Türkische Nationalisten treffen auf Widerstand (mit Fotogalerie)
Die für den 25.02.2018 angemeldete Demonstration türkischer Nationalisten am Mannheimer Hauptbahnhof (wir berichteten) wurde laut Polizei-Pressemitteilung vom Anmelder, dem Mannheimer Ableger der Turan-Straßengang, abgesagt. Der Protestmarsch wollte unter dem Motto “Gegen den Terror Hand in Hand” am Sonntagnachmittag durch die Mannheimer Innenstadt ziehen und hätte der gefallenen türkischen Soldaten im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gedenken wollen. Dieses Ansinnen scheiterte aufgrund eines Gegenprotests. Türkische Streitkräfte sind im Januar des Jahres in Syrien einmarschiert mit dem Ziel die kurdische Minderheit im Kanton Afrin zu eliminieren. Starke Polizeikräfte waren vor Ort m Einsatz.
Vorspann:
Seit Wochen wird die Stadt Afrin (kurdisch Efrîn) – Sitz des von ihr verwalteten Distrikts Afrin im Gouvernement Aleppo im Nordwesten von Syrien, der mehrheitlich von Kurden bewohnt wird – vom türkischen Militär mit Artillerie und Luftwaffe massiv bombardiert.
Afrin wurde als Folge des syrischen Bürgerkriegs Anfang 2014 zum Hauptort einer der drei Verwaltungseinheiten der de facto autonomen kurdischen Region Rojava. Die Zahlen der zivilen Opfer, der Verwundeten und Vertriebenen steigt täglich. Das Gebiet um Afrin ist zudem Zufluchtsort für hunderttausende syrische Binnenflüchtlinge.
Trotz der Absage der Demonstration Türkischer Ultranationalisten versammelten sich ca. 30 Anhänger*Innen der AKP/Turan und Osmanen vor dem Mannheimer Hauptbahnhof. Aufgrund des massiven Polizeiaufgebots konnte man zunächst nicht vermuten, dass die Veranstaltung tatsächlich abgesagt war. Bei „Turan“ handelt es sich, ebenso wie bei den „Osmanen“, unseren Erkenntnissen zufolge, um verlängerte Arme der türkischen AKP auf deutschem Boden. Mitglieder von „Turan“ und „Osmanen“ sind für das Grobe zuständig. Diese treten bundesweit, auch schon in Mannheim, als Ordner bei pro-Erdogan Veranstaltungen auf.
Am Hauptportal des Mannheimer Hauptbahnhofs demonstrierte zeitgleich eine starke Gruppe von Kurd*Innen mit antifaschistischer Unterstützung, die u.a. lautstark das Ende des Mordens in Afrin forderten.
IB (Identitäre Bewegung) provoziert
Vertreterinnen der IB suchten den verbalen Streit mit kurdisch-stämmigen Demonstranten. Aussagen wie (sinngemäss): „Dies ist unser Land. Ihr habt hier nichts zu suchen. Geht zurück wo ihr herkommt“. Die Demonstrant*Innen liesen sich dadurch nicht provozieren. Beim Weggehen sagte eine der IB-Frauen: „Scheiss Kanaken“.
Platzverweise und Identitätsfestellungen
Die polizeilichen Einsatzkräfte filmten die Teilnehmer der nicht angemeldeten Demonstrationen umfassend. Angeblich wegen des Verstosses gegen das Vermummungsverbot wurden zwei Demonstranten abgeführt und entsprechender Identitätsfestellungen unterzogen. Insgesamt waren drei Personen von diesen, für diese Redaktion nicht nachvollziehbaren, Massnahmen betroffen. Auf beiden Seiten der Demonstrationsgruppen sprach die Polizei Platzverweise aus.
Vom Polizeiaufgebot getrennt, blieb es bis auf wenige Provokationen türkischer Nationalisten und kurdischen Demonstranten bei verbalen Auseinandersetzungen. Gegen 17.00 Uhr löste die Polizei beide Gruppen auf.
(Bericht und Bilder Johnny Brambach und Christian Ratz)
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