Das Mannheimer Rathaus im bedenklichen Zustand

Mannheimer Morgen skandalisiert das Baugerüst am Portal des Mannheimer Rathaus

MM hat Recht – aber nicht ganz

Peter Ragge beklagt im Artikel des MM vom 29.05.2025, dass die Stadtverwaltung Mannheim die Bauunterhaltung des Rathauses Mannheim viel zu lange vernachlässigt habe.

Man hat sich schon fast an den Anblick gewöhnt. Ein Alugerüst mit Planen stellt nicht nur das Portal des Mannheimer Rathauses sondern die ganze Eingangsseite und Teile der anderen Seiten zu. Um ins Rathaus zu gelangen muss man durch die Lücken zwischen den Planen den Eingang suchen.

Der unwissende Besucher des Rathauses hat diesen Zustand als unschön aber vielleicht vorübergehend empfunden bis die Baumaßnahme beendet sei.

Ja, sogar vielleicht viele Rathaus-Mitarbeiter rieben sich die Augen, als sie im besagten Artikel des MM lesen musste, dass dieser Zustand seit 2019, also seit sieben Jahren schon andauert.

Und mit einem baldigen Ende ist nicht zu rechnen. Am Anfang haben Reparaturen an Dach und Gesims stattgefunden. Die Verhausung des Rathauses geschieht seitdem aber mitnichten wegen irgendwelcher Bauerhaltungsmaßnahmen. Sie dient ausschließlich als Schutz vor möglichen herabfallenden Fassadenteilen. Die jährlichen Mietkosten des Baugerüsts sollen 40.000 € betragen.

Eine Generalsanierung des in die Jahre gekommen Rathauses Gebäudes sei notwendig. Das 1937 erbaute Gebäude ist zusätzlich durch Kriegsschäden in Mitleidenschaft gezogen.

Für eine notwendige Generalsanierung, die laut Stadtverwaltung „mindestens einen hohen zweistelligen Betrag“ kosten würde, sei aber aufgrund der aktuellen Finanzlage der Stadt Mannheim das Geld nicht vorhanden.

Warten auf den Sankt Nimmerleinstag?

CDU-Mitglied Peter Ragge skandalisiert zu Recht diesen Umstand kommt aber politisch zu einem vollkommen falschen Schluss.

Die Misere hat viele Mütter und Väter

„Dabei ist dem derzeitigen Oberbürgermeister Christian Specht keinerlei Vorwurf zu machen“. Ragge spricht OB Specht von jeglicher politischen Verantwortung frei und schiebt die Verantwortung ausschließlich auf die Verwaltung seines Vorgängers Peter Kurz. Damals sei die Haushaltslage noch viel besser gewesen. Vergessen wird hierbei, dass Specht in der Kurz-Aera 16 Jahre lang erster Bürgermeister und Finanzverantwortlicher der Stadt Mannheim gewesen sei.

Mitverantwortung des Landes Baden-Württemberg

Außerdem: Bei einer finanziellen Notlage, wie sie in Mannheim offensichtlich vorliegt, ist nicht der Bund sondern das Land Baden-Württemberg als übergeordnete Behörde mitverantwortlich. Das spricht die Verfassungs- und Gesetzeslage eine eindeutige Sprache.

Wo bleiben die Millionen?

Das Bundeskabinett hat vor zwei Monaten das Länder- und Kommunalentlastungsgesetz (LKEG) beschlossen. Damit solle die finanzielle Situation der Kommunen vor Ort verbessert werden.

Bundesfinanzminister Klingbeil hierzu:

Mit den 100 Milliarden Euro aus dem Investitionspaket des Bundes, die den Ländern und Kommunen zukommen, ist außerdem klar: Jetzt kann massiv investiert werden. Das Geld muss in Investitionen vor Ort gehen: in moderne Infrastruktur, in gute Bildung, in Digitalisierung und Gesundheitsversorgung. Das sind Investitionen in die Zukunft, in Wachstum und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“ 

Es klingt wie ein Hohn. Wie bei vielen anderen Dingen merkt man von dem Geld, was für die Verbesserung der Infrastruktur vorgesehen ist, vor Ort nur sehr wenig.

Das Problem liegt tiefer

Der Bedarf ist anscheinend nochmals viel größer, wie von der Bundesregierung beschlossen. Viele notwendige Maßnahmen bleiben deshalb nach wie vor auf der Strecke. Man denke nur an das Geschacher um die absolut notwendige Sanierung der Rhein-Brücken nach Ludwigshafen. Das Problem liegt viel tiefer. Ungleiche Vermögensverteilung in einem immer noch der reichsten Länder der Welt. Die Reichen werden immer reicher, die Armen (und dazu zählen mittlerweile die meisten der Kommunen), werden immer ärmer. Der Staat, soweit man ihn als für das übergeordnete Gemeinwohl Tätigen ansieht, wirkt immer Handlungs-Unmächtiger. Und das wenige Geld, was noch da ist, wird in Rüstung und Militär gesteckt.

Der peinliche Zustand des Rathauses Mannheim ist ein Sinnbild für diese Malaise.

Wahrlich keine guten Zeiten, dicke Bretter müssen offensichtlich gebohrt werden.

Roland Schuster