Stimmen aus der Region gegen den Krieg gegen den Iran

Bild: Käthe Kollwitz Museum

Der politische Mainstream in Deutschland unterstützt den völkerrechtswidrigen Krieg der USA und Israel gegen den Iran eher mehr als weniger. Der Krieg wird in der Regel als „Präventivschlag gegen das Mullah-Regime“ heruntergespielt und gerechtfertigt.

Wir dokumentieren hier drei Wortmeldungen aus Mannheim, die alle diesen Krieg verurteilen aber mit teils unterschiedlichen Begründungen.

Stellungnahmen von der Linken Mannheim, von Gerd Mersmann aus dem Blog form7, von Zahra Alibabanezhad Salem, der ehemaligen Sprecherin des Mannheimer Migrationsbeirats.

Außerdem veröffentlichen wir eine Stimme aus dem fernen Spanien. Verschafft sie doch einen Eindruck, dass dieser Krieg im europäischen Ausland zum Teil ganz anders als in Deutschland diskutiert wird. Und über ein Thema gesprochen wird, das in Deutschland ein Tabu ist: Konsequenzen gegenüber den USA und Israel. Hierüber erfährt man aus den deutschen Medien herzlich wenig.

Roland Schuster


Die Linke Kreisverband Mannheim – Pressemitteilung 2. März 2026

Schluss mit diesem Krieg!

Die US-amerikanische und die israelische Armee haben Samstagmorgen gemeinsam die Islamische Republik Iran völkerrechtswidrig angegriffen, das muss festgehalten werden. Gleichzeitig kann man die tanzenden Iraner*innen sehen, als sie vom Tod des Ajatollah Chameini, bei diesen Angriffen, hörten.

Isabell Fuhrmann, Landtagskandidatin dazu: „Als Linke können wir beides festhalten, der Tod des Ajatollah steht für viele Iraner*innen für Hoffnung auf Befreiung von einem zutiefst frauenfeindlichen und brutalen Regime. Aber es klar ist, der Angriff unter Führung von Trump und Netanjahu ist völkerrechtswidrig, er trifft nicht die Machtelite, sondern bringt die Bevölkerung in akute Gefahr und ist mit aller Schärfe zu verurteilen“
Philipp Fränkle, Kreissprecher und Landtagskandidat ergänzt: „Dieser Angriff könnte die Lage der Menschen im Iran noch verschlimmern. Nach den letzten Angriffen hat das Regime die Repressionen verstärkt und noch mehr Menschen verhaftet. Nach der brutalen Niederschlagung der landesweiten Proteste ist es wahrscheinlich, dass dies erneut geschieht.“

Anna-Sophie Roth, Kreissprecherin sagt dazu: „Der Tod des Ajatollah Chameini ist inzwischen durch das iranische Staatsfernsehen bestätigt, er bedeutet aber noch nicht das Ende des brutalen Regimes in Iran und auch nicht das Ende des Krieges dort.“

Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut macht deutlich: „Es ist Naiv zu glauben, dass sich Freiheit und Demokratie herbei bomben lassen. Das Wohl der Menschen im Iran ist Trump oder Netanjahu schlicht egal. Die Situation der Kurden in Nordsyrien sollte Warnung genug sein: Auf die USA ist kein Verlass. Völkerrechtswidrige Angriffe sind durch nichts zu legitimieren, auch nicht durch berechtigte Kritik am Regime..“ Wir stehen an der Seite der iranischen Bevölkerung und und fordern von allen Kriegsparteien die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen. Die Zivilbevölkerung im Iran ist Angriffen durch die US-amerikanische und israelische Luftwaffe schutzlos ausgeliefert und zugleich weiterhin der unterdrückerischen Gewalt des Regimes ausgesetzt. Dieser Krieg muss aufhören. Das Ziel muss sein, dass das iranische Volk frei von Diktatur, Krieg und äußerer Einmischung über sich selbst und seine Zukunft entscheiden kann.


Außenpolitik:  Dicke Hose und nichts auf der Joppe!
von Gerhard Mersmann am 3. März 2026 (von Blog form7, mit freundlicher Genehmigung des Autors abgedruckt)

In Europa, dem schlingernden Kontinent, der sich seit einiger Zeit selbst ohne seine größte Landfläche wie Bevölkerungsgruppe definiert und mächtig ins Schlingen geraten ist, ist die Reaktion gespalten. Sie reicht von scharfen Verurteilungen aus Skandinavien bis hin zu Nutzungsverboten amerikanischer Streitkräfte der Infrastruktur in Spanien. Den Vogel, rein argumentativ, schoss allerdings ein Triumvirat aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich ab. Obwohl man intern von einer Verletzung des Völkerrechts sprach, tönten Prime und Premier sowie Kanzler, sie seien bereit, auch militärisch mit zu intervenieren, allerdings zu rein verteidigungsbedingten Zwecken. Wer so redet, hat die Hoheit über den Verstand verloren. Militärisch zu helfen bei einem völkerrechtswidrigen Angriff? Und zu verurteilen, dass sich das angegriffene Land verteidigt? Da hilft nur die Moral! Nackter Imperialismus als Kreuzrittertum! 

Es soll nicht eingegangen werden auf Spekulationen. Heute gibt es viele. Und auch nicht auf Berichte, was wo getroffen oder vernichtet wurde. Es ist Krieg. Und im Krieg regiert die Lüge. Aber die Prinzipien, um die es geht, sind sichtbar. Und wenn ein chinesischer Präsident einen Angriff verurteilt, der nicht dem Völkerrecht entspricht, von einem der Angreifer, nämlich gegen den vom internationalen Gerichtshof zu Den Haag ein Haftbefehl wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vorliegt, dem israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu, als Antisemit bezeichnet wird, dann wird deutlich, wie totalitär die demagogische Argumentation gediehen ist. Dem monotheistischen Gott sei Dank, existieren noch Staaten und deren Oberhäupter, die den tobenden Wahnsinn dieser imperialen Hasardeure als solches erkennen.

In Deutschland scheint man von dieser Erkenntnis allerdings befreit zu sein. Ein Land, das weder willens noch fähig ist, eine durch einen Krieg entstandene Krise dazu zu nutzen und ihren Bürgerinnen und Bürgern, die davon betroffen sind, zur Hilfe zu eilen, wie es jetzt bei Tausenden der Fall wäre, die sich in der betroffenen Region aufhalten, verpasst nicht nur eine große Chance, bei vielen Menschen zu punkten, nein, er vermittelt den sich immer mehr erhärtenden Eindruck der Handlungsunfähigkeit.

Und wer dann gleichzeitig von militärischer Beteiligung in einem heißen Krieg spricht und von der akuten Bedrohung durch den östlichen Nachbarn, scheint sich sogar dazu fähig zu fühlen, einen Zweifrontenkrieg zu führen. Was, so fragt sich der legendäre einfache Mann auf der Straße, passiert eigentlich mit einem, der auf die dicke Hose macht, aber nichts auf der Joppe hat? Die Antwort ist eindeutig. Nur über den Zeitpunkt lässt sich rätseln.


Mannheimer Stimme zum Iran: Zahra Alibabanezhad Salem über Krieg, Monarchie und Demokratie

(aus dem Mannheimer Morgen vom 3. März 2026)

Zahra Alibabanezhad Salem verfolgt die Eskalation im Iran mit großer Sorge. Die frühere Sprecherin des Mannheimer Migrationsbeirats kritisiert Militärschläge und monarchistische Hoffnungen.

Alibabanezhad Salem gehört zu den prominentesten iranischstämmigen Persönlichkeiten in Mannheim. Als Sprecherin des Migrationsbeirats hat sie oft Position bezogen: streitbar, meinungsstark, markant, polarisierend. Alibabanezhad Salem will verstanden werden, nicht gefallen. Das hat ihr nicht nur Freunde gebracht: Im Februar 2025 hat die Mehrheit des Gemeinderats der amtierenden Sprecherin die Wiederwahl in den Beirat verwehrt.

Zurück zum Iran. Militärische Interventionen hätten in der Region nur selten Freiheit, dafür oft Chaos und Gewalt gebracht, sagt sie. Am Ende hätten „Familien, Kinder, Zivilistinnen und Zivilisten“ den Preis gezahlt. Auch völkerrechtlich sei beim Angriff auf den Iran vieles fragwürdig. Dabei sei das Völkerrecht doch „kein nice to have“, sondern Grundlage internationaler Ordnung – und werde zunehmend relativiert. Nur weil jemand gegen Chamenei oder das aktuelle Regime ist, bedeutet das nicht, dass er für Demokratie, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit steht.“

Auch deshalb beunruhigt Alibabanezhad Salem die Präsenz monarchistischer Gruppen im Exil – und die Debatte um Reza Pahlavi, den Sohn des Schahs. Wer über die Zukunft des Irans spreche, müsse auch dessen Vergangenheit thematisieren. Der demokratisch gewählte Premier Mohammad Mossadegh wurde 1953 durch CIA und MI6 gestürzt. Danach baute der Schah seine Macht aus. Oppositionelle wurden verfolgt, Parteien verboten, die Geheimpolizei SAVAK folterte.

Der Sohn des Schahs habe „keinerlei demokratische Legitimation“. Er lebe seit Jahrzehnten im Exil und habe sich nicht erkennbar mit der Repression seines Vaters auseinandergesetzt, kritisiert Alibabanezhad Salem. „Politische Führung lässt sich nicht durch Erbrecht begründen.“ Dass Pahlavi im Westen fast als Idol der Opposition dargestellt werde, hält sie deshalb für problematisch.


Spanische Regierung verurteilt völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran und kündigt Konsequenzen gegenüber den USA an

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat entschieden, den Zugang der USA zu den gemeinsamen Militärstützpunkten in Rota und Morón zu verweigern, um Spanien nicht an einer militärischen Aktion gegen den Iran zu beteiligen. Er begründet dies damit, dass der Krieg keine völkerrechtliche Grundlage habe – weder durch die UNO noch durch den US-Kongress – und warnt vor einer Eskalation mit enormen globalen Folgen. Sánchez weist darauf hin, dass Spanien sich nicht an einem Krieg beteiligen will, der „ohne rechtliche Legitimation und ohne klare internationale Zustimmung“ geführt wird. Gleichzeitig betont er, dass Spanien nicht den iranischen Staat unterstützt, sondern sich gegen militärische Gewalt und für Deeskalation und Diplomatie ausspricht.

Quelle: El País – 3. März 2026

https://elpais.com/espana/2026-03-03/sanchez-asume-el-riesgo-de-impedir-que-ee-uu-use-las-bases-espanolas-porque-la-guerra-no-tiene-respaldo-legal-y-cree-que-se-demostrara-desastrosa.html