Eröffnung des Anette-Langendorf-Parks auf Turley

Der Anette-Langendorf-Park. Vorne der gepflasterte Eingangsbereich, anschließend der Grünbereich.

Nach langer Warte- und vergleichsweise kurzer Bauzeit öffnete am 18. Mai 2026 der Anette-Langendorf-Park auf dem Mannheimer Konversionsgelände Turley. Der Park ist als Quartierspark angelegt und fügt sich ein in den Straßentaufbezirk Mannheimer Widerstandskämpfer*innen gegen den Nationalsozialismus. Antifaschist*innen hatten sich für die Benennung nach Anette Langendorf eingesetzt.

Eröffnung im Neubauquartier auf der ehemaligen Turley Kaserne

Am Montag 18. Mai 2026 wurde der Park offiziell von Vertreter*innen der Stadt und der für Konversion zuständigen MWS Projektentwicklungsgesellschaft (MWSP) eröffnet.

Oberbürgermeister Christian Specht lobte den Park als wichtigen Grünzug in der dicht bebauten Stadt. Dass es viele Bäume und für Kinder Platz zum herumtoben gäbe, sei in den Wohnquartieren wichtig. Deshalb habe man sich für den Park entschieden, obwohl man mit dem Verkauf der Fläche noch mehr Geld hätte einnehmen können, erinnerte sich der ehemalige Kämmerer.

Eröffnungfeier mit Anwohner*innen, organisiert von der MWSP.

Der Park ist etwa 170 Meter lang und 30 Meter breit. Er verbindet das historische Gebäudeensemble der ehemaligen Turley Kaserne mit dem angrenzenden Neubaugebiet und der Siedlung am Roteichenring.

Der Eingangsbereich zum Park ist mit historischen Steinen gepflastert und bildet mit dem autofreien Abschnitt der Marianne-Cohn-Straße einen großen Platz vor dem Casino. Das ehemalige Offizierskasino der Kaserne war ursprünglich als „Herz“ Turleys mit Gastronomie und Stadtteiltreff geplant, ist aber seit mehr als 10 Jahren eine Baustelle ohne absehbares Ende.

Hinter dem gepflasterten Eingangsbereich mit Sitzgelegenheiten schließt sich eine Grünfläche mit großen Bäumen, Blumenbeeten und Rasenflächen an, durch die ein barrierearm zugänglicher Weg führt. In der Mitte finden sich auffällige, lange gelbe Sitzbänke. Kinder finden wenige Spielgeräte, nur eine einzige Schaukel soll noch im Park aufgestellt werden.

Es gab auch Kritik am Park: Viel Versiegelung, keine Bürgerbeteiligung und keine Spielgeräte.

Kritik an Versiegelung und fehlender Bürgerbeteiligung 

Dass so wenige Spielgeräte aufgestellt wurden, war einer der Kritikpunkte, die von Anwohner*innen geäußert wurden. Auf einem Banner war außerdem zu lesen, dass es keine Bürgerbeteiligung gegeben habe.

Tatsächlich gab es vor etwa 10 Jahren Bürgerbeteiligungsveranstaltungen zum damals noch namenlosen Park. Es wurden Pläne verschiedener Architekturbüros mit Anwohner*innen diskutiert und Gestaltungsoptionen besprochen. Dann geschah viele Jahre lang nichts und der Plan, nach dem letztendlich gebaut wurde, kam ohne Beteiligung der Anwohner*innen zur nicht-öffentlichen Vorstellung in die Gremien und Beiräte. Faktisch gab es tatsächlich keine Beteiligung der Anwohner*innen.

Dritter Kritikpunkt war die starke Versiegelung im Eingangsbereich des Parks. Sowohl der autofreie Bereich der Marianne-Cohn-Straße, wie auch die gepflasterten Stufen im Eingangsbereich zum Park sind sehr großzügig bemessen.

Insgesamt war die Stimmung bei der Eröffnungsveranstaltung jedoch gut und die Freude über das Ende der mehr als 10-jährigenn Baustelle war bei den Anwohner*innen groß. Ein Pianist spielte Musik, es gab Spielstationen für die Kinder und Kaffee für die Erwachsenen. Nach den Grußworten schnappten sich Oberbürgermeister, MWSP Mitarbeiter*innen und einige Kinder aus der Nachbarschaft die bereit stehenden Gießkannen und gossen symbolisch die Bäume, Blumen und Rasenflächen des Parks.

Wer war Anette Langendorf?

Anette Langendorf um 1954 | Bild: VVN-BdA Mannheim

Bei der Eröffnung des Parks gingen weder MWSP-Chef Achim Judt noch Oberbürgermeister Christian Specht auf die Namensgeberin ein. Für die Benennung nach Anette Langendorf hatte sich eine Initiative um die VVN-BdA eingesetzt, die von den Wohnprojekten des Mietshäuser Syndikats unterstützt wurde. Letztere sind direkte Anlieger des Parks.

Anette Langendorf (KPD) gründete gemeinsam mit Ludwig Baumann (SPD) 1947, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Mannheimer Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN).

Anette Langendorf war als Kommunistin selbst von den Nazis verfolgt und im KZ Ravensbrück inhaftiert worden. Mit ihrem Mann Rudolf Langendorf war sie in der sogenannten Lechleiter-Widerstandsgruppe aktiv. Rudolf wurde verhaftet, wegen der Herstellung einer illegalen Zeitung angeklagt, zum Tode verurteilt und 1942 hingerichtet. Nach KZ und Krieg kam Anette Langendorf 1945 nach Mannheim zurück.

Der erste Mannheimer Gemeinderat nach dem Krieg trat 1946 zusammen, 2.v.r. Anette Langendorf | Bild: MARCHIVUM

 

Sie wirkte am demokratischen Neubeginn mit, unter anderem als Mitglied des Mannheimer Gemeinderats und Abgeordnete des Landtages von Württemberg-Baden. Sie wurde parteiübergreifend geschätzt und respektiert und war eine der wenigen Frauen der damaligen Zeit, welche die Kommunal- und Landespolitik prägten.

Blick in den Anette-Langendorf-Park

Anette Langendorf komplettiert den Taufbezirk Mannheimer Widerständler*innen

Auf Antrag der Fraktionen SPD, Grüne und Li.PAR.Tie hatte der Mannheimer Gemeinderat 2023 beschlossen, den Quartierspark auf Turley nach Anette Langendorf zu benennen. Der Park fügt sich damit in den Taufbezirk Mannheimer Persönlichkeiten ein, die sich durch ganz unterschiedliches „widerständiges Verhalten gegen den Nationalsozialismus“ auszeichneten. Der Park ist in der Nachbarschaft der Heinrich-Wittkamp-Straße, benannt nach einem christlich-katholischen Gewerkschafter und der Fritz-Salm-Straße, die den Namen eines Vertreters des kommunistischen Widerstands trägt, der später eine bekannte Persönlichkeit der VVN wurde.

Der Turleyplatz ist nach dem US-Soldat Samuel J. Turley benannt, der 1944 bei Metz im Kampf gegen die Wehrmacht gefallen war und „mit dem Opfer seines Lebens“ anderen Soldaten das Leben gerettet haben soll. Marianne Cohn setzte sich als Mitglied der zionistischen Bewegung für die Rettung jüdischer Kinder vor den Nazis ein. Ein Gedicht, das sie vor ihrer Ermordung in Gefangenschaft schrieb, machte sie in Frankreich zum Symbol des jüdischen Widerstands. Eva Hermann, Quäkerin, verhalf gemeinsam mit ihrem Ehemann Carl, zahlreichen Jüd*innen zur Flucht vor den Nazis. Sie wurden deshalb zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Nur die Berühmtheit des Ehemanns, ein profilierter Physiker, bewahrte die beiden vor dem Tod.

Um die Namensgeberinnen zu würdigen und den Anwohner*innen auf Turley die historischen Hintergründe zu vermitteln, plant eine Initiative um die VVN-BdA und die Wohnprojekte ein Anette-Langendorf-Parkfest im September diesen Jahres. (cki) 

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