Landtagswahlergebnisse in Mannheim im 10-Jahres-Vergleich

Wahlergebnisse der Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 im 10-Jahresvergleich in absoluten Stimmenzahlen. Nach der Wahlrechtsreform gab es 2026 erstmals das Zwei-Stimmensystem. In diesem Beitrag werden für 2026 grundsätzlich nur die Zweitstimmen dargestellt, die für die Zusammensetzung des Landtags maßgeblich sind.

 

Vergleicht man die Ergebnisse der zurückliegenden Landtagswahl nicht nur mit denjenigen von 2021, sondern schaut insgesamt 10 Jahre zurück, stellt man interessante Dynamiken fest.

Wollte man die Zeiträume charakterisieren, in denen die drei Wahlen stattfanden, dann war das 2016 zweifellos eine durch die „Flüchtlingskrise“ 2015 geprägte Zeit, in der viele Kommunen am Limit agieren mussten. Die Rechte fokussierte sich darauf, die „Öffnung der Grenzen“ 2015 zu verdammen und eine von der AfD angeführte bis dahin beispiellose Kampagne Richtung massenhafter Abschiebungen aufzubauen, der sich die CDU im Prinzip anschloss. 2021 war dann die Corona-Krise immer noch mit harten Einschränkungen zu spüren. Die Rechte, insbesondere AfD, setzten auf Leugnung der Pandemie, Verschwörungsgeschichten und brachten eine beträchtliche Anzahl Menschen auf die Straßen. Der Wahlerfolg blieb für sie jedoch weit unter den Erwartungen. Und in der aktuellen Wahl in Zeiten multipler Krisen konnte die CDU wieder an das alte Niveau aufschließen und in Mannheim sogar noch etwas steigern.

Die AfD erholte sich von der Wahl 2021 jedoch nicht vollkommen und blieb in Mannheim 11,5% unter dem Niveau von 2016. Und sie musste erleben, dass die Grünen („Grüne kosten Arbeitsplätze“!) trotzdem zunahmen.  Die AfD hat das Potenzial des Ergebnisses von 2016, realistisch gewertet, nicht realisiert. Sie liegt jetzt sogar 20,6% unter 2016: Damals hatte der rechtsextreme Block noch die Republikaner, die NPD, die AfD und Alfa an Bord mit ca. 2.500 Stimmen (in der Tabelle als „AfD plus“ kumuliert). Es gibt also keinen Grund, die AfD stärker zu reden, als sie leider ist, weil sie das im Empfinden ihrer Wählerschaft genau stärkt.

Der Absturz der SPD, der in Mannheim immerhin bei 9,3% stehen blieb, ist wohl hauptsächlich auf die Ampel- und die schwarz-rote Koalition in Berlin zurückzuführen. Am Einsatz ihrer Kandidaten und Mitglieder hat es sicher nicht gelegen. Die Halbierung der FDP-Stimmen liegt wohl schlicht daran, dass die FDP nicht mehr erklären kann, wie sie mit Steuersenkungen für die Reichen und Konzerne die riesigen Investitionsaufgaben finanzieren will.

Die einzigen Parteien in Mannheim, die sich über den 10-Jahreszeitraum kontinuierlich steigern konnten sind die Grünen und Die Linke, letztere um 71 Prozent. Bei der Linken ist neben allen gewaltigen örtlichen Wahlkampfanstrengungen auch eine Menge Rückenwind aus der letzten Bundestagswahl und eine durch den erheblichen Mitgliederzuwachs erzeugte Aufbruchstimmung zu registrieren.

Die nicht Wahlberechtigten nehmen zu

Die Wahlbeteiligung hat sich seit der letzten Wahl um 6.100 Personen erhöht, ist aber gegenüber 2016 um 2,9% gesunken.

Die Zahl der Wahlberechtigten ist in Mannheim in den 10 Jahren nur um ca. 1.500, (+0,7%), seit der letzten Wahl um ca. 2.100 gestiegen – und das, obwohl das Wahlalter auf 16 Jahre gesunken war. Die Einwohnerschaft ist seit 2016 um 25.217 Personen (+ 8,3%) gestiegen.

An den Personen u18 kann es allein nicht liegen: Ende 2025 waren dies 50.399 (die Zahl der u16 wurde bisher nicht erhoben). 2025 betrug jedoch die Zahl der Ausländer (ohne deutschen Pass) 95.326 oder 28,5% der Einwohnerschaft.

Ob mit deren Wahlberechtigung die Wahlergebnisse strukturell anders aussehen würden bleibt dahingestellt. Es wäre aber ein dringendes Erfordernis der Demokratisierung und gesellschaftlichen Teilhabe.

Thomas Trüper | Grafiken: KIM