Auf der Suche nach einem Haus – das Ewwe Longt’s will sich vergrößern

 

Im Ewwe Longt’s kann es schnell voll werden, wie hier bei der Eröffnungsveranstaltung 2019 | Bild: KIM-Archiv

Das Linke Zentrum Ewwe Longts will sich vergrößern. Eine Gruppe von Aktiven hat sich zur Initiative für ein Hausprojekt zusammen geschlossen. Neben neuen Räumen für das Linke Zentrum sind auch Mietwohnungen geplant. Realisiert werden soll das Ganze in Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser Syndikat, das als Dachverband bereits mehr als 200 Hausprojekte deutschlandweit vereint. Im Interview mit KIM berichtet eine aktive Person der Initiative von den Plänen.

KIM: Was ist eure Vision?

Grundsätzlich ist die Vision des Ewwe Longt’s eine solidarische Gesellschaft, in der Kollektivität statt Konkurrenz gelebt wird. Unser Ziel ist, gemeinsame linke Perspektiven mit unserer Klasse zu entwickeln. Der Raum ist dabei eine Anlaufstelle für politische Bewegungen, die in die Gesellschaft hineinwirken können und wollen. Interessierte Personen aus der Umgebung finden bei uns verschiedenste Möglichkeiten sich politisch zu engagieren oder auch einfach an Veranstaltungen teilzunehmen. In den letzten sieben Jahren, seit das Ewwe Longt’s gegründet wurde, werden unsere Räumlichkeiten immer mehr genutzt und sind häufig ausgebucht. Wir freuen uns über das starke Wachsen der politischen Linken in Mannheim und sehen, dass wir mehr und größere Räume brauchen.

KIM: Was sucht ihr genau?

Wir suchen Räume, die zum Verkauf stehen mit mindestens 200 m², mindestens 3 Veranstaltungs- und Gruppenräumen, möglichst barrierearm und bestenfalls in der Neckarstadt, Innenstadt oder im Jungbusch. Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn wir ein passendes Haus finden, das zusätzlich noch Wohnraum bietet.

KIM: Ihr plant auf Grundlage des Modells des Mietshäuser Syndikats. Kannst du kurz erklären, was das bedeutet und wie ihr euch finanzieren wollt?

Das Prinzip ist sehr simpel. Menschen, die unser Projekt unterstützen wollen, geben uns Direktkredite. Wir sammeln diese so lange, bis wir genug Eigenkapital haben, um einen Bankkredit zu bekommen. Von all diesem Geld wird dann das Haus gekauft und die Mieten zahlen die Kredite ab. Interessierten Menschen erklären wir alles gerne im Einzelgespräch.

Das große Ziel dahinter ist, dass sobald alle Kredite abgezahlt sind, die Immobilie für immer dem Verein gehört und dem spekulativen Immobilienmarkt entzogen ist. Somit bleiben niedrige Mieten garantiert. Die Wichtigsten Prinzipien des Mietshäuser Syndikats sind: Selbstverwaltung, Solidarität und Unverkäuflichkeit.

KIM: Wie viele Leute seid ihr in der Initiative und wo steht ihr gerade?

Wir sind so circa 20 aktive Menschen, die sich regelmäßig treffen. Wir haben viel Vorarbeit geleistet, uns mit dem Immobilienmarkt auseinandergesetzt, einen Verein gegründet, ausgearbeitet wie wir die Finanzierung bewältigen wollen etc. Ab sofort sammeln wir ‚Absichtserklärungen‘ für spätere Direktkredite. Damit versuchen wir abzuschätzen, wie viele Kredite wir in kurzer Zeit bekommen, wenn wir ein konkretes Objekt in Aussicht haben.

KIM: Der Immobilienmarkt ist hart umkämpft. Was haben eure Recherchen bisher ergeben? Habt ihr schon ein geeignetes Haus gesichtet?

Wir hatten schon erste Besichtigungen, aber bisher haben wir nichts passendes gefunden. Wir sind gut vernetzt in der Stadt und haben die Hoffnung, dass wir auf diesem Weg von möglicherweise passenden Objekten erfahren. Außerdem halten wir Ausschau nach leerstehenden Gebäuden und versuchen herauszufinden wem diese gehören, um bestenfalls Leerstand abzubauen. Natürlich sind wir auch offen für Tipps und Hinweise.

KIM: Bisher gibt es in Mannheim drei erfolgreiche Hausprojekte im Verbund des Mietshäuser Syndikats. Es gab aber auch Projekte und Initiativen die gescheitert oder seit längerer Zeit erfolglos auf der Suche nach Häusern sind. Habt ihr Kontakte geknüpft und tauscht ihr euch aus?

Natürlich haben wir Kontakt zu erfahrenen Menschen aus dem Mietshäuser Syndikat aufgebaut. Es gibt verschiedenste Gründe, warum manche Projekte nicht voran kommen oder schließlich aufgeben müssen. Wir versuchen natürlich aus diesen Fehlern zu lernen und uns an den über 200 erfolgreichen Projekten zu orientieren. Das Mietshäuser Syndikat geht sehr offen mit Problemen um. Manche Fälle sind auf der Webseite offen nachzulesen, andere werden auf Anfrage beantwortet.

Da viele der Aktiven seit Jahren gemeinsam in Mannheim politische Arbeit machen, sind wir zuversichtlich, dass wir auch dieses Projekt gemeinsam gestemmt bekommen.

KIM: Vor welchen Herausforderungen steht ihr noch?

Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Momentan konzentrieren wir uns darauf, möglichst viele Menschen zu erreichen, um Absichtserklärungen für Direktkredite zu sammeln und gleichzeitig suchen wir nach einem passenden Gebäude. Sobald dieses gefunden ist, kann alles auch sehr schnell passieren.

KIM: Wann wollt ihr einziehen? Gibt es einen realistischen Zeitplan?

Das ist nicht so wirklich planbar. Es gibt Gruppen bei denen alles sehr schnell ging und innerhalb der ersten 1-2 Jahre schon alles funktioniert hat und bei anderen zieht es sich über Jahre. Wir rechnen damit, dass es ein langfristiges Projekt ist, da möglicherweise nach einem Kauf auch noch Umbaumaßnahmen nötig sind.

KIM: Seid ihr offen für neue Leute und falls ja, wie kann man bei euch mitmachen?

Natürlich freuen wir uns immer über Unterstützung. Wir sind als Ewwe Longt’s per Mail oder Instagram erreichbar.

Weitere Infos:

https://www.ewwe-longts.de/hausprojekt/

(Interview: cki)