Zum Thema Gemeinwohlorientiertem Wohnen / zum Zehnjährigen Jubiläum des Miethäusersyndikat in Mannheim und zur Wohnungssituation in Mannheim

Zum Thema Gemeinwohlorientiertem Wohnen / zum Zehnjährigen Jubiläum des Mietshäusersyndikat in Mannheim und zur Wohnungssituation in Mannheim

Prinzipien des Gemeinwohlorientierten Wohnens:

  • Nicht-Gewinnorientierung sondern Bezahlbarkeit und Zugänglichkeit, orientiert am Existenzminimum.
  • Dauerhafte Absicherung vor Privatisierung und privater Gewinnabschöpfung
  • Zweckbindung und Nutzungsbindung
  • Kostendeckung
  • Selbstverwaltung und demokratische Steuerung
  • Reinvestition von Erträgen und Gewinnen in andere gemeinwohlorientierte Projekte
  • Ressourcenschonung und Resilienz
  • Diskriminierungsfreiheit und offener NutzerInnenkreis
  • Beitrag zur und Beteiligung von Nachbarschaft, Stadt und Gemeinwesen
  • Erzeugung und Erhalt von Diversität und Vielfalt

Diese etwas spröde und trocken klingende Liste, 2020 erarbeitet vom Berliner Arbeitskreis Gemeinwohl und dem COOP Disco versucht auf den Punkt zu bringen, was GEMEINWOHL ausmacht. Warum ist diese Eingrenzung wichtig, hat sie Bedeutung natürlich auch für uns hier in Mannheim, gerade in Zeiten knapper Kassen? Nicht nur in Krisen, dann jedoch besonders, benötigt es eine Zielgerichtete Verteilung von Geldern und Ressourcen. Dort soll zuerst gefördert werden, wo es für das Gemeinwesen am dringendsten benötigt wird.

Und zur prekären Lage auf dem Wohnungs- und Mietmarkt liefert eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) bundesweit für den DMB aktuelle Daten:

Die durchschnittliche Wohnkostenbelastung über alle Haushalte lag im Jahr 2022 schon bei 32 Prozent, Haushalte im untersten Einkommenszehntel mussten aber im Mittel 60 Prozent ihres Nettoeinkommens für Wohnen ausgeben. Selbst ohne Bezug von Sozialleistungen wie Bürgergeld liegt die durchschnittliche Belastung in dieser Gruppe immer noch bei über 40 Prozent. Zusätzlich leben einkommensschwache Haushalte oft in energetisch schlechteren Wohnungen mit höheren Heizkosten.

„UMbau“, eines der drei gemeinschaftlichen Wohnprojekte des Mietshäusersyndikats auf Turley: „Miete ohne Profit“

Laut Statistischem Bundesamt lebten 2025 bereits 11,7 Prozent der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen – Tendenz steigend. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern, Alleinerziehende sowie Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit.
So lebten 30,8 Prozent der ausländischen Erwachsenen in Wohnungen mit zu wenig Zimmern – fast fünfmal so viele wie unter deutschen Erwachsenen (6,7 Prozent). Auch armutsgefährdete Menschen sind überdurchschnittlich betroffen. Besonders prekär ist die Situation für Familien: In Haushalten mit Kindern lag die Überbelegungsquote bei 17,6 Prozent. Bei Familien mit zwei Erwachsenen und mindestens drei Kindern betrug sie sogar 32,1 Prozent, bei Alleinerziehenden 29,6 Prozent.
Fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren lebte 2025 in einer überbelegten Wohnung. In Großstädten ist die Lage besonders angespannt: Dort lebten 16,9 Prozent der Menschen auf zu engem Raum – dreimal so viele wie in ländlichen Regionen.
Bezahlbarer Wohnraum wird vor allem in Ballungsräumen also weiterhin immer knapper, während Mieten und Wohnkosten kontinuierlich steigen. Gerade Haushalte mit Kindern sind besonders häufig von steigenden Mietquoten, Überbelegung und baulichen Mängeln betroffen, selbst bei mittleren Einkommen.

Auch der Mannheimer Mieterverein fordert deshalb von der neuen Bauministerin:

„Die knappen öffentlichen Mittel sowie begrenzte Flächen und Immobilien sollten gezielt und vorrangig für gemeinwohlorientierte Vorhaben eingesetzt werden, statt sie breit zu streuen. Dazu gehören unter anderem die (Wieder-) Einführung von Instrumenten wie der Mietpreisbremse oder bei angespannten Mietmärkten ein temporärer Mietendeckel sowie der Aufbau eines kommunalen Bodenfonds, bei dem Flächen nicht mehr verkauft, sondern nur noch mit klaren Nutzungsbindungen oder Rückkaufsrechten vergeben Ergänzend sollen die Sozialquote auf 50 % erhöht, Wohnungsgrößen in der Förderung flexibler gestaltet und Gewinne stärker in bezahlbaren Wohnraum reinvestiert werden.  Weitere erwünschte Maßnahmen umfassen einen abgesenkten Erbbauzins für gemeinwohlorientierte Projekte, mehr Transparenz durch Leerstandsmelder und veröffentlichte Miethöhen sowie die dauerhafte Bindung geförderten Wohnraums. Zudem sollten Mieter:innen bei der Übernahme von Wohnraum unterstützt und der Bau von Wechselwohnungen im Quartier gefördert werden.“

Mannheimer Realität allerdings:

Bereits 2018 wurde nach einer Aussage des damaligen Finanzministers Olaf Scholz in Aussicht gestellt, dass Konversionsflächen im Besitz der Bima für Gemeinwohlorientierte Bauträger bzw. zur Schaffung Bezahlbaren Wohnraums günstiger abzugeben seien. Zusammen mit verschiedenen anderen wohnungspolitischen Initiativen und einigen Parteien haben wir vom Mietshäuser Syndikat deshalb 2018 einen entsprechenden Beschluss auch im Mannheimer Gemeinderat erwirkt. Dank einer linken Mehrheit sprach sich der Mannheimer Gemeinderat hier für eine entsprechende Vorhaltung und Nutzung der 20.000 qm Wohnfläche (entspricht ca. 500 Personen!) des Baufeldes 2 auf den Hammond Barracks in Mannheim Seckenheim aus. Daraufhin wurde die städtische GBG als Verhandlungsführerin der Stadt benannt.

Heute, lediglich schlappe acht Jahre nach diesem Beschluss antwortet uns die BIMA auf Nachfrage

„Vielen Dank für Ihre E-Mail vom 18.05.2026, auf die ich Ihnen wie folgt antworten möchte:

Die Verhandlungen zwischen der städtischen Wohnbaugesellschaft GBG und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über den Verkauf von Baufeld 2 sind nahezu abgeschlossen. Soweit es der BImA bekannt ist, beabsichtigt die GBG auf dem Baufeld 2 bezahlbaren Wohnraum umzusetzen. Ich bitte Sie sich diesbezüglich aber an die GBG zu wenden.“

Die Kapazitäten von GBG und MWSP sind in dieser Zeit anderweitig gebunden, die Home Hochhäuser, die Grüne Mitte Franklin – Pseudo Gestaltung mit Stararchitekt und resultierende Hochpreisigkeit sind eben näher am eigenen Image als gesellschaftliche Notwendigkeiten. Und auch das Investoreninteresse lässt sich so viel besser bedienen.

Tatsächlich sind die letzten gemeinwohlorientierten Wohnungen vor zehn Jahren auf dem Turley Gelände entstanden. Jedenfalls dann, wenn die oben genannten Kriterien als Maßstab genommen werden: fast alles wird davon beim Modell des Mietshäuser Syndikat erfüllt. Und wir wünschten uns deshalb, dass diese Kriterien genauer in Förderungen der Stadt einfließen. Statt laxeren Begrifflichkeiten wie Gemeinschaftlich, die wir natürlich auch abdecken. Andersherum bedeutet Gemeinschaftlich eben nicht zwingend Gemeinwohlorientiert. Es könnte doch mal gefragt werden, warum es seit zehn Jahren keine weitere MIetshäuser Syndikate in Mannheim gibt?

Antwort: Es braucht für Gemeinwohlorientierung eine besondere Fördersituation. Dieselbe wie 2012 beim Start der Konversion!

Mehr dazu am kommenden Freitag, dem 19.Juni um 19.00Uhr mit 5 Gemeinwohlorientierten Projekten aus Süddeutschland, das als Auftaktveranstaltung zum 10 Jährigen der Syndikatsprojekte auf dem Turleygelände. Mehr zum Programm hier: https://umbau-turley.de/10-jahre-mietshaeuser-syndikat-in-mannheim/

Günter Bergmann