Um was geht es im Iran-Krieg? Bericht über eine Veranstaltung in Mannheim

Veranstaltung im Bürgerhaus Neckarstadt-West

„Um was geht es im Iran?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich der aus dem Iran stammende Politikwissenschaftler Prof. Mohssen Massarrat bei der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung der Gruppe MA-LU der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen, DFG-VK am 12. Oktober 2026 in Mannheim. Es waren 80 Interessierte gekommen. Detlef Hintze hat Massarrats Äußerungen folgendermaßen zusammengefasst.

Krieg um Vormacht und ums Öl im Nahen Osten

Prof. Massarrat über US-Hegemonie und Folgen einer Niederlage

„Der Iran-Krieg ist für alle drei Kriegsparteien existenziell“. Zu dieser Einschätzung kommt der Politologe und Ökonom Prof. Mohssen Massarrat jüngst bei einem Vortrag „Iran und die Krise der US-Hegemonie“ in Mannheim. Massarrat wurde im Iran 1942 geboren, lebt aber seit 1961 in Deutschland.

Seit dem Ende des 2. Weltkriegs und dem Boom des Erdölzeitalters habe die USA weltweit ihren Zugriff auf das Öl und seine Transportwege militärisch gesichert. Billigöl, so Massarrat weiter, sei die Basis für die Prosperität der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit. Zugleich war und sei es aber auch heute eines der Hauptprobleme für die Klimakatastrophe. Den USA war es teils durch Knebelverträge gelungen in Nahost mit Saudi-Arabien und den Emiraten die Ölförderung durch amerikanische Gesellschaften zu kontrollieren und zugleich den Dollar (Petrodollar) als die Verrechnungswährung global zu installieren. Als sich der Irak und Libyen vom Petrodollar lösen wollten wurden die Machthaber Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi kriegerisch beseitigt.

Öl war und ist bis in die Gegenwart, meint Massarrat, der Hebel der USA gegenüber China, Russland, Indien und den westlichen Verbündeten. Eine Niederlage der USA im Krieg mit dem Iran würde dieses amerikanische Netz erschüttern und die Vormachtstellung in Frage stellen. Sollte der Iran sich mit seiner Forderung nach Durchfahrtgebühren an der Straße von Hormus durchsetzen hätten die USA Einfluss auf den von ihnen indirekt kontrollierten globalen Ölhandel eingebüßt.

Auch Israel müsste im Falle einer Niederlage mit Folgen rechnen. Damit wäre der Versuch religiös motivierter Zionisten und Rechtsextremisten in der Jerusalemer Regierung gescheitert, ein Großisrael zu schaffen. Geopolitisch würde zudem der Einfluss des Iran in der gesamten Region wachsen und nach Massarrats Meinung wäre sogar die Existenz des Staates Israel dann bedroht.

Was steht für den Iran auf dem Spiel? Als der 1951 demokratisch gewählte Regierungschef Mohammad Mosaddegh die iranischen Ölquellen verstaatlichen wollte, haben ihn die USA und Großbritannien weggeputscht und den Schah als Staatschef eingesetzt. Er wurde 1976 durch die islamische Revolution unter Ayatollah Khomeini abgelöst. Nach einer gescheiterten militärischen US-Intervention folgte ein blutiger Stellvertreterkrieg zwischen Irak und Iran.

Gegenwärtig bezeichnet Massarrat die Situation im Iran als katastrophal als Kriegsfolge und infolge der Sanktionen. In der Regierung gebe es zwei Flügel – einen antiwestlich radikal fundamentalistischen sowie einen islamischen Reformflügeln der wohl bereit wäre amerikanische Bedingungen zu akzeptieren. Durch den andauernden Krieg allerdings sieht Massarrat trotz grassierender Armut im Land und mangelnder Legitimität der Regierung die Einheit des Irans nicht gefährdet. Im Gegenteil: nach dem kriegerischen Angriff von außen scheint es als rücke die Bevölkerung zusammen.

Angesichts der momentan schwierigen Wirtschaftslage und dem negativen Iran-Bild in westlichen Gesellschaften weist Massarrat auf eine Reihe von Erfolgen der Regierung hin. Es gebe nicht nur die schlimmen Menschenrechtsverletzungen sondern in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sei es gelungen alle Städte und Dörfer mit Straßen zu verbinden und allerorts für sauberes Trinkwasser zu sorgen. Die medizinische Versorgung im Land sei damals auf- und ausgebaut worden. Bildung, Schulen und Universitäten – gerade für Frauen – seien bis heute exzellent.

Viele Akademiker würden nach dem Examen das Land verlassen, weil es nicht genug Arbeitsplätze gebe.

Außenpolitisch ist der Iran mit Russland verbündet sucht aber auch engere Kontakte zu China- weniger militärisch, eher wirtschaftlich. Eine größere Kooperation mit China verhindert nach Ansicht Massarrats der eher westlich orientierte Regierungsflügel und die einflussreiche Händlergruppe aus den Basars. Sie können nahezu alle Waren beschaffen. Die mangelnde Kaufkraft spiegelt sich aber in einer hohen Inflation wider sowie in einer Bevölkerung in der 60 Prozent unterhalb der Armutsgrenze leben.

Text: Detlef Hintze, Fotos: DFG-VK-MA-LU