Drei rote Pfiffe tönen über den Lechleiterplatz.

Am 15.09.1943 wurden 14 Mitglieder der Widerstandsgruppe Lechleiter in Stuttgart hingerichet. Auch gestern nahmen über 100 Menschen an der jährlichen Kundgebung zum Gedenken an den mutigen Widerstand dieser 14 und vieler weiterer Personen teil, die bereit waren sich der Gewalt und dem Terror des Nazi- Regimes entgegen zu stellen. 

Bekannt ist die Gruppe vor allem durch die Produktion und das Verteilen des „Vorboten“ in Mannheim und Umgebung. Im Vorboten wurde Aufklärung über die Entwicklungen und Hintergründe des Krieges veröffentlicht und vor allem Arbeiter*innen in den zahlreichen Mannheimer Großbetireben wurden dazu aufgerufen sich gegen den Hitlerfaschismus zu stellen. Nachdem die Gruppe an die Gestapo verraten wurde, folgten Verhaftungen und Folter. Am 15. Mai 1943 wurden die verbliebenen Überlebenden vom „Volkgerichtshof Mannheim“ zum Tode verurteilt. 1945 wurde der Platz in der Schwetzingerstadt nach Lechleiter benannt und 1988 wurde der Gruppe ein Denkmal gesetzt, vor dem das jährliche Gedenken stattfindet.

In den Beiträgen am gestrigen Abend wurde nicht nur die Notwendigkeit des Gedenkens an widerständiges Verhalten gegen Unterdrückung und Gewaltherrschaft betont, sondern auch dessen Vielfältigkeit deutlich. In einem Redebeitrag des Queeren Zentrums Mannheim (QZM) wurde auf den Widerstand queerer Personen hingewiesen, die sich gegen Pathologisierung und Kriminalisierung zu wehr setzen mussten und schweren Strafen oder massiven körperlichen Eingriffen wie Sterilisationen ausgesetzt waren.

Musikalisch wurde die Veranstaltung auch dieses Jahr durch den „Chor für Menschen, die nicht singen können“ begleitet. In dem bewegenden Lied „Drei rote Pfiffe“ der Band Schmetterlinge wurde die Geschichte der slowenischen Partisanin Helena Kuchar alias „Jelka“ vertont. Darin erzählt die ältere Jelka ihren Enkeln vom Widerstand und endet mit der Mahnung:

„Ihr, meine Enkel, was hört ihr so stumm
die alten, die kalten Berichte?
Jetzt trampeln sie wieder auf euern Rechten herum –
erinnert euch meiner Geschichte!“

Die Notwendigkeiten nicht nur das Gedenken hoch zu halten, sondern auch heute nach Wegen des Widerstandes gegen das Erstarken rechter Bewegungen und die Entwicklungen hin zu gesellschaftlicher Härte und Kriegstüchtigkeit zu suchen, wurde in weiteren Redebeiträgen des Offenen Antifaschistischen Treffens Mannheim (OAT) und der Verdi-Jugend hervorgehoben. Trotz der wahrzunehmenden Schwere der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, war auf der Kundgebung auch eine Entschlossenheit spürbar, das Erbe der Personen zu tragen, derer an diesem Tag Gedacht wurde.

Text: DeBe

Bilder: cki