Denkanstöße der DFG-VK zum Antikriegstag 2026

Denkanstöße der DFG-VK aus radikalpazifistischer und antimilitaristischer Sicht

Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, DFG-VK, ruft dazu auf, sich an der Veranstaltung des lokalen Bündnisses zum Antikriegstag in Mannheim am 1. September zu beteiligen. Den dafür formulierten Aufruf unterstützen wir im Interesse eines gemeinsamen solidarischen Engagements vieler unterschiedlicher Organisationen. Wir wollen beitragen, der immer rabiateren und Grundrechte einschränkenden Realisierung der Kriegstüchtigkeit wirksamen Widerstand entgegen zu setzen.

Ostermarsch am 4. April 2026 in Mannheim

Abschreckung und Verteidigung

Weil wir für eine friedliche, demokratische und soziale Zukunft kämpfen, können wir über die Kriege nicht schweigen, die „in der Ukraine, im Iran, in Israel in Palästina im Libanon im Sudan oder anderen Teilen der Welt“ (DGB Erklärung zum Antikriegstag) Tod und Zerstörung allen Lebens gezielt herbeiführen und und eine lebenswerten Umwelt für künftige Generationen verhindern. Ideologisch und sprachlich werden Kriege und ihre Vorbereitung (Rüstungsproduktion und -export, Aufbau von Militärapparaten, Durchführung von Manövern) als Maßnahmen der „Verteidigung“ verniedlicht.

Abschreckung ist das Valium-Wort, das das Nachdenken über die Ursachen von Kriegen blockiert. Abschreckung wird uns von Regierungsvertretern, Rüstungsfirmen und deren Lobbyverbänden von früh bis spät als unumgänglich dargestellt. Ihr offensichtliches Misslingen wird verschwiegen.

Rüstung tötet täglich

Länder, die über keine eigenen Atomwaffen verfügen, sollen sich unter einen von Atomwaffenstaaten wir beispielsweise Frankreich aufgespannten „Atomschirm“ stellen. Ein Schirm wird aufgespannt und schützt vor Regen und kann danach weiter benutzt werden. Ein Atomsprengkopf zerschmettert, verbrennt und verstrahlt über Quadratkilometer hinweg alles Leben (Hiroshima, Nagasaki). Wenn behauptet wird, atomare Abschreckung habe doch funktioniert, wird vergessen die Zehntausenden von Menschen zu berücksichtigen, deren Heimat durch tausende von Atomtest verstrahlt und unbewohnbar gemacht wurde. Wenn im „Verteidigungs“-Haushalt Milliarden Euro für den Kauf von F-35-Kampfflugzeugen (in den USA) und für den Ausbau des Bundeswehrstandortes Büchel ausgegeben werden, wird auch das klar: Neben den finanziellen Mitteln für Bildung und Soziales werden auch die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit, Krisenprävention, Friedensförderung und humanitäre Hilfe gekürzt. Das hat für UN-Hilfsorganisationen zur Folge, dass sie Menschen im globalen Süden weniger Hilfe zukommen lassen können und Unterernährung und Hunger das (Über)Leben erschweren.

Wenn in bestimmten Medien über humanitären Katastrophen berichtet wird (Sudan, Yemen, Kongo), fehlt oft der Hinweis, dass die Waffen von Rüstungsfirmen in Deutschland (Heckler & Koch, Rheinmetall, …) und anderen EU-Staaten geliefert werden. Gemeinsam mit vielen anderen Organisationen setzt sich die DFG-VK deshalb im Netzwerk „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ für ein grundsätzliches Verbot der Lieferung von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern ein.

Asyl und gesicherten Aufenthalt für Geflüchtete, Kriegsdienstverweigerer, Deserteure

Beschäftigungsverbote für Geflüchtete und gekürzte Integrationsmaßnahmen nützen der AfD und erschweren es, Arbeitskräfte zu finden. Das ist besonders gravierend für Bereiche, wo Menschen der Unterstützung und Betreuung bedürfen.

Verteidigung ist dort geboten, wo es um die Einschränkung um Grund- und Menschenrechte geht unter anderem bei der Inanspruchnahme des Grundrechts auf Kriegsdienstverweigerung (Artikel 4, Absatz 3). Arbeitsdienste sind gemäß Grundgesetz verfassungswidrig und werden nicht dadurch akzeptabler, dass bestimmte Personen (darunter der Bundespräsident) sie uns als Dienst für die Gemeinschaft schmackhaft machen wollen.

Als DFG-VK lehnen wir die Wehrpflicht ab und unterstützen die Schülerinnen und Schüler, die gegen die Wehrpflicht streiken. Diese wollen sich für die Gemeinschaft einsetzen und tun das auf vielfältige Weise (Freiwilligendienste) und fordern dafür eine faire finanzielle Bezahlung. Wenn im DGB-Aufruf zum Antikriegstag eine „hochqualifizierte Freiwilligenarmee“ gefordert wird, „deren Attraktivität durch gute Arbeitsbedingungen und gute Besoldung gesichert ist“ ist das gelinge gesagt, weltfremd. Die Bundeswehr ist eben kein Arbeitgeber wie jeder andere und Soldat kein normaler Beruf. Die in zahllosen Auslandseinsätzen getöteten und verletzten Soldatinnen und Soldaten belegen das auf bedauerliche Weise. Deshalb sollte klar gesagt werden, dass die Bundeswehr keinen bevorrechtigten Zugang in Schulen und die Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren haben darf.

Menschen bedürfen unserer Solidarität, die sich aus Gewissensgründen weigern, in Armeen und Kriegen das Töten zu lernen und anzuwenden. Insbesondere wenn sie aus Russland, der Ukraine oder Israel oder der Türkei kommen, muss ihnen der Staat finanzielle Unterstützung und das Bleiberecht garantieren, damit sie hier arbeiten und leben können.

Am Antikriegstag erinnern wir daran, dass durch Gespräche, vertrauensbildende Maßnahmen, Diplomatie und Verhandlungen zahlreiche Abrüstungsabkommen für atomare (SALT, START, INF-Vertrag) und konventionelle Waffen ausgehandelt wurden. Das war auch deshalb möglich, weil sich in der Friedensbewegung hunderttausend Menschen beharrlich und kreativ engagiert haben und die Regierenden zum Umdenken brachten.

Es ist richtig, die geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland abzulehnen. Stattdessen gilt es, ein kollektives Sicherheitssystem aller europäischen Staaten (unter Einbeziehung von Russland) anzustreben und ist die Alternative zum Militärbündnis NATO.

Sicherheit, die den Menschen das Leben erleichtert

Viele Mitglieder der DFG-VK sind auch Gewerkschaftsmitglieder und und wissen, wie wichtig gute Arbeitsbedingungen und gerechte Gehälter und bezahlbare Mieten und Medikamente sowie andere soziale Errungenschaften sind. Deshalb unterstützen sie die Gewerkschaften in ihrem Einsatz mehr Gerechtigkeit und die Überwindung der Kluft zwischen Arm und Reich durch Umverteilung.

Als DFG-VK unterstützen wir die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben, die sich dafür einsetzen, dass sie Produkte für das Leben, statt Waffen für den Krieg produziert werden, auch wenn die Rüstungsbefürworter mit ihrer Macht das Gegenteil durchdrücken wollen.

Viele Menschen haben (zurecht) den Eindruck, dass die Politik ihre Bedürfnisse nach sozialer und rechtlichen Sicherheit und Gerechtigkeit ignoriert. Sicherheit militärisch zu definieren und anzustreben wird ihren Interessen nicht gerecht und bedeutet, dass und menschliche und natürliche Ressourcen für Rüstung und Militär missbraucht werden.

Völkerrecht verteidigen – Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen

Die DFG-VK setzt sich dafür ein, das Völkerrecht zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Wie insbesondere ICAN (International Campaign for the Abolishment of Nuclea Weapons) hat sie dazu beigetragen, dass der Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) beschlossen wurde und völkerrechtlich gültig ist, weil ihn viele Länder ratifiziert haben, darunter Irland und Österreich. Es gilt nun die Bundesregierung zu überzeugen, dass es im Interesse der Menschen ist, dem AVV beizutreten. Dazu gehört auch die Forderung, dass sie sich dafür einsetzt, dass wichtige zivilisatorische Errungenschaften wie das Verbot von Streubomben, Personenminen und Landminen gestärkt werden und das auch die hochgerüsteten Staaten sich anschließen und entsprechende Waffen weder entwickelt und produziert und auch nicht eingesetzt werden. Auch die Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshof ist wichtig und dessen Behinderung gilt es zu beenden.

Friedensfähigkeit durch eine Vielzahl von Aktionen und Aktionsformen

Am 1. September wird es eine Veranstaltung im Haus der evangelischen Kirche geben und davor auch eine Demonstration. Dadurch soll sichtbar und spürbar werden, wie wichtig das Engagement für die Überwindung von Hass und Gewalt ist und dass es bunt und persönlich bereichern sein kann. Es soll uns für das (all)tägliche Leben stärken und motivieren für friedliche Regelungen und Strukturen zu streiten. Nicht zuletzt soll es ein Zeichen der internationale Solidarität mit Menschen sein, die Feindbilddenken sowie personale, kulturelle und strukturelle Gewalt überwinden helfen.

Otto Reger
DFG-VK Mannheim/Ludwigshafen