„Zukunftsentwurf für eine solidarische Gesellschaft“ – Interview zum Bundeskongress der VVN-BdA

„Zukunftsentwurf für eine solidarische Gesellschaft“ – Das Motto zum 7. Bundeskongress der VVN-BdA | Bild: VVN-BdA

Ende April 2021 fand der erste digitale Bundeskongress (BK) der VVN-BdA statt. Aus Mannheim waren als Delegierte Klaus Dollmann, Joachim Krauß und Fritz Reidenbach zugeschaltet. Im Interview berichteten sie über den Verlauf und die Ergebnisse des zweitägigen Kongresses.

KIM: Wie habt ihr den digitalen Bundeskongress erlebt?

Fritz Reidenbach: Es war schon ungewohnt, einfach anders, als vergangene BK in Präsenzform, weil die persönlichen Kontakte und Gespräche fehlten.

Klaus Dollmann: Ich war skeptisch, wie ein Kongress mit so vielen Teilnehmer*innen online organisiert werden kann. Deshalb ein Lob an die Organisator*innen, die das technisch perfekt abgewickelt haben.

Joachim Krauß: Auch für mich war der BK technisch eine Herausforderung, die doch recht gut funktioniert hat.

KIM: Welche Bilanz konnte der Bundeskongress ziehen?

Fritz Reidenbach: Insgesamt konnte eine erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre bilanziert werden. Der Angriff auf die Gemeinnützigkeit der VVN löste eine große Solidarität aus. 2.000 Menschen haben ihren Eintritt in die VVN erklärt. Auch die finanzielle Unterstützung ist gewachsen. Die VVN ist jünger, weiblicher und finanziell stärker geworden.

Klaus Dollmann: Bereits beim BK stand fest, das Berliner Finanzamt musste zurückrudern und hat per Bescheid der VVN die Gemeinnützigkeit für 2019 zugestanden. Mittlerweile erfolgte die Anerkennung der Gemeinnützigkeit auch für die Jahre 2016-2018. Ein Riesenerfolg, der große Erleichterung bei uns allen auslöste. Dafür allen Unterstützern ein großes Dankeschön.

Joachim Krauß: Eine erfolgreiche Bilanz konnte auch bei der Petition für die Forderung, den 8. Mai zum Feiertag zu erklären, gezogen werden. Mit der Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ konnten wichtige Aktivitäten gegen Rassisten und rechte Hetzer verbucht werden, deshalb soll diese Kampagne im Superwahljahr weitergeführt werden.

Digitaler Bundeskongress als Herausforderung und Chance für die Zukunft | Bild: VVN-BdA

KIM: Welche Themen standen beim BK im Mittelpunkt?

Fritz Reidenbach: Der Kampf gegen die Rechtsentwicklung, für eine solidarische Gesellschaft, dies hat die Debatten entscheidend geprägt. Mit 20 Thesen zur Entwicklung der extremen Rechten wurde die Debatte über die AFD, die NPD, den III.Weg und die „Rechte“ bis hin zu den Corona-Leugnern geführt. Die extreme Rechte ist international gut vernetzt, wird immer gewaltbereiter und war noch nie so gut finanziert wie heute.

Klaus Dollmann: Die Solidarität mit Menschen, die von rechter Gewalt bedroht sind und die Solidarität mit Angehörigen von Opfern rechter Gewalt wollen wir ausbauen. Eine bessere Zusammenarbeit mit migrantischen Gruppen soll vor Ort organisiert werden. Ein Beispiel war die Mahnwache zum Jahrestag der Hanauer Terrormorde am 19. Februar auf dem Mannheimer Marktplatz. Wir unterstützen die Initiative „Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen“ wie es die Hanauer Initiative fordert.

Joachim Krauß: Wir wollen der AFD die gesellschaftliche Legitimation entziehen, sie politisch bekämpfen und zurückdrängen, so wie dies in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bei den Landtagswahlen gelungen ist. Gegen die massive Aufrüstung unterstützen wir die Bewegung „Abrüsten statt Aufrüsten“. Bekämpfung der Fluchtursachen und der in Not geratenen Menschen auf der Flucht.

Fritz Reidenbach: Sehr eindringlich stellen wird uns im beschlossenen Leitantrag gegen Geschichtsrevisionismus und gegen die Gleichsetzung von rechts und links. Die Gefahr für unser demokratisches und vielfältiges Zusammenleben geht von extremen Rechten und deren Mitläufern aus. Im Sommer präsentiert die VVN eine neue Ausstellung über „Neofaschismus in der Bundesrepublik Deutschland“. Die VVN fordert Wissenschaftler auf, sich intensiver mit geschichtsrevisionistischen Themen, wie wir sie bei den Coronaleugnern erleben, auseinander zu setzen.

KIM: Wer wurde in die verantwortlichen Positionen gewählt?

Klaus Dollmann: Zunächst wurde Uli Sander aus Dortmund, einer der Sprecher der VVN, verabschiedet und für seine langjährige antifaschistische Arbeit gedankt.

Fritz Reidenbach: Die Delegierten wählten mit großer Mehrheit Cornelia Kerth (66) aus Hamburg und Florian Gutsche (33) aus Berlin zu Vorsitzenden der VVN-BdA.

In den Sprecherrat gewählt wurden: Dr. Regina Girod aus Berlin, Axel Holz aus Schwerin, Dr. Ulrich Schneider aus Kassel und Denise-Maxima Torres aus Frankfurt am Main.

Joachim Krauß: Bei diesem Kongreß wurde ein Generationswechsel im Verband eingeleitet.