Mannheim: Erfolgreiche 1. Mai Feier der Gewerkschaften [mit Bildergalerie]

Der 1. Mai-Feier des DGB und seiner Einzelgewerkschaften war in diesem Jahr sehr erfolgreich. Es waren deutlich mehr Menschen auf den Beinen wie in den letzten Jahren zuvor. Bei der Demonstration versammelten sich nach Veranstalter- und Polizeiangaben etwa 1.000 Menschen. Bei der Kundgebung etwa 2.500 Menschen.

Das Mehr an Menschen ist vor allem einer größeren Teilnahme von jüngeren Menschen aus der Gewerkschaftsjugend und dem antikapitalistischen Block zu verdanken. Die Reden waren gut, wenn gleich die Hauptrede von Michael Futterer, dem stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Baden-Württemberg, zu lange geraten ist.

Arbeiten wie ein Roboter im Krankenhaus und Altenheim

Besonders gut kam eine Aktion von Beschäftigten aus Krankenhäusern und Altenheimen an. Als Roboter verkleidet, machte Jede/r Einzelne in einer kurzen Ansprache deutlich, dass sie schuften müssen wie Roboter:

Pflegekräfte müssen oft nachts alleine bis zu 40 Patienten versorgen. Ärzte im Bereitschaftsdienst arbeiten oft 24 Stunden und länger am Stück. Therapeuten haben oft nicht die nötige Zeit, oft fallen Therapien aus. Auch Reinigungskräfte schuften wie Roboter, weit über 200 m²/Stunde, das ist normal in deutschen Krankenhäusern. Hinzu kommen die Beschäftigten aus dem Lager, aus der Logistik, der Küche, den Servicekräften und die Sicherheitsdienste, die mittlerweile alle in billige Servicegesellschaften abgeschoben sind, um die Kosten nach unten zu drücken. Ohne diese Beschäftigten würden, die Klinken zusammenbrechen.

Die Aktion endete mit dem gemeinsamen Appell: „Wir schuften wie Roboter – wir sind aber keine Roboter. Wir sind Menschen, die andere Menschen gesund machen wollen. Damit das funktioniert, muss sich noch viel ändern. Nein wir sind keine Roboter und das soll auch so bleiben!“

Der Betriebsratsvorsitzende des Klinikum Mannheim, Ralf Heller, machte deutlich, dass im Gesundheitsbereich durchaus hohe Profite erzielt werden. Das sei aber gleichzeitig Teil des Problems, da zu Lasten der Beschäftigten und der Qualität der Pflege gespart werden würde. Er nannte hierbei insbesondere die privaten Krankenhauskonzerne wie Helios und Fresenius, die hohe Renditen abschöpfen, und die öffentlichen Krankenhäuser unter Druck setzen.

Außerdem sprachen ein Vertreter der Gewerkschaftsjugend, der unter anderem auf die Bedeutung der Solidarität mit den Flüchtlingen in Seenot (Projekt Seebrücke) hinwies und Wolfgang Alles als Vertreter des überbetrieblichen Soilidaritätskomitees. Die Livemusik mit ewo² war wieder mal sehr gut, die Spezialitätenstände und die vielen Infostände ebenfalls.

Unnötiger Polizeieinsatz

Einen dunklen Schatten gab es allerdings. Von Anfang an war das Polizeiaufgebot, allein 6 Wannen bei Beginn der Demonstration, sehr groß. Aus der Vergangenheit weiß man, dass dieses Aufgebot meistens der Antifa oder den Kurden gilt, wenn mal wieder eine einzelne verbotene Fahne oder das Bild von Öcalan gezeigt wird.

Diesmal war es eine Person, die beim Einbiegen des Demozugs in den Marktplatz, durch einen Trupp Polizisten dingfest gemacht wurde, da er angeblich einen Rauchtopf entzünden wollte. Ein Gewerkschaftssekretär, der in dieser Situation schlichten wollte, und eine Frau, wurden dann ebenfalls festgenommen. Der Gewerkschaftssekretär wurde sogar zu Boden gebracht. Alle 3 wurden nach Feststellung der Personalien wieder frei gelassen, aber die Versammlung wurde durch den Polizeieinsatz erheblich gestört. Vom Podium aus, wurde der Einsatz der Polizei als überzogen scharf kritisiert. Wenn es Probleme gebe, sei das mit der Demoleitung abzusprechen. Der Einsatz werde noch ein Nachspiel haben.

(Text: Roland Schuster | Bilder: Helmut Roos)

 

Siehe auch:

1. Mai Mannheim: Polizeieinsatz beim Gewerkschaftsfest – viel Rauch um nichts