Vor dem ersten Schultag: 4-köpfige Familie wird nachts von der Polizei geholt und abgeschoben

Nachts aus dem Bett gerissen und deportiert – das weckt düstere Assoziationen.

In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich Florian Reck, Landtagskandidat der LINKEN im Wahlkreis Schwetzingen, zu dem auch Eppelheim gehört, und Ecevit Emre, Bundessekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschlands gegen die brutale Abschiebung einer kurdischen Familie mit zwei kleinen Kindern aus Eppelheim in Baden-Württemberg. Für die beiden ist klar: Man kann in der Migrations- und Integrationspolitik unterschiedliche Auffassungen vertreten, wer aber Familien mit kleinen Kindern um vier Uhr nachts aus dem Schlaf reißt, um sie zu deportieren, handelt nicht nur abseits jeder Humanität, sondern der weckt auch düstere Assoziationen an die schlimmsten Zeiten in Deutschland. »Ich war heute morgen, als ich die Nachricht gelesen habe, den Tränen nahe«, so Emre, der selbst Familienvater ist. »Mein kleiner Sohn ist im selben Alter und kommt jetzt auch in die Schule, auch er freut sich, wie der kleine Alieren Gürel seit Tagen auf seine Schultüte und auf den ersten Schultag. Nun stellen Sie sich mal vor: Sie liegen im Bett, können vielleicht vor Aufregung und Freude nicht schlafen, oder Sie träumen schon vom Abenteuer Schule und dann dringen mitten in der Nacht Männer in Ihr Schlafzimmer und reißen Sie brutal aus Ihrer gewohnten Umgebung. Ist das nicht barbarisch?«

Florian Reck ergänzt: »Mit dieser Abschiebepraxis, zeigt die – übrigens grün geführte – Landesregierung mal wieder, dass Humanität für sie einfach keine Priorität hat! Diese Landesregierung zeigt, die AfD oder andere rechtsradikale Kräfte müssen gar nicht an die Macht kommen, denn deren reaktionäre Politik wird schon jetzt in vorauseilendem Gehorsam umgesetzt.«

»Besonders abstrus ist ja, dass die zweifache Mutter Gülay Gürel kurz vor der Abschiebung einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel bekommen hatte, den sie nun nicht antreten kann. Dass auf die Beantragung für eine Duldung im Rahmen der Ausbildungsregelung von amtlicher Seite schlicht geantwortet wurde, dass dies nun zu spät sei, weil die Abschiebung bereits vorbereitet wurde, ist eine Frechheit: Unzählige Ausbildungsplätze im Einzelhandel bleiben in diesem Jahr wieder einmal frei, was vor allem kleine und mittlere Betriebe schwer trifft, aber dieser Familie gibt man trotz aller Integrationsbemühungen, trotz bekannter Verfolgung der kurdischen Minderheit in Erdogans Türkei, keine Chance, richtig hier anzukommen!«, so Reck, der selbst als Ausbilder im Einzelhandel tätig ist, weiter. »Es ist mir unbegreiflich, wie eine angebliche Einzelfallprüfung, die ja angeblich vorgenommen worden sein soll, ausgerechnet bei dieser Familie zu einer Negativentscheidung geführt haben soll!«

Gemeinsam mit dem Kreisverband Rhein-Hardt der LINKEN fordern die beiden einen solidarischeren Umgang mit Geflüchteten und eine progressive Asylrechtsreform sowie eine bessere Integrationspolitik. Die Abschiebung der Familie Gürel solle rückgängig gemacht werden. »Diese Menschen brauchen unseren Schutz, und sie bereichern unsere Gesellschaft in Deutschland«, erklärt Emre. »Ich bin selbst immer wieder von radikalen Erdogan-Anhängern attackiert worden, und Sie können sich nicht vorstellen, wie die Verfolgung in der Türkei immer schlimmer wird – vor allem für Kurdinnen und Kurden. Erst heute sind ja wieder 82 Mitglieder der demokratischen Oppositionspartei HDP, die sich in der Türkei für Minderheitenrechte stark macht, willkürlich verhaftet worden.«

(Bericht: Florian Reck)