Veranstaltungen auf dem Mannheimer Marktplatz zur Nakba (Vertreibung der PalästinenserInnen aus Palästina)
78 Jahre NAKBA –Veranstaltungen in Mannheim und Heidelberg
An Nakba, in deutsch die Katastrophe, erinnern Palästinenser:innen, wenn Israel seine Staatsgründung feiert. Am 14. Mai 2026 liegt sie 78 Jahre zurück. Die Nachfahren der damals etwa 750 000 gewaltsam von israelischen Milizen und Soldaten Vertriebenen tragen immer noch die Last der Traumata und der Rückkehr-Verbote. In Mannheim und der Rhein-Neckar-Region finden wie an vielen anderen Orten der Welt Veranstaltungen zur Nakba statt. Auf dem Mannheimer Marktplatz gibt es am 14. und 15. Mai jeweils ab 14 Uhr ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Diskussionen, Ausstellungen Workshops und Musik. Informationen: https://mannheimnahost.wordpress.com/
Ab 1946 hatten die zionistischen Milizen Strategien gegen die palästinensische Bevölkerung ausgearbeitet. Das Ziel war, im künftigen israelischen Staatsgebiet eine jüdische Mehrheit herzustellen. Der Plan D vom März 1848 sah die Vertreibung über die Grenze vor, und gleichzeitig „die Zerstörung der Dörfer durch Niederbrennen, Sprengen und Verminen, um eine Rückkehr der vertriebenen Bewohner zu verhindern.“ (Zitat aus der Ausstellung „Die Nakba“, die am 14. und 15. Mai auf dem Mannheimer Marktplatz gezeigt wird.)
Am 9. April 1948 töteten zionistische Milizen bei einem Massaker im Dorf Deir Yassin ca. 120 Menschen. Einer der Kommandierenden war der spätere israelische Ministerpräsidenten Menachem Begin. Die Stadt Tel Aviv steht auf sechs zerstörten und getilgten palästinensischen Ortschaften. Für das israelische Staatsgebiet – ohne die besetzten Gebiete – dokumentiert die israelische Menschenrechtsorganisation Zochrot die vollständige Zerstörung von über 500 palästinensischen Siedlungen, darunter 57 Dörfer, die bereits vor der Intervention der arabischen Nachbarstaaten 1948 vollständig zerstört wurden. Eine Karte mit allen ehemals palästinensischen Wohnorten in Israel ist im Internet zu finden: https://www.zochrot.org/villages/nakba_map/en?target=6&Nakba_Map
Zu den Ereignissen der Nakba liegen zahlreiche historische Dokumente vor. Tagebücher von Politikern, Anweisungen von Offizieren und Berichte beteiligter israelischer Soldaten belegen ebenso wie die Erzählungen von Palästinenser:innen Waffengewalt, Massaker, Vergewaltigungen, Plünderungen und Dorfzerstörungen. Die Hunderttausende Menschen, die ihr Haus, ihr Dorf, ihre Heimat verlassen mussten, kamen meist in Flüchtlingslagern im Westjordanland und Gaza, im Libanon, Syrien und Jordanien unter. Israel verbietet ihnen bis heute die Rückkehr. Die Palästinenser:innen, die im israelischen Staatsgebiet blieben, können bis heute kein Land erwerben und nicht zu den vernichteten Wohnorten ihrer Großeltern zurückkehren. Romane wie „Susan Abulhawa: Während die Welt schlief“ und Filme wie „Im Schatten des Orangenbaums“ beschreiben die Schrecken der Nakba und ihre Auswirkungen.
Die offizielle israelische Geschichtsschreibung negiert trotz aller Beweise hartnäckig die Nakba und die Verantwortung Israels für schreiendes Unrecht an der palästinensischen Bevölkerung. Sie bringt nach wie vor falsche Erzählungen in Umlauf, etwa die Menschen seien freiwillig gegangen oder arabische Staaten hätten sie zur Flucht aufgefordert.
In Palästina gibt es den Begriff „fortdauernde Nakba“. 1967 und danach vertrieb Israel weitere Hunderttausende Menschen, um im Westjordanland israelische Siedlungen, Firmen und Plantagen zu gründen. Schikanen und Übergriffe der Militärherrschaft sowie die Abriegelung und wiederholte Bombardierung des Gaza-Streifens haben schon vor dem 7.10.23 die Lebensbedingungen und die Selbstbestimmung der Palästinenser:innen massiv beeinträchtigt. Mit dem Genozid in Gaza ist Israel zur offenen Vernichtung der Palästinenser:innen übergegangen. Im Westjordanland begehen israelische Siedler und Soldaten regelmäßig Pogrome, zerstören Häuser und Felder und vertreiben Menschen. In Südlibanon und in Syrien beansprucht der israelische Staat, der seine Staatsgrenze bis heute nicht definiert hat, weiteres Land. Das Nakba-Gedenken hat also ebenso historische wie aktuelle Bezugspunkte. Es stellt den Gegenpol zur Israelischen Erzählung dar, welche die Rechte der palästinensischen Bevölkerung ausblendet, die historische jüdische Opfergeschichte hervorhebt und ethnokratisch begründete Vorrechte anstelle universeller Menschenrechte proklamiert.
Gertrud Rettenmeier















