Keine Satire: Der Grüne Chris Rihm wird Geschäftsführer der Fluggesellschaft Mannheim City Air

Nachdem es bei der Landtagswahl nicht geklappt hat, gibt der Grünen-Politiker Chris Rihm seinen neuen Job der Öffentlichkeit bekannt. Er wird Geschäftsführer der Fluggesellschaft Mannheim City Air (MCA).

Die kleine Fluggesellschaft MCA bietet Urlaubsflüge vom Flugplatz Mannheim auf die Inseln Sylt und Elba an. Sie ist eine Neuauflage der unrentablen Rhein-Neckar-Air, die Ende 2024 Insolvenz beantragen musste. Nach dem Neustart und mehreren Geschäftsführerwechseln soll nun offenbar Chris Rihm versuchen, mit dem Unternehmen Geld zu erwirtschaften.

Die Bekanntgabe des Geschäftsführers mit grünem Parteibuch wirkt kurios, da Umwelt- und Klimaaktivist*innen seit Jahren fordern, den Mannheimer Flugplatz zu schließen. Der Flugverkehr ist die klimaschädlichste Fortbewegungsart und dennoch werden Kerosin, Flugtickets und Flugplätze durch Steuermittel subventioniert. Das ist eine klimapolitische Katastrophe und widerspricht der Idee einer ökologischen Verkehrswende fundamental.

Teure Hobbys, Manager, Sportler und Militär

Die Hauptnutzergruppen des Mannheimer Flugplatzes sind Freizeitpilot*innen, die einem teuren Hobby nachgehen. Dazu kommen Geschäftsleute und Manager der großen Firmen aus der Region und Profisportler, die zu ihren Wettkämpfen in andere Städte geflogen werden.

Immer wieder sieht man auch militärisches Gerät von der Bundeswehr oder der US-Army in Mannheim landen, auftanken und weiterfliegen. Die Urlaubsreiseflüge machen einen vergleichsweise kleinen Anteil aus.

Noch tanken die Jets am Flugplatz Mannheim Kerosin. Ob sich das bald ändert? | Archivbild: KIM

Sinn und Unsinn und Kosten des Flugplatzes

Der Betreiber des Mannheimer Flugplatzes, die Rhein-Neckar Flugplatz GmbH, ist ein mehrheitlich kommunales Unternehmen. Für die Betriebsdefizite müssen die Mannheimer Bürger*innen aufkommen. Das 53 Hektar große Gelände mit Landebahn und Terminal wird der GmbH kostenfrei überlassen, außerdem wurde im vergangenen Jahr die Landebahn für rund 3 Millionen Euro mit städtischen Mitteln saniert. Das alles in Zeiten knapper kommunaler Finanzen und Kürzungen im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich.

Der Flugplatz bekommt zudem Fördermitteln vom Land und eine großzügige Finanzspritze vom Bund: Die jährlichen Kosten von mehr als 1 Million Euro für die Flugsicherung werden komplett aus Steuermitteln gezahlt.

In seinen Selbstdarstellungen wirbt der Flugplatz mit medizinischen Flügen zum Wohle der Allgemeinheit, wie zum Beispiel Organtransporten. Erwähnen sollte man auch den Hubschrauber der Luftrettung, der in Neuostheim stationiert ist. Der leistet gute Arbeit und ist wichtig für die Notfallversorgung in der Region. Allerdings könnte der auch an einem Krankenhaus stationiert sein und benötigt keinen Flugplatz mit Landebahn.

Chris Rihm (rechts) und andere Grüne kurz vor der Landtagswahl bei einer Fridays for Future Demo. Mittlerweile ist der Wahlkapmf vorbei. | Bild: Fridays for Future Mannheim

Fliegen bald alle „grün“?

Die Initiative „Flughafen Mannheim schließen“ hat bereits vor zwei Jahren recherchiert: Kleinere Jets, wie sie in Mannheim viel genutzt werden, verbrauchen durchschnittlich zehnmal so viel CO2 pro Passagier, wie ein normales Verkehrsflugzeug.

Im Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ sagt der neue „grüne“ Geschäftsführer Chris Rihm, er sehe die Mannheim City Air als einen „bundesweiten Leuchtturm für nachhaltiges Fliegen“. Er hoffe auf Flugzeuge mit Elektroantrieb ab 2030. Er will Regionen mit kleinen Flugplätzen miteinander verbinden. „Das wäre klimaökologisch unbedenklich, außerdem gibt es da keinen zusätzlichen Flächenverbrauch. Die Fluggäste können dann auch zusätzlich den Schienenverkehr nutzen“, wird Chris Rihm im „Mannheimer Morgen“ zitiert.

Flugplatz statt Landtag

Bei der Landtagswahl haben die Grünen eine beeindruckende Aufholjagd abgeliefert und den Showdown „Özdemir gegen Hagel“ knapp vor der CDU gewonnen. Grün-Schwarz gilt in Baden-Württemberg dennoch als Dreamteam. Die beiden Parteien sind sich in vielen Positionen sehr ähnlich, einer Koalition steht also nichts im Wege.

In Mannheim ticken die Uhren allerdings etwas anders und für den Grünen Chris Rihm hat es im nördlichen Wahlbezirk nicht gereicht. Sowohl der AfD Kandidat Dr. Bernhard Pepperl, wie auch Lennart Christ von der CDU lagen knapp vor ihm. Da Rihm nicht über die Landesliste abgesichert war, schaffte er den Einzug in den Landtag nicht.

Auch wenn es auf den ersten Blick kurios anmutet, so ist der neue Job am Flugplatz für den Grünen Chris Rihm doch eine logische Konsequenz nach der Landtagswahl. Cem Özdemir soll in Stuttgart die Autos von Mercedes und Porsche retten. Dann kann sich Chris Rihm in Mannheim auch um die Auslastung des Flugplatzes bemühen – alles nur eine Frage des richtigen Greenwashings. (cki) 

Beitragsbild: KIM