Dorfpride 2026 in Eppelheim setzt starkes Zeichen für Vielfalt, Demokratie und Zusammenhalt

In einem bunten Demozug setzten die Teilnehmenden ein sichtbares Zeichen fuer Vielfalt | Bild: Katja Decher / Dorfpride
Mit rund 1.500 Teilnehmenden hat die Dorfpride am 16. Mai in Eppelheim die Pride-Saison in Baden-Württemberg eröffnet und ein eindrucksvolles Zeichen für queere Sichtbarkeit, Solidarität und demokratischen Zusammenhalt im ländlichen Raum gesetzt. Trotz wechselhaften Wetters beteiligten sich zahlreiche Menschen aus der gesamten Region an der Demonstration und dem vielfältigen Rahmenprogramm. „Die gesamte Veranstaltung verlief friedlich, respektvoll und in einer offenen, solidarischen Atmosphäre“, betonte das Orga-Team Sarah Kinzebach, Vanessa Seidel, Patrick Alberti und Susanne Hun.
Besonders freut sich das Orga-Team über eine Beteiligung der Stadtgesellschaft, die so groß war wie noch nie zuvor in der Geschichte der Dorfpride. In regelmäßigen Treffen im Haus der Begegnung wurde die Dorfpride in weiten Teilen gemeinsam mit Einwohnenden, Vereinen und Parteien geplant.
Politische Forderungen bei der Startkundgebung
Bereits ab 12 Uhr kamen die ersten Besucher*innen zum Meet & Greet vor der Rudolf-Wild-Halle zusammen. Um 14.30 Uhr eröffnete das Organisationsteam offiziell die Dorfpride. In ihrer Rede betonte das Orga Team die Bedeutung queerer Sichtbarkeit gerade auch außerhalb der Großstädte. Gleichzeitig machten sie auf zunehmende Queerfeindlichkeit, die Gefährdung demokratischer Werte sowie den weiterhin bestehenden Mangel an Beratungs- und Unterstützungsangeboten im ländlichen Raum aufmerksam.
Zugleich adressierte das Orga-Team eine wichtige Botschaft an die neu gewählte Landesregierung: Die geplante Meldeverordnung, nach der alte Personenstandseinträge von Transpersonen automatisch an Melde- und Polizeibehörden weitergegeben werden sollen, schränke die Selbstbestimmung und vor allem die Sicherheit der betroffenen Menschen eklatant ein. „Diese Verordnung stellt Transpersonen unter Generalverdacht und darf unter keinen Umständen in Kraft treten!“
Bürgermeister Matthias Kutsch begrüßte die Teilnehmenden anschließend und unterstrich die Bedeutung von Vielfalt, Respekt und gesellschaftlichem Zusammenhalt für Eppelheim. Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, machte deutlich, dass er an der Seite der queeren Community stehe und sich für die Umsetzung des Landesaktionsplans Akzeptanz & gleiche Rechte einsetze.
Gegen 15 Uhr setzte sich der Demonstrationszug laut, bunt und solidarisch in Bewegung. Die Route führte über Schulstraße, Hauptstraße, Blumenstraße und Mozartstraße zurück zur Rudolf-Wild-Halle. Zahlreiche Anwohner*innen verfolgten die Demonstration entlang der Strecke und zeigten ihre Unterstützung.
Zahlreiche Redebeiträge, Infostände und ein buntes Rahmenprogramm
Gegen 16.20 Uhr begann die Abschlusskundgebung mit einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm. Für besondere Stimmung sorgten die Drag-Auftritte von Davina Lover, Galaxy Diamond und The Notorious B.D.E. sowie die musikalische Begleitung durch die DJane Miss Dee. Der FLINTA-Chor Heidelberg und die japanische Trommelgruppe Taiko Heidelberg, begeisterten das Publikum.
Inhaltlich wurde die Abschlusskundgebung von zahlreichen politischen und persönlichen Redebeiträgen geprägt. Tina Krabkrantham schilderte eindrucksvoll ihre eigenen Erfahrungen mit Unsichtbarkeit, Anpassungsdruck und dem langen Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Justus Heine der Partei Die Linke erinnerten an die Geschichte der Kriminalisierung queerer Menschen und betonten die Bedeutung politischen Engagements gegen Diskriminierung und gesellschaftlichen Rechtsruck.
Die Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Franziska Brantner sprach über Freiheit, Gleichberechtigung und die Notwendigkeit, queere Rechte auch außerhalb urbaner Räume sichtbar zu verteidigen.
Konstantin Gavras von der SPD Eppelheim betonte die Wichtigkeit der Dorfpride: Wir stehen hier für Sichtbarkeit, Respekt und Freiheit und dafür, dass jeder Mensch in Würde und ohne Angst leben kann – egal wen er liebt, wie er lebt oder wie er sich identifiziert“, so Gavras.
Kristin Pelzer von PLUS for Refugees stellte die Situation queerer geflüchteter Menschen in den Mittelpunkt ihrer Rede. Sie forderte die Bundesregierung auf, mehr dafür zu tun, diese Menschen zu schützen und ihnen die Strukturen zu geben, die sie für einen guten Start in Deutschland benötigen.
Auch Vertreterinnen der Kirchen stellten sich an die Seite queerer Menschen. Kathrin Grein von der katholischen Stadtkirche Schwetzingen und die evangelische Pfarrerin Michaela Schmittberg positionierten sich klar gegen Queerfeindlichkeit und warben für Kirchen als sichere und offene Räume für alle Menschen.
Neben dem Bühnenprogramm boten zahlreiche Initiativen, Vereine und Organisationen Informations- und Mitmachangebote an, darunter PLUS Rhein-Neckar, Amnesty International, ILSE, Queerer Dorfstammtisch, das Haus der Begegnung. Auch einige Parteien hatten Stände aufgebaut.
Die Gemeinde Eppelheim und deren Mitarbeitende stellten das Foyer der Rudolf-Wild-Halle zur Verfügung und sorgten dafür, dass die Veranstaltung auch technisch reibungslos funktionierte. Die Einsatzkräfte von Polizei und Rotem Kreuz standen für die Sicherheit der Teilnehmenden zur Verfügung. Da die Dorfpride möglichst inklusiv und barrierefrei sein soll, gab es Rückzugsräume und die Redebeiträge wurden in Gebärdensprache übersetzt.
Das Orga-Team zieht ein sehr positives Fazit: „Die Dorfpride hat gezeigt, wie stark Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt sein können, wenn Menschen gemeinsam für Respekt, Anerkennung und gleiche Rechte eintreten. Eppelheim hat an diesem Tag ein starkes Zeichen für Vielfalt und Demokratie gesetzt“, so das Orga-Team. „Unser besonderer Dank gilt allen, die uns unterstützt haben und so die Dorfpride 2026 möglich gemacht haben.“
Pressemitteilung der Initiative Dorfpride
Weitere Infos: dorfpride.de















