Leser*innenbrief zum Artikel „Lebenslang für den Mannheimer Amokfahrer“
Leser*innenbrief zum Artikel „Lebenslang für den Mannheimer Amokfahrer“
Liebes Genoss*innen von KIM,
wir, die FLINTA*s der Linken Mannheim, haben uns mit dem am 18. Dezember 2025 im KIM erschienenen Artikel „Lebenslang für den Mannheimer Amokfahrer [mit Videobeitrag]“ befasst und haben folgende Anmerkungen bzw. Verbesserungsvorschläge:
1.) Wäre es nicht angemessener gewesen, anstatt eines Berichtes einen Artikel oder Kommentar zu schreiben, der versucht, das Ganze einzuordnen, so z.B. die kritische Auseinandersetzung damit, dass das Gericht der Ansicht gefolgt ist, der Angeklagte sei nicht wirklich in der rechten Szene gewesen (obwohl er anscheinend nachweislich einer Reichsbürgergruppierung angehört hat, auf rechten Demos war, Nazi-Parolen im Internet verbreitet hat und sich am Tattag mit rechten Songs aufgepeitscht hat)? Wie kann es zu so einer Argumentation des Gerichts kommen? Auch wenn die Gesinnung des Täters vielleicht wirklich nicht zur eigentlichen Tat geführt hat, sagt es doch etwas über unsere gesellschaftlich legitimierte Wahrnehmung aus, wenn ein Gericht der Ansicht ist, dass all das genannte Verhalten nicht ausreicht, um eine rechtsradikale Gesinnung festzustellen.
2.) Es wäre auch wünschenswert gewesen, wenn der im Videobeitrag zu findende Hinweis auf die Situation der Abweisung des Täters durch seine Bekannte eine Einordnung in die Existenz und Folgen patriarchaler Strukturen erfahren hätte. Wie kann es sein, dass eine solche Begründung als „Entschuldigung“ für das Handeln des Täters überhaupt zugelassen wird und nicht sogar zu einer Einordnung als indirekter Femizid aus Frauenhass geführt hat?
3.) Wir lehnen die Bemerkung im Video ab, dass es ein Merkmal psychischer Erkrankungen sei, dass diese besonders empfänglich für rechtsextremistisches Gedankengut machen würden. Es gibt diese Kausalität zwischen psychischer Krankheit und Ideologie nicht. Zudem schürt diese haltlose Aussage Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen und brandmarkt sie als gefährlich und politisch unmündig. Gleichzeitig entlastet und entschuldigt sie den Täter und spricht ihn von der Verantwortung für seine politische Haltung frei. Wieso die Autoren des Beitrags genau an dieser Stelle vom journalistischen Mittel des Berichts abgewichen sind und eine persönliche nicht fundierte Meinung haben einfließen lassen, erschließt sich uns nicht.
Seht diesen Leserbrief als Aufforderung, die drei genannten Punkte nachzuarbeiten und einen angemessenen Beitrag zu verfassen.
Danke und solidarische Grüße,
Die FLINTA*s der Linken Mannheim















