Regina Hagen: Abrüstung statt Aufrüstung Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland

Vielen Dank für die Einladung, hier zu sprechen!

Das Ostermarsch-Bündnis Mannheim stellt in seinem Aufruf für den heutigen Ostermarsch fest, Verhandlungen über Frieden in der Ukraine „erfordern […] vertrauensbildende Maßnahmen hin zu einer gemeinsamen Sicherheitspolitik, die auf Demilitarisierung, Rüstungskontrolle und Abrüstung beruht.“

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist von Demilitarisierung keine Rede, ganz im Gegenteil. Dort heißt es, dass eine direkte Bedrohung von Russland ausgehe. Und auch: „Die […] Bedrohungslage zwingt uns mit dem Ziel der Abschreckung zur Erhöhung unserer Verteidigungsausgaben.“ Militarisierung und Abschreckung also sollen nach Ansicht der neuen Koalition unsere Sicherheit erhöhen!

Rüstungskontrolle und Abrüstung hingegen sind im Koalitionsvertrag lediglich ein „langfristiges Ziel“. In Wirklichkeit gibt die neue Koalition ein Bekenntnis zur Aufrüstung ab. Keine Rede von Diplomatie und Bemühungen um eine gemeinsame Sicherheitspolitik.

Finden wir das gut?
Nein!

Auf keinen Fall! Egal, wie jede und jeder von uns zu Russland steht, eines ist klar: Russland ist Nachbar in Europa, und Russland wird unser Nachbar bleiben. Frieden in Europa kann es daher nur gemeinsam mit Russland geben!

Ich bin nicht naiv und sage, dass das einfach ist. Auch US-Präsident Trump, der damit prahlte, er werde den Ukrainekrieg binnen 24 Stunden beenden, deutet nun, drei Monate nach Amtsantritt, einen Rückzieher an. Wenn der Frieden nicht rasch „machbar“ sei, sagten Trump und sein Außenminister Rubio vor zwei Tagen, würden die USA sich eben anderen Themen zuwenden. Um Frieden in der Ukraine soll sich Europa dann alleine bemühen.

Die europäischen Ländern sollten also alles vermeiden, was die Lage weiter eskaliert. Eine Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland – und damit sind wir beim Kernthema meines Redebeitrags – wäre aber genau das: eine weitere Eskalation der Rüstungsspirale.

Wollen wir das?
Nein!

Schauen wir uns den Text der Vereinbarung an, die Bundeskanzler Scholz und US-Präsident Biden im letzten Sommer bekanntgaben. Diese Vereinbarung ist nur wenige Zeilen lang und besagt unter anderem: „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden, beginnend 2026, als Teil der Planung zu deren künftiger dauerhafter Stationierung, zeitweilig weitreichende Waffensysteme ihrer Multi-Domain Task Force in Deutschland stationieren.“[1]

Klingt verworren? Ist es auch. Was soll das denn sein, eine zeitweilige Stationierung als Teil zur Planung einer dauerhaften Stationierung?

Die Vereinbarung zählt folgende „weitreichenden Waffensystemen“, also Mittelstreckenwaffen, auf: „SM-6, Tomahawks und derzeit in Entwicklung befindliche hypersonische Waffen“.

Nach Deutschland soll wohl eine Version der ballistischen Rakete Standard Missile 6 (SM-6) verlegt werden, die mit Hyperschallgeschwindigkeit 1.600 km weit fliegt. Der Marschflugkörper Tomahawk fliegt je nach Variante bis zu 2.500 km weit. Und die Reichweite der Hyperschallrakete »Dark Eagle« beträgt etwa 2.700 km.

Stellt Euch mal eine Landkarte von Europa vor, einschließlich Russland bis zum Ural. Vom US-Stützpunkt Grafenwöhr im Osten Bayerns liegt Moskau etwa 2.000 km entfernt. Mit 2.700 km geraten auch Ziele weit im russischen Kernland ins Visier, nicht weit weg vom Ural.

Die Raketen und Marschflugkörper sind auf große Sattelschlepper montiert, also mobil. Nuklear bewaffnet sind sie nicht, sondern konventionell, bzw. Dark Eagle hat gar keinen Sprengkopf – der Hyperschallgleiter zerstört ein Ziel aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit durch die schiere Wucht des Aufpralls.

Macht das die Waffen also harmlos?
Nein, keineswegs!

Ein Marschflugkörper fliegt zwar langsam, aber besonders tief, buchstäblich unter dem Radar, und kann deshalb von den Frühwarnsystemen der gegnerischen Seite nur schwer entdeckt werden. Hyperschallraketen hingegen fliegen besonders schnell – Dark Eagle wird eine Geschwindigkeit bis 21.000 km/h nachgesagt. Werden solche Waffen von Frühwarnsystemen entdeckt, bleibt kaum Zeit, um zu reagieren.

Die zur Stationierung in Deutschland vorgesehenen Mittelstreckenwaffen der USA eignen sich daher gut, mit einem Überraschungsschlag so genannte »Hochwertziele« auf russischem Territorium auszuschalten, Abschussrampen für Atomraketen etwa oder mobile Kommandozentralen. Und Frühwarnradars. Russland ist auf landgestützte Frühwarnsysteme angewiesen, da es kaum Frühwarnsatelliten im Weltraum hat.

Es liegt also auf der Hand, dass Russland die Stationierung dieser Systeme in Deutschland als Bedrohung einstufen wird. Präsident Putin bezeichnete sie gar als „Messer an der Kehle“.[2] Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Fehlwahrnehmungen, Missverständnissen, Computerfehlern und falschen Alarmmeldungen kommt und Russland einen Gegenangriff startet, obgleich es gar nicht angegriffen wird. Dann würde die Situation leicht außer Kontrolle geraten, denn der Westen, die NATO, würde ebenfalls Waffen abschießen, es könnte sogar zum Einsatz von Atomwaffen kommen.

Deutschland läge dann im Zentrum des Geschehens, denn hier sind die US-Waffen ja stationiert. Sie fliegen nach Wiesbaden, weil hier seit gut drei Jahren die Multi-Domain Task Force und das 56. Artilleriekommando untergebracht sind, denen die Mittelstreckenwaffen zugeordnet sind. Sie fliegen nach Stuttgart, weil im EUCOM die Befehlszentrale des US-Militärs für Europa ist. Sie fliegen nach Grafenwöhr, wo das 41. Artilleriekommando der USA schon vor sieben Jahren reaktiviert wurde – Ihr seht, die Stationierung der US-Mittelstreckenwaffen war seit Jahren geplant. Die Mission des Kommandos in Grafenwöhr laut seiner eigenen Website: „Planen, Vorbereiten, Durchführen und Bewerten von Operationen”, darunter „weitreichende Präzisionsschläge“. Grafenwöhr gilt daher als potenzieller, wenn auch unbestätigter Stationierungsort der US-Mittelstreckenwaffen.

Vermutlich fliegen russische Raketen dann auch nach Berlin und anderen politisch oder militärisch wichtigen Orten, wie zur Ramstein Airbase.

Wollen wir uns ein solches Szenario vorstellen?
Nein!

Um genau eine solche Bedrohung auszuschließen, hatten US-Präsident Reagan und der sowjetische Generalsekretär Gorbatschow 1987 den INF-Vertrag geschlossen. Er verbot den USA und der Sowjetunion bzw. in der Nachfolge Russland den Besitz landgestützter Mittelstreckensysteme. Der Vertrag führte binnen weniger Jahre zur Verschrottung sämtlicher Waffen dieser Kategorie in Westeuropa und dem damaligen Ostblock. Nicht durch die Stationierung der Mittelstreckenwaffen, sondern durch ihre Abschaffung hatte sich unsere Sicherheit erhöht!

Vor fünf Jahren, in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident, kündigte Donald Trump den INF-Vertrag auf, Russland zog sofort nach. Beide Seiten hatten sich zuvor der Vertragsverletzungen beschuldigt. Die vorgesehenen Mechanismen zur Streitschlichtung und Verifikation hatten beide Seiten einfach ignoriert – und einen vorbildlichen völkerrechtlichen Vertrag leichtfertig aufgegeben.

Ohne den INF-Vertrag hindert die USA und Russland nun nichts an einem neuen Mittelstrecken-Wettrüsten. Russland ist schon so weit und hat einen ersten Raketentyp vergangenen November demonstrativ gegen die Ukraine eingesetzt, bei einem Angriff auf eine Rüstungsfabrik in Dnepro.

Wollen wir uns mit dieser Rüstungseskalation abfinden?
Nein!

Die Sache wird durch einen weiteren Faktor erschwert: Auch in Europa wird an landgestützten Mittelstreckenwaffen gearbeitet. Die deutsche Regierung will mit sechs Partnerländern eigene Marschflugkörper mittlerer Reichweite entwickeln, bauen und stationieren. Das Projekt läuft unter dem Namen ELSA – European Long Range Strike Approach – und wurde u.a. von Kanzler Scholz initiiert. Beteiligt sind außer Deutschland aktuell Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich. Die Rüstungsindustrie rangelt sich schon um die Aufträge.

Und Deutschland will es nicht bei einem Marschflugkörper belassen. Im Koalitionsvertrag steht: „Wir fördern verstärkt Zukunftstechnologien für die Bundeswehr und führen diese in die Streitkräfte ein. Dies gilt insbesondere für […] Hyperschallsysteme.“ (S. 131) Eigene Hyperschallraketen also für die Bundeswehr?

Erhöht sich damit etwa unsere Sicherheit?
Nein!

Wir müssen aus dieser Rüstungsspirale raus, und das geht nur gemeinsam!

Die USA, Europa und Russland müssen miteinander reden – die Ausrede, dass eine Seite gar nicht verhandeln wolle, lassen wir nicht gelten, egal, um wen es geht.

Ich spreche hier für die Kampagne »Friedensfähig statt erstschlagfähig! Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen«. Das ist es, was wir wollen:

Keine neuen Mittelstreckenwaffen, nicht in Deutschland, nicht in Russland, nirgendwo in Europa!

Abzug der Multi-Domain Task Force und des Artilleriekommandos aus Wiesbaden und auch des Artilleriekommandos aus Grafenwöhr!

Dialog statt Aufrüstung! Verhandlungen über einen neuen Mittelstreckenvertrag!

Nicht Missachtung und Schwächung, sondern Stärkung des Völkerrechts!

Und wir fordern neue Initiativen für gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit und Europa!

Wir wissen, das ist nicht einfach, und dennoch:

Wir beharren auf der langfristigen Vision einer gemeinsamen Friedensordnung in Europa!

Vielen Dank für’s Zuhören!

 

Regina Hagen ist aktiv im Darmstädter Friedensforum und im Kampagnenrat »Friedensfähig statt erstschlagfähig! Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen« (friedensfaehig.de).

[1] Gemeinsame Erklärung der Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland zur Stationierung weitreichender Waffensysteme in Deutschland, 10. Juli 2024. Von hier auch die weiteren Zitate.

[2] Präsident Putin, Rede zur Anerkennung der »Volksrepubliken« Donezk und Lugansk, 21.2.2022.




Nalan Erol (DIDF): Rede für das Bündnis Ostermarsch 2025 in Mannheim

Nalan Erol nach ihrer Kundgebungsrede | Bild: Norbert Elb

Liebe Freundinnen

Liebe Freunde

Auch von mir ein Hallo an alle. Schön, dass ihr zu unserer heutigen Demonstration unter dem Motto: “Friedensfähig statt Kriegstüchtig – Abrüsten statt Aufrüstung – Keine Mittelstreckenraketen in Deutschland” da seid. Mein Name ist Nalan Erol, ich gehöre zum Friedensbündnis Mannheim. Ich habe heute die Ehre, im Namen für das “Bündnis Ostermarsch” zu sprechen.

Wie jedes Jahr stehen wir heute hier, um gemeinsam gegen Krieg und Aufrüstung und für eine friedliche Gesellschaft und Welt zu demonstrieren. Weil wir nicht zuschauen können, wie Milliarden in Kriege gepumpt werden, während Menschen hungern, frieren, krank sind, keine Wohnung oder keine Kita-Plätze finden, und wie sich die Zustände national, wie international weiter zuspitzen.

Ukraine

Der Ukraine – Russland Konflikt begann schon vor der Annexion der Krim durch Russland (2013/2014) durch die Nato-Erweiterung und die Einmischung für einen Regierungswechsel in der Ukraine seitens der USA.

Seit nun über drei Jahren dauert der Ukraine Krieg an. Sicherlich müssen wir zurückschauen und eine Einschätzung darüber haben, wie das ganze überhaupt so weit kommen konnte.

Wegen des Elends müssen wir umso lauter nach Diplomatie und Frieden rufen, statt noch mehr Waffen zu liefern. Und jetzt ist es so, dass wir uns noch aktiver mit Taurus Marschflugkörpern an dem Ukraine Krieg beteiligen sollen und uns damit zur Zielscheibe machen.

Wir lehnen die Ausfuhr des Taurus ab.

Putin hatte einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet und rückte mit seinen Truppen in die Gebiete Donezk und Luhansk ein. Russland geht es um geopolitische Interessen, während die Ukraine nach Unabhängigkeit strebt. Der Krieg hat zur massiven Zerstörung und in humanitäre Krisen geführt.

Laut „New York Times“ Ist der Krieg in der Ukraine ein Stellvertreterkrieg zwischen USA und Russland, da amerikanische Offiziere die Ziele in Russland vorgeben. Über 200.000 Soldaten und zivile Bevölkerung sind gestorben. Millionen Menschen sind geflohen. Die Zukunft ist ungewiss. Beide Länder leiden unter enormen politischen sowie wirtschaftlichen Herausforderungen.

Und als ob die Probleme zwischen den beiden Ländern gelöst wären, setzt sich jetzt Trump für seine Profite gegen die Ukraine ein. Trump führt uns die nackter Wahrheit vor Augen, worum es hier geht, um Profit-Interessen. Er beansprucht die Erdschätze für die USA. So will er die Ukraine ausbeuten.

In den Deutschen Medien und in der Politik wird immer noch darüber gesprochen und debattiert, wie man noch mehr Waffen an die Ukraine liefern kann und muss. Es wird keine echte diplomatische Lösung gesucht – wir fordern Waffenstillstand sofort.

Aufrüstung

Am Krieg gewinnen u.a. die Aktionäre der Rüstungsfirmen. Milliarden an Sondervermögen wurde schon ausgegeben und es werden immer mehr. Verlierer am Krieg sind die Bürgen in der Ukraine, in Russland und auch in Deutschland, denn wo wird gekürzt? – am Sozialwesen. Es werden in sozialen Bereichen Kürzungen vorgenommen, hinter dem Rücken von uns allen, Arbeiter*innen, Jugendlichen und Frauen.

800 Milliarden Euro für Krieg und Aufrüstung – das ist keine Zahl aus einem dystopischen Roman. Das ist die Realität der deutschen Haushaltsplanung: neue Kampfjets, Drohnen, Kriegsschiffe, Raketenabwehrsysteme – alles auf Kosten der Allgemeinheit.

Während Konzerne wie Rheinmetall und Airbus Defence sich die Taschen vollstopfen, steigen unsere Lebenshaltungskosten. Bei jedem Einkauf müssen wir den Euro zweimal umdrehen, während Milliarden für die Rüstung kein Problem zu sein scheinen – und das, nachdem uns seit Jahren gesagt wird, es sei kein Geld da! Sozialleistungen werden gestrichen, Krankenhäuser geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kaputtgespart. Für Panzer und Marschflugkörper ist Geld da – aber nicht für Pflegekräfte, nicht für Erzieherinnen, nicht für bezahlbaren Wohnraum.

Syrien

Der Krieg in Syrien, der noch anhält, ist seit Jahren sehr komplex. Internationale Akteure wie der Iran, die Türkei und USA mischen mit. Sie verfolgen jeweils Ihre eigenen Interessen und wollen alle vom Kuchen das größte Stück. Die Humanitäre Lage in Syrien ist katastrophal. Der Zugang zur Infrastruktur im Land ist grauenvoll.

Die Infrastruktur grundlegender Dienstleistungen wie Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung ist stark eingeschränkt. Menschen sind geflohen. Aktuell ist die Lage sehr angespannt. Weder humanitäre Hilfe noch eine Lösung für den Konflikt ist in Sicht.

Die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen lag 2022 laut der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Konfliktursachenforschung weltweit bei 28. Das sind 28 Kriege zu viel!

 

Nahostkonflikt

Liebe Freundinnen und Freunde.

Nicht vergessen – der Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina. Der Konflikt zwischen den beiden Völker besteht seit der Gründung Israels am 14. Mai 1948. Der Anspruch auf das gleiche Land durch zwei Völker (Juden, Palästinenser) hält seit Jahren an. Hunderttausende Menschen sind geflohen.

Der brutale völkerrechtswidrige Angriff der Hamas auf Israel fand am 7. Oktober 2023 statt. Die israelische Regierung hat durch Ihre Offensive tausende Palästinenser und Kinder getötet.

Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat am 26. Januar 2024 vorläufige Maßnahmen angeordnet.

Israel muss das IGH-Urteil umsetzen und alles tun, um einen Völkermord an den Palästinenser*innen im Gazastreifen zu verhindern – so amnesty international.

Erst vor kurzem kamen 15 Palästinensische Rettungskräfte in Gaza ums Leben. Israels Darstellung war, dass die Sanitäter nicht erkennbar gewesen sein. Diese Darstellung ist nicht verständlich und nicht hinnehmbar.

Der Völkermord in Gaza hält immer noch an, er muss aber ein Ende nehmen.

Wir verurteilen die Angriffe Israels auf den Gazastreifen und solidarisieren uns mit den Menschen in Gaza.

Deutschland hat eine klare Position und unterstützt das Existenzrecht Israels. Es ist verständlich, dass sich Deutschland in Bezug auf den 2. Weltkrieg und den Holocaust an den Juden verantwortlich fühlt.

Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass immer mehr finanzielle Unterstützung für Rüstung, Waffenexporte und Kriege geboten wird.

Es sind unsere Gelder, die in verschiedenen sozialen Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Rente, Klima und in unserer Infrastruktur gekürzt werden.

Statt sich zu positionieren und konkrete Maßnahmen gegen Kriege, Leid, Gewalt und Elend zu stellen, wurden im Bundestag wieder unbegrenzte Rüstungsausgaben beschlossen. Wir alle – Bürger und Bürgerinnen – wurden nicht gefragt, ob wir es wollen.

Der Demonstrationsaufruf des Wiesbadener Bündnisses gegen Raketenstationierung und der Friedens – und Zukunftswerkstatt folgten fast 4.000 Menschen. Auch wir sind dem Aufruf gefolgt und waren vor Ort. Wir fordern die Bundesregierung auf, an keinen der bestehenden Kriege mitzuwirken.

Wir stellen uns klar gegen jegliche Kriege auf der ganzen Welt und sagen “NEIN zur Aufstellung neuer US – Mittelstreckenraketen in Deutschland!”

“NEIN zu allen Kriegen auf der ganzen Welt”

Einige unserer Forderungen sind:

  • Keine Mittelstreckenraketen in Deutschland
  • Kein Sondervermögen für Aufrüstung
  • Nahostkriege – sofortiger dauerhafter Waffenstillstand und Friedensverhandlungen
  • Keine deutschen Waffenlieferungen an Israel, Ukraine und weltweit
  • Ukraine – sofortiger Waffenstilstand und Friedensverhandlungen

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

bevor Ich das Mikrofon weitergebe, möchte ich noch auf den Berliner Appell hinweisen. Wer sich noch nicht unterschrieben hat, kann es gerne noch tun. Am Stand liegt die Petition aus.

Wir vom Friedensbündnis Mannheim treffen uns jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr. Kommt vorbei arbeitet mit und lasst uns gemeinsam kämpfen, denn nur “GEMEINSAM SIND WIR STARK”!

Vielen Dank

Nalan Erol sprach als Vertreterin von DIDF für das Mannheimer Friedensbündnis. Sie ist Stadträtin der Linken und Fraktionsvorsitzende der LTK-Fraktion.




„Friedensfähig statt Kriegstüchtig – Abrüstung statt Aufrüstung! Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland“ Ostermarsch 2025 in Mannheim

Bis zu 600 Menschen nahmen am Mannheimer Ostermarsch teil.

20.04.2025   Seit mehr als drei Jahren tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine und seit 19 Monaten die brutale kriegerische Reaktion Israels auf den brutalen Überfall der HAMAS am 7.10.23 mit 1.139 Ermordeten und 250 Entführten. Der israelische Gegenschlag kostete lt. palästinensischen Angaben Stand Dezember 2024 ca. 45.000 Todesopfer und 113.000 Verletzte.

Während dieser und diverser anderer opferreicher Kriege fanden die diesjährigen Ostermärsche statt. Dazu kommt die massive Zunahme der deutschen Rüstungsexporte und das Aufrüstungsprogramm der künftigen Bundesregierung und der EU-Staaten, welches in der Friedensbewegung natürlich auf massive Ablehnung stößt.

Stoff genug für die Ostermarschproteste der Friedensbewegung. Tatsächlich nahm die Zahl der Teilnehmenden an Demonstration und Kundgebung in Mannheim am gestrigen Samstag gegenüber dem Vorjahr zu. Waren es 2024 ca. 400 Teilnehmer:innen, wurden während der Demonstration vom Strohmarkt durch die Planken Richtung Paradeplatz mit Ziel des Kundgebungsortes Alter Messplatz bis zu ca. 600 Leute gezählt, lt. Polizeiangaben waren es 450.

Vor Beginn der Demonstration stimmt die Songgruppe „Trotz Alledem“ „wie vor 40 Jahren – aber nicht aus Rührseligkeit, sondern wegen der Aktualität“ drei Hymnen der Ostermarschbewegung an: „Der Ostermarsch ist eine gute Sache“, „Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind“ und „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen Krieg und Aufrüstung im Land!“

Mit Spannung durfte man die Kundgebung erwarten. Die Weltlage ändert sich, wie alle wissen, sehr schnell. Trump wollte den Ukrainekrieg binnen 24 Stunden nach Amtsübernahme beenden – die Äußerung eines, man kann es nicht anders sagen, sprunghaften Großmauls. Aber es finden tatsächlich in unterschiedlichen Formaten Gespräche über Beendigungsmöglichkeiten des Krieges statt und es wurde sogar ein Waffenstillstand zwischen Trump und Putin telefonisch vereinbart, für den Putin allerdings unmittelbar danach Bedingungen stellte, die etwa den Umfang seiner ursprünglichen Kriegsziele wiedergaben. Und der Weltpresse teilte er mit, der Krieg könne auch ohne Verhandlungen zu Ende gehen – die Ukraine sei militärisch ohnehin am Ende. Auch im Gazastreifen gab es einen kurzen Waffenstillstand. Neu sind die Meldungen über palästinensische Opposition gegen die HAMAS im Gazastreifen, die sofortigen Frieden und Freilassung der Geiseln fordert. Und neu, wenn auch nicht überraschend sind die Ergebnisse der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen zum Thema Aufrüstung und „Kriegstauglichkeit“.

Nalan Erols Eröffnungsrede

Nalan Erol nach ihrer Eröffnungsrede.

Für die Veranstalter eröffnete Nalan Erol (DIDF) die Kundgebung auf dem Alten Messplatz. Als Veranstalter unterzeichneten den Mannheimer Ostermarschaufruf: Friedensbündnis Mannheim, Förderverein für Frieden, Abrüstung und internationale Zusammenarbeit, ISO, DFG-VK, IG BCE Ortsgruppe Weinheim, VVN-BdA, Netzwerk Friedenssteuer, NatWiss – Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit, Naturfreunde Mannheim, DIDF, attac – Regionalgruppen Mannheim und Ludwigshafen, ippnw, Nahost-Gruppe Mannheim und Mannheimer Bündnis für gerechten Welthandel.

Nalan Erol ging auf den Ukrainekrieg ein, sprach sich gegen Waffenlieferungen dorthin aus und kritisierte: „. Es wird keine echte diplomatische Lösung gesucht – wir fordern Waffenstillstand sofort“. An wen sich die Forderung hauptsächlich richtet, blieb offen. Weiterhin kritisierte sie den Rüstungshaushalt von „800 Milliarden Euro für Krieg und Aufrüstung – (…) alles auf Kosten der Allgemeinheit“. Sie streifte die komplizierte Situation in Syrien mit den drei Interventen Iran, Türkei und USA. „Weder humanitäre Hilfe noch eine Lösung für den Konflikt ist in Sicht.“

Die aktuelle Lage Nahostkonflikt fasste sie wie folgt zusammen: „Der brutale völkerrechtswidrige Angriff der Hamas auf Israel fand am 7. Oktober 2023 statt. Die israelische Regierung hat durch Ihre Offensive tausende Palästinenser und Kinder getötet.“  Sie resümierte und forderte: „Der Völkermord in Gaza hält immer noch an, er muss aber ein Ende nehmen. Wir verurteilen die Angriffe Israels auf den Gazastreifen und solidarisieren uns mit den Menschen in Gaza. Deutschland hat eine klare Position und unterstützt das Existenzrecht Israels. Es ist verständlich, dass sich Deutschland in Bezug auf den 2. Weltkrieg und den Holocaust an den Juden verantwortlich fühlt. Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass immer mehr finanzielle Unterstützung für Rüstung, Waffenexporte und Kriege geboten wird.“

Abschließend fasste sie zusammen: „Wir stellen uns klar gegen jegliche Kriege auf der ganzen Welt und sagen “NEIN zur Aufstellung neuer US – Mittelstreckenraketen in Deutschland NEIN zu allen Kriegen auf der ganzen Welt”.

Die Ablehnung der Aufstellung von Mittelstreckenraketen in der BRD war auch die zentrale Forderung des diesjährigen Ostermarsches. Die zweite Rednerin der Kundgebung, Regina Hagen vom Darmstädter Friedensforum nahm ausführlich zur bisherigen Entwicklung dieser Diskussion Stellung und stellte abschließen fest:

Regina Hagen zur geplanten Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland

Regina Hagen berichtet über Stationierungspläne für Mittelstreckenraketen in Deutschland (Bild: Norbert Elb)

Regina Hagen stellte nach ihren ausführlichen Erläuterungen nachdrücklich fest: „Die USA, Europa und Russland müssen miteinander reden – die Ausrede, dass eine Seite gar nicht verhandeln wolle, lassen wir nicht gelten, egal, um wen es geht.“

Die Forderungen fasste sie folgendermaßen zusammen:

  • „Keine neuen Mittelstreckenwaffen, nicht in Deutschland, nicht in Russland, nirgendwo in Europa!
  • Abzug der Multi-Domain Task Force und des Artilleriekommandos aus Wiesbaden und auch des Artilleriekommandos aus Grafenwöhr!
  • Dialog statt Aufrüstung! Verhandlungen über einen neuen Mittelstreckenvertrag!
  • Nicht Missachtung und Schwächung, sondern Stärkung des Völkerrechts!
  • Und wir fordern neue Initiativen für gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit und Europa!

Wir wissen, das ist nicht einfach, und dennoch:

Wir beharren auf der langfristigen Vision einer gemeinsamen Friedensordnung in Europa!“

Um den Leser:innen die Möglichkeit zu geben, die Analysen und Forderungen der Mannheimer Friedensbewegung auch in ihren Nuancierungen zur Kenntnis nehmen zu können sowie die  detaillierten Darlegungen zu den Mittelstrecken-Plänen, dokumentieren wir im Folgenden die Reden von Nalan Erol und Regina Hagen in voller Länge.

Die Kundgebung schloss mit dem Lied: „We shall overcome“.

Abschließend ist noch zu bemerken, dass da und dort geäußerte Befürchtungen, es könnten aufgebrachte palästinensische Gruppierungen den Ostermarsch umfunktionieren, sich als unbegründet erwiesen. Die Maßgabe der Veranstalter:innen wurde respektiert: „Beim Mannheimer Ostermarsch sind Nationalflaggen, Flaggen und Symbole von kriegführenden Organisationen und jegliche Kriegsverherrlichung und Aufrufe sowie Zwischenrufe unerwünscht.“ Der Ostermarsch war eine jederzeit friedliche Veranstaltung.

Der zweite Teil der Ostermarsch-Aktionen findet am Ostermontag statt mit einer Kundgebung um 15 Uhr vor den Coleman-Barracks (neuer Haupteingang). Die zentrale Forderung ist der Abzug der US-Streitkräfte und die Freigabe als Konversionsgelände.

Thomas Trüper