Kundgebung: Solidarität mit den freiheitsliebenden Menschen im Iran

Mannheim, 19. Januar 2026. Zahlreiche Kerzen sorgen am Abend auf dem Paradeplatz für eine ruhige, besinnliche Stimmung, dazwischen Blumen und Fotos von Menschen, die in den vergangenen Wochen bei den Protesten im Iran ums Leben kamen. Die Kundgebung der Initiative „Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar“ ist keine laute Kampfansage an das islamistische Regime in Teheran, vielmehr ein Ort der gemeinsamen Trauer für die hier lebenden Exil-Iraner*innen und ihre Freund*innen.

Bestürzung über Gewalt gegen Protestierende

Dennoch ist die Veranstaltung politisch. Mit Bestürzung habe man in den letzten Tagen von der Gewalt gegen Protestierende gehört, von steigenden Todeszahlen, vom Einsatz scharfer Munition gegen wehrlose Demonstrant*innen. Die Internetsperre mache es schwer, an verlässliche Informationen zu kommen. Doch nach und nach kämen immer schlimmere Meldungen aus dem Land.

Mehrere Rednerinnen am Mikrofon berichten davon, was sie aus dem Land und von ihren Familien gehört haben. Eine Frau aus dem Publikum spricht mich an und bittet mich, ein Schild zu fotografieren. Dort ist zu lesen, dass drei Männer am 9. Januar vom Mullah Regime erschossen wurden: Armin, 19 Jahre alt, Omid, 47 Jahre alt und Amir, 40 Jahre alt. Der Frau laufen Tränen über die Wangen. Sie berichtet, dass sie in Heidelberg lebt. Von ihrer im Iran lebenden Schwester habe sie die Nachricht über den Tod der drei Familienmitglieder erhalten.

Eine Familie aus Heidelberg berichtet, dass sie drei Anghörige bei den Protesten verloren hat

Sie seien dort als Familie gemeinsam demonstrieren gewesen, als die Sicherheitskräfte das Feuer mit scharfer Munition und Schrotkugeln eröffnet hätten. Der Ehemann der Schwester und ihr gemeinsamer Sohn, sowie ein weiterer Familienangehöriger, seien so schwer verletzt worden, dass sie noch vor Ort starben. Auch die Schwester sei von Schrotkugeln verletzt worden. Sie Sicherheitskräfte hätten die Leichen beschlagnahmt und für deren Freigabe Geld verlangt.

An diesem Abend höre ich noch weitere furchtbare Geschichten von unvorstellbarer Gewalt gegen Protestierende. Wie kommt es, dass die Sicherheitskräfte so brutal vorgehen? Eine Sprecherin der Initiative sagt, dass es bezahlte Söldner wären, die auf die Protestierenden schossen. Viele davon seien arabisch sprechende Männer aus dem Ausland, beispielsweise ehemalige Hamas-Kämpfer. Deshalb sei es umso wichtiger, dem Regime den Geldhahn zuzudrehen.

Kerzen, Blumen und Bilder zum Gedenken an die getöteten Menschen

Eskalation der Proteste aus dem Exil

Eine Sprecherin der Initiative „Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar“ berichtet, dass sich Ende Dezember die Proteste im ganzen Land ausgebreitet hätten. Inflation, eine große Dürre, die Wasser- und Lebensmittelknappheit zur Folge hatte und der Wunsch nach mehr Freiheit hätte Menschenmassen auf die Straßen getrieben.

Aufrufe der Monarchisten aus dem US-amerikanischen Exil hätten die Proteste aufgeheizt. „Im Iran schaut keiner staatliches Fernsehen, alle sehen sich Sendungen aus dem Ausland über Satellit oder Internet an“, berichtet sie. „Im Iran ist die gesamte Opposition im Gefängnis“, deshalb seien die Menschen gewohnt, sich aus dem Ausland mit Informationen zu versorgen.

Der Nachkomme des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, versuchte aus der USA über Social Media Kanäle die Proteste im Iran zu koordinieren und zu eskalieren. Er stellte militärische Hilfe der Trump Regierung in Aussicht. Die Eskalation gelang ihm, bis die iranische Führung das Internet abschaltete und mit massiver Gewalt die Proteste niederschlug.

Fahnen der Monarchisten und des Staates Israel in der ersten Reihe – nicht alle Teilnehmenden waren darüber glücklich

Die Rolle des Monarchisten ist auf die Kundgebung umstritten. Offiziell heißt es in der Einladung, es werde darum gebeten, auf politische Parolen und Fahnen zu verzichten. Dennoch sind in der ersten Reihe die Fahnen mit Löwe und Sonne zu sehen, dem Symbol der Schah-Anhänger*innen, auch eine Fahne des mit den Monarchisten verbündeten Staates Israel wird geschwenkt.

Man sei nicht glücklich darüber, hören wir aus den Reihen der Veranstalter*innen, aber man wolle auch keinen Konflikt untereinander provozieren.

Adressat der Kritik ist auch die deutsche Regierung

Kritik gibt es nicht nur in Richtung des Regimes in Teheran. Auch an die deutsche Bundesregierung werden Forderungen gerichtet. „Abschiebungen in den Iran müssen gestoppt werden“, forderte eine Sprecherin, außerdem müsste man die Botschaften schließen, um Druck auf das Regime auszuüben – auch wenn es nur symbolisch sein.

Man wünsche sich zudem, dass die „Revolutionsgarden“ in der EU als Terrororganisation gelistet werden. Von der Bühne wird auf einen Offenen Brief an Kanzler Merz hingewiesen, den man unterschreiben könne. Darin wird eine umfassende politische, wirtschaftliche und diplomatische Isolation des Regimes und die Aufnahme politischer Gespräche mit der demokratischen und säkularen Opposition gefordert.

Für die Initiative „Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar“ geht es weiter mit einer Gesprächsrunde am Mittwoch, 21. Januar im forum. Dort wird zur Frage diskutiert „Was geschieht aktuell im Iran“. Wer sich zum Thema informieren möchte, ist dazu eingeladen. Beginn der öffentlichen Veranstaltung ist 18:30 Uhr.

(cki)