Femizid in Ludwigshafen – Feministische Prozessbeobachtung
Im November 2025 geschah in Ludwigshafen am Rhein ein Femizid. Ein Mann hatte seine Ehefrau brutal mit 43 Messerstichen ermordet, weil sie sich von ihm trennen wollte. Der mutmaßliche Täter steht nun vor Gericht. Die kurdische Gruppe YENİ KADIN (‚Neue Frau‘) ruft gemeinsam mit dem Feministischen Bündnis Mannheim zu einer solidarischen Prozessbegleitung auf. Die Verhandlungstermine am Landgericht Frankental sollen mit Öffentlichkeit und Kritik begleitet, die Tat in einen politischen Kontext gestellt werden. Im folgenden dokumentieren wir die Erklärung der Gruppe YENİ KADIN. (red)
Femizide sind politisch
Wir verfolgen den Prozess von Dilan A.
DILAN A. (K.) wurde vor rund 6 Monaten, am Sonntagabend des 02.11.2025, in ihrer Wohnung in Ludwigshafen von Umut K., mit dem sie seit 15 Jahren verheiratet war, mit 43 Messerstichen brutal ermordet. Währenddessen schliefen ihre beiden 6 und 10 Jahre alten Kinder im Nebenzimmer. Die erst 37-jährige Dilan wollte sich scheiden lassen, da sie während ihrer gesamten Ehe ständiger Gewalt durch ihren Ehemann ausgesetzt war; sie wurde jedoch jedes Mal wieder zur Versöhnung gedrängt. Auch wenige Tage vor dem Mord war Dilan Opfer von Gewalt geworden, hatte ein ärztliches Attest eingeholt, die Polizei eingeschaltet und ein Annäherungsverbot erwirkt. Aufgrund der Drohungen des Mannes („Ich bringe die Kinder und deine Familie um“) ließ Dilan ihn jedoch wieder in die Wohnung. Bei dem daraufhin entflammten Streit wurde Dilan grausam ermordet.
Femizide als Werkzeug politischer Gewalt
Die Femizide, mit denen wir heute konfrontiert sind, sind ein systematischer Bestrafungsmechanismus des patriarchalen Systems, um Frauen eine Kultur der Unterwerfung aufzuzwingen und sie unter Vorherrschaft und Kontrolle zu halten. Die Mörder schöpfen ihre Kraft und ihren Mut aus einer Politik der Straflosigkeit, der mangelnden Durchsetzung von Gesetzen, der Geschlechterungleichheit und aus männlich-dominierter Rhetorik. Diese Angriffe auf das Recht von Frauen auf Leben sind eine Form ideologischer Gewalt, die darauf abzielt, die gesamte Gesellschaft unter Druck zu setzen. Während in Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 308 Frauen von den ihnen am nächsten stehenden Männern ermordet wurden, wurden in den ersten 4,5 Monaten des Jahres 2026 bereits 47 Frauen und zwei Mädchen getötet. Wir wissen, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Zu dieser Grausamkeit zu schweigen bedeutet, sich an den Morden an Frauen mitschuldig zu machen.
Dilans Aufschrei ist unser Aufschrei!: Wir werden Femizide stoppen!
Am Freitag, den 22.05.2026, begann der Prozess gegen den Tatverdächtigen im Fall Dilan, der bis Ende Juli andauern wird. Als YENİ KADIN (Neue Frau) werden wir diesen Prozess aufmerksam verfolgen. Wir werden die Stimme von Dilan und aller ermordeten Frauen sein, damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird! Femizide zu stoppen ist nicht nur dadurch möglich, die Täter zu bestrafen, sondern auch, indem das politische Fundament, das diese Gewalt nährt, zerschlagen wird. Die Pflicht des Staates und aller zuständigen Institutionen ist es nicht, die Gewalt unter den Teppich zu kehren, sondern internationale Abkommen und Schutzgesetze kompromisslos umzusetzen. Wir werden auf den Straßen, auf den Plätzen und in allen Lebensbereichen weiterkämpfen, bis wir ein gleichberechtigtes und freies Leben aufgebaut haben, in dem keine einzige Frau mehr schmutziger Politik und männlicher Gewalt zum Opfer fällt. Dies ist unser Aufruf an alle Frauen: Kommt zu diesen Gerichtsterminen, um Gerechtigkeit für Dilan zu fordern, und lasst uns gemeinsam laut rufen: „WIR WERDEN FEMIZIDE STOPPEN!“
• Die ermordeten Frauen sind unser Widerstand!
• Nicht eine weniger!
• Jin, Jiyan, Azadî!
Prozesstermine
Landgericht Frankenthal (Pfalz)
Bahnhofstraße
* 11.06.2026, Donnerstag – 09:00 Uhr
* 24.06.2026, Mittwoch – 10:00 Uhr
* 25.06.2026, Donnerstag – 09:00 Uhr
* 08.07.2026, Mittwoch – 10:00 Uhr
* 09.07.2026, Donnerstag – 09:00 Uhr
* 23.07.2026, Donnerstag – 09:00 Uhr
* 30.07.2026, Donnerstag – 09:00 Uhr
* 31.07.2026, Freitag – 09:00 Uhr
Pressemitteilung von YENİ KADIN. Namen von der Redaktion anonymisiert.
















