Mannheimer Frauenbündnis fordert Maßnahmen gegen digitale Gewalt gegen Frauen

Stellungnahme im Namen eines Teils des Frauenbündnisses zu digitaler Gewalt gegen Frauen

Das Mannheimer Frauenbündnis sieht in den aktuellen Entwicklungen rund um den Fall Collien Fernandes ein alarmierendes Zeichen für das wachsende Ausmaß digitaler Gewalt gegen Mädchen und Frauen: und für das Versagen bestehender Schutzmechanismen.

Was im Fall Fernandes sichtbar wird, ist keine Ausnahme, sondern nur der prominenteste Fall. Und: Es ist ein strukturelles Problem. Frauen und Mädchen können im digitalen Raum systematisch entwürdigt, sexualisiert und ihrer Selbstbestimmung beraubt werden. Durch Deep Fake-Videos oder manipulierte Bilder werden sexualisierte Darstellungen verbreitet, die die Würde und Persönlichkeitsrechte der Betroffenen massiv attackieren. Diese Gewalt ist nicht weniger real oder weniger verletzend, weil sie digital geschieht – im Gegenteil: Virtuelle Gewalt greift ins echte Leben und in die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Frauen, Mädchen und ihrer Familien ein, sie beeinträchtigt die mentale Gesundheit und den konkreten Lebensalltag aller Betroffenen für lange Zeit.

Dass viele dieser Taten bislang strafrechtlich kaum oder gar nicht verfolgt werden, ist nicht hinnehmbar. Wenn Täter weitgehend straflos bleiben, während Betroffene mit Scham, Angst und Rückzug leben müssen, läuft etwas grundlegend falsch. Wir schließen uns daher dem deutlichen Appell von Gisèle Pelicot an: Die Scham muss die Seite wechseln! Nicht die Betroffenen müssen sich rechtfertigen – sondern die Täter. Nicht Frauen müssen sich aus dem digitalen Raum zurückziehen –männliche Gewalt, die dort stattfindet, muss stattdessen konsequent geahndet und sanktioniert werden. Digitale Gewalt ist kein Nebenschauplatz. Sie ist Teil eines größeren Systems geschlechtsspezifischer Gewalt. Selbst politische Entscheidungsträger*innen räumen inzwischen Strafbarkeitslücken ein. Das bestätigt den dringenden Handlungsbedarf. Es reicht nicht, diese Lücken zu benennen – sie müssen geschlossen werden.

Wir fordern daher:

  • eine umfassende und konsequente Schließung der Strafbarkeitslücken im Bereich digitaler Gewalt
  • klare gesetzliche Regelungen, die auch neue und komplexe Formen digitaler sexualisierter Gewalt erfassen
  • den wirksamen Schutz und niedrigschwellige Unterstützung von Betroffenen
  • die verpflichtende Sensibilisierung und Schulung bei Polizei, Justiz und Ermittlungsbehörden
  • eine gesellschaftliche und mediale Haltung, die Gewalt klar benennt und nicht relativiert

Als Mannheimer Frauenbündnis stehen wir solidarisch an der Seite aller Betroffenen und ihrer Angehörigen und setzen uns dafür ein, dass Gewalt gegen Mädchen und Frauen, digital und analog, endlich ernst genommen und wirksam bekämpft wird.

Im Namen der Sprecherinnen des Mannheimer Frauenbündnisses: Dr. Claudia Schöning-Kalender, Yasmin Shabani, Astrid Kickum, Karin Heinelt