Corona-Demos am Pfingstsonntag in Mannheim – Wer demonstriert für was?

Für Sonntag 31. Mai 2020 sind mindestens drei Versammlungen in Mannheim angekündigt, die sich mit der Thematik Corona-Krise und Corona-Leugnung befassen. Die Ausrichtungen der Veranstaltungen sind allerdings höchst unterschiedlich.

Die Corona-Leugner*innen

Neonazis bei einer Veranstaltung der „Corona-Rebellen“

Ab 15:30 Uhr will der Mannheimer Ableger des Querdenken-Netzwerks, ehemals „Corona-Rebellen“, erneut am Marktplatz demonstrieren. Die gemischte Gruppe um Patrick Schlegel demonstriert seit einigen Wochen plakativ für Grundrechte und ein Ende der Corona-Maßnahmen der Regierung. In der Selbstbeschreibung heißt es: „wir sind weder rechts noch links“. Die Redner*innen leugneten bei den Kundgebungen immer wieder die Gefahren von Covid-19 bis hin zur völligen Leugnung der Existenz des Corona-Virus unter lautem Beifall der Anwesenden. Die Kundgebungen wurden vorwiegend von politisch rechts orientierten Personen besucht. Neonazis, Reichsbürger*innen und krude Verschwörungstheorien (Impfzwang, Bevölkerungsdezimierung, Neue Weltordnung usw.) waren akzeptierter Teil der Veranstaltung, die auch von Personen besucht wurde, die sich selbst nicht als politisch rechts verstehen. AfD Politiker waren ebenfalls vor Ort und versuchten, die Proteste für ihre Sache zu nutzen. Der Aufruf zur Veranstaltung am 31.5. mit dem Titel „Mahnwache für die Erhaltung unserer Rechte und der Freiheit“ ist weitgehend identisch mit den bisherigen Aufrufen der „Corona Rebellen“.

Mahnwache für die Opfer von Hanau

Im Februar kamen bei einer Mahnwache nach dem Anschlag in Hanau hunderte Menschen auf dem Marktplatz zusammen

Ebenfalls auf dem Marktplatz will eine kleine Gruppe auf Initiative eines Gewerkschaftssekretärs demonstrieren. Mit einer Mahnwache soll an die Opfer von Hanau erinnert werden. Die Ideologie und die Verschwörungserzählungen, die bei den Kundgebungen der Corona-Leugner*innen verbreitet werden, sei zu weiten Teile die selbe, die den Hanauer Mörder zu seinem tödlichen Attentat angetrieben habe. „Es ist unerträglich, dass bei diesen Kundgebungen regelmäßig Neonazis am Gedenkort für die Opfer von Hanau stehen“ sagt der Gewerkschafter zu seiner Motivation. Auch Aktive aus der Künstlerszene hätten sich angekündigt. Der Marktplatz wurde kurz nach dem Hanauer Anschlag spontan zur Mahn- und Gedenkstätte, Blumen und Kerzen wurden dort nieder gelegt.

Da die rechten Querdenker/Corona-Rebellen zeitlich vor der Initiative angemeldet hatten, muss die Hanau-Mahnwache am Marktplatz enden, bevor die „Rebellen“ eintreffen. Treffpunkt zum Gedenken ist daher schon ab 13 Uhr, gegen 13:30 Uhr soll es losgehen.

Nachbarschaftstreffen „Seid wachsam“

„Nachbarschaftstreffen“ am 10. Mai mit Musik und kaum politischen Botschaften

Ebenfalls am Sonntag soll ab 16 Uhr auf dem Alten Messplatz ein sogenanntes „Nachbarschaftstreffen“ mit Kulturprogramm stattfinden. Auf Initiative des ehemaligen LINKE-Politikers Paul Eckert soll es um das Thema soziale Isolation und Auswirkungen der Corona-Krise auf das Zusammenleben der Menschen gehen. Das Plakat kündigt Live-Musik, Kinderprogramm, „Expertenaustausch und Vernetzung“ sowie die Rede einer Pfarrerin an. Auf dem Plakat ist ferner der Text von „Freude schöner Götterfunken“ abgedruckt und es steht dort mystisch „Es beginnt in Mannheim“ ohne näher darauf einzugehen, was beginnen soll.

Ob und wie eine solche Veranstaltung, deren Charakter an ein Bürgerfest erinnert, in Corona-Zeiten unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen und Abstandsregeln stattfinden kann, bleibt abzuwarten. Die Polizei ist bei der Durchsetzung von Auflagen bisher sehr unterschiedlich vorgegangen.

Paul Eckert musste sich nach seinen Äußerungen über die Rechtsanwältin Beate Bahner Kritik aus den eigenen Reihen stellen und kündigte kurz darauf seinen Ausstieg aus der Partei DIE LINKE an. Er hatte an einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für die Rechtsanwältin Bahner teilgenommen, die wegen Nichteinhaltung der Abstandsregeln und Vereinnahmung durch die rechte Szene kritisiert wurde. Paul Eckerts Facebook Einträge und persönlichen Gespräche deuten auf eine Affinität zu Verschwörungsgeschichten hin. Mit den „Corona-Rebellen“ um Patrick Schlegel will er aber offenbar nichts zu tun haben, denn das „Nachbarschaftstreffen“ findet fast zeitgleich, aber an einem anderen Ort statt. Beim ersten „Nachbarschaftstreffen“ auf dem Alten Messplatz am 10. Mai gab es viel Musik, wenige Teilnehmer*innen und noch weniger politische Inhalte.

Weitere Veranstaltungen sind der Redaktion bislang nicht bekannt, was aber nicht heißt, dass nicht noch mehr stattfinden kann.

(cki)