No pasarán: 90 Jahre Kampf gegen den Franco-Faschismus
Veranstaltungen in Heidelberg und Mannheim erinnern an Spanienfreiwillige aus der Region
Am 17. Juli 1936 putschten die faschistischen Truppen unter Francisco Franco gegen die republikanische Regierung in Spanien. Sofort formierte sich breiter Widerstand aus der Bevölkerung, die sich mit einem Generalstreik und vor allem in bewaffneten Milizen dem Faschismus entgegenstellte. Von Anfang an beteiligten sich viele internationale Freiwillige an den Kämpfen, insbesondere in Barcelona: Dort waren im Juli 1936 viele ausländische Antifaschist*innen, die zur bevorstehenden Arbeiterolympiade angereist waren. Zehntausende weitere Aktivist*innen aus der internationalen Arbeiter*innenbewegung schlossen sich in den Folgemonaten den bewaffneten Einheiten im Kampf gegen Franco an.
Auch aus der Rhein-Neckar-Region kamen dutzende Nazi-Gegner*innen, um die spanische Republik zu verteidigen. Teils hatten sie schon Jahre im Exil gelebt, nachdem sie vor dem Nazi-Terror fliehen mussten. Andere hatten lange Jahre im illegalen Widerstand in Deutschland verbracht und sahen in Spanien endlich eine Perspektive, den Faschismus zurückzuschlagen und den heraufziehenden Weltkrieg doch noch zu verhindern. Während ein Großteil in den Milizen der verschiedenen Parteien und Gewerkschaften und vor allem in den kommunistischen Internationalen Brigaden kämpfte, unterstützten andere im medizinischen Bereich, in der Logistik oder bei der politischen und journalistischen Begleitung.
Aus Mannheim sind dutzende Spanienfreiwillige bekannt, die häufig der kommunistischen Bewegung, teilweise aber auch anderen Strömungen der Arbeiter*innenbewegung entstammten. Zu den prominentesten Interbrigadisten gehören Karl-Heinz Hoffmann, Erwin Strohmeier, Hanns Maaßen und Heinrich Wieland. Dem Sanitätsdienst schlossen sich Mannheimerinnen wie Elisabeth Bier und Gusty Groel an, und Emma Steiner leitete eine Aufnahmestelle für Internationalistinnen. Auch aus Heidelberg kamen Freiwillige: Im Oktober 1936 flohen die drei führenden KPD-Aktivisten Mathias Hoffmann, Alfons Müller und Karl Düll vor der drohenden Verhaftung durch die Gestapo nach Spanien und schlossen sich dort den Internationalen Brigaden an. Mit Edgar Linick war ein Heidelberger sogar schon ab den ersten Tagen am antifaschistischen Kampf beteiligt, da er schon 1933 vor dem NS-Terror nach Barcelona geflüchtet war. Ab Juli 1936 war er im Sanitätsdienst zunächst einer Miliz, später der Interbrigaden tätig und gehörte Anfang 1939 zu den Truppen, die die Flucht der Bevölkerung nach Frankreich sicherte. Sowohl in Mannheim und Ludwigshafen als auch in Heidelberg lebte der Spanienkämpfer Max Diamant.
Die Beteiligung von Antifaschist*innen aus der Rhein-Neckar-Region wurde schon mehrfach thematisiert – mit antifaschistischen Stadtführungen, Vorträgen, Stolpersteinverlegungen und Veröffentlichungen. Die Broschüre „Adelante Libertad: Spanienfreiwillige aus Baden“ von Gerhard und Brigitte Brändle ist dabei besonders hervorzuheben.
Der 90. Jahrestag ist nun Anlass für weitere Veranstaltungen, die von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) organisiert werden.
Die Heidelberger Kreisvereinigung führt unter dem Titel „No pasarán!“ eine ganze Reihe durch, die einen Überblick über das Thema vermitteln, aber auch die Erinnerung an einzelne Spanienfreiwillige wachhalten will. Nach dem Filmabend „Land and Freedom“ bei der IG Metall, der den Auftakt bildete, folgt am 27. Oktober der antifaschistische Stadtrundgang „Auf den Spuren Heidelberger Interbrigadisten“. Er stellt die Biografien der Spanienfreiwilligen, aber auch ihrer Unterstützer*innen und die damit zusammenhängenden Heidelberger Widerstandsgruppen vor. Den größeren Kontext vermittelt am 4. November der Vortrag „Für Spanien – gegen Hitler. Die Geschichte der ersten Deutschen im bewaffneten Kampf gegen den Faschismus“ in der Volkshochschule Heidelberg. Mit Ewald P. Schulz (Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik, KFSR) konnte ein hochkarätiger Referent gewonnen werden. Zum Abschluss findet am 25. November die musikalische Lesung „Adelante Libertad!“ aus Biografien von Spanienkämpfer*innen statt: Umrahmt von Liedern der Internationalen Brigaden und aus der Spanischen Revolution gibt die Veranstaltung den Antifaschist*innen ein Gesicht und eine Stimme, indem sie Auszüge aus (Auto-)Biografien vorstellt.
Die VVN-BdA Mannheim Mannheim organisiert am 30. November 2026 ebenfalls einen Vortrag mit regionalem Schwerpunkt: Brigitte und Gerhard Brändle referieren im Wohnprojekt SWK zu Spanienfreiwilligen aus Mannheim.
Für alle, die sich anlässlich des 90. Jahrestags mit den antifaschistischen Kämpfen in Spanien und mit den beteiligten Antifaschist*innen aus dem Rhein-Neckar-Raum beschäftigen wollen, gibt es also ausreichend Gelegenheit.
Silke Makowski

















