Corona-Pandemie: Inzidenzwert in Ludwigshafen liegt bei 239 / Vorerst keine Anwendung der 15 KM-Radiusbeschränkung / Termine im Impfzentrum bis Anfang Februar ausgebucht / „Wir machen auf“ in Ludwigshafen gescheitert

Dringender Appel der Stadt an niedergelassene Ärzte

Impftermine können ausschließlich nur über die offiziellen Wege vereinbart werden. Das bedeutet über die vorhandenen Möglichkeiten, die seitens der Bundes- und Landesregierung eingerichtet wurden. Oder auch in Ausnahmefällen über die gesondert eingerichtete Hotline der Stadt. KIM hatte berichtet.

Andreas Schwarz (SPD, Erster Beigeordneter) betont bei einem Pressetermin heute: „Auch wenn es uns menschlich leidtut. Es können vor Ort im Impfzentrum generell keine Termine vereinbart werden und ohne einen vorher vereinbarten Termin können und dürfen auch keine Impfungen erfolgen“.

Andreas Schwarz (Bildmitte) – Archivbild

 

Ludwigshafen hat den kritischen Inzidenzwert 200 überschritten – 15 KM Radiusbeschränkung kommt derzeit trotzdem nicht zur Anwendung

Trotz der Überschreitung des kritischen Inzidenzwert von 200 sieht die Stadt Ludwigshafen derzeit noch von der Anwendung der grundsätzlich in der vergangenen Woche zwischen Bund und Ländern vereinbarten Regelung, den Bewegungsradius auf 15 KM, um den Wohnort anzuwenden, ab. Begründet wird dies damit, dass der (erwartete) Anstieg mit dem Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen begründet liegt.

„Dieser Personenkreis weißt in der Regel keine große Mobilität auf. Ludwigshafen ist gekennzeichnet durch viele Berufspendler und weniger bekannt als touristischer Anziehungspunkt“, so Andreas Schwarz in seiner Begründung.

Die Stadtspitze würde weiter in engem Kontakt mit der Landesregierung in Mainz und den Umlandgemeinden stehen, um bei Bedarf nachschärfen zu können.

 

Fast 2.500 Geimpfte / Zweite Impfstrasse in Vorbereitung

Bislang konnten durch drei mobile Impfteams unter Leitung des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) in 11 der 12 unter Kontrolle der Stadt stehenden Pflegeeinrichtungen Impfungen mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff erfolgen. Knapp 1.500 Personen (BewohnerInnen und Pflegepersonal) konnten somit den Impfstoff erhalten. Die Impfbereitschaft beim Personal steigt weiter an. Auch sind schon für den zweiten Impfdurchgang mit allen 11 Einrichtungen Termine für die Nachimpfung vereinbart.

KIM hatte berichtet, dass es in einer Einrichtung vergangene Woche ein erhöhtes Infektionsgeschehen gab. Die Testungen konnten zum Abschluss gebracht werden. Teilweise konnten bis dato auch dort Impfungen in eingeschränktem Umfang stattfinden.

Impfstrasse 1 im Impfzentrum Ludwigshafen (Archivbild)

 

Im Impfzentrum Ludwigshafen wird man, Ramona List (Städtische Impfkoordinatorin) zufolge bis 15.01.21 nach vergebenen Terminen rund 1.000 Personen geimpft haben. Dank einer leicht höheren Verfügbarkeit an Impfdosen liegen die täglichen Impftermine aktuell bei 175 (Vorwoche 170) bei maximal 220 Terminen mit einer Impfstrasse. Dennoch laufen die Vorbereitungen zum Aufbau einer zweiten Impfstrasse. In der Erwartung in absehbarer Zeit deutlich mehr Impfdosen zu erhalten. Der zweite in der EU zugelassene Impfstoff der Firma Moderna wird bereits seit Anfang dieser Woche in der BRD ausgeliefert. In Ludwigshafen glaubt man zu wissen, dass dieser Impfstoff zuerst an Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz gehen wird, die bislang den Biontech-Pfizer-Impfstoff nicht erhielten. Nach aktueller Planung am 14.01.2021 sind sämtliche Impftermine bis 04. Februar 2021 bereits vergeben.

 

Aufruf „Wir machen auf“ am 11.1. wirkungslos / Trotzdem weiter steigende Bußgeldverfahren / Nachverfolgung personalintensiv

In Ludwigshafen verpufft scheinen die Aufrufe der „Querdenkerszene“ zu sein, Geschäftsinhaber trotz geltender Allgemeinverfügungen zur Öffnung ihrer Betriebe in größerem Maße zu bewegen. Martin Graf (Leiter der Ordnungsbehörde) sagt sinngemäß: „Wir haben die Szene weiter im Blick. Seit dem 11.01. konnten im Stadtgebiet keine konzertierten Aktionen festgestellt werden.“ „Ein Gastronomiebetrieb und eine Spielhalle, wurden zuletzt wegen Verstößen auffällig“ und dürften alsbald Bußgeldbescheide erhalten. Eine „kleine Kirchengemeinde“ erhielt wegen einer Zusammenkunft, nach einer Bürgerbeschwerde, wohl nur eine Erinnerung zur Einhaltung der Hygienevorschriften.

Als besonders aufwendig beschrieben wird die Überprüfung der häuslichen Quarantänepflicht aus Sicht der Stadtverwaltung. Häufig käme es vor, dass Personen unter häuslicher Quarantäne nicht zuhause angetroffen wären. Zudem kämen sprachliche Herausforderungen bei der Überpfüfung von MitbügerInnen mit Migrationshintergrund und die aktuell ebenso unter häuslicher Quarantäne stehen hinzu. 134 aktuelle Bußgeldverfahren laufen allein derzeit nur in diesem Teilbereich.

Einwurf:

Möglicherweise könnte sich die Stadt Ludwigshafen, unter Einhaltung sämtlicher Covid19-Bestimmungen dazu aufraffen, öffentlich nach sprachbegabten Menschen zu suchen, die Dolemtscherdienste leisten könnten. Manchmal tut es auch ein bedrucktes Stück Papier in der entsprechenden Sprache, um das Anliegen vorzubringen. Erfahrungen aus 2015/2016, von einem ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer (Autor dieses Berichts)

Ansonsten wird sehr häufig, nach wie vor gegen das Tragen eines Nasen-Mund-Schutz im öffentlichen Raum, sowie gegen die ab 21 Uhr geltende Ausgangssperre verstoßen. Alle festgestellten Verstöße werden mit Bußgeldern geahndet.

 

(Bericht und Fotos: Christian Ratz)