Mahnwache für Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau

Vor gut drei Monaten ermordete Tobias R. zehn Menschen: 9 Mitbürger mit Migrationshintergrund und seine eigene Mutter. Die Ermittlungsbehörden gehen von rassistischen Motiven bei den Taten aus. Befragt werden kann der mutmaßliche Mörder nicht mehr. Dieser hatte sich nach der Tat selbst gerichtet (*).

Zum Gedenken an die Opfer und zur Erinnerung an die schreckliche Tat veranstalteten Gewerkschafter*innen und Künstler*Innen am 31.05.20 eine Mahnwache auf dem Mannheimer Marktplatz. Erinnert werden sollte auch an die Anschläge in Halle, bei dem zwei Menschen zu Tode kamen. Die Teilnehmer*innen hatten Schilder mitgebracht, auf denen zu lesen war um was es ihnen inhaltlich ging. Zu lesen war u.a. „Say their names“ (Sag‘ ihre Namen), „Rassismus tötet“ und „I can’t breathe“ (Ich bekomme keine Luft). Letztere Aussage steht in Bezug mit der Tötung eines Afroamerikaners in den USA durch Polizeibeamte.

In einer Pressemitteilung der Organisatoren schreiben diese:

Wir wollen mit unserer Mahnwache das Gedenken an die Opfer von Hanau an diesem Ort aufrechterhalten. Es ist unerträglich, dass genau hier in den letzten Wochen unter anderem Theorien verbreitet werden, die dem Täter vom 19. Februar den Weg bereiteten”, sagt Sebastian Gödecke, Gewerkschaftssekretär (IGBCE; Anm. d. Red.) und Mitorganisator.

Die 30 teilnehmenden Personen gedachten den Opfern mit je einer Schweigeminute, Redebeiträgen, Musik und Gedichten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich in Erinnerung an das Attentat tief betroffen. Auf Plakaten machten sie auf den Zusammenhang von Verschwörungstheorien und Vernichtungsfantasien aufmerksam und stellten auch einen Bezug zum Tod von George Floyd in den USA her.

Während der Versammlung warnten sie vor der Ausbreitung rassistischer Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit den deutschlandweiten sogenannten Querdenken-Demonstrationen, die direkt im Anschluss ebenfalls auf dem Marktplatz stattfand. So appellierte Rana Estedt, Mitorganisatorin und Musikerin, in ihrem Beitrag: “Die Querdenken-Demonstrationen werden in weiten Teilen von Nazis unterwandert, welche dort ungehindert ihre menschenverachtenden Weltanschauungen verbreiten. Es gibt schon längst keine Entschuldigung mehr dafür wegzusehen.”

Die Veranstaltung war vor allem geprägt von stillem Gedenken.

Nach Beendigung der Mahnwache kam es zu teilweise heftigen Diskussionen mit mutmaßlichen Querdenkern, die bereits auf ihre eigene Versammlung warteten. Dabei vertraten die Querdenker Theorien um eine Weltverschwörung durch Bill Gates und rechtfertigten, dass bei ihren Versammlungen alle Gleichgesinnten – auch Rechtsradikale- willkommen seien. Der Meinungsaustausch verlief hitzig aber ebenfalls friedlich.“

Ein Bericht zur Veranstaltung der Iniative Querdenken / Corona-Rebellen gibt es hier: Ist die Luft raus? Corona-Demos verlieren an Zulauf

(*) https://www.ekhn.de/service/angebote/diakonie-und-unterstuetzung/hilfe-fuer-suizidgefaehrdete.html

 

 (Bericht mit Material einer PM und Fotos: Christian Ratz)

 

Siehe auch

Ist die Luft raus? Corona-Demos verlieren an Zulauf