Kundgebung gegen „Saarpfalz Kollektiv“: Keine Nazis zu sehen

Eine Kundgebung des rechtsextremen „Saarpfalz Kollektiv“ am Mannheimer Hauptbahnhof hat am Samstag nicht stattgefunden. Zu einer Gegenveranstaltung des Offenen Antifaschistischen Treffen (OAT) Mannheim kamen hingegen mehrere hundert Teilnehmende.

Neonazis vom „Saarpfalz Kollektiv“ wollen in Mannheim aufmarschieren 

Seit einigen Tagen kursierte im Internet ein Aufruf des sogenannten „Saarpfalz Kollektivs“ zu einer Kundgebung am Mannheimer Hauptbahnhof mit dem Thema „Kriminelle Ausländer raus, Linksextremismus stoppen“. Beim „Saarpfalz Kollektiv“ handelt es sich um eine Kleinstgruppe von Neonazis aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die auf ihren Instagram Profil Videos von Aktionen mit Deutschland-Fähnchen, Pyrotechnik, vermummten Personen, durchgestrichenen Regenbogenfahnen und Aufklebern mit Reichsadler veröffentlichen.

Entsprechend wurde eine kleine Gruppe Neonazis ohne Beteiligung aus der Mannheimer Bevölkerung erwartet. Das Offene Antifaschistische Treffen Mannheim (OAT) mobilisierte dennoch kurzfristig zu einer Gegenveranstaltung, Motto: „Für uns ist klar – nicht in unserer Stadt“.

Warten auf die Nazis

Gegen 14:30 Uhr versammelten sich die Teilnehmer*innen der antifaschistischen Gegenveranstaltung an der Ecke Tunnelstraße, Schlossgartenstarße etwas 50 Meter vom Hautbahnhof entfernt. Bis 15 Uhr wuchs die Kundgebung des OAT auf mehr als 500 Personen an.

Die Polizei hatte mit großem personellen Aufwand Straßen und Plätze abgesperrt, um die Neonazis vom Hauptbahnhof zu ihrem Versammlungsort zu eskortieren. Dafür war ein Parkplatz neben der Straßenbahnwendeschleife, hinter dem Intercityhotel vorgesehen, rund 30 Meter von der Kundgebung des OAT entfernt.

Kundgebung des OAT Mannheim

Doch das Warten auf die Nazis war umsonst. Gegen 15:20 Uhr informierte die Pressestelle der Polizei, dass zwei Teilnehmer der Neonazi-Kundgebung bei der Anreise kontrolliert und vorübergehend festgenommen wurden. Bei einer Person sei Bewaffnung gefunden worden, die andere sei verbotenerweise vermummt gewesen. Die Polizei gehe nun davon aus, dass die Kundgebung nicht stattfinde.

Weitere Berichte bestätigten die Festnahmen. Es soll sich bei den beiden Personen um die Versammlungsleiter des „Saarpfalz Kollektivs“ gehandelt haben. Gegen 15:30 Uhr informierte eine Sprecherin des OAT darüber, die Menge applaudierte und rief im Chor „Siamo tutti antifascisti“.

Demo zum Abschluss nicht genehmigt

Das OAT wollte zum Abschluss des erfolgreichen Tages noch eine Demonstration mit den bereits Anwesenden durch die Innenstadt durchführen. Versammlungsbehörde und Polizei waren von diesem Plan jedoch nicht erfreut und untersagten eine „Spontanversammlung“.

Als zum Ende der Kundgebung doch noch eine kleine Gruppe Neonazis am Rande auftauchte und versuchte zu provozieren, kam es zur Festnahme eines Antifaschisten. Dieser soll den Nazis hinterher gerannt sein und als die Polizei ihn stoppte, soll er Widerstand geleistet haben.

Festnahme am Ende der Veranstaltung


Kommentar: Andere Schwerpunkte setzen

So stellt sich das „Saarpfalz Kollektiv“ selbst dar | Screenshot: Instagram/saarpfalz_kollektiv

Einerseits feierten Mannheimer Antifaschist*innen heute einen erfolgreichen Tag. Die Nazis scheiterten an sich selbst, zur Kundgebung des OAT kamen trotz kurzfristiger Mobilisierung mehrere hundert Menschen und dank sonnigem Frühlingswetter war der Samstagnachmittag ein schönes Happening und regionales Szenetreffen mit guter Stimmung und Musik.

Andererseits geht der Rechtsruck weiter. Das Problem sind nicht 20 Jugendliche mit Reichsfahnen und Pyrotechnik aus den Dörfern der Hinterpfalz. Das Problem sind die Anzugträger in den Parlamenten, die immer bessere Wahlergebnisse einfahren, denen Millionen an Steuermitteln und ein Heer bezahlter Mitarbeiter dabei helfen, rechte Politik zu etablieren. In ostdeutschen Bundesländern könnte noch in diesem Jahr erstmals eine AfD Regierung Wirklichkeit werden.

Wenn man sich das „Saarpfalz Kollektiv“ bei Instagram anschaut, wirkt es wie eine Karikatur von sich selbst. Es ist unterhaltsam und einfach dagegen zu demonstrieren. Die Ressourcen sollten besser darauf verwendet werden, den weiteren Aufstieg der AfD zu stoppen. Denn nach dem Erfolg der AfD schießen die Jungnazis, wie solche des „Saarpfalz Kollektivs“, wie Pilze aus dem Boden – siehe Ostdeutschland.

(Text: cki | Fotos: cki/hr)


Pressemitteilung des Offenen Antifaschistischen Treffen Mannheim

Über 600 Personen bei Kundgebung gegen gescheiterten Nazi-Aufmarsch

Am heutigen Samstag kamen über 600 Personen zum Mannheimer Hauptbahnhof um sich bei bestem Wetter unserer Kundgebung gegen das rechtsradikale „Saarpfalz Kollektiv“ anzuschließen, welche in der Straßenbahn-Wendeschleife eine Kundgebung „gegen kriminelle Ausländer und Linksextremismus“ abhalten wollten.

Doch dazu kam es nicht: Nach einer Personenkontrolle durch die Polizei wurde der Versammlungsleiter der Nazis, Nils Wagner kurzzeitig festgenommen. Grund hierfür war das Mitführen von Pfefferspray und einem Teleskopschlagstock. Der stellvertretende Versammlungsleiter des „Saarpfalz Kollektivs“ traute sich das Durchführen der Kundgebung alleine wohl nicht zu.

Währenddessen füllte sich die Tunnelstraße neben dem Mannheimer Hauptbahnhof mit immer mehr Antifaschist*innen aus Mannheim und Umgebung. Bei bester Stimmung und Musik wurde sich auf das lautstarke In-Empfang-Nehmen der Faschist*innen vorbereitet – wozu es jedoch nicht kommen sollte. In einem Redebeitrag des OAT Mannheim, wurde sich mit den Akteuren des „Saarpfalz Kollektivs“ auseinandergesetzt – zwar erscheinen einem fehlgeschlagene Aktionen wie die heutige erstmal als lächerlich – die grundsätzliche Gewaltbereitschaft der noch sehr jungen, teilweise minderjährigen Rechten ist jedoch insbesondere mit Blick auf die kommenden CSDs nicht außer Acht zu lassen.

Wir sehen den Tag als vollen Erfolg: Nicht nur hat es am Dienstag lediglich wenige Stunden gedauert, bis wir von allen Seiten auf die geplante Kundgebung des Saarpfalz Kollektivs hingewiesen wurden, die über 600 Personen, die innerhalb von drei Tagen unserem Aufruf zum Gegenprotest gefolgt sind, sprechen für sich!

Für uns ist klar: Wir werden weiterhin stabilen, antifaschistischen Protest auf die Straßen tragen, wo immer Rechte versuchen Fuß zu fassen.

Alle zusammen gegen den Faschismus!

Wer wir sind?

Seit 2008 organisieren wir, das Offene Antifaschistische Treffen, den praktischen Widerstand gegen Faschist*innen

auf den Straßen Mannheims, informieren über rechte Umtriebe in der Region und versuchen mit verschiedenen

Angeboten und Aktionen eine antifaschistische Grundhaltung in unserer Stadt zu etablieren.

Das Offene Antifaschistische Treffen findet jeden ersten Mittwoch im Monat, um 19 Uhr im Jugendzentrum Friedrich

Dürr (Käthe-Kollwitz-Str. 2–4) statt.

Weitere Informationen zu unseren Aktivitäten und Angeboten sowie Inhaltliche

Beiträge finden Sie auf unserer Website oatma.de – sowie auf unseren Social-Media Kanälen (Instagram: oat_mannheim, Facebook: oatmannheim, TikTok: oat.mannheim).

Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim