Hauptversammlung der Aktionäre der BASF: Widerstand gegen Verkauf der Werkswohnugen und Aktion wegen unzureichend aufgearbeiteten Konzernaktivitäten in Südafrika

BASF Aktionärshauptversammlungam 30. April 2026 im Rosengarten Mannheim


Wir dokumentieren hier:

  1. Eine Rede zum Verkauf der BASF-Werkswohnungen
  2. Ein Artikel zu den Hintergründen dieses Verkaufs
  3. Protest gegen die unzureichenden Maßnahmen der BASF gegen Menschenrechtsverletzungen in Südafrika (Lieferkettengesetz) (KIM Redaktion)

BASF verkauft 4.400 Werkswohnungen

Ein spezieller BASF-Beitrag zur „Lösung relevanter gesellschaftlicher Herausforderungen für die Gemeinden im Umfeld“

Rede eines Mieters einer BASF-Werkswohnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Roland Klein, ich bin Ludwigshafener und seit vielen Jahren Mieter bei der BASF Bauen und Wohnen. So wie es auch meine Eltern und Großeltern schon im vergangenen Jahrhundert waren.

Proteste vor dem Rosengarten in 2018 für die Entschädigung der Opfer in Marikana (siehe unten)

Es gab Zeiten, in denen es ein Privileg war, eine der sogenannten „Werkswohnungen“ zu bewohnen – auch als Nicht-Werksangehöriger. Mieter einer Werkswohnung zu werden, war damals eine gute Entscheidung.

Nun, die Zeiten haben sich geändert. Zeiten großer Wohnungsnot wechselten sich ab mit Zeiten des Überangebots. Ich erinnere nur daran, dass vor ca. 10 Jahren die BASF Wohnen und Bauen zwei komplette Hochhäuser wegen Unwirtschaftlichkeit abriss. Damals wurden Wohnungen nicht verkauft, sie wurden vernichtet.

Heute leben wir wieder in Zeiten großer Wohnungsnot. Vor allem Wohnungen für Normalverdiener waren und sind Mangelware.

Und hier war und ist die BASF W+B mit ihren 5.800 Wohnungen in und um Ludwigshafen ein nicht zu unterschätzender und prägender Faktor. Und das wollte die BASF auch immer sein, ein geschätzter und bestimmender Faktor.

Hauptversammlung 2023 im Rosengarten Mannheim: Vorstandsvorsitzender Brudermüller stellt Erfolge der BASF vor

Die BASF gehörte auch immer zu den Unternehmen, die auf ihre Bedeutung für die Gesellschaft, die Region und Ihre Verbundenheit mit der Stadt verwiesen haben.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie :„ Im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsmanage­ments trägt BASF mit ihrem gesellschaftlichen Engagement zur Lösung relevanter gesellschaftlicher Herausforderungen für die Gemeinden im Umfeld unserer Standorte (…) bei“.https://www.basf.com/global/de/who-we-are/sustainability/responsibility-for-society-and-nature/societal-commitment

Das ist vorbei. Jetzt möchte die BASF sich von 4.400 Wohnungen trennen. Mit dem Verkauf von so vielen Wohnungen machen Sie genau das Gegenteil und tragen zur Verschärfung gesellschaftlicher Herausforderungen bei. Es ist Ihnen sicherlich auch bekannt, dass die Wohnungsfrage mittlerweile zu der entscheidenden sozialen Frage in Deutschland geworden ist.

Deshalb meine Fragen:

1. Warum verkaufen Sie diese Wohnungen?
Angeblich weil es sich bei der Wohnungswirtschaft nicht um ein Kerngeschäft handelt ? Nun, das war es noch nie! Warum also jetzt ?
Weil die BASF sich in einem“schwierigen Marktumfeld“ befindet? – Nun, das gab es auch schon in der Vergangenheit! Warum also jetzt ?

Darüber hinaus stellt sich die Frage.

2. Angenommen wir akzeptieren die Begründung, dass die BASF SE sich in ihrem Kerngeschäft in einem schwierigen Marktumfeld befindet; warum gibt man dann den größten Teil eines Geschäftsbereichs auf, der sich in einem guten Marktumfeld befindet, mit dem man nicht nur jetzt und heute, sondern auch auf absehbare Zeit gut Geld verdienen kann ?

3. Frage : Wie entwickelten sich die Geschäfte von BASF Bauen und Wohnen in den letzten drei Jahren. ? Gab es Verluste, wenn ja wie hoch waren diese?

Wenn dies nicht der Fall war, wie hoch waren die Gewinne?

Mit dem Rückzug auf das Kerngeschäft nimmt man es hier übrigens nicht so genau. Denn die BASF W+B bietet weiterhin die Verwaltung von Eigentümergemeinschaften an, selbst wenn sie nicht mehr Teil dieser Gemeinschaft ist. Ebenso ist die BASF über ihre Anteile (30%) an der GAG Ludwigshafen ja immer noch erheblich am kommunalen Wohnungsmarkt beteiligt.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass ganz andere Gründe für den angestrebten Verkauf maßgeblich sind, nämlich, dass die hohe Dividende und das Aktienrückkaufprogramm unter anderem durch den Verkauf der Wohnungen finanziert werden sollen.

Für einen einmaligen Bilanzeffekt werden also 10.000 Mieter in Unsicherheit gestürzt !

Das lehnen wir ab.

Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands und des Aufsichtsrats

ich appelliere an ihre immer wieder hoch gehaltene gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Bürgern und der Stadtgesellschaft. Früher hieß es mal, mit uns gewinnt die Region ?

Mit Ihrem Plan, 4.400 Wohnungen zu verkaufen, zerrütten Sie den Wohnungsmarkt in der Stadt und der Region. Sollte ein renditeorientierter Investor zum Zuge kommen für die 3.300 Wohnungen, die Sie en bloc verkaufen wollen, dann werden langfristig die Mieten hochgetrieben – daran ändert auch eine Sozialcharta nichts.

Inzwischen haben Sie ein Angebot der Stadt Ludwigshafen – von der städtischen Wohnungsgesellschaft GAG plus einem Bankenkonsortium – bekommen.

Gesellschaftspolitische Verantwortung heißt in diesem Fall, das Angebot der Stadt anzunehmen.

Frage: Wie stellt sich der Vorstand zu diesem Angebot ?

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre.

Ich bitte Sie, dem Antrag des Vorstands für diese Dividende und das Aktienrückkaufprogramm nicht zuzustimmen.“


Vorgeschichte dieser Rede:

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die BASF von ihren 5.800 Werkswohnungen ganze 4.400 Wohnungen im Zuge einer sogen. „strategischen Konsolidierung“ verkaufen wolle. 1.100 Wohnungen gehen an Einzelkäufer und 3.300 Wohnungen en bloc an einen Investor. Bis Anfang 2027 soll das bloc-Geschäft abgeschlossen sein. Begründung: Konzentration auf´s Kerngeschäft, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Stärkung des Stammwerks, das leider rote Zahlen schreibe, blah, blah, blah.

Dies schlug in Ludwigshafen ein wie eine Bombe. Die IG BCE sprach von der Abgabe der „Kronjuwelen des Konzerns“. 10.000 Mieter sind betroffen. Beim Ausverkauf der Werkswohnungen stellt sich aber die Frage: Steht das, was da gespart werden kann, im Verhältnis zu dem, was der BASF dadurch verloren geht? Richtet die Entscheidung jenseits der reinen betriebswirtschaftlichen Rechnung nicht einen viel zu großen Schaden an?“ (SWR 24.2.26)

Beschwichtigend betonte die BASF, man suche einen Investor, der nachhaltig und verantwortungsvoll wirtschafte; er werde an eine Sozialcharta gebunden, d.h. Mieter im Alter ab 70 Jahre sind unkündbar. Für die 3.300 Wohnungen dürfe der neue Eigentümer das Gebäude mindestens drei Jahre lang nicht weiterverkaufen oder in Eigentumswohnungen umwandeln.

Die Stadt legt ein Kaufangebot für 3.300 Wohnungen vor

Oberbürgermeister Blettner (CDU), seit Januar 2026 im Amt, sagte dazu, der Verkauf der BASF-Wohnungen sei «weit mehr als ein rein wirtschaftlicher Vorgang». Am 27. April 26 betonte er, es gehe vor allem um soziale Stabilität ganzer Quartiere, bezahlbare Wohnungen und Sicherheit für tausende Mieter. Die Stadt stehe bereit, Verantwortung zu übernehmen. Eine Entscheidung zugunsten eines rein renditeorientierten Investors würde daher nicht nur die Stadt insgesamt, sondern auch Teile der eigenen Belegschaft unmittelbar betreffen.

Und an die BASF gerichtet: „Umso wichtiger ist es, jetzt eine Entscheidung mit Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein zu treffen“. (Ludwighafen24). Es dürfe nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben.

Damit flankierte er das Kaufangebot der Stadt; die Höhe ist nicht bekannt. Kaufen wollen die städtische Wohnbaugesellschaft GAG und zwei angeschlossenen kommunalen Banken. Ludwigshafen, Mannheim, sowie die Gemeinden Limburgerhof, Maxdorf und die Stadt Frankenthal würden den Wohnungsbestand dann unter sich aufteilen.

Wohnungsverkauf soll BASF-Bilanz um 500 Mill. Euro auffrischen

Protest zu Corona-Zeiten 2020 bei der BASF-Hauptversammlung

Auf der Aktionärsversammlung blieb der Vorstand eine Antwort auf die entscheidende Frage des Redners R. Klein schuldig, nämlich wie sich die BASF zum Kaufangebot der Stadt stellt.

Katja Scharpwinkel, Arbeitsdirektorin und Standortleiterin in Ludwigshafen, beteuerte, es handle sich um einen hochwertigen Wohnungsbestand, und man leiste mit diesem Verkauf „einen erheblichen Beitrag zur Stärkung der BASF Bilanz“. Wiederholt war in der Öffentlichkeit das Unverständnis geäußert worden, für einen „einmaligen Bilanzeffekt“ den sozialen Zusammenhalt und die Stadtentwicklung zu gefährden.

…und 12 Milliarden Euro gehen an die Aktionäre – ein aggressives Programm

Die Wohnungen sollen ca. 500 Mio. Euro einbringen. Stellt dieser Betrag wirklich einen „erheblicher Beitrag“ für die Bilanz dar? Dazu muss man wissen, dass die BASF im November 2025 – der Aktienkurs war ziemlich im Keller – verkündete, sie werde bis 2028 insgesamt 12 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausschütten. Die Börsen- und Finanzpresse schrieb von einem „spektakulären“ (Börse-express) und „aggressivem“ (investor-Verlag) Aktienrückkaufprogramm.

Allein seit November 2025 kaufte die BASF für 1,3 Mrd. Euro (mehr als 19 Millionen Stück) Aktien zurück. Eine Verringerung der Aktienzahl stärkt das Ergebnis je Aktie. Zugleich schüttete sie jetzt im Mai 2026 fast 2 Mrd. Euro an Dividende aus. Vor allem Großaktionäre wie Banken und Investmentfonds reiben sich da die Hände. Vermutlich sind diese auch die Treiber hinter dieser Entscheidung. Jedoch sind diese Milliarden „erneut weder durch die tatsächlichen Gewinne noch durch den freien Cashflow des Unternehmens gedeckt“ betont der Dachverband Kritischer Aktionär/innen. „Die vorgeschlagene Dividende ist zu hoch und ist weder wirtschaftlich noch sozial zu rechtfertigen.“ (Gegenantrag der Kritischen Aktionäre). https://www.kritischeaktionaere.de/basf/dividendenvorschlag-geht-an-die-substanz-finanziell-sozial-und-ethisch-unsere-gegenantraege/

Und dazu massiver Personalabbau und Einsparprogramm

Dazu kommt ein nicht minder aggressives Kostensenkungsprogramm durch Personalabbau. Das Einsparziel liegt bei 2,3 Mrd. Euro. Allein in Ludwigshafen sind seit 2024 2.800 Stellen weggefallen. 2025 ist vor allem die IT betroffenen. Man spricht von 900 Stellen; das wäre jeder zweite Job in der IT, der künftig durch kostengünstigere Inder*innen gemacht werden soll.

In Berlin sind rund 3.000 Arbeitsplätze im Zuge der Verlagerung von Verwaltungsfunktionen nach Indien und Malaysia weg – obgleich man hier vor ca. 20 Jahren den billigen Jakob machte und von der IG BCE Tarife weit unter dem Standard von Ludwigshafen akzeptierte, um eine Verlagerung ins Ausland zu verhindern. Sogar Berlins regierender Bürgermeister beteiligte sich im Februar 2026 an den Protesten.

Steuerfinanzierte Milliardenzahlungen an die BASF

Einen großen Teil dieses Wachstums- und Geschenkprogramms an die Aktionäre finanziert der deutsche Steuerzahler durch Entschädigungszahlung der Bundesregierung in Höhe von bis jetzt 229 Mio. Euro. Das sind staatlich abgesicherte Garantiezahlungen, die die BASF für den Rückzug ihrer Tochter Wintershall DEA aus dem Rußlandgeschäft erhält. Bis 2028 wird der Bund dem Konzern insgesamt 1,8 Mrd. Euro (= 1.800 Millionen) zukommen lassen. Außerdem finanzieren die Steuerzahler auch großzügige staatliche Zuschüsse für die Energietransformation der BASF.

In den neuen Wasserstoff-Elektrolyseur in Ludwigshafen investierte die BASF selbst lediglich rund 25 Millionen Euro, während Bund und Land das Vorhaben mit bis zu 124,3 Millionen Euro fördern. Die staatliche Förderung ist damit fast fünfmal so hoch wie die Eigeninvestition der BASF.“ (Dachverband)

Inzwischen gebe es mehrere internationale Kaufinteressenten für das Wohnungspaket. Das hört sich gefährlich an. Mit Wohnungen lässt sich enorm viel Geld machen, die Heuschrecken stehen offenbar parat, es gebe „viele belastbare Angebote“ (BASF) – und bei dem aggressiven Kurs, den die BASF eingeschlagen hat, rückt die viel beschworene soziale Verantwortung schnell in den Hintergrund – wenn sie je mehr war als ein Papiertiger.

Schon allein angesichts der o.g. staatlichen Milliardenzuflüsse an die BASF, wäre die Abgabe des Wohnungspakets an die Stadt eine gesellschaftspolitische Verpflichtung. (frr)


Südafrika: Unwirksame Maßnahmen trotz langjähriger Kenntnis menschenrechtlicher Missstände

Aktion vor dem Rosengarten bei der Aktionärshaupt-versammlung des BASF am 30.4.2026. Das Transparent weist auf die Folgen unzureich-ender Einhaltung von Liefer-kettenverpflichtungen in Südafrika hin.

„Die aktuelle Untersuchung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) aufgrund einer im Herbst 2025 eingereichten Beschwerde des südafrikanischen Umwelt- und Community-Aktivisten Brown Matloko (dritter von rechts auf dem Foto) offenbart gravierende und anhaltende Defizite der BASF im Umgang mit massiven menschenrechtlichen und ökologischen Problemen in der Lieferkette.

Trotz jahrelanger Kenntnis der prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen im Umfeld des Platinbergbaus beim Zulieferer Sibanye-Stillwater, insbesondere bei der Mine in Marikana in Südafrika, haben die teils von der BASF initiierten Dialog- und Auditprozesse keine substantiellen Verbesserungen bewirkt. Betroffene Gemeinden berichten weiterhin über unzureichenden Zugang zu sauberem Wasser, Umweltbelastungen und fehlende, echte Mitbestimmung. Sie klagen und leiden unter Staubbelastung, Emissionen und unzureichend gesicherte Absetzbecken, aus denen kontaminiertes Wasser austritt.

Die Risiken und immer wieder auftretenden Probleme der maroden Tailing-Damm-Infrastruktur im Umfeld von Marikana sind keine Einzelfälle, sondern stellen ein strukturelles Problem dar.“ (aus der Begründung der Kritischen Aktionäre für eine Nichtentlastung des Aufsichtsrats, weil er seiner gesetzlichen Überwachungs- und Kontrollpflicht gegenüber dem Vorstand erneut nicht in ausreichendem Maße nachgekommen (ist) und es versäumt hat, auf die wirksame Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten in Bezug auf die Lieferketten hinzuwirken )