Mannheimer Galeria-Immobilie offenbar verkauft. Ist sie Spekulationsobjekt oder hat das insolvente Galeria-Kaufhaus eine Zukunft?
Das Galeria-Gebäude am Paradeplatz in Mannheim bekommt nach Recherchen von KIM offenbar einen neuen Eigentümer. Ob der Kaufvertrag schon unterschrieben ist und wer das Haus übernehmen wird, ist noch nicht offiziell bekannt gegeben worden. Bislang hieß es die Eigentumsverhältnisse der Immobilie seien noch ungeklärt, weil sie immer noch unter Verwaltung der Insolvenzmasse des zusammengebrochenen Signa-Konzerns von René Beko stünde. Kaufinteressenten für das Gebäude gab es wohl einige. Der Mannheimer „Projektentwickler“ Egon Scheuermann, wurde von Oberbürgermeister Christian Specht bevorzugt behandelt, so kritisieren Insider. Doch Scheuermann kam mit seinem Kaufbegehren nicht zum Zug. Er wollte die Immobilie nach einem Erwerb an Galeria dann vermieten. Einem anderen Kaufkonkurrenten sollen, nach dessen Aussage, eine halbe Million Euro geboten worden sein; und zwar von Scheuermann, damit er vom Erwerb der Galeria-Immobilie zurücktrete. Der Konkurrent schildert die Lage so, dass er, nachdem der Insolvenzverwalter und der Mannheimer Oberbürgermeister ein Gespräch geführt hatten, plötzlich aus dem Rennen war, obwohl schon ein Notartermin für den Kauf der Immobilie verabredet war.
Doch wer ist der neue Eigentümer in Mannheim? Ist es einer der Investoren, die sich bereits bei Galeria-Immobilien bedient haben?
Da wäre z.B. Daniel Hopp, der die Galeria-Immobilie in Heidelberg am Bismarckplatz gekauft hat. Er winkte bei Mannheim aber schon ab, auf Nachfrage von MM und dpa.
Oder die Schwarz-Gruppe des Heilbronner Multi-Milliardärs Dieter Schwarz. Die Galeria-Immobilie im Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim hat die Kaufland-Stiftung von der Schwarz Gruppe bereits übernommen. Dort wird ein Lidl platziert, aber was aus der Galeria dort wird ist ungewiss.
Und dann ist da noch die Balfin Group: Die Immobiliengruppe des albanischen Unternehmers Samir Mane soll bereits die Galeria-Immobilien in Hannover und Bonn erworben haben.
Was sind die Pläne des neuen Eigentümers mit der Galeria-Immobilie?
Was nun der neue Eigentümer mit der Immobilie plant ist ungewiss. Der bisherige Mietvertrag mit den Eigentümern des Warenhausunternehmens Galeria, dem US-Investor Richard Baker und dem Mannheimer Unternehmer Bernd Beetz läuft Ende Januar 2027 aus. Die beiden Eigentümer haben mit dem Insolvenzantrag faktisch die Geschäftsführung an den vorläufigen Insolvenzverwalter Frank Kebekus übergeben. Und für die rund 100 Beschäftigten bei Galeria in Mannheim, die derzeit Insolvenzgeld statt Gehalt beziehen, geht die Hängepartie erneut weiter. Denn davon abgesehen, dass das Geschäftsmodell Warenhaus sich wahrscheinlich tatsächlich aufgrund des Onlinehandels so nicht mehr am Markt halten kann, sind überteuerte Mieten einfach das Hauptproblem. Und je nachdem wie hoch der neue Eigentümer die Miete für das Haus ansetzen wird, könnte sich das Warenhausgeschäft nicht rechnen und der Insolvenzverwalter würde dann wohl die Reißleine ziehen und es schließen.
Dabei hatte die Li.Par.Tie.- (heute LTK-)Fraktion schon im April 2024 nach der dritten Insolvenz den Ankauf der Immobilie durch die Stadt oder eine Tochtergesellschaft gefordert. Z.B. durch ein Vorkaufsrecht, bei einer möglichen Versteigerung aus der Insolvenzmasse der Signa-Holding oder in direkten Verhandlungen. Denn als Eigentümerin könnte die Stadt am effektivsten Wirtschaftspolitik für die Bedürfnisse der Mannheimer Innenstadt betreiben und dafür sorgen, dass der bedeutende Einzelhandelsstandort durch die drohende Schließung der Galeria-Kaufhof-Filiale nicht geschwächt wird. Der Antrag wurde seinerzeit „durch eine Stellungnahme der Verwaltung erledigt“.
Eingeschränkter Weihnachtsverkauf in der Insolvenz
Momentan geht der Vorweihnachtsverkauf in der Galeria weiter. Wegen einer neuen Kreditfinanzierung u. a. über US-Investoren wie der Investmentgesellschaft Gordon Brothers bleiben die Filialen vorerst geöffnet, um das wichtige Weihnachtsgeschäft zu sichern. Allerdings gibt es durch die Insolvenz Einschränkungen bei der Ware. Zahlreiche Premium-Marken, darunter Geox und Zwilling, sind in den Regalen physisch weggesperrt oder dürfen nicht verkauft werden, weil die Ware als Kreditsicherheit für US-Finanziers dient. Auch der Kundenservice ist stark eingeschränkt, z.B. besteht keine telefonische Erreichbarkeit.
Die Verantwortung für die erneute Insolvenz sieht die Gewerkschaft ver.di klar beim Management und bei den Eigentümern. Es sei zu wenig in die Häuser und in ein attraktives Sortiment investiert worden und zu wenig auf die Beschäftigten gehört, die ihre Kundinnen und Kunden am besten kennen, so ver.di.
Miteigentümer Bernd Beetz schiebt angeblich die Verantwortung auch dem Management zu. Die Insolvenz sei „grundsätzlich vermeidbar“ gewesen, sagte er der BILD-Zeitung, der Umbau gehe zu langsam voran. Er und sein Mitinvestor, der US-Amerikaner Richard Baker, hätten viel eigenes Kapital investiert. Beetz und Baker betonen, dass sie das operative Geschäft im Sommer 2024 ohne nennenswerte Vermögenswerte oder Immobilien übernommen haben, da diese zuvor im Signa-Geflecht gelandet waren. Sie stellen sich als Investoren dar, die ein von René Benko bereits „ausgehöhltes“ Unternehmen geerbt haben, dessen Mietverträge und Lieferantenbeziehungen langfristig ruiniert waren. Insider und Gewerkschaft schildern im SPIEGEL etwas anderes: Die Eigentümer hätten kaum nennenswerte Eigenmittel bereitgestellt und sich stattdessen etwa Beratungsleistungen von Galeria bezahlen lassen. Zudem: Die juristische und wirtschaftliche Trennung zwischen dem System Benko und den neuen Eigentümern greift laut Kritikern zu kurz, da Richard Baker selbst tief in die Vorgeschichte verstrickt sei: Der US-Investor sei kein unbeschriebenes Blatt im Konzern. Ihm gehörte Galeria Kaufhof bereits von 2015 bis 2019. Handelsexperten und ehemalige Geschäftsführer betonen, dass bereits Baker damals den Konzern habe ausbluten lassen, Immobilien in eigene Gesellschaften ausgliedert und die Erlöse abgezogen habe, bevor er die Kette an René Benko weiterverkaufte.
Aus ver.di-Sicht müssen das Management und der Insolvenzverwalter jetzt schnell offenlegen, was die Beschäftigten erwartet. Denn jeder ist gespannt, wie es in der Immobilie am Paradeplatz nach einem Verkauf weitergeht.
Text: Harald Bürk | Bilder: Halrald Bürk und privat.

















