Vorträge, Konzerte, Tag der offenen Tür und Nachttanzdemo – Das JUZ feiert 45 Jahre Selbstverwaltung in Mannheim

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Der Nullte Mai wird immer wieder als Geburtsstunde des JUZ Friedrich Dürr in Mannheim genannt. Am 1. Mai 1973 öffnete dann endlich Mannheims selbstverwaltetes Jugendzentrum nach langen Kämpfen und Außeinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Stadt. “Seither füllten Generationen von Jugendlichen aus Mannheim und weit darüber hinaus das JUZ mit Leben und Inhalten und stellten immer wieder von Neuem ein buntes Kulturprogramm mit überregionaler Bedeutung auf die Beine.”, schreibt das JUZ in seiner Einladung. Benannt ist das Haus nach dem Arbeiter und Kommunisten Friedrich Dürr, der sich als Jugendlicher gegen den Faschismus auflehnte, ins KZ Dachau kam und beim Aufstand von der SS erschossen wurde. Die Feierlichkeiten zum 45. jährigen Bestehen im Jahr 2018 erstrecken sich über drei Monate. Die Geburtstagsgesellschaft erwarten Vorträge, Konzerte, Partys, ein Tag der offenen Tür und eine Nachttanzdemo durch die Stadt.

Im Gemeinderat 2017 noch gegen den rechten Block verteidigt

Dass Selbstverwaltung keine Selbstverständlichkeit ist, mussten die JUZ-Aktiven Ende des letzten Jahres wieder einmal im Gemeinderat erfahren. Zu den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2018/2019 stellten die CDU-Gemeinderatsfraktion und der Einzelstadtrat Ferrat Anträge, dem JUZ alle finanziellen Mittel und die Überlassung der Räume zu streichen, was einer Schließung der Einrichtung gleich gekommen wäre. Für CDU und Ferrat wurde die Angelegenheit zum politischen Desaster. Letztlich bildeten sie in der Frage des JUZ einen rechten Sumpf zusammen mit Resten der ehemaligen AfD-Fraktion und dem NPD-Stadtrat Hehl und unterlagen mit ihrem Antrag einer breiten Mehrheit aus allen anderen Fraktionen, die sich hinter das JUZ stellten. Selbst einige CDU-Stadträte stimmten gegen den Antrag der eigenen Fraktion, allen voran CDU-Gallionsfigur Nikolas Löbel. Nach dieser Blamage scheint das JUZ politisch erst einmal wieder gesichert.

“45 Jahre extrem demokratisch”

JUZ Friedrich Dürr | Bild: JUZ

Die Auseinandersetzung 2017 war natürlich nicht der erste politische Verteidigungskampf, den das JUZ führen musste. Aus dem rechten politischen Lager gab es von Anfang an Anfeindungen, immer wieder wurde versucht, dem JUZ die Mittel zu kürzen. Während in den 70er und 80er Jahren in Zeiten des Kalten Krieges vor allem der “Antikommunismus” bedient wurde, ist es heute der vom Geheimdienst “Verfassungsschutz” erfundene Extremismus-Begriff, der dazu genutzt wird, die basisdemokratische, antifaschistische und soziokulturelle Arbeit im JUZ zu diffamieren.

Eine Erfahrung in den Etatberatungen 2017 war es, dass in Teilen der Politik nicht bekannt ist, was genau im JUZ überhaupt geschieht. Da haben es rechte Demagogen natürlich leicht, wenn sie Passagen aus dem “Verfassungsschutzbericht” zitieren, um das JUZ in Verruf zu bringen. Um diese Situation zu ändern, wurde eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit gestartet. Die vielfältigen Angebote und Veranstaltungen sollten Aufmerksamkeit finden. Im Nachgang dieser Kampagne wird es zum JUZ-Geburtstag auch einen Tag der offenen Tür geben, zu dem gezielt Politiker*innen eingeladen werden, die sich dann ein authentisches Bild vom JUZ machen können.

Auch Vortragsveranstaltungen thematisieren unter anderem den Begriff des “Extremismus” und die problematische gesellschaftliche Rolle des “Verfassungsschutz”, der nicht nur durch seine Verstrickungen in das NSU-Netzwerk eindrücklich bewiesen hat, dass er kein Verteidiger der Demokratie, sondern ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg ist, das besser heute als morgen abgeschafft werden sollte.

 

Übersicht über die Veranstaltungen von April bis Juni

24.4. Konzert: Tarantüla invade Mannheim

28.4. Konzert: 10 Jahre Youth Against Everything Fest

4.5. Ravepunk: Robosaurus, Tathandlung, GrGr & Maevix

5.5. Konzert: Neighborhood Brats // Marbled Eye

11.5. Konzert: Kids Insane + Slope – JUZ Mannheim

17.5. Vortrag: Die Rolle der Bundesanwaltschaft im Münchener NSU-Prozess

19.5. Festival: Pfingstfest 2018 – Punk & Hardcore Festival

26.5. Konzert: Shattered Lions / Nautilus / Born As Lions / I Saw Daylight

27.5. Tag der offenen Tür (u.a. mit Vollversammlung, Hausführungen, Workshops und Vorträgen zu den Themen “Extremismus” und “Geschichte der Jugendzentrumsbewegung” und einem Konzert am Abend)

31.5. Vortrag: NSU-Komplex und Antisemitismus 2.0

2.6. Nachttanzdemo durch die Innenstadt mit anschließender Party im JUZ

5.6. Podium: Zwei jüdische Perspektiven auf die 68er

7.6. Vortrag: Demokratieschutz als Staatsschutz – der Feind steht links

Weitere Infos: www.juz-mannheim.de

(juz/cki)