Zweiter Schulstreik gegen die Wehrpflicht – diesmal auch in Mannheim [mit Video und Bildergalerie]
“Nein zur Wehrpflicht – Krieg dem Krieg” stand auf dem Banner der Schülerinnen und Schüler, die am Donnerstagvormittag in Mannheim gegen staatliche Zwangsdienste demonstrierten. Rund 300 Teilnehmende wurden gezählt, die meisten aus der Altersgruppe, die es ganz konkret betrifft. Dazu gesellten sich auch einige ältere Semester, die sich solidarisch zeigen wollten.
„Wollen nicht für die Superreichen in den Krieg ziehen“
„Ich finde es ziemlich gruselig zu sehen, dass so viele in den Krieg ziehen sollen“, sagte Vera, Schülerin aus Mannheim, mit Blick auf ihre männlichen Schulkameraden, die demnächst ihren Musterungsbescheid per Post bekommen werden. Es sei eine Frechheit, dass die Jugend gezwungen werde, in einen Krieg zu ziehen, der niemandem etwas nütze, außer den Superreichen, sagte Philipp vom Jugendverband Die Falken.
Seine Schulkameradin stimmte ihm zu: „Vom Krieg hat niemand was Gutes“, nur einzelne Politiker und Reiche profitierten von den Konflikten. Hannes aus Mannheim Lindenhof machte das an praktischen Beispielen deutlich. Das Bildungssystem sei schwach, es gebe Lehrermangel und zuletzt wurde sogar über die Schließung eines Mannheimer Jugendtreffs diskutiert. Die Gewinne der Kriegs- und Rüstungskonzerne füllen derweil die Taschen der Ultrareichen.
Video bei YouTube: https://youtu.be/TDRwb8BLGpM
Die Demonstration „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ fand am späten Vormittag statt, für einige also noch in der Schulzeit. „Ich finde, dass es wichtiger ist, unsere Zukunft nicht in der Kaserne verbringen zu müssen, als einen Tag nicht in die Schule zu gehen“ begründete Mitveranstalter David seine Teilnahme. Ein anderer Teilnehmer berichtete, dass er von seinem Lehrer Unterstützung bekam und Flyer zum Schulstreik in der Schule verteilen durfte. Er hatte aber auch von Lehrern an anderen Schulen gehört, die Kinder in Klassenzimmern einsperrten und sogar Bußgelder androhten.
Zweiter Schulstreik unter dem Eindruck neuer Eskalationen
Es war der zweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Als am 5. Dezember des letzten Jahres der Bundestag die Wiedereinführung der Wehrpflicht beschlossen hatte, fand die erste Aktion statt. Das Mannheimer Bündnis beteiligte sich nun zum ersten mal an der bundesweiten Aktion.
Der Termin stand im Zeichen neuer militärischer Eskalationen. Erst vor wenigen Tagen hatte Israel und die USA einen Großangriff auf den Iran gestartet. Der Krieg hat sich auf den Libanon ausgeweitet. Hunderte Soldat*innen und Zivilist*innen sind seitdem durch Bomben gestorben, tausende Menschen sind auf der Flucht. Auch in Europa wächst die Sorge, in einen Krieg hinein gezogen zu werden.
Besonders junge Menschen haben Angst, als Kanonenfutter im Schützengraben zu enden, so wie es im Ukrainekrieg in den letzten vier Jahren schon fast zwei Millionen Menschen erging. Diese Zahl ist eine Schätzung des Center for Strategic and International Studies (CSIS). Die offiziellen Zahlen, die Putin und Selenski veröffentlichen, sind deutlich geringer. Sowohl in Russland, wie auch in der Ukraine, werden junge Männer vom Staat zum Kriegsdienst gezwungen – ob sie wollen oder nicht.
In Deutschland heißt der Zwangsdienst Wehrpflicht und die meisten Parteien, von SPD über Grüne und CDU bis AfD finden das gut. Nur Linke und BSW stellen sich gegen den Zwangsdienst, der seit Anfang des Jahres in Deutschland wieder gilt – bisher auf freiwilliger Basis. Doch viele haben die Befürchtung, dass es mit der Freiwilligkeit schnell vorbei sein könnte.
Zukunftsängste und Lichtblicke
Die Perspektiven sehen düster aus. Die Zeichen stehen vielerorts auf Konfrontation. Konflikte werden zunehmend durch Waffengewalt forciert, Diplomatie wird von vielen Staatsoberhäuptern als gescheitert erklärt, seien es Putin, Trump oder Netanjahu. Auch der deutsche Bundeskanzler reiht sich in die Argumentation der politisch rechts stehenden Staatsoberhäupter ein und buckelt brav vor Trump. Universelle Gesetze, wie das Völkerrecht oder die Menschenrechte, scheinen in diesen Kreisen nicht mehr von Bedeutung zu sein.
Dass in Mannheim dennoch einige hundert, zumeist junge Menschen auf die Straße gegangen sind, ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten.
Zum Ende der Demonstration wurde der aus Pappe gebastelte, mitgeführte Panzer von den zukünftigen Kriegsdienstverweigerern mit Fahnenstangen kaputt geschlagen. Heraus regneten Süßigkeiten. Welch schöne Verwandlung an einem sonnigen Frühlingstag. (cki)
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