Schüler-Demo gegen Wehrpflicht in Ludwigshafen

„Wehrpflicht ist scheiße, führt euren Krieg alleine!“

200 bis 300 vorwiegend junge Menschen demonstrierten am Freitag, dem 5.12.2025 in Ludwigshafen gegen die drohende Wehrpflicht. Es begann mit einer Kundgebung auf dem Theaterplatz, gefolgt von einer zweistündigen Demonstration zum Rathausplatz, einer Kundgebung dort und auf anderem Weg wieder zurück zum Theaterplatz.

Die von Schülerinnen und Schülern gehaltenen kurzen Reden machten deutlich, dass es ihnen nicht nur um die Wehrpflicht ging, sondern dass diese einzuordnen sei in andere Krisen, die unsere Gesellschaft schütteln: „Statt Milliarden für Waffen, brauchen wir Milliarden für Bildung, Klima und soziale Gerechtigkeit! Unsere Zukunft soll aus Chancen bestehen, nicht aus Drill und Gehorsam. Lasst uns heute zeigen, dass unsere Stimme zählt gegen Zwang, für Frieden und für eine gerechte Zukunft für alle!“

Die dann im Laufen lautstark gerufenen Parolen klangen ähnlich entschieden und energisch wie die in der Überschrift zitierte, z.B.: „Nie, Nie, Nie wieder Wehrpflicht!“, „Streik in der Schule, Uni und Betrieb, das ist unsre Antwort auf ihre Politik!“ „Gegen Wehrpflicht, gegen Krieg – Streiken bis der Frieden siegt!“ usw.

Die Schülerbewegung gegen eine Wehrpflicht hatte erst vor zwei Monaten in Bayern begonnen, sich herauszubilden und zu organisieren. Unterstützung erhielt sie dort auch von der Bildungsgewerkschaft GEW. Deren Landesvorsitzende Martina Borgendale bezeichnete die geplanten Aktionen als „ein ermutigendes Zeichen für die Demokratie“ und sprach ihre Hoffnung aus, dass Lehrkräfte und Schulleitungen die Aktionen unterstützen. Unterstützung durch die GEW gab es auch in Hessen, in Niedersachsen und auf Bundesebene.  Die GEW Niedersachsen erklärte ihre Solidarität mit den Schüler*innen und Studierenden, die die Rückkehr der Wehrpflicht kritisierten. Auf Bundesebene bezeichnete die GEW die Proteste als Teil eines „praktischen Demokratie-Unterrichts“.

In Ludwigshafen waren die DGB-Jugend und die Stadtschülervertretung Mitveranstalter der Aktionen. Unterstützend traten die Initiative Soziale Kämpfe (ISK) und die Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) auf.

Erfolg auch bundesweit

200 bis 300 Menschen demonstrierten am Freitag in Ludwigshafen und nicht 120 Personen, wie in der ‚Rheinpfalz‘ zu lesen war. Dass die Polizei und die ihnen hierin in der Regel folgenden Konzernmedien Teilnehmerzahlen von Demonstrationen zu niedrig angeben, ist schon seit langem bekannt. So lange, dass es für normal gehalten wird – was es aber nicht ist, es ist eine Täuschung und Meinungsmanipulation. Die Tendenz, die Anzahl der Teilnehmenden herunterzuspielen, scheint umso ausgeprägter zu sein, je weniger staatstragend die Ziele der jeweiligen Aktion sind. Die Schülerstreiks scheinen als beträchtlich staatsgefährdend empfunden zu werden. So gaben in Heidelberg die Veranstalter 1500 Teilnehmende an, die Polizei aber nur 600. Bundesweit schätzten die Veranstalter um 13 Uhr, dass 40.000 SchülerInnen auf die Straße gegangen seien, davon allein in Berlin 10.000. Am Abend korrigierten sie die Schätzung auf 55.000. Die Rheinpfalz aber nannte „tausende überwiegend junge Menschen in über 90 deutschen Städten“. Dies ist übrigens ein häufig verwendeter Trick: Selbst wenn die Polizei die Zahl der Teilnehmenden im fünfstelligen Bereich schätzt, sprechen die Medien von „tausenden“. Korrekterweise von zehntausenden zu sprechen, klingt anscheinend zu bedrohlich.

Die streikenden SchülerInnen werden sich davon wohl nicht beirren lassen. Sie wollen so lange streiken, bis die Wehrpflicht wieder zurückgenommen wird und haben den nächsten Streik bereits terminiert: 5. März 2026.

Michael Kohler

 

Weitere Infos: 

Kampagnenwebseite „Schulstreik gegen Wehrpflicht“