Gysi spricht auf dem Mannheimer Markplatz vor vielen Menschen [mit Video]
Viel Beifall, am Rande aber auch Kritik
Der Mannheimer Morgen berichtete von der Veranstaltung der Mannheimer Linken auf dem Mannheimer Marktlatz am 19. Januar. Und gibt die Rede von Gregor Gysi ganz gut wider. Der MM schreibt von 2.000 Teilnehmern. Es zeigt sich hier mal wieder, Gregor Gysi ist einer der wenigen Politiker in Deutschland, die im Rahmen einer Freiluft-Veranstaltung Marktplätze füllen können.
Die Veranstaltung ist im Vorfeld der Landtagswahlen am 8. März zu sehen. Der Kandidat der Linken für den Wahlkreis im Mannheimer Norden, Philipp Fränkle, führte durch die Veranstaltung. Die Kandidatin für den Mannheimer Süden, Isabell Fuhrmann, hielt eine landespolitische Rede. Mit Platz 9 auf der Landesliste hat sie einen aussichtsreichen Platz und könnte für Mannheim, wenn man die derzeitigen Prognosen zu Grunde legt, möglicherweise im künftigen Landtag vertreten sein. Ihre interessante Rede ist diesem Artikel angehängt.
Videobeitrag bei YouTube: https://youtu.be/Dzbsgd3izpE
Die Rede von Gregor Gysi ist trotz einer zu schwachen Lautsprecheranlage von den anwesenden Menschen interessiert wahrgenommen worden. Zeitweise war es auf dem Marktplatz mucksmäuschenstill. Unterbrochen wurde die Rede immer wieder von Beifall.
Gregor Gysi arbeitete sich an drei oder vier Schwerpunkten ab. Eines der Themen war die wachsende Kluft von Arm und Reich weltweit und in Deutschland. Wobei die Kluft nicht bei den Armen endet, sondern weite Teile des Mittelstandes erfasse. Ein Hinweis an die Linke für mögliche Bündnispartner.
Ein erfolgreicher Kampf gegen die Armut, gegen das Abgehängtsein und für Gleichheit sei nicht nur ein sozialer Kampf sondern auch ein politischer. Gehe diese Entwicklung weiter in die falsche Richtung, mache das die Rechten wie die AfD erst stark und gefährde existenziell die Demokratie. Er nannte hierbei natürlich auch das Instrumentarium der Linken, das man nur anwenden müsse. Vermögensteuer, Erbschaftssteuer, stärkere Besteuerung auf Aktien- und Spekulationsgewinne usw.
Ein anderes großes Thema war die Erosion des Völkerrechts, die von Trump und Putin betrieben wird. Gysi nannte hierbei als Kriegs- bzw. Konfliktherde die Ukraine, Venezuela und Grönland. Er kritisierte die Blockade der USA gegen Kuba und das kalkulierte Auslösen eines medizinischen und Nahrungsmittel-Notstands scharf. Die Völkerrechtsbrüche hätten allerdings auch eine lange Vorgeschichte, an der auch Deutschland teilweise eine Mitverantwortung gehabt hätte. Er zog einen weiten Bogen vom Krieg um Jugoslawien bzw. Kosovo zu Irak und Afghanistan. Er plädierte für ein „neues Völkerrecht“. Konflikte müssten allesamt politisch und diplomatisch gelöst werden. Die Bundeswehr müsste auf Landesverteidigung ausgelegt sein. Dazu bräuchte es die immense Aufrüstung, genannt Kriegstüchtigkeit, nicht.
Dem aufmerksamen Zuhörer mag aufgefallen sein, dass Gysi in seiner Rede mit keinem Wort Israel, Gaza oder Palästina erwähnte. Der Autor selbst hat einige Leute wahrgenommen, die deswegen regelrecht aufgebracht waren. Warum Gysi dieses doch sehr bedeutsame weltgeschichtliche Geschehen mit keiner Silbe erwähnte, darüber kann man nur spekulieren. Ob er mögliche negative Reaktionen vermeiden und Befindlichkeiten damit aus dem Wege gehen wollte? Ein Statement gegen die immensen Waffenlieferungen Deutschlands an Israel wäre m.E. sehr angebracht gewesen. Ebenso in diesem Zusammenhang ein Hinweis auf den beständigen Angriff auf die universalen Menschenrechte, auf körperliche Unversehrtheit und den Anspruch auf gleiche politische und soziale Rechte. Wo ist da die deutsche Politik?
Roland Schuster / Bilder: Helmut Roos
Rede von Isabell Fuhrmann, Kandidatin der Linken für den Wahlkreis Mannheim-Süd
Liebe Genoss*innen, Liebe Freund*innen,
wir stehen hier nicht wegen Wahlkampf.
Wir stehen hier, weil in Baden-Württemberg etwas gewaltig aus dem Ruder läuft – und die Menschen dafür bezahlen müssen.
Dieses Land ist reich. Aber die Menschen werden ärmer.
Die Kommunen sind am Limit. Kitas werden teurer, Schulen sind marode, das Herschelbad schließt, die Stadt ist verdreckt, aber anstatt öfter zu putzen wird beim Stadtraumservice gespart.
Und wenn wir der Regierung zuhören, dann liegt das alles daran, dass wir jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt haben, dass wir alle zu woke, zu faul, zu oft krank sind und eh nur Teilzeit arbeiten und viel zu früh in Rente gehen.
Aber wer arbeitet denn Teilzeit? Die Frauen – weil Kinderbetreuung nicht nur teuer ist, sondern auch die Kitaöffnungszeiten nicht zum Leben passen, schon gar nicht zu einem Arbeitsleben. Wer soll später in Rente gehen der Chemiekant, der Mechatroniker oder die Pflegekraft. Die sind doch gottfroh, wenn sie es bis zur Rente schaffen.
Jedes fünfte Kind lebt in Baden-Württemberg in Armut – und das ist kein Naturgesetz. All das ist die Folge politischer Entscheidungen.
Die Bildung hängt vom Geldbeutel der Eltern ab und gleichzeitig geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Deutlicher kann diese Politik doch gar nicht zeigen, dass sie Bildungsgerechtigkeit mit Füßen tritt.
Wir sagen: Schluss damit.
Baden-Württemberg muss bezahlbar sein – nicht nur für die, die erben.
Sondern für die, die hier arbeiten.
Für die, die hier Kinder großziehen.
Für die, die dieses Land am Laufen halten.
Deshalb endlich bezahlbare Mieten.
Kostenfreie Kita
Bus und Bahn darf kein Luxus sein.
Und Gesundheitsversorgung für die Menschen – nicht für Profit.
Gute Arbeit, gute Löhne – für eine Infrastruktur, die den Menschen dient.
Aber vor allem anderen:
Gebt den Kommunen endlich das Geld, das sie brauchen. Hier vor Ort findet doch das Leben statt.
Wer Aufgaben bestellt und auf die Städte und Kommunen abwälzt, muss sie auch bezahlen.
Alles andere ist politisches Wegducken. Schluss mit der Zechprellerei.
Das Geld ist da – ich sag nur Erbschafts- und Vermögenssteuern, aber darüber hinaus hat BaWü drei Milliarden ungebundene Rücklagen. Trotzdem sagt diese grünschwarze Landesregierung „mir gebet nix“, sie wollen sparen, für schlechte Zeiten – wie schlecht sollen die Zeiten noch werden? Lasst euch nichts vormachen
Am 8. März entscheidet ihr:
Für wen in Stuttgart in Zukunft Politik gemacht wird –
für Lobbyisten und ihre reichen Freunde- oder für uns, für die Menschen in diesem Land.
Lasst uns Baden-Württemberg bezahlbar machen. Lasst uns dieses Land gerechter machen. Zeigen wir, dass eine starke Linke in den Landtag gehört – und dass wir nicht stillhalten, wenn Unrecht passiert.


















