Bericht zum Antikriegstag in Mannheim

Antikriegstag am 1. September

Demonstration und Veranstaltung in Mannheim

Zur Ankündigung der verschiedenen Veranstaltungen zum und um den Antikriegstag herum hat es einen gemeinsamen Flyer gegeben.

Demo in Mannheim – Bild: Helmut Roos

Im Flyer hierzu heißt es: „Sie (die Veranstalter) laden dazu ein, friedenspolitische Alternativen stark zu machen und gemeinsam zu überlegen, wie Frieden, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität im 21. Jahrhundert erkämpft, verteidigt und ausgebaut werden kann“.

Bisher kann man ja eher eine zunehmende Zersplitterung, der sowieso schon schwächelnden Friedensbewegung feststellen. Es wäre zu begrüßen, dass diese organisationsübergreifende Kooperation, die in Mannheim diesmal versucht worden ist, verstärkt auch in Zukunft praktiziert wird.

Verschiedene Unterstützer

Demo in Mannheim – Bild: Helmut Roos

In Mannheim gab es eine Demonstration und eine Veranstaltung, die von verschiedenen Organisationen unterstützt wurden.

Die Demonstration ist unterstützt worden von Friedensbündnis, ISO, DIDF, Nahostgruppe Mannheim und IG BCE Ortsgruppe Weinheim.

Die abendliche Kulturveranstaltung wurde vom örtlichen DGB, von den NaturFreunden Mannheim, vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KdA), VVN-BdA, DFG-VK, KAB und sanctclara (Ökumenisches Bildungszentrum Mannheim) durchgeführt.

Demonstration in Mannheim

Demo in Mannheim – Bild: Helmut Roos

Die Uhrzeit für den Beginn der Demonstration am Plankenkopf war für einen Werktag mit 15.30 Uhr sicherlich sehr früh. Das war dem Umstand geschuldet, dass man nicht in einen zeitlichen Konflikt mit der abendlichen Kulturveranstaltung geraten wollte.

Das mag einer der Gründe sein, dass die Teilnehmerzahl mit ca. 200 doch sehr überschaubar blieb. Die Veranstaltung wurde moderiert von Hedwig Sauer-Gürth (Friedensbündnis Mannheim) und Nalan Erol (Friedensbündnis und DIDF).

Auf der Kundgebung am Marktplatz sprach Nalan Erol über die beabsichtigte Einführung der Wehrpflicht und deren Folgen.

Johannes Hauber (Nahostgruppe Mannheim) schilderte die enge Kooperation zwischen Israel und Deutschland in der Rüstung und mit Waffenlieferungen. Nach den USA ist Deutschland der zweitgrößte Waffenlieferant für Israel.

Manfred Hübner (DFG-VK) sprach über die Situation der Soldaten in Russland und in der Ukraine, die in der Regel zwangsrekrutiert werden. Deserteure, die es in großer Zahl bei beiden Kriegslagern gibt, werden verfolgt und finden in der EU und in Deutschland keine Anerkennung. Obwohl das Recht auf Kriegsdienstverweigerung eigentlich als Grundrecht im Grundgesetz definiert ist. Er schloss seine Rede mit dem Appell: „Herr Putin und Herr Selensky beenden Sie diesen Krieg!“

Beschlossen wurde die Kundgebung mit einer kurzen Rede einer Vertreterin des Offenen Treffen gegen Militarisierung und Krieg (OTKM), die anmerkte, dass ihre Gruppe mehrheitlich beim Camp „Rheinmetall entwaffnen“, das zeit-überschneidend in Köln stattfindet, mitmacht.

Abendliche Kulturveranstaltung – „Man muss die Krieger in die Irre führen…“

Veranstaltungssaal im Haus der Evangelischen Kirche

Ab 18.30 Uhr fand im Haus der Evangelischen Kirche eine politische Kulturveranstaltung zum diesjährigen Antikriegstag statt. Die Veranstaltung wurde vom örtlichen DGB, von den NaturFreunden Mannheim, vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KdA), VVN-BdA, DFG-VK, KAB und sanctclara (Ökumenischen Bildungszentrum Mannheim) unterstützt.

Die Künstler und die Künstlerin

Bevor Bernd Köhler, Monika-Magret Steger und Einhart Klucke durch das eigentliche Kulturprogramm führten, hielten Maximilian Heßlein (KdA) und Sabine Leber Hoischen (DGB) einleitende Reden.

Sabine Leber-Hoischen und Max Heßlein

Max Heßlein hielt ein flammendes Plädoyer gegen die „Zeitenwende“: „Wer mit offenen Augen durch Mannheim geht, kann das ja immer noch sehen, was der Krieg für eine Zerstörung anrichtet am Leben und an den Seelen der Menschen – diese Klarheit des Neins zum Krieg, die auch sagte, wir wollen die Kriege selbst in ihrer Möglichkeit nicht mehr denken oder in Erwägung ziehen, diese Klarheit ist auf erschreckende Weise vorbei.“

Sabine Leber Hoischen erinnerte daran, dass der Antikriegstag seit 1957 ein wichtiger Bestandteil der gewerkschaftlichen Arbeit geworden ist: „Jeder Krieg ist ein Angriff auf die Menschheit und die Menschlichkeit. Das ist der Grund, weshalb wir uns mit all unserer gewerkschaftlichen Kraft für Frieden, Rüstungskontrolle und Abrüstung, für Achtung der Menschenrechte und für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen.“

Der vollständige Text der Reden ist am Ende des Artikels dokumentiert.

Lieder und Texte gegen den Krieg

Auch das gab es auf der Veranstaltung zu sehen: Bilder vom zerstörten Mannheim

Monika-Magret Steger, Einhart Klucke und Bernd Köhler haben in beeindruckender Weise das Thema Krieg und Frieden als fast zeitloses immer wieder kehrendes Thema inszeniert. Mit Texten und Liedern von Brecht, Bob Dylan bis zu auch weniger Bekanntem wurden der Krieg und seine zerstörerischen Folgen künstlerisch thematisiert. „Die Krieger“ und ihre immer wiederkehrenden Argumente, man wolle mit waffentechnischer Überlegenheit einen Ausbruch eines Krieges verhindern, wurden wie der Titel der Veranstaltung schon besagt, „in die Irre“ geführt. In die musikalischen Beiträge wurden immer wieder z.T. sehr persönliche Wortmeldungen eingestreut. Sei es ein eben erst von Monika-Magret Steger erlebter und sehr kontroverser Dialog mit einer Freundin über Für und Wider einer militärischen Unterstützung der Ukraine. Oder die Erinnerungen von Einhart Klucke an seine Vorladung anläßlich seiner Kriegsdienstverweigerung im Jahr 1966 durch die Musterungsbehörde der Bundeswehr. Es wurde deutlich: Gegen Krieg und Für Frieden zu sein ist auch eine persönliche Haltung.

Veranstaltungen in Ludwigshafen und Neustadt

Ludwigshafen. attac Ludwigshafen und Mannheim hatten am 3. September zu einer Veranstaltung mit Jürgen Wagner von der Tübiunger Informationsstelle Militarisierung eingeladen. Im Vortag Kriegstüchtig an allen Fronten – Rüstungsausgaben im Höhenflug – Sozialstaat im freien Fall“ stellte der Referent vor ca. 30 Besucher sehr eindrucksvoll und kompetent die Folgen der sog. Zeitenwende dar.

Neustadt. DGB Neustadt, amnesty international, VVN-BdA, attac Neustadt, DFG-VK Pfalz und die Friedensinitiative NW luden am 2. September zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Neustadt ein. Der Saalbau in Neustadt war mit 150 Personen voll besetzt. Offensichtlich lockte das offene Thema „Haben wir die Chance auf eine friedliche Zukunft?“ und der Referent MdB-SPD Ralf Stegner viele Leute an. Auch wenn die Mehrheit der Leute wahrscheinlich eher SPD-kritrisch eingestellt waren, so war das Interesse an einem friedenspolitischem Thema mit der Fragestellung „Was kann anders getan werden?“ offensichtlich sehr groß.

Roland Schuster


Rede von Maximilian Heßlein

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,

herzlich willkommen heute Abend hier im Haus der Evangelischen Kirche. Ich grüße Euch namens des DGB, der Naturfreunde, des VVN-BdA, der DFG-VK, der KAB, von Sanctclara und des KDA. Vor allem anderen aber: Danke, dass Ihr da seid. Danke, dass Ihr heute Abend gekommen seid, um diesen 1. September 2026 nicht vorbeigehen zu lassen, sondern ihn gemeinsam zu begehen und hochzuhalten. Es ist Antikriegstag, Tag für den Frieden. Tag für das Leben und Tag für die friedliche, gerechte, freie und gleiche Gemeinschaft aller Menschen.

„Nie wieder Krieg!“, heißt unsere Losung, die die Demonstration eben schon in die Stadt getragen hat. „Nie wieder Krieg!“, heißt sie auch jetzt hier in diesem Haus. Dazu wollen und werden wir die Krieger in die Irre führen.

Danke, dass Ihr heute Abend genau diese Gemeinschaft stärkt, die das gerade in diesen Zeiten, in denen das nicht mehr unumwunden gilt, ohne Wenn und Aber sagt: „Nie wieder Krieg!“ Wir halten daran fest, dass eine andere, eine bessere Welt möglich ist, und träumen gemeinsam von einer Welt des Friedens, damit das Leiden endlich ein Ende hat. Das bleibt unser Ziel. Zu jeder Zeit.

Zugleich fällt mir auf, dass das Eintreten für den Frieden, die Klarheit, mit der doch ein großer Teil unserer Gesellschaft einmal gesagt hat, wir wollen diese Kriege nicht mehr, die so viel Leid und Zerstörung in die Welt gebracht haben – und wer mit offenen Augen durch Mannheim geht, kann das ja immer noch sehen, was der Krieg für eine Zerstörung anrichtet am Leben und an den Seelen der Menschen – diese Klarheit des Neins zum Krieg, die auch sagte, wir wollen die Kriege selbst in ihrer Möglichkeit nicht mehr denken oder in Erwägung ziehen, diese Klarheit ist auf erschreckende Weise vorbei.

Sie ist gewichen der Zeitenwende, einem neuen Realismus, einer Selbstverständlichkeit, dass die jungen Leute wieder in die Armee gehen sollen oder bald müssen, dass wir unsere Interessen in der Welt durchsetzen müssen, dass wir dafür Waffen und Rüstung brauchen und das Geld dafür bereitstellen, dass die Friedensdividende aufgebraucht ist, dass wir wieder, wie es der verehrte Erich Mühsam schrieb:

Sengen, brennen, schießen, stechen,
Schädel spalten, Rippen brechen,
spionieren, requirieren,
patrouillieren, exerzieren,
fluchen, bluten, hungern, frieren …
So lebt der edle Kriegerstand,
die Flinte in der linken Hand,
das Messer in der rechten Hand –
mit Gott, mit Gott, mit Gott,
mit Gott für König und Vaterland.

Die Welt rüstet sich genau diesem Leid wieder entgegen. Der Krieg ist 87 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in unserer Gesellschaft wieder denkbar geworden.

Aber genau diese Wendung, dass Kriege ausbrechen, führt aus meiner Sicht schon auf die falsche Spur. Denn wenn ich in die Geschichte schaue, dann sehe ich doch, dass der Frieden eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass er weitgehend der Ausnahmefall war, dass er unter Mühen bewahrt werden musste und er immer ein zwar kompliziertes, mühevolles und schwieriges Unterfangen war, aber immer auch ein unbedingtes Ja zum Leben.

Wenn ich dann tiefer schaue, dann sehe ich genau deswegen auch, dass die Kriege nie einfach über die Menschen wie eine Naturkatastrophe hereingebrochen sind, sondern dass sie gemacht waren, vorsätzlich herbeigeführt und umgesetzt und dass sie nie zufällig so geworden sind.

Hinter den Kriegen stehen immer Menschen und ihre Machtinteressen. Es geht um Einfluss und Habgier und in alldem um eine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Leben und dessen Unversehrtheit in dieser Welt. Immer auch ein Ja zum Leid und zum Tod.

Dazu wurden und werden Werte angepasst, Prioritäten verschoben, Menschen manipuliert, Mitleid wird ausgesetzt und letztlich die Würde eines jeden einzelnen Menschen infrage gestellt.

Wer nämlich vom Krieg redet, der redet auch von der Antastbarkeit der Würde des Menschen, weil die Würde gegen alles steht, was den Krieg ausmacht. Sie existiert nur in Freiheit, in Gleichheit und Geschwisterlichkeit. Sie existiert im Mitleiden und in der Liebe zu den Menschen. Im Krieg aber regieren nur die Entmenschlichung und der Tod.

Mitleid und Liebe sind auch heute weit entfernt. Beiden werden kaum noch vereinzelte Blicke gewürdigt. Wer schaut noch auf die Menschen in Gaza, in der Ukraine, wer schaut noch oder hat überhaupt jemals geschaut auf die Menschen im Sudan, im Kongo, in Mali, wer schaut in den Iran oder die anderen Staaten am Persischen Golf. Überall ungehemmtes Töten und Morden, während Firmen wie Rheinmetall ihre Tresore und die Konten ihrer Aktionäre füttern. Aus Leid und Tod, aus der Zerstörung der Lebensgrundlagen wird Geld gemacht. Der Krieg ist ein Milliardengeschäft.

Wo aber Geschäfte gemacht werden, muss irgendwer die Rechnung bezahlen. So funktioniert die Welt, die wir gebaut haben und in der wir leben. Zuallererst und mit großem Leid zahlen die Rechnung die Opfer der Kriege in den Ländern, in denen sie ausgetragen werden.

Durch die Notwendigkeit, die Kosten zu begleichen und die Rechnung der Aufrüstung zu zahlen, erklären sich aber heute auch die politischen Angriffe in unserem Land auf die Armen, auf diejenigen, die Unterstützung brauchen, auf die Kranken, die Alten und die Abgeschafften, auf die Ratlosen und die Ausgebeuteten, die Angriffe auf die Arbeitsbedingungen allgemein. So erklären sich die Angriffe, auf diejenigen, deren Würde eh schon infrage gestellt wird und die sich nicht wehren können. So erklären sich die Angriffe auf die Leidenden in dieser Welt hier bei uns und da draußen. So erklären sich die gesellschaftlichen Verschiebungen, die auch in unserem Land gerade aktiv betrieben werden.

Deswegen sage ich: Es reicht nicht, dass wir einfach gegen den Krieg sind, sondern es ist nötig, die Ursachen der Kriege an ihrer Wurzel zu packen. Es geht um die Frage, wem die Welt und ihre Güter, wem das Leben, die Kraft und die Kreativität der Menschen gehören und wie wir damit unter dem Dach der Würde jedes einzelnen Lebens umgehen.

Kurzum geht es um die Frage: Was muss getan werden für eine Welt, in der Menschen nicht mehr leiden? – Da gibt es keine Kompromisse und keine vorschnellen Aushandlungsdiskussionen, sondern allein diese eine Frage. Kein Leid soll sein.

Christlich gesprochen, geht es dabei darum, eine Liebe in dieser Welt zur Geltung zu bringen, die ausnahmslos alle Menschen meint und die nach der Bedürftigkeit jeder und jedes Einzelnen fragt.

Das aber, Ihr Lieben, das wäre eine andere Welt als diejenige, die wir in den letzten Jahren, Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten gebaut haben und in der wir heute leben und in der eben vielerorts so sehr gelitten wird.

Nun weiß ich ja, dass hier im Raum nicht alle unter Euch Anhänger der großen Kirchen sind oder auch des Christentums überhaupt und trotzdem glaube ich, dass uns diese Vision, diese Sehnsucht nach einer anderen, nach einer besseren, einer liebevolleren und würdevollen, einer im guten und veränderungswilligen Sinn mitleidenden Welt verbindet und uns hier heute Abend zusammenführt.

Dafür will ich werben, dass wir groß denken und handeln und uns nicht klein machen. Das wäre dann nämlich eine Welt, in der wir nicht einfach nur versuchen, den Status quo zu erhalten und die Symptome seines Verfalls zu bekämpfen, sondern in der wir uns mutig auf den Weg in eine andere Welt machen und nur diese eine Frage stellen: Was müssen wir tun, dass in dieser Welt nicht mehr gelitten wird? Ohne Wenn und Aber. Dann herrscht Frieden, dann bauen wir unsere Gemeinschaft zu umfassender Demokratie aus, dann verwirklichen wir den alten Traum von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit in allen Belangen und, noch einmal aus dem Glauben heraus gesprochen, dann geben wir dem Menschen seine Würde, wie Gott sie am Anfang der Zeit erdacht hat.

Heute machen wir uns zusammen mit Monika-Margret Steger, Einhart Klucke und Bernd Köhler auf den Weg. Ich freue mich sehr, dass Ihr dazu heute da seid. Und bevor ich jetzt an Sabine Leber-Hoischen übergebe, sage ich Euch allen noch einmal: „Nie wieder Krieg“! Heute führen wir die Krieger in die Irre. Danke, dass Ihr da seid.


Rede von Sabine Leber-Hoischen

Friedensfähig statt kriegstüchtig! – Gemeinsam für Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit und eine Welt ohne Krieg!

Liebe Friedensaktivist*innen, liebe Freund*innen des Friedens,

ich freue mich, Euch im Namen des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschafen heute hier ganz herzlich begrüßen zu dürfen.

„Nie wieder Krieg“ – das ist und bleibt die Grundüberzeugung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und seiner Mitgliedsgewerkschaften.

Jeder Krieg ist ein Angriff auf die Menschheit und die Menschlichkeit. Das ist der Grund, weshalb wir uns mit all unserer gewerkschaftlichen Kraft für Frieden, Rüstungskontrolle und Abrüstung, für Achtung der Menschenrechte und für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Dies wollen wir auch in diesem Jahr wieder sichtbar kundtun. Vielen Dank an alle, die sich für unseren Frieden einsetzen, um gemeinsam Flagge zu zeigen!

Und vielen Dank auch an unsere Bündnispartner*innen, mit denen es gelungen ist, wieder diese wunderbare Veranstaltung auf den Weg zu bringen. Vielen Dank dafür!!!

Liebe Freund*innen des Friedens,

„Nie wieder Krieg“ – dieser Jahrestag ist für uns eine selbstverständliche Verpflichtung, sich gegen Krieg, Gewalt, Geschichtsvergessenheit und Faschismus auszusprechen und den Fokus auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu richten – überall auf der Welt!

Wir sind überzeugt von Frieden und setzen uns für diese Vision trotz der traurigen Realitäten auch heute wieder ein.

Denn die internationalen Entwicklungen erfüllen den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften mit größter Sorge. Das Weltgeschehen wird zunehmend geprägt durch die Großmachtansprüche der USA, Chinas und Russlands. Für deren Durchsetzung schrecken sie auch vor der Anwendung und Androhung militärischer Gewalt nicht zurück.

Wir erheben unsere gewerkschaftliche Stimme dagegen und halten unbeirrbar an unserem Grundsatz fest: „Nie wieder Krieg!“

Wir brauchen keine Politik, die dem Recht des Stärkeren und einer permanenten „Kriegstüchtigkeit“ nachkommt, sondern eine Sicherheitspolitik, die die Freiheit schützt und sich zum Ziel setzt, die sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen von Krieg und Gewalt zu beseitigen.

Militärische Konflikte und der Einsatz bewaffneter Gewalt bringen Tod, großes Leid und führen zu Flucht und Vertreibung. Unsere Solidarität gilt den Betroffenen und den Menschen auf der Flucht, egal auf welchem Kontinent.

Die Waffen müssen endlich schweigen – überall auf der Welt!

Wir treten als Gewerkschaften ein für eine Politik der Friedensfähigkeit, in deren Mittelpunkt die zivile Friedenssicherung durch Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und eine faire Handelspolitik stehen.

Frieden und Sicherheit beruhen auf sozialer Gerechtigkeit.

Für uns Gewerkschaften stehen Frieden, Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit in einem untrennbaren Zusammenhang mit gerechten Lebens- und Arbeitsverhältnissen, demokratischer Stabilität, wirtschaftlichem Erfolg und dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Der massive Aufwuchs des Militäretats geht perspektivisch zu Lasten von sozialstaatlicher Absicherung und öffentlichen Zukunftsinvestitionen.

Das Vertrauen in unsere Demokratie und in unser Wirtschafts- und Sozialmodell hängt maßgeblich ab von starken sozialen Sicherungssystemen, von einer gut ausgebauten öffentlichen Daseinsfürsorge, von einem leistungsfähigen Bildungssystem und von einem aktiv gestaltenden Staat, der massiv in die Zukunft investiert.

Die aktuelle politische Debatte verschärft aber mit ihrer Verengung auf militärische Aspekte von Sicherheit Verteilungskonflikte und schwächt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Demokratie selbst. Sicherheit ist für uns kein rein militärisches Projekt. Sie erfordert eine Politik, die die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft insgesamt stärkt und besser gegen Krisen wappnet – ob es sich um innere und äußere Angriffe auf unsere Demokratie, Naturkatastrophen, Pandemien oder hybride Bedrohungen handelt!

Um ein wirksames Gegengewicht zu den neuen Großmachtbestrebungen zu bilden, muss Europa seine strategischen Partnerschaften mit Ländern vor allem des Globalen Südens ausbauen. Getragen werden müssen diese Partnerschaften durch das gemeinsame Interesse an einer Weltordnung, die dem Ausgleich von Interessen auf Grundlage des geltenden Völkerrechts verpflichtet ist.

Für die EU ebenso wie für Deutschland und ihre anderen Mitgliedstaaten gilt dabei, dass sie ihre Glaubwürdigkeit als Partner unter Beweis stellen müssen, indem sie sich uneingeschränkt zur Einhaltung des völkerrechtlichen Gewaltverbots und des humanitären Völkerrechts bekennen. Sie müssen konsequent dafür eintreten, dass Völkerrechtsverstöße geahndet werden – unabhängig davon, wer sie begeht.

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen die deutsche Bundesregierung anlässlich des diesjährigen Antikriegstages dazu auf, sich für eine starke und handlungsfähige EU einzusetzen, die verlässlich für eine europäische Politik der Friedensfähigkeit steht.

Astrid Lindgren sagte 1978 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels: „Über den Frieden sprechen heißt, über etwas sprechen, was es nicht gibt. Wahren Frieden gibt es nicht auf unserer Erde und hat es auch nie gegeben, es denn als Ziel, das wir offenbar nicht zu erreichen vermögen.…“

Für uns Gewerkschaften steht fest: Frieden lässt sich dauerhaft nur durch eine Politik sichern, die unsere Freiheit und unsere Demokratie stärkt, unsere Gesellschaft insgesamt widerstandsfähiger macht und Sicherheit nicht einseitig militärisch definiert. Wir wollen friedensfähig statt kriegstüchtig sein und bleiben!

Es ist wichtiger denn je, sich einzusetzen: Für Demokratie, für Freiheit und für den Frieden! Lasst uns also solidarisch zusammenstehen!

„Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“ sagte schon Kant, den ich auch heute wieder bemühen möchte. Lasst uns hoffen und dafür eintreten, dass diese Vernunft um sich greift. Astrid Lindgren würde sich freuen, wenn sie sich mit ihrer Einschätzung geirrt hätte….Setzen wir uns dafür ein !

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen friedvollen, erlebnisreichen, wunderbaren, kulturellen Abend ! Vielen Dank !