„Wir wollen uns vergrößern“ – Das Linke Zentrum Ewwe Longts plant einen Hauskauf
Das Linke Zentrum Ewwe Longts will sich vergrößern und ein Haus kaufen. Ein Gebäude hat die Projektgruppe bereits im Blick: Ein Wohn- und Geschäftshaus in den S-Quadraten in der Nähe des Marktplatzes. Wenn alles klappt, soll der Umzug nächstes Jahr stattfinden und der Kauf mit Unterstützung des Mietshäuser Syndikats erfolgen.
Zeit für größere Räume
Das Linke Zentrum Ewwe Longts gibt es seit 2019 in der Mannheimer Neckarstadt-Ost in den Räumen eines ehemaligen Ateliers in der Kobellstraße. Seitdem hat sich Zentrum auf gerade einmal 100 Quadratmetern zu einem wichtigen Treffpunkt und Veranstaltungsort für linke Gruppen in Mannheim entwickelt. „Wir platzen aus allen Nähten, wir sind überbucht“ berichtet Vincent von der Hausprojektgruppe im Ewwe Longts. Teilweise fänden Plenas und Treffen in beiden Räumen parallel zueinander statt und bei den Veranstaltungen sei die Raumgröße oftmals nicht ausreichend.
Zur Zeit seien acht Gruppen im Ewwe Longts regelmäßig aktiv, dazu kämen weitere, die Räume gelegentlich nutzen und Einzelpersonen. Bei einer Klausurtagung vor zwei Jahren habe man beschlossen, neue Räume zu suchen und idealerweise ein Haus zu kaufen. „Wir wollen unabhängig von öffentlichen Geldern und Förderungen bleiben, um uns in unserer politischen Haltung nicht einschränken zu müssen“, begründet Vincent die Entscheidung, das Haus selbst finanzieren zu wollen.
Im Videointerview stellen Vincent und Dina vom Ewwe Longts ihre Pläne zum Hauskauf vor | Video: studio tərn
Projektentwicklung im Verbund des Mietshäuser Syndikats
Auf der Klausurtagung sei ein Rahmen festgelegt worden: Mindestens 200 Quadratmeter für politische Gruppen und Veranstaltungen, dazu Wohnraum für Mietwohnungen und die finanzielle Unabhängigkeit.
Gleichzeitig hat das Ewwe Longts weder eigenes Kapital, noch einen finanziellen Sponsor. „Wir setzen auf unser Netzwerk“, sagt Vincent mit Blick auf die bereits gestartete Direktkredit-Kampagne. Unterstützer*innen können den Hauskauf mit Direktkrediten mitfinanzieren. Das sind nachrangige Darlehen, die ohne den Umweg über eine Bank von Privatpersonen direkt an das Projekt gehen und das finanzielle Fundament bilden, um einen Bankkredit zur Hausfinanzierung zu bekommen.
Was sich ungewöhnlich anhört, ist über den Projektverbund Mietshäuser Syndikat (MHS) bestens erprobt. Im MHS sind bundesweit mehr als 200 Hausprojekte vernetzt, die das Ziel haben, Häuser dem Immobilenmarkt zu entziehen und in die Selbstverwaltung der Mieter*innen zu überführen. Das sind vor allem Wohnhäuser, es gibt aber auch Kulturzentren und Mischformen. Das Ewwe Longts kann so von einem großen Netzwerk mit breiter Expertise profitieren und den Hauskauf dauerhaft absichern.
In Mannheim gibt es bereits drei Häuser im Verbund des Mietshäuser Syndikats: Dreizehn Hektar Freiheit, SWK und umBAU² Turley. Alle drei befinden sich auf dem Konversionsgelände Turley.
Der Kauf einer Immobilie im Verbund des MHS bedeutet, dass kein Privateigentum entstehen kann. Das Haus gehört einem GmbH-Konstrukt aus Bewohnerverein (ermöglicht die Selbstverwaltung der Mieter*innen) und Dachverband MHS (zur Verhinderung von Spekulation und Weiterverkauf). Dennoch ist das Haus im Besitz einer privatwirtschaftlich organisierten GmbH, was Vincent begrüßt: „Es ist dann unser Eigentum und kann uns nicht so einfach weggenommen werden.“ Dieser Umstand sei gerade bei den aktuell sich zuspitzenden politischen Verhältnissen und dem Rechtsruck wichtig.
Das Haus in den S-Quadraten
Welches Haus gekauft werden soll, steht bereits fest. Nach anfänglich schwieriger Suche, habe sich ein Hausbesitzer ans Ewwe Longts gewandt und seine Immobilie in den Quadraten angeboten. Das 1899 erbaute Haus befindet sich in S2 in der Nähe des Marktplatzes und sei in gutem Zustand.
Im Erdgeschoss gibt es zwei Ladengeschäfte: Der Weltladen soll weiterhin dort bleiben, daneben soll das neue Ewwe Longts einziehen. „In den neuen Räumen haben wir dann etwas mehr als 200 Quadratmeter, verteilt auf drei Räume“, berichtet Vincent. Darüber und im Hinterhaus befinde sich Wohnraum, der teilweise bereits vermietet sei und teilweise von Aktiven aus dem Umfeld des Ewwe Longts bezogen werden kann. Es gebe außerdem einen Hinterhof, einen Keller und die Perspektive, dass Dachgeschoss auszubauen.
Mit dem aktuellen Finanzierungsplan wolle man einen Mietpreis von ungefähr 10 Euro/m² Kaltmiete erreichen.
Der aktuelle Stand
Von den anvisierten 700 000 Euro an Direktkrediten, die das Ewwe Longts entsprechend ihres Finanzierungsplans an Direktkrediten einsammeln muss, habe man bereits Zusagen über 260 000 Euro. Der Hausverein, der später zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat das Haus kaufen soll, sei aktuell in Gründung.
Ferner ist das Ewwe Longts im Kontakt mit der Stiftung des Mietshäuser Syndikat, die das Grundstück kaufen soll. Das soll dann im Rahmen eines Erbpachtvertrags ans Ewwe Longts vermietet werden, so die Pläne.
Doch es warten auch einige Herausforderungen. Da ist zum einen die Finanzierungslücke von mehreren hunderttausend Euro, die in den nächsten Monaten geschlossen werden muss. Und die Bestandsmieter*innen in Gewerbe- und Wohnräumen müssen ins Projekt integriert werden. Auch hier hat das Mietshäuser Syndikat positive Beispiele vorzuweisen, dass so etwas gelingen kann.
Da die Finanzierung und der Hauskauf realistischerweise noch mindestens ein Jahr benötigen werden, das Ewwe Longts aber bereits jetzt aus allen Nähten platzt, sollen als Interimslösung die neuen Räume als Mieter beim alten Hausbesitzer bezogen werden. Darüber habe man sich bereits verständigt, so dass in einigen Monaten die neuen Räumlichkeiten schon eingeweiht werden könnten.
(cki)
Interessierte sind eingeladen zum Mitmachen
Die nächsten Infotreffen zum Ewwe Longts Hausprjekt finden statt:
Dienstag, 10. November um 19 Uhr im Weltladen (S2,3)
Sonntag 29.November um 17 Uhr im ewwe longt’s (Kobellstraße 20)
Sonntag 20.Dezember um 17 Uhr im ewwe longt’s (Kobellstraße 20)
Webseite: https://www.ewwe-longts.de/hausprojekt/
















