Atomwaffen ins Museum – 150 Rennradfahrer*innen unterwegs für Abrüstung

Rennradfahrer*innen des 15ten Pacemakers Radmarathons radeln für atomare Abrüstung

Noch ist es ein weiter Weg, bis Atomwaffen als eines der schlimmsten Tötungsinstrumente im Museum mit Kopfschütteln bestaunt werden können. Am 3. August 2019 haben sich wenige Tage vor dem

Pacemakers Marathon: Raddemo für eine Welt ohne Atomwaffen. Über 150 Radsportler engagieren sich für nukleare Abrüstung
Foto Thomas Troester

Hiroshima-Tag (6. August) rund 150 Rennradfahrer*innen auf den Weg gemacht, um sich für das (noch) visionäre Ziel der vollständigen atomaren Abrüstung einzusetzen. Bereits zum 15ten Mal seit 2004 machen die nicht nur sportlich ambitionierten Radrennfahrer*innen in einer insgesamt 338 km langen Tour von Bretten bis nach Ramstein und zurück auf ihr Anliegen aufmerksam.

Auch dieses Mal wurden die doppelt motivierten Sportler*innen von der Stadt Mannheim mit erfrischenden Getränken und stärkenden Nudeln und Soßen im Namen von Schirmherrn OB Peter Kurz empfangen. Kuchen wurde in bewährter Manier von Hedi Sauer-Gürth beigesteuert, die Mitglied in der DFG-VK-Gruppe MA-LU ist. Das hat genauso Tradition wie das Engagement von weiteren DFG-VK- Mitgliedern und vom Friedensplenum Mannheim für dieses außergewöhnliche sportlich-politische Ereignis. Der Ort des Geschehens war wegen Bauarbeiten nicht der Platz vor dem Rathaus war sondern der vor dem Reiss-Engelhorn-Museum.

Der Vernunft zum Durchbruch verhelfen
Stadtrat Raymond Fojkar begrüßt die Abrüstungsradler*innen im Namen der Stadt Mannheim und würdigte nicht nur ihren enormem sportlichen Einsatz, den sie auf der 338 Kilometer langen Strecke an den Tag legen. Er wies darauf hin, wie mit der Kündigung des INF-Vertrags über die Vernichtung von atomaren Mittelstrecken und Atomsprengköpfen zuerst durch die USA und dann durch Russland der nuklearen Abrüstung ein schwerer Schlag versetzt worden ist. Um so wichtiger sei es daher, sich weiterhin für atomare Abrüstung einzusetzen und den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen. Dass die Bundesregierung genau das tut ist, die Absicht des ICAN-Städteappels (ICAN International Campaign to Abolish Nuclear weapons, Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen). Es laufen entsprechende Vorbereitungen, einen Antrag in den Gemeinderat einzubringen, damit auch Mannheim den ICAN-Städteappel annimmt.

Abrüstungserfolge bekannt machen und verteidigen
Die atomaren Mittelstreckenraketen einschließlich Atomsprengköpfen bekannt unter dem Namen Pershing (USA) und SS 20 (Sowjetunion) wurden aus Deutschland abgezogen. Das war eine zentrale Forderung der Friedensbewegung in den 1980er-Jahren und sie wurde Wirklichkeit aufgrund des INF-Vertrags zwischen den USA und der Sowjetunion. Statt dem INF weitere Rüstungskontroll- und Abrüstungsabkommen folgen zu lassen, wurde der INF-Vertrag durch US-Regierung und dann auch durch die russische Regierung gekündigt und ist seit dem 3. August abgeschafft. Das ist furchtbar, denn mit dem von den USA zu verantwortenden Schritt wird das Wettrüsten erneut angefacht. Atomwaffen schützen Niemanden und haben keinen Vorteil, bereits ihre Existenz verschlingt wichtige Ressourcen und geistige Kapazitäten, die nicht nur bei der Verhinderung der Klimakatastrophe fehlen. Auf diese Gefahren wies Hedi Sauer-Gürth als Rednerin für das Friedensplenum Mannheim ebenso hin wie
auch auf die Tatsache, dass in Deutschland in der Luftwaffenkaserne in Büchel in der Nähe von Koblenz immer noch 20 Atomsprengköpfe lagern. Sie warb dafür, sich mit Ausdauer und Kreativität sowohl für
deren Abzug als auch für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen.

Für den richtigen Klimawandel kämpfen
Die Friedensbewegung setzt sich schon sehr lange dafür ein, sowohl Atomwaffen als auch Atomkraftwerke abzuschaffen. Wo diese betrieben werden, ist der Bau von Atombomben nur ein kleiner Schritt. Abbau und Verarbeitung von Uranerz gefährden die Umwelt genauso wie auch der Betrieb von Atomkraftwerken. Viele Jahre setzten die A-Waffen-Staaten beim Test von Atombomben hemmungslos Radioaktivität frei, bis diese aufgrund des Drucks der Friedensbewegung verboten wurden. Das Streben nach der A-Bombe und das Festhalten an deren Besitz sowie am Abschreckungsdogma
bewirken, dass sich nur die Atomwaffenlobby freuen kann. Das politische Klima wird dadurch schwer belastet und verhindert die in den 1980er-Jahren möglichen vertrauensbildenden Maßnahmen. Hier ist ein – politischer – Klimawandel dringender denn je. Wenn wir uns dafür einsetzen, unterstützen wir indirekt auch die Ziele der Fridays for Future.

 
Otto Reger – DFG/VK Deutsche Friedensgesellschaft / Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Ma/Lu