatz statt.

Klimacamp am ALTER

Bereits seit dem vergangenen Wochenende findet auf dem Gelände des ALTER am Alten Messplatz ein Klimacamp statt und bereitet auf den globalen Streiktag vor. „Für mehrere Tage zelten wir gemeinsam und kommen zusammen um uns auszutauschen, zu diskutieren und an spannenden Workshops und Veranstaltungen teilzunehmen“ schreibt Fridays for Future Mannheim. Täglich gibt es auf und rund ums Camp verschiedene Veranstaltungen und Aktionen. Eine Übersicht dazu gibt es hier: https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Antifascist Action

Im Rahmen einer Herbstkampagne ruft das Offene Antifaschistische Treffen einen Tag vor der Bundestagswahl zur Demo gegen die AfD auf. „Antifaschistisch Kämpfen“ ist das Motto und im Rahmen der Mobilisierung klärt die Antifa-Gruppe über das Wahlprogramm der AfD auf. In einer Broschüre werden Renten-, Gesundheits-, Familien-, Wohnungs- und Steuerpolitik der rechten Partei unter die Lupe genommen. Die AfD ist „nicht die Partei des ‚kleinen Mannes'“, schreibt das OAT, stattdessen vertritt sie die Interessen der Suppereichen und Kapitalisten. Der Blick richtet sich auch auf das Personal und die bisherige Arbeit in den Parlamenten. Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden: https://oatmannheim.de/wp-content/uploads/2021/09/Broschu%CC%88re-6.pdf Die Herbstkampagne des OAT umfasst weiter antifaschistische Veranstaltungen, darunter Gedenkveranstaltungen, Bildungsbrunch, Graffiti-Workshop und eine Abschlussparty zur Kampagne. Eine Übersicht gibt es hier: https://oatmannheim.de/aktuelles/herbstkampagne-gestartet/

Zusammenfassung

Demo „Alle für‘s Klima“
Freitag 24. September | 17 Uhr | Alter Messplatz, Mannheim
Infos: Fridyas for Future https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/mannheim/

Demo „Antifaschistisch Kämpfen“
Samstag 25. September | 18 Uhr | Moltkestraße/Kunsthalle, Mannheim
Infos: Offenes Antifaschistisches Treffen https://oatmannheim.de

(cki)




Interview „Und morgen die ganze Welt“ – Was sagen hier aktive Antifaschist*innen zum Antifa-Film aus Mannheim?

Ob im fiktiven Hemsberg oder im realen Kandel: Antifa heißt auch offensiv gegen Rechte vorzugehen. Foto: Oliver Wolff

„Und morgen die ganze Welt“ (UMDGW) ist ein Spielfilm, der seit Oktober 2020 (corona-bedingt bisher nur wenig) in den Kinos läuft und seit Mai auch über Netflix gestreamt werden kann. Aus zwei Gründen lohnt es sich, diesen Film im Kommunalinfo zu besprechen. Zum einen, weil er überwiegend in Mannheim gedreht wurde und zum anderen, weil es ein Film über eine linke Bewegung ist – genauer gesagt, über die linksradikale Antifa. KIM hat sich deshalb mit Aktiven vom Offenen Antifaschistischen Treffen Mannheim zum Interview verabredet, um den Film zu diskutieren und die Frage zu stellen, wie authentisch die Darstellung insgesamt ist.

Zunächst die Handlung in aller Kürze: Jura-Studentin Luisa politisiert sich neben ihrem Studium, knüpft Kontakte zur linken Szene und zieht in eine Polit-WG ein. Es ist die Zeit der brennenden Flüchtlingsunterkünfte und des Aufstiegs der AfD. In einem fiktiven Ort namens Hemsdorf, welcher stark an das reale Kandel erinnert, marschieren regelmäßig Nazis auf. Luisa will mehr machen, als nur demonstrieren und wird Teil einer militanten Antifa-Gruppe. Dies bringt einige Probleme mit sich. Nicht nur mit Neonazis, die brutale Methoden einsetzen, auch mit der Polizei gibt es zunehmend Konflikte.

 

Skepsis statt Vorfreude

Die ersten Infos zum Film sickerten schon vor den Dreharbeiten 2019 durch. Locations und Komparsen wurden gesucht und ein anfängliches Interesse am Film wich schnell großer Skepsis. Zurecht? Aus Nürnberg kam damals eine Warnung (siehe Stellungnahme des Projekt 31). Gerüchteweise gab es zahlreiche Absagen von linken Räumen, die nicht als Drehorte für den Film herhalten wollten. So kam es, dass die Ereignisse im fiktiven linken Zentrum „P81“ im alternativen Kulturprojekt Peer23 in Mannheim gedreht wurden. In der Realität befindet sich das Peer23 auf der Friesenheimer Insel. Für den Film wurde es im Jungbusch verortet. Warum? Vielleicht weil die städtischen Kreativwirtschaftfsförderer den hippen Jungbusch gerne zu Netflix bringen wollten? Egal. Im Film geht‘s nicht um Gentrifizierung, sondern um Antifa. Also zur Sache.

Anfang Juni ist KIM zum Interview verabredet. Wir bringen die Frage mit, wie nah der Film an der Realität dran ist. Die besten Methode, um dies heraus zu finden, wird es wohl sein, die unfreiwillige Vorlage für den Film zu befragen: Mannheimer Antifas, die seit Jahren gegen die AfD mobilisieren und nicht selten nach Kandel gefahren sind, um sich Naziaufmärschen entgegen zu stellen. Im JUZ Friedrich Dürr treffen wir einige vom Offenen Antifaschistischen Treffen, die sich dort gerade zum Banner malen verabredet haben. Der nächste Wahlkampf steht an. Während einige drinnen fleißig weiter pinseln, setzen wir uns draußen im Hof zum Interview zusammen.

Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim in Aktion | Bild: OAT

Interview mit Antifas vom Offenen Antifaschistischen Treffen (OAT) Mannheim

KIM: Hallo in die Runde. Wollt ihr euch kurz vorstellen?

(Kleine Diskussion untereinander)

Max: Zunächst mal, wir sprechen für uns, aber wir sind alle regelmäßige Besucher*innen des OAT. Du kannst mich Max nennen.

Justus: Ich bin Justus. Ich hab den Film übrigens nicht gesehen.

Nadine: Ich bin Nadine.

Daniel: Daniel

KIM: Kurzes Stimmungsbild zum Film?

Max schildert, dass er einer derjenigen sei, die auch als Statist*innen im Film zu sehen sind und hat deswegen auch Erfahrungen aus den Dreharbeiten.

Max: Ich hatte eine kleine Statisten-Rolle. Ich fand den Film und die Dreharbeiten ganz witzig. Nach Isi & Ossi der zweite Film mit Mannheim-Bezug. (Alle lachen) Klar, viele Stereotypen, aber es wurde immer wieder der Nagel auf den Kopf getroffen.

Nadine: Ich fand ihn sehr unterhaltsam und nicht so schlimm, wie es hätte sein können. Es trifft nicht immer die Realität. Dann hätte der Plenumsanteil höher sein müssen.

Justus: Ich hab den Film zwar nicht gesehen, aber ich war im JUZ, als die vom Film das Projekt vorgestellt hatten, als sie noch Locations und Statisten gesucht hatten. Ich war schon skeptisch und bin froh, dass wir uns weitestgehend rausgehalten haben.

Daniel: Ich hatte es schlimmer erwartet. Viele Dokumentarfilme der letzten Jahre sind mehr gescheitert. Überwiegend fand ich ihn kurzweilig und unterhaltsam, etwas sprunghaft, aber das ist wohl der Dramaturgie geschuldet.

KIM: Schaut man als Antifa eigentlich Netflix?

Nadine: Ist das eine Fangfrage?

Max: Ich hab keinen Account, aber das hat nichts mit meiner politischen Einstellung zu tun.

Justus: Ich zahle nicht, sagen wir es mal so.

In einer Szene aus „Und morgen die ganze Welt“ findet eine Demo gegen die AfD auf dem Paradeplatz statt. | Foto: Oliver Wolff

KIM: Der Film spielt im Peer23 im Jungbusch? Wir fandet ihr diese Konstruktion? (Eigentlich befindet sich das Peer23 auf der Friesenheimer Insel; Anm. d. Red.)

Nadine: Ich fand es ok.

Max: Ich auch. Für die Produktion war der Ort praktisch.

Justus: Ich weiß vom ASV (ein anderer linker Treffpunkt im Jungbusch, der auch als Drehort angefragt wurde; Anm. d. Red.), dass die den ganzen Laden umbauen wollten. Da hatte niemand Bock drauf.

KIM: Schauen wir mal auf die Handlung des Films. Polit-WG, Antifa-Vorträge, Szene-Partys, eine Demo gegen die AfD am Paradeplatz und dann müssen die Mannheimer*innen auch noch ins fiktive Kandel fahren. Wird da nicht eure eigene Geschichte verfilmt und hat man euch wenigstens mal gefragt?

Max: Nein. Das OAT wurde nur angefragt, ob man Transpis ausleihen kann. Das war aber ein schlechter Deal. Im Nachhinein hab ich mich gefragt, was hätten wir überhaupt erzählt, wenn wir gefragt worden wären. Ansonsten muss man aber sagen, dass war oft sehr „on point“, wie im Film die AfD oder auch Kandel dargestellt wurden.

KIM: Es hat sich niemand auf den Schlips getreten gefühlt?

Nadine: Ich fand‘s nicht schlimm.

KIM: Ihr bietet einmal im Monat das Offene Antifaschistische Treffen im JUZ an. Denkt ihr, der Film wird euch eher mehr Besucher*innen bringen oder die Leute verschrecken?

Mannheimer Antifas im echten Kandel | Bild: OAT

Nadine: Das kommt auf die Leute an. Kommen die Leute wegen der Vokü oder weil sie nach Kandel fahren wollen? Nach Corona kommen sowieso alle. (Alle lachen)

Daniel: Ich finde es schwer einzuschätzen. Keine Ahnung, wie der Effekt des Films abzuleiten ist.

Max: Es gibt immer wieder Wellen, wo sich neue Leute engagieren wollen. Zum Beispiel nach Chemnitz konnten wir das zahlenmäßig feststellen. Ich denke eher nicht, dass es einen Effekt durch den Film gibt.

Daniel: Ich glaube nicht, dass die Verbindung vom Film zum OAT Mannheim direkt genug ist.

Was ich aber bemerkenswert fand, dass im Film so ein großer Bogen gespannt wurde. Zuerst bringt ein Kommilitone einen dummen Spruch in einer Vorlesung, dann findet eine AfD-Wahlkampfveranstaltung statt und dann gibt es noch Nazis, die sich Sprengstoff beschaffen. Ich fand es bemerkenswert, dass diese drei Sachen als Teile eines großen Problems thematisiert wurden.

Die Figuren im Film diskutieren im fiktiven Hemsberg über die Legitimation von Militanz | Foto: Oliver Wolff

KIM: Vielleicht kommen wir mal zum Thema Militanz. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde mir geflüstert, dass die Darstellung militanter Aktionen im Film gar nicht so unrealistisch ist. Autos kaputt machen und so weiter. Wird Militanz im Film realistisch dargestellt?

Nadine: Für mich war das alles zu impulsiv und zu spontan.

KIM: Aber sie planen es doch sehr genau.

Nadine: Aber vor Ort werden die Pläne über den Haufen geworfen. Leute werden mit reingezogen, ohne dass sie wissen, worauf sie sich einlassen.

Max: Ich denke, da musste ein filmisches Element geschaffen werden. Die Kurve vom ersten Plenum bis zum Zeitpunkt, als sie ein Gewehr in der Hand hat, ging doch sehr schnell. Das ist aus der Luft gegriffen.

Daniel: Ich denke, gerade die Szene, als sie sich umentscheiden, doch noch auf die Nazis zu warten und sie direkt anzugreifen, das ist konstruiert und hat wenig mit der Realität zu tun.

Justus: Dass Aktionen mal aus dem Ruder laufen, das gibt es schon. Vielleicht nicht auf dem Level, dass sich die Leute gleich bewaffnen.

OAT bei einer Aktion gegen eine AfD-Veranstaltung | Bild: KIM

KIM: Oft wird rechte und linke Gewalt gleich gesetzt. Wie geht der Film damit um? Worin seht ihr den Unterschied zwischen rechter Gewalt und linksradikaler Militanz.

Max: Da kann man viele Phrasen dreschen, wie die mit den brennenden Menschen und den brennenden Autos oder auf die Ergänzung von physischer Gewalt durch psychische Gewalt des Systems hinweisen. Auf den Film bezogen: Er macht das weder sehr gut, noch sehr schlecht.

Daniel: Ich habe im Film gar nicht die große Thematisierung von rechter und linker Gewalt im Vergleich gesehen, sondern eher die Diskussion innerhalb der Linken zum Für und Wider von Militanz, Gewalt und gewaltfreien Aktionen. Das finde ich auch eine bessere Alternative als das Fass mit „rechter und linker Gewalt“ aufzumachen.

KIM: Im Film belächelt die Figur Dietmar die Militanz der jungen Antifas. Dietmar, ein alter Militanter der 80er/90er Jahre mit Knasterfahrung sagt, dass Antifaschismus nur an der Oberfläche kratzt. Eigentlich müsste es „um‘s große Ganze“, sprich den Kapitalismus, und nicht „um so nen Kleinscheiß“ wie die Nazis gehen. Wie seht ihr das?

Hauptfigur Luisa auf einer Szene-Party | Foto: Oliver Wolff

Max: Wir sind leider auch nicht vor der „früher-war-alles-besser-Mentalität“ gefeit. Gefühlt machen das aber nur sehr wenige. Vielleicht rechtfertigen manche damit, warum sie nicht mehr selbst aktiv sind? Seit 2003 macht das OAT seine Arbeit über verschiedene Generationen, die es an neue Leute weiter gegeben haben. Ich glaube nicht, dass unsere Arbeit zu kleinteilig ist. Ich glaube, sie ist super wichtig, auch wenn es nicht immer um‘s große Ganze geht.

Daniel: Das ist keine Debatte, die bei uns stattfindet. Ich glaube, der Rauch der RAF hat sich gelegt. Aus der Person Dietmar spricht auch die Resignation. Die Debatten haben sich in 30, 40 Jahren verändert. Es gibt neue Herausforderungen.

Nadine: Es gibt verschiedene Arbeitsbereiche. Man kann nicht alles behandeln. Wir sind spezialisiert und wollen unsere Arbeit gut machen.

Justus: Es gab immer mal wieder Vorträge, wo Leute von früher erzählen. Klar, es war ne andere Zeit. Repression hat sich verändert. Als es früher noch kein BFE gab und die Streifenbullen zu den Demos gestellt haben, konnte man natürlich anders agieren. Aber ich fühle mich von den alten Geschichten nicht angegriffen. Manche aber schon.

KIM: Ich habe mal auf der Webseite des Films gestöbert. In einem didaktischen Begleitheft zum Film, wird Lehrer*innen ein Komplettprogramm für den Unterricht angeboten. Es geht um‘s Grundgesetz, um das Strafgesetzbuch und auch um den „Extremismus“. Was meint ihr dazu? Kann Schule das Thema gut behandeln?

Auch das gehört zur Antifa: Erinnerungsarbeit wie hier beim Stolpersteine putzen | Bild: OAT

Max: Das ist sehr von der Lehrperson abhängig. Ich glaube schon, dass manche Lehrer*innen Inhalte gut vermitteln können. Man kann aber auch viel falsch machen und gleich mit dem Hufeisen und der Extremismuskeule kommen.

Daniel: Ich bin mir nicht sicher, ob Lehrkräfte, die dazu ein didaktisches Begleitheft brauchen, diesen Film thematisieren sollten.

Justus: Was ich so aus PHs mitbekommen habe, wäre es mir lieber, wenn der Film nicht im Unterricht gezeigt werden würde.

Nadine: Ich kann mir das schon gut vorstellen. Antifa-Arbeit besteht ganz viel aus Bildung und Aufklärung. Es ist nur die Frage was das Ziel im Unterricht ist: „Antifaschismus verstehen“ oder „Was tun gegen linke Gewalt“?

KIM: Zum Abschluss unseres Interviews der Reality-Check: Wie nah ist UMDGW an der echten Antifa dran – auf einer Skala von 1 bis 10?

Mannheimer Antifas bei einem „Bannerdrop“, um ihre Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen. | Bild: OAT

Nadine: Schwierig, weil es nicht „die Szene“ gibt. Es könnte schon solch eine Antifa irgendwo geben.

Daniel: Der Film versucht in wenigen Personen ein riesiges Spektrum darzustellen. Dadurch geht auch viel verloren. Durch die starke Komprimierung ist es kein super-realistisches Bild. Ich sage 6-7 von 10.

Max: Ich hätte auch 6 gesagt. Auf der einen Seite: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Mich würde mal interessieren, was eigentlich das Zielpublikum ist. Aber wie Nadine schon meinte, solche Leute, wie im Film, wird es sicher irgendwo geben.

Nadine: Ich würde auch 7 sagen.

Justus: Ich muss mich enthalten. Aber nach dem Medienecho zum Film hätte ich eher mit einer 3er oder 4er Wertung gerechnet.

KIM: Vielen Dank für eure Einschätzungen zum Film und weiterhin viel Erfolg bei eurer Arbeit!

Der Film „Und morgen die ganze Welt“ erscheint beim Alamode Filmverleih auf DVD/BLU-RAY, über verschiedene Video-On-Demand Dienste und bei Netflix. Außerdem wird er mit Wiedereröffnung der Kultureinrichtungen nach dem Lockdown sicher auch noch in dem einen oder anderen Kino zu sehen sein.

Das Interview wurde Anfang Juni 2021 im JUZ Friedrich Dürr Mannheim geführt und erscheint aus Platzgründen in einer leicht gekürzten Form. Nach Rücksprache mit den Interviewten wurde es an einigen Stellen überarbeitet. (cki)

Bilder: Offenenes Antifaschistisches Treffen Mannheim, Alamode Filmverleih / Oliver Wolff und Archivbilder KIM.

Links:

„Und morgen die ganze Welt“ Offizielle Webseite zum Film

Der Film beim Alamode Filmverleih

Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim

 

 




„Wenn ich nach der AfD gefragt werde, bekomme ich Angst um unsere Demokratie“ (mit Bildergalerie)

Karla Spagerer, Zeitzeugin aus Mannheim

Am 04.09.20 lud der SPD-Ortsverein Mannheim-Feudenheim zu einem Zusatztermin der Vortragsreihe „Mannheim in der Nazizeit“ mit der Zeitzeugin und heute fast 91-jährigen Karla Spagerer ein. Moderiert wurde die Veranstaltung, auf der Wiese vor der Kulturhalle, vom Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei (SPD), der seinen Wahlkreis dort hat. Quasi zeitgleich fand in der Kulturhalle eine Veranstaltung mit Bundestagsabgeordneten der rechtsextremen AfD statt. Die rechte Veranstaltung war nach Beobachtungen nur schwach besucht. Rund 200 TeilnehmerInnen nahmen aktiv am Zeitzeugengespräch teil. Dieser Moment wurde auch von VertreterInnen aus etwa 60 Gruppen und Organisationen genutzt, um zu zeigen, dass die AfD mehrheitlich in Mannheim nicht willkommen war.

 

Zeitzeugin berichtet aus ihrem Leben

Die Gestapo hat meine Großmutter Babette Ries verhaftet, weil sie Geld und Lebensmittel für Familien gesammelt hatte, deren Männer inhaftiert waren,“ so Karla Spagerer. 18 Monate hat sie im Gefängnis gesessen. „In dieser Zeit hat die Gestapo bei uns ein paar Mal Hausdurchsuchungen gemacht. Nach dem Krieg habe ich erfahren, dass bei uns Flugblätter zwischengelagert waren“, erzählte Spagerer.

Dr. Fulst-Blei und Frau Spagerer beim Zeitzeugengespräch

Die 1929 geborene Karla Spagerer ist eine der letzten Zeitzeuginnen der Nazizeit in Mannheim. Bewegend und erschreckend zugleich – erzählt sie von den unsagbaren Erlebnissen des Nationalsozialismus, die sie im eigenen familiären Umfeld miterlebt hat. Sie ist glücklich in einer Demokratie zu leben und hofft, dass es auch so bleibt. „Für die Demokratie muss man kämpfen“, so Karla Spagerer. Und die nun 91-jährige kämpft mit all ihren Mitteln für Demokratie. Sie schilderte die Begebenheiten, die sie in ihrer Jugend in den zwölf Jahren des Nationalsozialismus erlebt hat – dass wir sie nicht vergessen, dass wir nun ebenfalls ZeitzeugInnen werden. …Wenn ich nach der AfD gefragt werde, bekomme ich Angst um unsere Demokratie“.

AfD- „Bürgerdialog“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die AfD in Mannheim scheint jede Möglichkeit zu nutzen, um noch peinlicher werden zu wollen. Eingeladen wurde zu einem Dialog mit BürgerInnen in eine Kulturhalle, der Kulturhalle Mannheim, in städtischem Besitz. Ausgeschlossen wurden alle Menschen, die sich vorher nicht angemeldet hatten. Auch Menschen, die die Veranstaltung der rechten Partei besuchen wollten, bekamen oftmals keine Chance, wie es Einträge auf der Facebook-Seite der AfD Mannheim dokumentierten. Beobachtungen zufolge fanden nur etwa 60-70 AfD-Anhänger an diesem Abend den Weg zur Veranstaltung mit Alice „Kopftuchmädchen“ Weidel und weiteren Vertretern der Rechtspopulisten und Demokratiefeinde.

Am offenen Mikrofon wurden Meinungen laut vorgetragen und dies war vielen Menschen wichtig

„Heute nennen sie ihre Veranstaltung Bürgerdialog. Diesen führen sie widersprüchlicher Weise, wen wundert’s, als eine nicht-öffentliche Veranstaltung durch. Und, haben Sie es auch erkannt? An der Garderobe vorne hängen auch heute wieder Schafspelze und Aluhüte!“, so Heike List vom SPD-OV-Feudenheim in ihrer Begrüßungsrede.

Heike List (SPD Mannheim-Feudenheim)

Weiter: „Starten wir mit einer guten und einer schlechten Nachricht:

Die schlechte zuerst: Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin belegt: Die AfD ist zunehmend rechtsextrem. Und: Die Gefahr einer weiteren Radikalisierung am rechten Rand steigt.

Die gute Nachricht der Studie: Populistische Einstellungen sind in Deutschland insgesamt stark rückläufig! Der Trend eines zunehmend menschenfeindlich aufgeladenen Meinungsklimas ist gebrochen. Ein Grund dieser Trendwende: Die demokratische Mitte hält dagegen.

Leute, daran haben auch wir alle mitgewirkt!

Als die AfD letztes Jahr am Weltfrauentag in Feudenheim war, kamen wir mit Schrubber und Besen und sorgten beim demokratischen Kehraus für Klarsicht.

Danach hatten sie im September den von uns zusammengekehrten Dreck wieder aufgesammelt und einen Eintopf draus gekocht.

Mit Topf und Kochlöffel zeigten wir wie man besser kocht, denn:

Deren braune Suppe stinkt! Die Zutaten: Toxisch-Brauner Soßenbinder, giftige Rückstände, längst überschrittenes Verfallsdatum und Etikettenschwindel.

Das zeigten wir ihnen auch, als sie zum Thema Klimawandel einluden, den sie leugnen und mit dem sie ablenken wollen von ihrer eigentlichen Agenda: von ihren Verbindungen zu Neonazis, NPD-Mitgliedern und den Identitären.

Im Gedenken an die Opfer in Hanau standen wir zusammen und wussten: Rassistischer Hass kann nicht zur Tat einzelner heruntergespielt werden. …

Da also im Umfeld der AfD-Veranstaltung von einem erhöhten Bedarf an politischer Bildung und Aufklärung auszugehen ist, findet heute unter dem Motto „Bildung ist die Brandmauer gegen rechts“ ein Zusatztermin der gemeinsamen erfolgreichen Reihe von Stefan Fulst-Blei mit Karla Spagerer zum Thema „Mannheim in der Nazizeit“ statt.“

Tanja Hilton (Omas gegen Rechts Rhein-Neckar)

Tanja Hilton (Sprecherin der Omas gegen Rechts Rhein-Neckar) formulierte:

Letzten Samstag wehten auf den Treppen zum deutschen Bundestag Reichskriegsflaggen, geschwenkt von Neonazis, die schon im Vorfeld der Demonstration innerhalb ihrer Netzwerke kommunizierten, dass sie den Reichstag stürmen wollten.

Sie hatten es einfach, denn zu der Großdemo in Berlin rief auch die AfD auf. Genau die Partei, die jetzt hier in Feudenheim in der Kulturhalle sitzt, und seit Jahren die geistige Brandstiftung betreibt, die in immer explosiverem Ausmaß in sichtbaren Flammen aufgeht, jetzt also mit den Bildern von Reichskriegsflaggen auf den Stufen zum Bundestag, vor sechs Monaten mit mitten aus dem Leben gerissenen Menschen in Hanau, deren Hinterbliebene auch heute noch fordern: Angemessene Erinnerung! Lückenlose Aufklärung! Politische Konsequenzen! Walter Lübcke, der auf seiner eigenen Terrasse stand und von einem Anhänger der AfD per Kopfschuss ermordet wurde. So viele „bedauerliche Einzelfälle“, dass mir jedes Mal die Galle hochkommt, wenn diese Partei der geistigen Brandstiftung, der parlamentarische Arm des Rechtsterrorismus, bei uns immer noch eine Plattform bekommt, von der sie ihren Hass predigen kann.  Davor war Halle, davor war NSU. Davor war noch so viel mehr. Dazwischen immer wieder Drohbriefe und bekannt gewordene Todeslisten, auf mindestens einer von denen auch. Nun sitzen sie wieder hier, mitten unter uns, dieses Mal in Form von Weidel, Hess und Bernhard, bekommen wieder einmal eine Bühne, und halten einen „Bürgerdialog“, diesmal als geschlossene Veranstaltung.

Als wir Omas gegen Rechts Rhein Neckar uns das erste Mal hier fanden, hatten sie noch den Mut, die Veranstaltung als öffentlich zu deklarieren, also bestanden wir darauf, hineingelassen zu werden.

Wer dabei war konnte vielleicht auch, wie wir an dem Tag, Gewalt durch AfD Anhänger an Gegendemonstrantinnen beobachten. Oder hörte die Beschimpfungen, die wir in der Halle von AfD Anhängern erfuhren: „Kein Wunder, dass deutsche Männer in Thailand Frauen kaufen müssen, bei so Weibern wie euch.“ und „Ihr gehört ins Straflager nach Sibirien“ brüllt einer mich und ein paar andere Frauen damals an. Wegen einem kleinen Aufkleber am Pulli der Frau, die schräg hinter mir sitzt. Auf dem steht „Nazis raus!“ Jetzt schließen sie sich ein. Sie wissen, dass wir mehr sind. Haben Angst, dass wir wieder fast die Hälfte der Halle besetzen, wenn sie uns reinlassen müssen. Sie wissen, dass sie entlarvt sind, als geistige Brandstifter des Rechtsterrorismus, die versuchen, jede Bewegung zu untergraben, egal welches populistische Thema gerade passt, um eine große Menge Menschen zu erreichen. Spätestens die Reichskriegsflaggen auf den Treppen des Deutschen Bundestags sollten uns klar machen, welche Agenda diese Partei verfolgt.

Sie werden die politische Verantwortung von sich weisen, aber wir stehen hier geschlossen, und klagen sie an. Öffentlich. Und zwar in einer wehrhaften Demokratie, und nicht in einer Diktatur, wie ihre reichskriegsflaggenschwenkenden Neonazi Anhänger, die versuchten, den Reichstag zu stürmen, behaupten. Als wir Omas gegen Rechts Rhein Neckar uns hier das erste Mal zusammenfanden, saßen wir mitten in der Halle. Und ich weiß noch gut, was wir alle gemeinsam gerufen haben. Erinnert sich wer?

(Nazis raus!)

Jetzt stehen wir draußen. Man will uns drinnen nicht hören, denn wir stören. Aber dann müssen wir halt noch lauter sein. Immer wieder, bis die AfD auch bei uns keine Bühne mehr bekommt. Seid ihr bereit? NAZIS RAUS! NAZIS RAUS!“

Eine Schülerin berichtete, nachdem sie sich im Rahmen einer schulischen Aufgabenstellung mit dem Thema Nationalsozialismus in Mannheim beschäftigt hat, von Erfahrungen im Gesprächsaustausch mit ihren Großeltern. Sie wolle (sinngemäß), „dies was nach 1933 geschah nie wieder in Deutschland sehen“.

 

 

 

Klaus Dollmann (VVN-BdA Mannheim)

Klaus Dollmann (VVN-BdA Mannheim) unterbreitete u.a. den Vorschlag (sinngemäß): „Die Kulturhalle Feudenheim in „Lechleiter“-Halle umzubenennen. Dies könnte da zuführen, dass die Faschisten der AfD diese Halle nicht mehr für Veranstaltungen buchen.“

Liebe Frau Spargerer,
vielen Dank für ihren wichtigen Beitrag

Wo sind wir aktuell in Mannheim und Umgebung in der von Ihnen beschriebenen Entwicklung?
Vor 10 Jahren wurde ich in meiner Arbeit im Jugendkulturzentrum FORUM gefragt, wie weit hier rechte Gesinnungen vorgedrungen seien.
Ich sagte sinngemäß: Klar gibt es auch in Mannheim Stammtisch-Rassismus und verdeckte rechte Einstellungen. Aber Konkretes kann nur die Antifa für den ländlichen Raum benennen, wo sie Kameradschaften und Rechtsextreme Vereinigungen auskundschaftet.

Heute sind die Rechtsextremen auch in Mannheim längst aus ihren Löchern gekrochen und treten kackdreist auf. Nicht zuletzt solche Biedermänner wie im Innenraum der Kulturhalle heute ermöglichen es diesen  Brandstiftern, sehr offen vorzugehen.
Auf Telegram tritt z.B. offen für alle eine Gruppe von Patrioten Mannheim und Umgebung auf, mit inzwischen 138 Mitgliedern, die solche Leute, wie sie hier versammelt sind, am wie sie es erwarten, ich zitiere, „abholen und dem Volksgerichtshof“ überstellen wollen. Natürlich sollen nicht nur wir, sondern auch Merkel und die gesamte Regierung abgeurteilt werden. Von uns aber haben sie mittlerweile Namen und Adressen gesammelt und auch ins Netz gestellt. Von Altnazis, die diese Seiten gestaltet, muss man ja nicht übertrieben viel Angst haben. Wohl aber von jenen Mitläufern, die täglich den reichlichen Schrott auf diesen Seiten lesen und die sich berufen fühlen könnten, nun endlich zu handeln.

Dennoch: in Mannheim sind die Rechtsextremisten vermutlich noch nicht so weit wie in vielen anderen Teilen Deutschlands? Sorge bereitet mir die Unterwanderung der Justiz, der Bundeswehr, des SEKs, der Polizei. War der Sturm auf Berlin nur ein Test? Wird der nächste mit Waffengewalt stattfinden? Finden die vielen Brandanschläge in Neukölln in Berlin mit Unterstützung von Kräften in der Justiz und in der Polizei statt? Und: Wird der Rechtsextremismus immer noch unterschätzt oder sogar heimlich gefördert: Wieso waren bei G 20 31.000 Polizisten, in Berlin aber nur 3000? Und warten die Rechtsextremisten auf Signale anderer Orte, um auch hier in Mannheim aktiv zu werden? Muss man Angst haben? Ja, man muss. Aber man sollte auch dagegenhalten.

Bildung ist da wichtig. Allgemeine Bildung wird immer wieder propagiert. Aber letztlich gibt es da stets zu wenig Mittel: Zu wenige Lehrer, zu große Klassen, marode Schulen und fehlende Digitalisierung. Mannheim hat sich hier auch mit viel Geld in den letzten Jahren bemüht. Aber längst noch nicht die Defizite beseitigt.

Und gibt es in Mannheim zumindest ausreichende Angebote an politischer Bildung? Keineswegs!  Einige Mitarbeiter*innen an der Abendakademie und eine halbe Stelle im Jugendkulturzentrum FORUM. Eine Landeszentrale für politische Bildung in Heidelberg, die sporadisch in Mannheim auftaucht. Und einige Bildungsvereine mit kleinem Angebot. Das ist viel zu wenig. Es gibt da viel zu tun und zu investieren. Forderungen allein genügen nicht!

Karlheinz Paskuda (Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar)

Passt auf die Demokratie auf, Frau Spagerer hat erlebt, wie zerbrechlich das alles ist. Engagiert Euch, bei uns oder bei ähnlichen Gruppen.“

So Karlheinz Paskuda, Mitgründer der Regionalgruppe Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar.

Viele weitere Menschen nahmen regen Gebrauch, um am offenen Mikrofon sprechen zu können. Z.b. wurden Fragen laut, wie die nach der Mitverantwortung der „C“-Parteien am Erstarken der rechtsextremen AfD. Oder von einer Bezirksbeirätin der Grünen auf der Vogelstang: „Wie geht man mit AfD-Vertretern bei Sitzungen um? Hand geben zur Begrüßung oder ignorieren?“.

Gerhard Fontagnier (Stadtrat Die Grünen) konterte seiner Parteifreundin darauf (sinngemäß): „Vertretern einer rassistischen und faschistischen Partei reicht man nicht die Hand“.

Dr. Stefan Fulst-Blei (SPD) erwiderte, wie er dies im Stuttgarter Landtag handhabt (sinngemäß): „Bei Pressefotos reiche auch ich AfD-Abgeordneten die Hand. Schaue diesen dabei aber nicht in die Augen.“

Fulst-Blei rief alle politisch aktiven DemokratInnen in Baden-Würrtemberg und Rheinland-Pfalz dazu auf für eine maximal hohe Wahlbeteiligung in 2021 bei Landtags- und Bundestagswahlen zu sorgen. Nur so könne die AfD „klein gemacht“ werden.

Wenige Kontroversen bestimmten den Veranstaltungsbogen. In einem waren sich alle TeilnehmerInnen, die dutzende Organisationen/Gruppen vertraten, einig: „Ganz Mannheim kann auf die AfD verzichten“.

Bildergalerie:

Karla Spagerer beim SWR-Fernsehen (Mai 2020)

https://www.ardmediathek.de/swr/video/landesschau-baden-wuerttemberg/karla-spagerer-kaempft-gegen-das-vergessen-des-dritten-reiches/swr-baden-wuerttemberg/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMzU4Nzg/

(Bericht Christian Ratz mit Material der SPD Mannheim-Feudenheim, den Omas gegen Rechts Rhein-Neckar, Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar und Rentadesigner.de – Fotos: Christian Ratz)




Von Feudenheim nach Schönau: Protest gegen AfD-Veranstaltungen

Die AfD Mannheim lud am 29.1.20 wieder zu ihrem Stammtisch ein, diesmal unter dem Motto „ist die grüne Politik eine Gefahr?“. Ein Bündnis aus verschiedenen antifaschistischen Gruppen wie dem Offenen Antifaschistischen Treffen Mannheim, Antifa Jugend Walldorf, Aufstehen gegen Rassismus, IL, VVN, Omas gegen Rechts, Fridays for Future und mehreren Parteien mobilisierte am Mittwoch Abend gegen 18 Uhr zum eigentlich veröffentlichten Veranstaltungsort, dem bekannten Schützenhaus in Feudenheim.

Dieses hat seit September letzten Jahres einen neuen Pächter, das Restaurant „Antica Sicilia“, doch auch der neue Betreiber zeigt sich offen für rechte Hetze und lässt die AfD weiterhin ihre Veranstaltungen dort durchführen. Am Schützenhaus zeigte sich allerdings wenig Polizei und ein leeres Restaurant. Nach kurzem Abklären war klar warum: Der Stammtisch wurde kurzfristig auf die Schönau ins Siedlerheim „Da Camelo“ verlegt.

Die rund 80 Teilnehmer der Gegenkundgebung beschlossen nach kurzer Entscheidungsfindung mit Bahn und Auto auf die Schönau zu fahren. Noch vor Beginn der AfD Veranstaltung, trafen sich mehr als 50 Antifaschist*innen am Eingang vom Restaurant „Da Camelo“ ein und machten ihren Unmut kund. Mit Redebeiträgen und lauten Parolen wurde eine Spontankundgebung abgehalten. Am eigentlichen Stammtischort befand sich dann auch die zu erwartende Polizei und wartete bereits auf die Teilnehmer*innen des Gegenprotestes.

Wir werten den gestrigen Abend trotzdem als Erfolg, da wir nicht nur der AfD zeigen konnten, dass in Mannheim kein Platz für Rechte Hetze ist, sondern auch noch dem neuen Besitzer des Schützenhauses zeigen konnten, dass wir viele sind und weiterhin nicht zulassen werden, dass die AfD ihre Veranstaltungen ungehindert abhalten kann – egal wo!

(Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim)

 

Bildergalerie




„Frauen gegen Rechts“ mobilisieren Proteste gegen den Auftritt von Alice Weidel (AfD)

Das erst kürzlich im Rhein-Neckar-Raum gegründete Bündnis „Frauen gegen Rechts“ ruft für diesen Freitag, 06.9., zum Protest gegen den erneuten Auftritt der umstrittenen AfD-Frontfrau Alice Weidel in Mannheim auf. Weidel ist vom Kreisverband Mannheim der rechtsradikalen AfD als Rednerin angekündigt. Hiergegen wollen viele Gruppen Stellung beziehen und mit ihrem Protest ihre Ablehnung gegenüber der AfD kund tun.

 

 

 

 

Frauen gegen Rechts sagen

„Am 06. September kommt Alice Weidel von der AfD in die Feudenheimer Kulturhalle nach Mannheim. Die Fraktionschefin tritt dort gemeinsam mit Tino Chrupalla auf, dem Spitzenkandidaten ihrer Partei für die Landtagswahl in Sachsen.

Alice Weidel im Juni 2018 in Mannheim (Archivbild)

Die Feudenheimer Kulturhalle ist ein Gebäude, das unter privater Trägerschaft geführt wird. Der Stadt ist es ein Anliegen der AfD sowie allen anderen Parteien Zugang zu ihren Hallen zu gewähren.
Wir möchten aus diesem Grund zu einer Kundgebung aufrufen.

Ziel unseres Bündnisses ist es, dass wir breit zusammenkommen, um ein Zeichen für mehr Vielfalt und gegen rechte Parolen zu setzen, denn unsere Metropolregion ist bunt und vielfältig – Und das soll auch so bleiben!

Alle Menschen – Frauen*, Männer*, inter, trans*, nicht binär, Alt und Jung, Queer und Hetereo -aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Umgebung stehen zusammen, ganz unter unserem gemeinsamen Motto:

„Wir sind mehr – Kundgebung für Vielfalt“.“

Desweiteren heißt es: „Die Teilnehmenden werden um das Mitbringen ihres Lieblingskochtopfs und Kochlöffels gebeten. Nähere Informationen zum geplanten Flashmob gibt es vor Ort. Es sind Rede- und Musikbeiträge geplant. Auf den Bühnen werden nur Frauen* stehen.“

Dieser Protest findet ab 17 Uhr statt vor der Kulturhalle Mannheim-Feudenheim (Spessartstraße 24-28).

Weitere Proteste scheinen sich in Vorbereitung zu befinden.

Organisiert und unterstützt werden die Proteste gegen die AfD-Veranstaltung u.a. von ILSE Rhein-Neckar e.V., Frieda e.V., CSD Rhein-Neckar e.V. und dem Queerfeministischen Kollektiv Heidelberg, sowie von der Arbeitsgemeinschaft Heidelberger Frauenverbände und -gruppen, SPD Heidelberg, DIE LINKE Heidelberg, Jusos Heidelberg, Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim, SPD Mannheim-Feudenheim, Linksjugend [’solid] Heidelberg/Rhein-Neckar, Bündnis 90/Die Grünen Heidelberg, Queerdelta, Queeres Netzwerk Heidelberg, DIE LINKE Mannheim, Grüne Jugend Heidelberg, AfD Watch Heidelberg, Jusos Rhein-Neckar, SPD Rhein-Neckar, DIE LINKE Ludwigshafen und Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar (Stand 03.09.19).

Ebenfalls zu den Protesten aufgrufen hat das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“.

 

(Bericht: Christian Ratz / Bilder: KIM-Archiv und Veranstalter)