Kulturfest auf dem Schillerplatz

Umsonst und draußen: Kulturfest vor dem Schillerdenkmal | Bild: KIM

Bunte Vielfalt statt völkischer Einfalt 

Das jährliche Kulturfest der KünstlerInnen-Initiative um Einhart Klucke, Monika-Margot Steger, Bettina Franke und Bernd Köhler sollte eigentlich wie gewohnt im Juni stattfinden. Jedoch war selbst hier „Klimafolgenanpassung“ erforderlich: Verlegung aus der sommerlichen Gluthitze in den Goldenen Herbst, der dann auch erst zu Ende der letzten Darbietung von Laura Goes Blue erste schüchterne Regentropfen schickte. Die Underground-Band brachte manch älteren Fan zu groovigem Tanzen oder mindestes Fußwippen. Die Humanistischen Frauen Mannheim in ihren kunstvollen Folkloregewändern hingegen tanzten von türkisch-orientalisch bis Rock-Pop. Als Huseyin Kirpi Orglu (Klarinette) von der Orientalischen Musikakademie Mannheim, begleitet von Keyboard und Violine sich in Fahrt spielte, hielt es die Humanistinnen nicht länger auf ihren Plätzen, erst recht nicht, als Akin Demircioglu mit Freunden auf ihren orientalischen Zupfinstrumenten loslegten. Sie hätten wohl noch Stunden gespielt, wenn das Format des Programms sie nicht zum plötzlichen Halt genötigt hätte. Der Vesperkirchenchor Mannheim mit seiner sehr abwechslungsreichen Lieder- und Hitfolge sang mit sichtlicher Freude zur Freude des bunt gemischten Publikums, welches teils verträumt lauschte oder sich mit alten Bekannten austauschte. 

Dann aber trug die KünstlerInnen-Initiative unter der Warnung, der folgende Text sei keine Satire, die Kürzungs- und Streichliste vor, die die AfD-Fraktion im Juni in einen Antrag zum zweiten Nachtragshaushalt gepackt hatte, unter dem Motto: Und wenn nicht jetzt, dann nächstes oder übernächstes Jahr! Wir drucken diese List ausnahmsweise in voller Länge ab, weil sich dann Jede:r ein Bild machen kann, wie die AfD die Stadt kulturell wie auch sozial zugrunderichten würde, wenn sie nur könnte. Es fehlte auch nicht der Hinweis, wie der Angriff auf Kultur und Bildung in Sachsen-Anhalt seitens dieser Partei aussehen wird, wenn sie wahrscheinlich mit Hilfe des BSW in die entsprechenden Machtpositionen kommt. Den Landtagspräsidenten- und den ersten Vizepräsidenten-Posten hat sie bekanntlich bereits durchgesetzt. 

Die Streichliste der AfD im Kulturbereich: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Liste besteht aus 40 Kriegserklärungen. Sie ist kaschiert als Beitrag zur Lösung der Finanzprobleme der Stadt Mannheim. Aber diese Liste steht jenseits aller Finanzprobleme. (Quelle: A345/2026). Sie steht unter dem zynischen Motto der AfD: „Mannheim. Heimat verpflichtet.“

Schlussworte:

 Die KünstlerInnen-Initiative ließ diese AfD-Drohungen jedoch nicht einfach stehen, sondern trug zum Abschluss zwei Zitate von Michael Kraske und Dirk Laabs aus ihrem Buch „Widersetzt Euch!“ und einen Text von Herbert Grönemeyer vor:

Die Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD ist nicht „undemokratisch“!

Grundgesetz und Bundesverfassungsgericht sehen ausdrücklich vor, dass die Demokratie sich gegen ihre Feinde wehren darf!

Das Parteienverbot im Grundgesetz ist eine Reaktion auf die „legale“ Machtübernahme der NSDAP.

Das Verbot ist keine Sofortlösung und kein Allheilmittel!

Aber eben ein wichtiges Instrument des Widerstands, weil es die Organisation und Finanzierung der Rechtsextremen verhindert!

(Widersetzt Euch!)

 

 

Die Gegenwart ist drückend, aber was ist mit der Zukunft?

Auf und in uns liegt der Aufbruch.

Es geht immer um alle von uns, um Anstand, Achtung, Respekt und Verspieltheit, Schwester- und Brüderlichkeit.

Wir tragen als Gemeinschaft genug Wucht, Solidarität und Mitmenschlichkeit in uns, um uns immer wieder neu zu begegnen, uns gegenseitig zu stützen, zu teilen, zuzuhören und zusammen breit und verständnisvoll eine demokratische Zukunft anzuschieben. 

Erzählen, was möglich wird und es dann möglich machen, das ist unser positives Ziel!

(Herbert Grönemeyer)

tht