Femizid in Mannheim: Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall
Nach der Tötung der 19-jährigen Maria in der Nacht zum 11. März 2026 im Käfertaler Wald in Mannheim hat die Polizei Ermittlungen wegen Mordes gegen einen 17-jährigen Verdächtigen aufgenommen.
Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und möchten unser tiefes Mitgefühl ausdrücken. Wir wünschen euch in dieser unvorstellbar schweren Zeit viel Kraft und Halt und Raum für eure Trauer.
Auch wenn die genauen Hintergründe der Tat noch untersucht werden, zeigt der Fall erneut ein strukturelles Problem: Gewalt gegen Frauen bis hin zum Mord ist kein Einzelfall, sondern Teil eines patriarchalen Musters.
Femizide sind die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt.
In Deutschland wird fast jeden Tag eine Frau von einem Mann getötet. Häufig sind die Täter die Partner oder Ex-Partner. Femizid bezeichnet die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, also aus Frauenfeindlichkeit oder aus Besitz- und Kontrollansprüchen heraus.
Diese Gewalt entsteht nicht plötzlich. Sie ist das Ende einer Eskalationsspirale:
- sexistische, abwertende Kommentare, „Slut-Shaming“
- Belästigung im öffentlichen Raum („Catcalling“)
- Stalking, Manipulation und das Ausüben von Kontrolle
- körperliche Gewalt, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung
Femizide sind die tödliche Spitze dieser Gewalt.
Viele dieser Formen werden gesellschaftlich verharmlost oder normalisiert. Wenn Männer ein „Nein“ nicht akzeptieren und dies als romantisches Werben dargestellt wird, ist das Teil einer Rape Culture, die Gewalt gegen Frauen verharmlost.
Gewalt gegen Frauen ist strukturell.
Gewalt gegen Frauen ist tief in patriarchalen Machtstrukturen verankert. Täter kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten: Sie sind Partner, Ex-Partner, Brüder oder Väter – selten Fremde.
Statistisch erleben viele Frauen Gewalt im eigenen sozialen Umfeld. Die gefährlichste Zeit ist häufig die Trennungsphase, wenn Täter Kontrollverlust befürchten.
Hinzu kommen gesellschaftliche Faktoren, die Betroffene in Gewaltbeziehungen halten können:
- finanzielle Abhängigkeit durch geringere Entlohnung und durch ungleiche steuerliche Regelungen
- Ohnmacht, Scham und Angst
- fehlende Schutzräume und Beratungsangebote
Worte wie „Beziehungstat“ verharmlosen Gewalt.
Der Begriff „Beziehungstat“ verschiebt die Verantwortung von Tätern auf eine angebliche Beziehungskrise. Doch Gewalt gegen Frauen entsteht nicht aus Liebe oder Streit, sondern aus Macht- und Dominanzansprüchen.
Was sich ändern muss.
Um Femizide zu verhindern, braucht es gesellschaftliche und politische Veränderungen:
- mehr Schutzräume und Beratungsstellen für Frauen und Mädchen
- eine verlässliche Finanzierung von Frauenhäusern
- spezialisierte Notfallambulanzen für Betroffene sexualisierter Gewalt
- Schulungen für Polizei, medizinisches Personal und Behörden
- faire Bezahlung und wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen
- konsequente gesellschaftliche Ächtung von Sexismus und Gewalt
Darüber hinaus braucht es eine klare gesellschaftliche Haltung: Gewalt gegen Frauen darf nicht relativiert oder normalisiert werden.
Auch Männer tragen Verantwortung – sie müssen Sexismus widersprechen, bei Gewalt intervenieren, Täter als solche benennen und ihr eigenes Verhalten reflektieren.
Hilfe für Betroffene
Frauen und FLINTA-Personen, die Gewalt erleben, können sich unter anderem an folgende Stellen wenden:
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (deutschlandweit): 116 016
- Fraueninformationszentrum (FIZ) und Mannheimer Frauenhaus
- Mannheimer Notruf und Beratung für sexuell misshandelte Frauen und Mädchen
- Wildwasser und Notruf Ludwigshafen
- pro familia
- PLUS Rhein-Neckar – Beratungsstelle für queere Menschen
Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem. Sie ist ein gesellschaftliches Problem – und sie betrifft uns alle.
Text: Feministisches Bündnis Mannheim | Beitragsbild: KIM
















