Verkauf von tausenden BASF-Werkswohnungen – „Keine Heuschrecken für Ludwigshafen“
Wohnungen gehören in öffentliche Hand
Die geplante Veräußerung von 4.400 Wohnungen durch die BASF und ihre Tochter BASF Wohnen + Bauen GmbH sorgt bei über 10.000 Menschen in Ludwigshafen und der Region für massive Verunsicherung.
Die Linke Vorderpfalz und Mannheim warnen eindringlich vor einem Verkauf der Wohnungen als Gesamtpaket an renditeorientierte Immobilienkonzerne.
„Wenn die BASF sich aus der Wohnungsverantwortung zurückzieht, dürfen keine Heuschrecken einziehen“, erklärt Patrick Thiel, Direktkandidat im Wahlkreis Ludwigshafen II und selbst Mieter bei BASF Wohnen + Bauen. „Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Ware zur Bilanzaufbesserung.“
Ein Paketverkauf dieser Größenordnung würde mehr als vier Prozent des Ludwigshafener Wohnungsbestands betreffen. Nach Auffassung der Linken droht bei einer Übernahme durch große Wohnkonzerne steigende Mieten, wachsender Instandhaltungsdruck und höhere Nebenkosten. „Mit dieser Marktmacht lässt sich der Mietspiegel faktisch beeinflussen, das bedeutet die Miete steigt auch im Nachbarhaus. Das wäre brandgefährlich für den Zusammenhalt unser Stadt“, so Thiel.
Die Linke fordert daher ein garantiertes Vorkaufsrecht für Land und Kommune. Ziel müsse es sein, die Wohnungen in öffentliche und gemeinwohlorientierte Hand zu überführen. Und dauerhaft bezahlbare Mieten zu sichern.
Gespräche über eine mögliche Übernahme durch die städtische GAG Ludwigshafen bewertet die Linke grundsätzlich positiv. „Ein kommunaler Ankauf kann ein wichtiger Schritt sein, aber nur wenn das Land Rheinland-Pfalz die nötigen finanziellen Mittel bereitstellt“, betont Jonas Leibig, Co-Vorsitzender der Linken Vorderpfalz. „Jetzt ist die Landesregierung gefordert, gemeinsam mit der Stadt Ludwigshafen eine Lösung zu finden, wie diese Wohnungen in eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft gelangen.“
Die angekündigte Sozialcharta reicht nicht aus, um langfristig sicheres Wohnen zu garantieren. Zeitlich begrenzte Schutzregelungen können nicht verhindern, dass Wohnraum perspektivisch zur Renditequelle wird.
Auch die Linke Mannheim und die Direktkandidatin Isabell Fuhrmann fordert die Überführung der BASF-Werkswohnungen in öffentliche Hand. „Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Wohnungen in Mannheim liegt, betrifft dieser Verkauf die gesamte Region. Es darf nicht sein, dass die Bilanzkosmetik der BASF indirekt auf die Kosten der Mieterinnen und Mieter in Ludwigshafen und Mannheim geht.“
Für die Linke steht fest: Wohnraum gehört zur Daseinsvorsorge. Wer tausende Wohnungen bewegt, trägt Verantwortung für die gesamte Region, nicht nur für die eigene Bilanz.
Pressemitteilung der Linken Bezirksverband Vorderpfalz und und der Linken Mannheim, 24.02.2026
OB Blettner: „Handeln aus sozialer Verantwortung“
BASF-Wohnungen: Stadt und GAG setzen sich für Lösung ein
Nach der Ankündigung von BASF Wohnen und Bauen, rund 3.300 Wohnungen zu veräußern, setzt sich die Stadt Ludwigshafen aktiv für eine Lösung im Interesse der Mieterinnen und Mieter ein. Nach den Vorstellungen von Oberbürgermeister Prof. Dr. Klaus Blettner könnte die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG die Wohnungen möglicherweise und in einer noch zu klärenden Form übernehmen. Der OB ist Aufsichtsratsvorsitzender der GAG.
„Wohnen in unserer Stadt muss bezahlbar sein und bleiben. Die Mieterinnen und Mieter brauchen Planungssicherheit und einen Partner, auf den sie sich verlassen können. Eine Wohnung ist nicht nur eine Zahl – sie ist Zuhause, sie ist Heimat und ein Stück Identität. Daher überlegen wir gemeinsam mit der GAG, wie eine Lösung aussehen könnte: Eine Lösung, die den Mieterinnen und Mietern Sicherheit gibt, am Gemeinwohl orientiert und zugleich zukunftsfest ist. Wir handeln hier aus sozialer Verantwortung“, erklärte Oberbürgermeister Prof. Dr. Blettner am Montag, 23. Februar 2026.
Der OB hatte sich unmittelbar, nachdem er von den Unternehmensplänen erfuhr, dafür eingesetzt, den Strukturwandel konstruktiv und lösungsorientiert zu begleiten. Angesichts der engen Partnerschaft zwischen Stadt und Chemiekonzern sei die nun verkündete Entscheidung von BASF Wohnen und Bauen eine neue Herausforderung, die es im Interesse der betroffenen Menschen und der Stadt Ludwigshafen anzunehmen gelte. Sein Dank gelte dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der GAG, die sein Anliegen konstruktiv unterstützten.
Mit Blick auf die Wohnungen außerhalb Ludwigshafens hat Blettner Kontakt zum Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht und dem Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises Volker Knörr aufgenommen. Beide haben bereits ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an einer konstruktiven gemeinsamen Lösung signalisiert.
„Es gibt noch zahlreiche wichtige Fragen zu klären, um einen Lösungsvorschlag zu konkretisieren. Ob dieser dann zum Tragen kommt, ist natürlich eine Frage des Wettbewerbs und am Ende eine Entscheidung der BASF. Aber Kompetenz und Leistungsfähigkeit der GAG, gemeinsame Verantwortung und gegenseitige Verbundenheit von Stadt und Konzern im Interesse Ludwigshafens und seiner Menschen sind aus meiner Sicht gute Argumente“, betont der OB.
Auch aus Sicht der Stadtentwicklung sei eine mögliche Übernahme der BASF-Wohnungen mit Beteiligung der GAG vernünftig und schlüssig, so Blettner weiter. Die GAG sei für die Stadt Ludwigshafen Partnerin in wichtigen Stadtentwicklungsfragen und stünde für nachhaltige Quartiersentwicklung und sozialen Zusammenhalt, der Generationen und Nationen miteinander verbinde. Auf der anderen Seite sei es wichtig, dass das gesellschaftliche Engagement der BASF in Ludwigshafen erhalten bleibe und fortgeführt würde. „Diese enge und vertrauensvolle Partnerschaft hat sich gerade auch in schwierigen Zeiten bewährt. Unser Ziel ist es jetzt, zügig ein konstruktives Verfahren auf den Weg zu bringen, das Sicherheit schafft – für die Menschen, für die Quartiere und für die Zukunft unserer Stadt“, so Blettner.
Pressemitteilung der Stadt Ludwigshafen, 23.02.2026
















